Hunter x Hunter: The Last Mission

Nach der Produktion von Hunter x Hunter: Phantom Rouge wollte es Studio Madhouse (No Game no Life) nicht einfach nur bei einer filmischen Umsetzung des populären Hunter-Franchises belassen und so entstand noch im selben Jahr unter der Regie von Keiichiro Kawaguchi (Island) der zweite Kinofilm Hunter x Hunter: The Last Mission. Dieser entfernt sich jedoch im Gegensatz zu Phantom Rouge weit vom Manga und erzählt eine Geschichte, die es so in der Vorlage nicht gibt. Dass dies nicht immer gut geht, beweist auch dieser Kinofilm.

Die Hunter-Vereinigung entzweite sich einst in zwei Gruppierungen, die nicht gegensätzlicher sein könnten. Auf der einen Seite die Hunter und auf der anderen die Schatten. Die Schatten decken die dunkle Vergangenheit der Hunter-Vereinigung auf. Dabei haben sie nur ein Ziel: Nämlich einen Rachefeldzug gegen alle Hunter. Die Gefahr, die von ihnen ausgeht, ist groß. Gon und seine Freunde geraten als Hunter ebenfalls in ihr Visier. Dabei muss Gon für seine Freunde bis zum Äußersten gehen …

Neue Feinde, aber viele Schwächen

Originaltitel Gekijouban Hunter x Hunter The Last Mission
Jahr 2013
Laufzeit 98 Minuten
Genre Action, Abenteuer, Fantasy
Regie Keiichiro Kawaguchi
Studio Madhouse

Bei dem Begriff ”Schatten” würden die Fans direkt an die Schattenbestien aus der Serie denken. Jedoch handelt es sich hierbei um neue Gegner, die mit den Schattenbestien nicht viel gemein haben. Zudem spielt in der Geschichte noch eine gefährliche ”ON-Kraft” eine Rolle, die die Gegner einsetzen können. Diese wirkt etwas einfallslos und will sich nicht voll und ganz ins Hunter-Universum einfügen. Obwohl den Schatten eine mehr oder weniger tragische Geschichte verpasst wurde, werden die Zuschauer eher wenig mitfühlen können. Die Schatten führen sozusagen ein Schattendasein, da sie bis zum Ende charakterlich blass bleiben. Als Handlungsort gibt es ein Wiedersehen mit der Himmelsarena, in der sich schon einige Turniere der Serie abgespielt haben. Altbekannte Figuren wie Zushi, Wing, Biscuit, Netero und Hisoka sind dabei, wenn auch diese nicht ganz sinnvoll in die Handlung eingebaut wurden. Dabei könnte die Frage aufkommen, wozu sie überhaupt auftauchen. Schließlich reißen Gon und Killua die meiste Screentime an sich, wodurch alle anderen Figuren nur wenig mit Taten glänzen können. Zudem darf Gon den Helden mimen und die Freundschaft wird wieder aufs Neue betont.

Ständiges hin und her

Gon und seine Freunde mussten sich einigen schrägen Typen im Kampf stellen. In diesem Film fällt besonders der hektische Szenenwechsel auf. Sicherlich will das Drehbuch etwas Spannung aufbauen, aber dies ging größtenteils nach hinten los. In der Handlung findet sich nicht genug Zeit, um eine vernünftige Verbindung zwischen den Figuren und dem Publikum aufzubauen. Den größten Feind stellt die Spielzeit des Kinofilms dar, die nicht mehr als das hergibt. Des Weiteren ist es erstaunlich, wie wenig Screentime Leorio als Hauptcharakter der Serie eingeräumt wird. Wieder wurde es nicht geschafft, ihn sinnvoll in die Geschehnisse einzubauen. Zwar gibt es eine nennenswerte Szene, in der er Kurapika nochmals mental wachrütteln darf, aber das ist auch schon alles. Wenigstens wurde hier die gute Chemie zwischen Kurapika und Leorio weiter ausgebaut, um etwas Positives zu nennen. Am Ende erlaubte sich Studio Madhouse noch eine humorvolle Szene, in der Leorio zu seinen Freunden sagt: ,,Hallo, mich gibts übrigens auch noch. Immer werde ich von allen ignoriert.” Für Fans werden die Worte Leorios doch eher zum Schlag ins Gesicht, als wirklich lustig klingen. Damit wird der Eindruck erweckt, als würde Leorio nur nebenbei existieren und nichts zur Geschichte beitragen. Dies sollte bei einem Hauptcharakter nicht passieren.

Diesmal ganz ohne Vorlage des Originalautors

Hunter x Hunter: The Last Mission spielt sich zeitlich nach dem ”Greed Island Arc” und noch vor dem ”Chimera Ant Arc” der Serie ab. Allerdings sei hier zu beachten, dass der Mangaka Yoshihiro Togashi (Yu Yu Hakusho) nicht involviert ist und es sich daher um eine Original-Story handelt, die so nur im Film vorkommt. Dadurch ist es unklar, ob diese Geschichte überhaupt zum Hunter-Universum gehört oder getrost ignoriert werden kann. Als Hauptantagonist, der die Schatten anführt, taucht ein vollkommen neuer Charakter namens Jed auf, der eine Verbindung zu Netero aufweist. Aber wirklich überzeugen kann er in der Handlung nicht und so reiht er sich neben Omokage aus Hunter x Hunter: Phantom Rouge zu den schnell wieder vergessenen Bösewichten ein. Nebenbei wird den Fans von Kurapika etwas Fanservice geboten, denn im Film ist er nicht nur im schwarzen Anzug zu sehen, sondern in einigen Szenen kommen wieder seine scharlachroten Augen animationstechnisch bestens zur Geltung. Der Outfit-Wechsel lässt sich aber leicht erklären, denn er hängt mit seiner Tätigkeit als Bodyguard der Mafiafamilie Nostrade zusammen. Diese Arbeit wird von ihm schon in der Serie ausgeübt und stellt dadurch nichts Ungewöhnliches dar.

Etwas ist anders

Keiichiro Kawaguchi weist schon den dritten Regisseur auf, der am Hunter x Hunter-Franchise bei Studio Madhouse arbeitete. Vor ihm waren es schon Hiroshi Koujina (Rainbow: Die Sieben von Zelle Sechs) und Yuzo Sato (One Outs). Damit löste Keiichiro Kawaguchi Yuzo Sato vom Regiestuhl ab, indem er am zweiten Film mitwirken durfte. Wie bei Phantom Rouge finden sich Schwächen im Drehbuch, die hier jedoch noch deutlicher werden. Es entwickelt sich weder Spannung noch eine gescheite durchdachte Geschichte. Zwar gibt es ein Ziel, nämlich den Schatten das Handwerk zu legen, aber der Weg bis dahin fühlt sich mühselig an. Ansonsten sind beim zweiten Film alte Bekannte mit von der Partie. Der Soundtrack stammt wieder von Yoshihisa Hirano (Death Note), wie es die Fans schon vom Titel gewöhnt sind. Am Ende der filmischen Umsetzung wird noch der Song ”Hyori Ittai” der Band Yuzu gespielt. Dieser wird nochmals verwendet, denn er ist gleichzeitig das fünfte Ending der Serie von 2011.

Fazit

Dadurch, dass Hunter x Hunter: The Last Mission keiner Vorlage von Yoshihiro Togashi zugrunde liegt, waren meine Erwartungen von Anfang an nicht sonderlich hoch. Wenn ich die Produktion mit etwas vergleichen müsste, dann sozusagen mit einem Schiffbruch. Das Feeling aus dem Hunter-Universum kommt hier einfach nicht auf. Viel mehr fühlt es sich fremd und nicht dazugehörend an. Während der erste Film Phantom Rouge noch recht genießbar ausfällt, ist dies bei The Last Mission nicht der Fall. Am Ende wurde zu viel Potenzial verschwendet, um einen wirklich guten Hunter x Hunter-Film auf die Leinwand zu bringen. Er stellt ein nettes Zusatzmaterial für zwischendurch dar, welches nur wenig Lust zum Wiederschauen weckt. Daher besonders für Neueinsteiger nicht zu empfehlen, denn da ist man mit der Serie besser beraten.

© KSM Anime


Im Handel erhältlich:

Alva Sangai

Alva Sangai beschäftigt sich in ihrer Freizeit gerne mit Medien verschiedenster Art. Egal, ob Serien, Filme, Anime oder Manga. Dabei spielt es keine Rolle aus welchem Land die Produktionen stammen, denn Alva ist da sehr weltoffen. Des Weiteren hört sie gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee oder ein Cappuccino darf dabei natürlich nicht fehlen. Nebenbei beschäftigt sich Alva mit den vielen Funktionen von Clip Studio Paint EX, denn sie möchte sich in der Zukunft an einem Web-Comic versuchen. Der Name Alva Sangai setzt sich aus dem Vornamen der Protagonistin ihrer ersten längeren Geschichte, sowie ”Sangai”, Hirschen die nur in Manipur (Indien) zu finden sind, zusammen. Sangai spielt also auf ihre Bollywood-Artikel an.

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