Dimension W

Lesezeit: 5 Minuten

X, Y, Z sind die Marker der drei Dimensionen des Raums. Aber das Universum hat sicher mehr auf Lager? In der nahen Zukunft von Dimension W stellt das Potential die vierte Achse dar, dessen Entdeckung die Welt revolutionierte. Doch freilich kommt technologischer Fortschritt immer auch mit Gefahren. 2016 schlug erstmals der Manga Dimension W aus der Feder von Yuji Iwahara (König der Dornen) in deutschsprachigen Gefilden ein. Im selben Jahr erschien in Japan eine Anime Adaption der ersten Bände, die Kazé seit Herbst 2018 ebenfalls dem deutschen Markt bereitstellt.

  

Dimension W, das ist die vierte Dimension, die Dimension des Potentials. Mithilfe sogenannter Coils kann man schier endlos Energie daraus ziehen. Im Jahre 2071 unterliegen alle legalen Coils der Kontrolle durch New Tesla Energy. Doch gibt es auch noch alte illegale Coils, die vor allem aus der ersten Zeit der Coil-Technologie stammen. Auf diese macht der Ex-Soldat Kyouma Mabuchi Jagd. Er ist ein Sonderling, der die Coil-Technologie ablehnt. Bei einer Jagd läuft er auf Mira Yurizaki, einer verblüffend menschlich wirkenden Androidin, über den Weg. Deren “Vater” war kein Geringerer als der verschollene Schöpfer der Coil-Technologie, der einst von New Tesla fallen gelassen wurde. Zusammen spüren sie weiter illegale Coils auf, denn auf deren Spuren finden sich für Mira auch Hinweise auf den Verbleib ihres Vaters.

Ansätze eines spannenden Science-Fiction-Mystery-Fundaments

Originaltitel Dimension W
Jahr 2016
Episoden 12
Genre Science-Fiction, Action
Regisseur Kanta Kamei
Studio Orange, Studio 3Hz

Das Setting gestaltet sich mit einer ambivalenten Prämisse: Der Nutzen der Dimension W ist mit einer nicht erschöpfenden Energiequelle auf den ersten Blick ersichtlich. Doch so reizvoll die neuen Möglichkeiten sind, so weitreichend sind auch die sozialen Folgen und die Abhängigkeit in die sich die Menschen begeben. Vor allem ist diese Dimension W nach gerade einer Generation von Wissenschaftlern noch nicht sonderlich ausführlich erforscht. Wirtschaftlich hält New Tesla Energy die Kontrollzügel der Coil-Technik in der Hand. Es ist eine große Organisation, die alles überwacht und dadurch auch entsprechende politische Macht vorhält. Ein freier Markt wird nicht zugelassen. Doch andererseits ist das auch begründet, denn Coils, die sich der Kontrolle von New Tesla Energy entziehen sind hochgefährlich. Die Auswirkungen und Gefahren der Dimension W werden von New Tesla Energy allerdings vor der Öffentlichkeit geheim gehalten. Darüber geht die Firma bisweilen sogar über Leichen, wie Professor Yurizaki mit dem Tod von Frau und Tochter selbst erleben musste. Welche Forschungen und Erkenntnisse hat der einstige Pionier im Verborgenen zu Tage gebracht? Geht es ihm um Rache? Welche Rolle spielt dabei Mira, die wohl insgeheim fortschrittlichste Androidin der Welt? Mabuchi derweil muss sich trotz seiner Abneigung gegen die neue Technik nach und nach eingestehen, dass er mit seiner Vergangenheit viel tiefer in all die Intrigen und Manöver verwickelt ist, als ihm lieb ist.

Eilig durch die ersten Handlungsbögen mit Action-Fokus

Betrachtet man den Anime als eigenständiges Werk, scheint ihm klar die Zielgerade zu fehlen. Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Aspekt der neuen Technologien werden in einem Handlungsbogen mit den Kindern und dem Bildungssystem, dem sie unterliegen gestreift, aber später nicht mehr aufgegriffen. Daher wirken sie nur wie ein Plot Device, um die Großmutter eines der Kinder einzubringen, die zwar eine führende Rolle bei New Tesla Energy, im Rahmen der ersten Handlungsbögen aber gar nicht wirklich viel zu tun hat. Da es sich bei dem Manga noch um eine laufende Publikation handelt und die Serie auch nur die Anfänge adaptiert, ist er weit davon entfernt, das große übergreifende Mysterium aufzulösen, das mit Professor Yurizaki und Miras Existenz ins Rollen gebracht wird. Die verschiedenen Handlungsbögen wirken recht episodisch. Während bei genauer Betrachtung sichtbar wird, dass sie alle Puzzlestücke für ein größeres Bild sind, rast der Anime über viele Details und Charakterentwicklungen schnell hinweg, um möglichst bald zu dem zu kommen, das bei allen Geschichten der Adaption am prominentesten pointiert wird: Das Actionspektakel. Für solches geben die tödlichen Gefahren der Dimension W auch genug Material her. Da der letzte Arc, den der Anime adaptiert, vor allem der ist, in dem Mabuchi sich seiner Vergangenheit und seinem Trauma stellt, ist er zumindest bzgl. Mabuchis Charakterentwicklung einigermaßen abschließend. Auf mehr ist die Produktion in ihrer dramatischen Spannungskurve anscheinend auch nie ausgelegt worden, da sie in allen anderen Aspekten den Hahn zudreht. Doch für Mabuchis Charakterdrama sind viele der anderen Geschichten (oder gar in vielen Fällen Mira selbst) nicht wirklich relevant. Infolgedessen erweckt die Adaption mitunter den Eindruck, dass einem nichts Halbes und nichts Ganzes präsentiert wird.

Diese Serie ist noch so ein Exemplar jener Titel, die man in die Kategorie reines Promotionsmaterial für die Vorlage verbuchen kann. Eine abgeschlossene Geschichte sollte man definitiv nicht erwarten, ebenso wenig vermutlich eine Fortsetzung, da dafür eine Menge gesellschaftlicher und grundliegender Science-Fiction-Aspekte viel zu kurz kommt. Schlecht ist die Produktion aber keinesfalls. In vielen Sequenzen ist sie ausgesprochen gut animiert. Das beinhaltet nicht nur Actionszenen, sondern auch Charakterbewegungen (vor allem im Opening und Ending). Miras quirlige Art, die sich kaum von Menschen unterscheiden soll, kommt dabei recht gut heraus, auch wenn sie in der Bewegtbildpräsentation auf den ersten Blick stellenweise für Fanservice missbraucht zu werden scheint. Auch das Charakterdesign erscheint mir im Anime etwas markanter und konsistenter als der Manga es zu Beginn noch ist, ehe sich über die laufenden Bände die kleineren Stildetails etablieren. Recht regelmäßig gibt es auch Regie-Eigenheiten zu sehen, wie etwa die Figuren in einzelnen Frames hervorzuheben, indem man sie auf einen einfarbigen Hintergrund mit flachem Schatten stellt. Alles in allem lässt sich Dimension W als Anime am ehesten als ausgedehnter Trailer anschauen, durch den man in eine Welt reinschnuppern kann, die sich in der Vorlage hinterher als noch sehr viel ausgefeilter herausstellt.

Zweite Meinung:

Fans von Darker than BLACK sollten unbedingt ein Auge auf Dimension W werfen. Die Serie bringt dieselben Qualitäten, allerdings auch dieselben Schwächen mit. Das Potenzial der Serie ist immer wieder spürbar, doch sonderlich ausgeschöpft wird es nicht und ehe man sich versieht, ist auch schon wieder alles vorbei. Kyouma ist ohne Zweifel ein cooler Charakter, während der restliche Charaktercast hingegen vollständig austauschbar ist. Die Ansätze sind da, die Hauptfigur passt auch und das Opening ist klasse. Selbst der Gewaltpegel überrascht angenehm. Doch als großes Ganzes handelt es sich um ein halbgares Produkt, das ebenso schnell vergessen wie konsumiert ist.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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