Natsuyuki Rendezvous

Trauer, Drama und die Entdeckung einer neuen Liebe. All diese Gefühle und noch mehr bietet die Animeserie Natsuyuki Rendezvous aus dem Jahr 2012. In elf Folgen erleben die Zuschauer*innen die Welt einer Blumenladenbesitzerin, ihres Angestellten, der Gefühle für sie hegt, und eines Geistes, der zu Lebzeiten mit der Floristin verheiratet war. Bereits durch die Konstellation der Charaktere ist vorprogrammiert, dass die Handlung eher aus tiefgründigen Episoden besteht. Also greift zum Taschentuch und betretet gemeinsam mit Rokka, Hazuki und Atsushi eine Geschichte, die den Prozess des Weiterlebens nach dem Tod aus verschiedenen Perspektiven beschreibt.

   

Ein junger Mann namens Ryosuke Hazuki verliebt sich in die Besitzerin eines Blumenladens. Regelmäßig besucht er sie, schafft es allerdings nicht, ihr seine Gefühle zu offenbaren. Stattdessen kauft er jedes Mal eine neue Pflanze für seine Wohnung. Als Hazuki auf eine Stellenausschreibung aufmerksam wird, beschließt er, im Blumengeschäft einen Teilzeitjob anzunehmen. Alles läuft gut, doch als er Rokka Shimao näher kommt, beginnen Dinge aus ihrer Vergangenheit ans Licht zu kommen. Zwischen Rokka und Hazuki schwebt ihr verstorbener Ehemann, und zwar wortwörtlich. In der Form eines Geistes steht Atsushi Shimao an der Seite seiner Frau und gibt sein Bestes, Hazuki in die Quere zu kommen. Allerdings kann nur Hazuki Atsushi sehen.

Eine Existenz ohne Einschränkungen

Originaltitel Natsuyuki Rendezvous
Jahr 2012
Episoden 11 in 1 Staffel
Genre Drama, Romanze
Regie Kou Matsuo
Studio Doga Kobo

Wer glaubt, dass Rokka und Hazuki als Hauptcharaktere am meisten vertieft werden, wird getäuscht. Zu Beginn weckt der Geist Atsushi den Anschein, als wäre er ein eifersüchtiger Störenfried, der bereit ist, alles zu tun, um andere Männer von seiner Frau fernzuhalten. In den ersten Folgen sorgen die Treffen der drei für komödiantische Szenen, bei denen Rokka allerdings Hazukis teilweise seltsames Verhalten auffällt. Wenn ein Mann eine Frau küssen möchte und plötzlich das Gesicht eines Geistes davor steht, ist es verständlich, weshalb Hazukis Nerven kurz zusammenbrechen. Durch viele Rückblicke in Rokkas und Atsushis Vergangenheit fällt schnell auf, wie sehr sich der Geist von seiner lebenden Form unterscheidet. Atsushi war von klein auf schwach, ohne Ausdauer, durfte nie Sport machen, war kränklich und schließlich durch eine Diagnose eine lange und dort endende Zeit ans Krankenhausbett gekettet. Nun als Geist verzichtet er auf all diese Einschränkungen. Er und Rokka haben jung geheiratet und wurden viel zu früh auseinandergerissen. Noch auf dem Sterbebett bat Rokka Atsushi, bei ihr zu bleiben. Möglicherweise war dies der Auslöser, der den Geist nun an sie bindet.

Ich bin noch da!

Wer erleidet den größeren Schmerz? Derjenige, der einen geliebten Menschen verliert, oder der, der nach dem eigenen Tod weiterhin an der Seite seines Partners verharrt, aber von demjenigen nicht wahrgenommen wird? Durch das Wechseln der Perspektiven lassen sich die Gefühle von beiden Seiten gut beschreiben. Sofort gerät Rokkas Schmerz über den Verlust ihres Ehemanns in den Vordergrund. Auch wenn sie Gefühle für Hazuki entwickelt, empfindet sie es ihrem verstorbenen Mann Atsushi gegenüber als falsch, so, als würde sie ihn betrügen. Bei genauer Betrachtung ist es Atsushi, der ebenfalls ein großes Opfer bringt. Er liebt seine Frau über alles, möchte ihr ein schönes Leben ermöglichen, fühlt sich aber dennoch verletzt, zu sehen, wie sie sich einem anderen Mann nähert und Gefühle für ihn entwickelt. Es fällt Atsushi schwer, seiner Witwe eine neue Beziehung zu gönnen, denn er ist doch da! Die Einsicht, Rokka wieder fröhliche Momente zu schenken und im Zusammenhang loszulassen, kann sich Atsushi nur schwer eingestehen und das Ganze ebenso zulassen.

Ein Griff zum Tachentuch

Zwischen vielen dramatischen Szenen steht die Entwicklung einer Romanze. Da die Beziehung zwischen Erwachsenen entsteht, enthält sie eine ziemliche Reife sowie Tiefgang, besonders, da die Figuren eine enorme seelische Belastung mitbringen. Atsushi ist kein schlechter Kerl. Er ist allein in einer Welt, und der Einzige, der ihn sehen kann, ist derjenige, der in seine Frau verliebt ist. Befasst man sich mit dieser Tatsache, versteht man seine Herangehensweise. Ebenso möchte Hazuki mit der Frau zusammen sein, in die er seit langem verliebt ist. Durch die Arbeit kommen die beiden sich näher und beim ersten Besuch in ihrer Wohnung wird Hazuki mit der Tatsache konfrontiert, das Atsushi nicht nur in Rokkas Kopf sehr präsent ist, sondern auch noch da ist. Zu Beginn erweckt die Handlung den Anschein, als würde Hazuki alles versuchen, Atsushi loszuwerden. Doch im Lauf der Geschichte versucht Hazuki, Rokka glücklich zu machen, und dafür ist er bereit, Abstand zu halten, um auch den verstorbenen Atsushi nicht zu verletzen. Ein Gefühlschaos durch verschiedene Ebenen lässt den einen oder anderen Griff zum Taschentuch erahnen.

Realität oder Traumwelt

Wer Blumen mag, findet sehr viele Schauplätze, die das Herz höherschlagen lassen. Allen voran natürlich den Blumenladen, über dem Rokka ihr Zuhause hat. Da Hazuki, um mit der Eigentümerin ins Gespräch zu kommen, beinahe jeden Tag eine kleine Pflanze gekauft hat, blüht seine Wohnung förmlich auf, wie im Opening zu sehen ist. Während in der ersten Hälfte von Natsuyuki Rendezvous die Geschichte in einer weitestgehend realen Umgebung spielt, betritt Hazuki im zweiten Teil eine Art Traumwelt. Voller pastellfarbener Hintergründe befindet er sich im Inneren eines Universums, welches Atsushi durch Zeichnungen erschaffen hat. Gespickt mit Erinnerungen, die sich in Form von Märchenwesen wie den sieben Zwergen oder Däumeline zeigen. Dieser Blick in den Kopfraum von Rokkas verstorbenem Ehemann wirkt zu Beginn etwas irritierend, trägt aber dazu bei, Atsushis Verhalten zu verstehen. Dieser wiederum erhält durch Hazukis Ausflug die Möglichkeit, noch einmal von Angesicht zu Angesicht mit Rokka zu sprechen. Allerdings in einer anderen Gestalt, wodurch der Körpertausch der beiden Männer den Dramaanteil des Animes deutlich erhöht.

Gefühl in Wort und Bild

Lebhafte Farben, eine starke Betonung der Natur und vor allem die Bedeutung von Blumen und entsprechenden Sträußen und Gestecken. All das wird in der Geschichte aus der Manga-Feder von Haruka Kawachi deutlich gezeigt. Auf Basis des vierbändigen Mangas erschafft Kou Matsuo (Mobile Suit Gundam Thunderbolt) für Studio Doga Kobo den Animes Natsuyuki Rendezvous. In den elf Folgen spielen zum Großteil nur drei Figuren mit, denen erfahrene Sprecher Leben einhauchen. Der ruhige und eher zurückhaltende Hazuki Ryousuke wird verkörpert von Yuuichi Nakamura (Shigure Souma, Fruits Basket) und versucht, die Liebe seines Lebens zu finden. Während ein Ehepaar, das getrennt, aber doch zusammen ist, von Sprechern aufgenommen wird, die sich bereits aus einem anderen Anime kennen. Als Rokka Shimao ist Sayaka Ohara zu hören und in der Rolle ihres Mannes Atsushi Shimao Jun Fukuyama, die in xxxxHOLIC die Hexe Ichihara Yuuko und ihren Angestellten Watanuki Kimihiro sprechen. Ruhige musikalische Klänge untermalen ebenso die sentimentalen und dramatischen Momente, die die Zuschauer in ihren Bann ziehen.

Fazit

Bereits als ich die Inhaltsbeschreibung von Natsuyuki Rendezvous gelesen hatte, war mir klar, dass ich durch diese Handlung ohne Taschentücher bestimmt nicht durchkomme. Ich bin sehr nah am Wasser gebaut und der Stoff ist so emotional, dass ich einfach nicht anders konnte, als zu weinen. Zu Beginn wirkt alles noch wie ein normaler Alltag. Rokka wirkt glücklich und besitzt einen eigenen Blumenladen, der ihr viel bedeutet. Hazuki kaufte früher bei Rokka immer kleine Topfpflanzen, nur um sie ansprechen zu können. Dementsprechend ist sein ganzes Zimmer voller Pflänzchen. Als Aushilfskraft kann er seiner großen Liebe nun so nah sein wie noch nie zuvor. Das alles wirkt wie ein passender Start für eine große Liebesgeschichte. Wenn da nicht ein Geist wäre. Besonders mit dem Auftauchen von Atsushi wurde die Handlung sehr tiefgründig, mit regelmäßigen Rückblicken in die Vergangenheit, als Atsushi noch am Leben war. Humorvolle Szenen zu Beginn haben gepasst, gerade als sich die beiden Männer zum ersten Mal begegnen und Hazuki feststellt, dass er der Einzige ist, der einen Geist sehen kann. Mit dem Verlauf der Handlung fällt der Humor weg und es wird traurig und sehr gefühlvoll. Für mich auf jedenfall ein Anime, bei dem ich Gänsehaut bekomme und voller Gefühle gar nicht gemerkt habe, wie schnell diese elf Folgen vorbei gegangen sind. Die letzte Folge bietet zudem noch eine Überraschung, nämlich einen Zeitsprung, der 42 Jahre in die Zukunft geht. Lasst euch überraschen. Ich kann auf jeden Fall eines sagen: Ich bin dankbar, die Geschichte empfohlen bekommen zu haben, denn so eine gefühlvolle Geschichte rund um erwachsene Menschen habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

© Doga Kobo

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1 Kommentar
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Aki
Aki
2. Mai 2020 14:55

Natsuyuki Rendezvous hat sogar mich zum weinen gebracht.
Die drei Hauptfiguren sind sehr schön aus dem Leben gegriffen und glänzen dadurch, dass auch realistisch reagieren. So sterben Gefühle nicht so einfach ab, aber sie wandeln sich im Laufe der Zeit. Ryosuke Hazuki schloss ich von den dreien am meisten in meine Herz. Es ist schlicht süß, wie er ständig neue Pflanzen kauft und seine Wohnung mittlerweile voll ist und das nur um seiner Herzensdame näherzukommen. Ich wollte daher von Anfang an wissen, ob er Glück haben wird. Doch ganz so einfach ist es ja nicht, nicht wenn der Geist des Ehemanns noch dazwischen Funkt. Hin und wieder gibt es daher sogar mal was zum schmunzeln, doch ansonsten ist es eher eine nachdenkliche Geschichte, bei der sich der Zuschauer auch fragen kann, wie er entscheiden würde.

Was mir beim Design der Figuren echt gut gefallen hat, dass Rokka so kurze Haare hat. Die stehen ihr einfach super gut.

Von mir ein Titel den ich wirklich gerne weiter empfehlen, vor allem auch Leuten die sonst nichts mit Animes am Hut haben.