Given

Was bedeuten Gefühle? Given ist eine Geschichte über Liebe. Aber nicht nur über die Liebe zwischen zwei Menschen, sondern auch die Liebe zu Freunden, zur Musik und besonders zu sich selbst. Mit ihrem Werk ist Mangaka Natsuki Kizu (Links) eine Überraschung gelungen, denn die Handlung stellt das Genre Boys Love nicht in den Mittelpunkt. Stattdessen rückt sie vier Bandmitglieder in den Mittelpunkt, die gemeinsam Musik machen möchten und langsam Gefühle füreinander entwickeln. In Deutschland wird die noch nicht abgeschlossene Manga-Vorlage vom Egmont Verlag veröffentlicht, welche 2019 von Studio Lerche (Assassination Classroom) in animierter Form umgesetzt wurde. Dank Kazé Anime ist der erfolgreiche Titel nun auch auf Deutsch zu erwerben. Gespannt werfen wir einen Blick in die Gefühlswelt der vier jungen Männer und wie sie ihren Alltag mit dem Thema Liebe meistern.

   

Oberschüler Ritsuka Uenoyama zieht sich in den Pausen gerne zurück. Als er seinen geheimen Schlafplatz, eine Treppe in der Schule, erreicht, muss er feststellen, dass ein Mitschüler ihm zuvorgekommen ist. Der zurückhaltende Mafuyu schläft mit einer Gitarre im Arm. Ritsuka bemerkt das hochwertige Instrument und als begeisterter Musiker und Bandmitglied bietet er Mafuyu an, die Saiten der Gitarre zu reparieren. Zudem möchte Mafuyu lernen zu spielen. So sehr sich Ritsuka anfangs sträubt, gibt er irgendwann nach und nimmt den Neuling mit zu einer Bandprobe. Die Band besteht zudem aus dem Musikstudenten und Schlagzeuger Akihiko und dem ebenfalls studierenden Bassisten Haruki. Sie nehmen Mafuyu auf, der fleißig übt, sich ständig weiter entwickelt und verborgene Talente im Gesang und Songwriting offenbart.

Ein langer und beschwerlicher Weg

Originaltitel Given
Jahr 2019
Episoden 11
Genre Drama, Romanze, Boys Love
Regie Hikaru Yamaguchi
Studio Lerche
Veröffentlichung: 2. Dezember 2021

Ein Weg von jemandem, der eine Gitarre in der Hand ohne Musikkenntnisse hält bis zum Bandmitglied kann langwierig sein. Dadurch entwickelt sich die Handlung zu Beginn langsam aber stetig. So werden Zuschauende Zeugen davon, wie Mafuyu lernt, Gitarrensaiten zu spannen und das erste Mal einen Ton spielt. Für alle Gitarrenneulinge ist es interessant zu sehen, was alles von Nöten ist, um dieses Instrument zum Klingen zu bringen und einen Song zu spielen. Mafuyu wirkt zu Beginn noch unmotiviert und lässt niemanden an sich ran. Einzig Ritsuka weicht er nicht von der Seite, da er unbedingt das Gitarrenspiel lernen möchte. Sowohl in Manga als auch in der Anime-Serie lässt die Geschichte allen Figuren Zeit um sich zu entwickeln. Für einige könnte sich diese Phase etwas in die Länge ziehen, für andere bietet sich die Möglichkeit, gemeinsam mit den Charakteren die teils traumatischen Geschehnisse zu verarbeiten. Des Weiteren können aufkeimende Gefühle und dadurch verbundenes Chaos von Beginn an beobachtet werden.

Vier Musiker, ein Team

Die Serie bietet eine Vielfalt an Emotionen, die von den Charakteren verborgen werden. Ritsuka tut sich schwer damit, Gefühle ins Gitarrenspiel zu übertragen, um mit dem Herzen zu spielen. Ebenso will er seine Empfindungen für Mafuyu nicht wahrhaben. Die Angst dominiert ihn stellenweise. Vom Schmerz gebeutelt ist Mafuyu durch den Tod seines Freundes Yuki. Er weiß nicht, wie er dies verarbeiten soll, um sein Leben wieder in Gang zu bekommen. Ein großer Punkt hierbei sind die Musik und Yukis Gitarre, die Mafuyu umklammert. Auch die anderen Bandmitglieder tragen schweres Gepäck mit sich. Haruki ist in Akihiko verliebt, behält seine Gefühle zum Schutz der Freundschaft jedoch für sich. Akihiko wiederum ist emotional angeschlagen und braucht seine Freunde mehr denn je. In der Anime-Adaption wird die Beziehung der beiden nicht eingehend erforscht. Dafür gibt es einen gleichnamigen Film, der einen Blick auf ihre Lebensumstände wirft. Alle vier Bandmitglieder interagieren mit Einfühlungsvermögen, aber auch Direktheit. Im Verlauf werden die Gefühle immer greifbarer, wodurch die Ernsthaftigkeit, was ihre Liebe zueinander betrifft, bestätigt und somit  glaubwürdig wird. Für Zuschauende, die das Genre Boys Love eher meiden, bietet Given einiges mehr, denn der entsprechende Genre-Anteil ist gering gehalten und nicht übertrieben.

Musik mit dem Herzen

Wenn Musiker es schaffen, ihre Gefühle durch ihre Klänge und Gesänge zu übermitteln, dann haben sie alles richtig gemacht. So spielt in einer gefühlvollen Serie wie Given Musik eine Hauptrolle. Die Songs und Melodien wurden komponiert von Michiru (7 Seeds). Zudem ist jeder der elf Episodennamen ein Songtitel einer bekannten Band, die sich unter anderem für die Rechte Homosexueller einsetzt. Die Musik ist in jedem Fall stimmig eingearbeitet, sowohl ohne als auch mit Gesang. Die Geschichte nimmt sich Zeit, um die Entstehung eines Songs zu zeigen. Von der Idee übers Komponieren bis zum Text und schließlich zur großen Premiere. Dadurch steigt die Spannung immer mehr, am Ende wirklich das Gesamtpaket am Stück hören und genießen zu dürfen. Was von Mangaka Natsuki Kizu detailreich auf Papier gebracht wurde, setzte das ausführende Studio Lerche getreu um. Die Animationen sind zu Beginn sparsam eingesetzt, wenn es um den Schul- und Arbeitsalltag geht. Sobald die Musik, Bandproben und Konzerte hinzukommen, kommt Abwechslungsreichtum in Sachen Animationskunst ins Spiel, sodass nicht nur in den Charakteren, sondern auch bei den Zuschauenden das Herz schneller schlägt. Warme und angenehme Farbspiele sorgen für Wohlfühlmomente. Ein stimmiges Gesamtpaket aus Bild und Ton.

Plötzlich beginnt er zu singen

Mit insgesamt drei Volumes in einem Sammelschuber veröffentlicht Kazé Anime die Serie hierzulande. Viele Extras sind enthalten: So gibt es als Bonus neben einem Booklet ein Artbook, ein Poster, eine Illustrationskarte, einen Sticker und für wahre Gitarrenfreunde ein Plektrum. Die schallplattenähnliche Verpackung ist komplett plastikfrei gehalten. Neben der japanischen Vertonung können auch die deutschen Synchronsprecher überzeugen. So agieren Nicolás Artajo (A Silent Voice) und Jannik Endemann (Haikyu!!) als Mafuyu und Ritsuka perfekt miteinander. Und auch hinter Haruki und Akihiko stecken mit Rainer Fritzsche (Digimon Adventure tri.) und Nico Sablik (One Punch Man) bekannte Namen. Auch die japanische Gesangsstimme von Mafuyu fühlt sich in der deutsche Synchronversion angenehm an. Das Zusammenspiel von Bild, Klängen, Gesang und Stimmen ist sowohl im Japanischen als auch im Deutschen gelungen und darf sich sehen lassen.

Fazit

Vier Jungen, die in einer Band spielen und versuchen erfolgreich zu werden. Given ist weit mehr als das. Eine Serie, die sich hauptsächlich den großen Emotionen widmet. Sachlich wird erzählt, dass Liebe einfach Liebe ist, geschlechtsunabhängig. Die Gefühle zwischen Mafuyu und Ritsuka entwickeln sich stetig weiter, sind offen zu sehen und glaubwürdig. Alle vier Männer pflegen eine entspannte Beziehung zueinander, ohne zu übertreiben. In vielen Szenen rückt das Thema Liebe unter Männern sogar in den Hintergrund und im Fokus stehen Freundschaft und Musik. Angenehm ist, dass nicht alle Charaktere noch zur Schule gehen, sondern durch Haruki und Akihiko zwei junge Studenten eingebaut wurden, die etwas mehr Lebenserfahrung besitzen und in einigen Situationen erwachsener handeln. Sie bilden ein Gegenstück zu Mafuyu und Ritsuka. Die beiden sorgen auch mit Hänseleien für Spaß, stehen voll hinter ihren Kollegen und geben Ratschläge in verschiedenen Situationen. Mit viel Liebe zum Detail schafft es die Produktion auch mal nur mit Bildern und ohne gesprochene Worte die Geschichte zu erzählen. Langsam pflastern dann die Hintergrundmusik und die Proben den Weg zur Band. Fehlt nur noch ein Name.

© Kazé Anime


Veröffentlichung: 2. Dezember 2021

Sapamo

Sapamo liebt Geschichten aller Art. Für die nah am Wasser gebaute Romantikerin steht das Thema Liebe in Erzählungen ganz weit oben. Seien es Romane, Manga oder Anime. Nachdem sie tagsüber jede Menge Bücher der unterschiedlichsten Art in Regale oder auf Bücherwagen gelegt hat, entspannt sie sich abends gerne mit einer guten Lektüre. Gerne lässt sie auch einen kleinen weißen Ball über die Platte hüpfen und genießt den Besuch eines Musicals.

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