Jujutsu Kaisen (Staffel 2)

Mit der Anime-Umsetzung des Shounen Jump (Chainsaw Man)-Hits Jujutsu Kaisen sammelte Studio MAPPA zwischen 2020 und 2021 viel Gegenliebe der Fans ein. Schließlich blieb das Drehbuch nah an der Vorlage und in Sachen Animationen gab es kaum etwas zu fluchen. Kein Wunder, dass das Studio Fortsetzungen ankündigte. Nach dem Prequel-Film Jujutsu Kaisen 0 endete im Dezember 2023 die zweite Staffel, welche einen der beliebtesten Abschnitte umsetzte ‒ die Erwartungen waren hoch. Zu Recht blieb die Sorge über eine Enttäuschung. Schließlich gab es innerhalb des Produktionsteams einen großen Wechsel, sodass zum Beispiel Shouta Goshozono (Key Animator bei Fate/Grand Order: Absolute Demonic Front – Babylonia) auf dem Regiestuhl Platz nahm, der bis dahin nie in einer solch hohen Position tätig war. Ob das gut ging?

Suguru Geto, den Satoru Gojo mit eigenen Händen tötete, lebt noch. Genau diese erschreckende Erkenntnis stellt den stärksten aller Exorzisten vor die Frage, was damals während ihrer gemeinsamen Schulzeit schief lief, dass die beiden an so einem Punkt im Leben landeten. Während Gojo in Gedanken einen Rückblick erlebt, schläft das Böse nicht. Im Gegenteil, plant der von den Toten Zurückgekehrte eine Aktion, die Gojo aus dem Verkehr ziehen soll, damit freie Bahn für die Übernahme der Flüche über die Menschen ist. Am 31. Oktober 2018 ist es dann soweit und ein Schleier legt sich über den kompletten Stadtteil Shibuya. Im Inneren entbrennt ein gnadenloser Kampf zwischen Exorzisten, Flüchen und was sonst noch versucht, einen Nutzen aus allem zu ziehen.

Wo ist Yuji?

Originaltitel Jujutsu Kaisen
Jahr 2023
Episoden 23 in Staffel 2
Genre Action, Supernatural, Drama
Regie Shouta Goshozono
Studio MAPPA
Veröffentlichung: 28. Dezember 2023 auf Crunchyroll

Wie schon bei Jujutsu Kaisen 0 fehlt von unserem Hauptakteur Yuji Itadori zu Beginn der Staffel jede Spur. Dafür sehen wir als Ausgleich die älteren Exorzisten in ihren jüngeren Versionen, die allerhand Unsinn anstellen. An sich ja ganz nett, aber ein paar Erklärungen dazu wären nicht schlecht. Im Laufe der nächsten Folgen baut sich zum Glück ein ergreifendes Drama auf, was uns vor allem die Figur Geto sehr nahebringt. Aus dem mysteriösen Mann mit Narbe auf der Stirn wird ein Wesen, das sich zurecht fragt, was gut und böse ist. Die für die Anime-Serie zusätzlich erdachten Szenen tun gerade diesem Part sehr gut. Schließlich gehen Getos depressive Momente richtig unter die Haut. Außerdem wird sein Handeln im Prequel-Film nun umso verständlicher. Allerdings wirft das Ganze auch einige interessante Fragen auf, denn warum wandelt Geto wieder unter den Lebenden?

Das große Gemetzel

Den zweiten großen Abschnitt der zweiten Staffel nimmt der Shibuya-Unfall ein. Dieser wartet dann auch mit einigen der spektakulärsten Kämpfen auf und vor allem mit einigen bösen Überraschungen. So stehen sich hier einige Figuren gegenüber, die es wirklich ordentlich krachen lassen. Vor allem sind es sehr abwechslungsreiche Gefechte, bei denen viele verschiedene Charaktere agieren, die übrigens alle auch an verschiedenen real existierenden Schauplätzen des Stadtteiles stattfinden. Sightseeing mal anders! Der Blutanteil schießt dabei extrem in die Höhe. Was teilweise mit den normalen Menschen passiert, ist nicht ohne, genauso das, was unsere Helden durchmachen müssen. Ebenso fällt auf, dass sich gefühlt ein Kampf an den anderen reiht. Verschnaufpausen gibt es keine. Außerdem interessiert nicht immer jedes Duell, denn von Anfang an ist klar, dass hier auch einmal kleinere Fische mitmischen. Zudem gibt es auch genug Figuren, die einem herzlich egal sind.

Was passiert in Sachen Charakterentwicklung?

Bei den Kämpfen heißt es von einigen sympathischen Figuren Abschied nehmen. Allen voran Yuji macht einiges durch, das wirklich unter die Haut geht, sodass unklar ist, wie er sich im weiteren Verlauf der Geschichte verhält. Wie oder ob er sich nach einigen schlimmen Schlägen wieder aufrappelt, ist eine spannende Frage. Doch bei vielen anderen Figuren vermisst man solche Charakterentwicklungen. Megumi steht zwar einer Person gegenüber, die emotional etwas rütteln könnte. Allerdings verpufft diese Szenerie. Immerhin in Sachen Handlung füllen von Anfang an einige fesselnde Fragen den Raum. Schließlich ist über einen sehr langen Zeitraum nicht klar, ob Getos Plan aufgeht. Jeder Ausgang eines Kampfes verändert die Lage und dass jemand wie Sukuna das Blatt noch einmal gewaltig ändern könnte, steht permanent im Raum. Schließlich ist diese Figur wie ein Joker auf der Hand. Diese Karte zückt das Skript zu einem genialen Zeitpunkt, um alles noch einmal ordentlich durchzumischen.

Von Toilettenprügeleien und gigantischen Feuerbällen

Seong-Hu Park (The God of High School), Regisseur, Storyboard-Schreiber und Key-Animator der ersten Staffel, bewies ein perfektes Händchen für die Umsetzung der Kampfabläufe. Gerade die flüssigen, am Stück folgenden Schlagabtäusche sehen toll aus. Nicht immer finden sich solche in den Konflikten dieser Staffel, denn gerade kleinere Duelle laufen auf einem niedrigeren Animationsniveau ab. Dieses ist nicht schlecht, fällt aber auf, wenn plötzlich ein visuelles Highlight einem die Augen aufreißt. Als sich zum Beispiel Sukuna austobt, bleibt kein Stein auf dem anderen und das sieht einfach genial aus. Im Gegenzug ist das Duell von Yuji gegen Chousou ein Augenschmaus aufgrund der verschiedenen Lichtspiele, die sich in der dunklen Toilette abspielen. Letzterer darf vor allem wie in einem Egoshooter seine Technik abfeuern. Der entstehende Blickwinkel ist einmal etwas anderes.

So sahen wir noch nie einen U-Bahn-Steg

Charakter-Designer Tadashi Hiramatsu (Yuri!!! on Ice) durfte sich bei den jüngeren Versionen der Figuren richtig austoben. Einige davon waren nämlich so nicht in der Manga-Vorlage zu sehen. Doch seine Designs passen. Die vielen neu in der Staffel auftauchenden Figuren setzte er erneut der Vorlage entsprechend um, wobei er die bereits bekannten Gesichter etwas anpasste. Die Kleidung sieht nun weniger glänzend aus, was sie viel mehr wie normalen Stoff aussehen lässt. Im Bereich der Hintergründe lässt sich nichts Negatives ankreiden. Im Gegenteil, es gibt genug Abwechslung. Von dunklen U-Bahngängen, einer Staumauer oder einer modernen Hochhauslandschaft ist alles dabei und das äußerst detailliert.

Abwechslungsreichtum bei Openings und Endings

In Sachen Soundtrack vermischen sich bekannte Lieder mit neuen Stücken. Dabei beweist Yoshimasa Terui wieder ein gutes Ohr, denn die Songs passen immer genau zu den Stimmungen der Szenen. In Sachen Opening und Ending ist auch wieder für jeden etwas dabei, denn das leicht rockige Opening „Ao no Sumika“ von Tatsuya Kitani steht im guten Kontrast zur groovigen-Nummer „SPECIALZ“ von King Gnu. Die beiden Endingsongs schlagen noch einmal in andere Kerben. Diese Stücke gefallen vielleicht nicht jedem, überraschen aber positiv in der Richtung, dass es keine langweiligen ruhigen Pop-Idol-Stücke sind. Die Stimme der Sänger von Hitsujibungaku ist bei dem Lied „more than words“ nur hin und wieder etwas zu hoch. In Sachen Voice Cast bleiben wir von Stimmänderungen verschont. Mit Takehito Koyasu (Zeke in Attack on Titan), als Touji Fushiguro gesellt sich sogar eine weitere Größe aus dem Synchronbereich zur Jujutsu Kaisen-Riege.

Fazit

Die zweite Staffel von Jujutsu Kaisen übernimmt einige Schwächen der Vorlage. Viele aufeinanderfolgende Kämpfe, von denen nicht alle bei Laune zu halten wissen. Und vor allem ein Rückblick-Abschnitt, der plötzlich da ist! Im Gegenzug bessern einige neue Szenen die Stimmungen noch mehr aus, sodass einige Gefühle prägnanter zur Geltung kommen. Allen voran die Figur Geto profitiert sehr davon. Die Handlung bleibt insgesamt spannend. Lange Zeit ist einfach nicht klar, welche Seite gewinnt, welcher Plan aufgeht und welcher Feind endlich die Radieschen von unten zählen darf. Emotional holen die Schicksale der Figuren ab. Alleine Yuji erlebt einige schlimme Rückschläge und sein Gesichtsausdruck kann einen wirklich in ein Kummerloch werfen. Was einige Animatoren hier ablieferten, bewegt sich auf Film-Niveau. Aber halt nicht immer. Jedoch sind die Animationsschwächen nur im sehr kleinen Rahmen vorhanden und fallen kaum ins Gewicht. Dank den abwechslungsreichen Schauplätzen, der passenden Musik und der gewohnt guten Sprecherwahl bleibt kein Raum für größere Kritik.

© Crunchyroll

Aki

Aki verdient ihre Brötchen als Concierge in einem großen Wissenstempel. Nie verlässt sie das Haus ohne Mütze, Kamera oder Lesestoff. Bei ihren Streifzügen durch die komplette Medienlandschaft ziehen sie besonders historische Geschichten an. Den Titel Sherlock Holmes verdiente sie sich in ihrem Freundeskreis, da keine Storywendung vor ihr sicher ist. Dem Zyklus des Dunklen Turms ist sie verfallen. So sehr, dass sie nicht nur seit Jahren jeden winzig kleinen Fetzen zusammensammelt. Nein, sie hat auch das Ziel, alles von Stephen King zu lesen.

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