Carole & Tuesday

Was verbindet zwei Mädchen aus vollkommen unterschiedlichen Verhältnissen? Richtig, die Musik! Zumindest gilt dies für Carole und Tuesday, die sich durch ihre gemeinsame Liebe zur Musik anfreunden und beschließen, fortan zusammen aufzutreten. Die 24-teilige Animeserie Carole & Tuesday aus dem Hause Bones (My Hero Academia) wurde 2019 im japanischen TV gesendet und noch im selben Jahr in zwei Teilen international auf Netflix veröffentlicht.

   

50 Jahre nach Kolonisierung des Mars reißt die 17-jährige Tuesday Simmons aus ihrem wohlhabenden Leben als Tochter einer Politikerin aus. Nur mit ihrer Gitarre im Gepäck, geht sie nach Alba City und trifft dort Erdenflüchtling Carole Stanley, von deren Pianospiel sie sofort fasziniert ist. Die Mädchen freunden sich an und beschließen, zusammen als Duo Carole & Tuesday ihrem Traum, große Musiker zu werden, zu folgen.

Zwei gegensätzliche Protagonistinnen?

Originaltitel Carole & Tuesday
Jahr 2019
Episoden 24 (in 1 Staffel)
Genre Drama, Musik
Regie Shinichiro Watanabe
Studio Bones
Seit August 2019 auf Netflix verfügbar

Eigentlich sind Carole und Tuesday das polare Gegenstück voneinander, zumindest mit dem reinen Blick auf ihre Lebensumstände. Tuesday ist ein wohlhabendes Mädchen, das mit ihrer Mutter und ihrem Bruder zusammenlebte, während Carole alleine in einer alten Lagerhalle wohnt und als Waisenkind und Erdenflüchtling nie so etwas wie eine Familie hatte. Das sind aber nur rein oberflächliche Unterschiede, denn die beiden harmonieren sofort und werden schnell beste Freundinnen. Die unterschiedliche Herkunft wird nicht zu einem Konflikt aufgebauscht, sondern stattdessen liebevoll eingearbeitet, etwa wenn Tuesday absolut keine Ahnung davon hat, wie man denn putzt. Der Weg von zwei unbekannten Mädchen mit Affinität zur Musik zum bekannten Pop-Duo ist natürlich nicht leicht, zum Glück finden Carole und Tuesday in Gus Goldman einen Manager, der das Talent in ihnen sieht. Gus ist zwar schon länger kein Manager mehr gewesen und hat die letzten Jahre am liebsten mit einem ordentlichen Whiskey in der Bar verbracht, unterstützt die beiden jungen Frauen aber mit Leibeskräften. Support erhalten sie auch von dem introvertierten jungen Programmierer Roddy, der mit dem Hochladen einer Aufnahme von Carole und Tuesday auch den ersten Schritt für ihre Karriere legt.

Interessante Figuren in einem einzigartigen Setting

Die Figuren des durchaus diversen Casts sind eindeutig das Herz der Serie. Carole und Tuesday treffen immer wieder mit dem 17-jährigen Kinderstar Angela Carpenter zusammen. Um nicht wie einst ihre Mutter im Erwachsenenalter an Popularität zu verlieren, möchte sie eine Sängerin werden – sie verkörpert den wohlbekannten Fall des Kindes, das den Traum seiner Eltern leben soll, schließlich ist ihre Mutter ihre Managerin und drängt sie stets dazu, für ihre Karriere wenn nötig alles zu opfern. Um ihr Ziel zu erreichen, arbeitet Angela mit dem Musikproduzentin Tao zusammen, ein geheimnisvoller Mann, der nur wenige Emotionen zeigt. Ihre Geschichte ist gleichzeitig auch die Tragischste, die mit einer Tablettensucht und einem Zusammenbruch auf der Bühne ihren Höhepunkt erreicht. Viele interessante Nebenfiguren runden den Cast ab. Positiv fällt sowieso auf, dass keine der Figuren wirklich eindimensional wirkt, sondern alle durchaus facettenreich auftreten.

Kein typischer Anime

Carole & Tuesday kommt sehr erfrischend herüber. Durch das Setting auf dem Mars und die größtenteils englischen Songs fühlt sich die Serie auch eher westlich an, weswegen sie auch etwas für Zuschauer ist, die sonst nicht unbedingt Interesse an Animes haben. Die Themen, die angesprochen werden, sind jedoch universell. Insbesondere die sich zuspitzende Handlung um den Politikerwahlkampf von Caroles Mutter, die mit populistischen Parolen gegen Erdenflüchtlinge hetzt, erinnert natürlich unweigerlich stark an die Flüchtlingsdebatten, die seit Jahren in vielen Ländern herrschen. Schön ist dabei aber, dass der Anime sehr bodenständig ist. Der erste Auftritt von Carole und Tuesday als Vorband bei einem Festival endet mehr als Enttäuschung und sie werden von den vielen Menschen nicht innerhalb kürzester Zeit als neue Musik-Genies gefeiert. Stattdessen erleiden sie auch immer wieder Rückschläge und machen Bekanntschaft mit den Problemen der Musikindustrie, etwa mit kritischen Verträgen, aber auch mit obsessiven Fans. Auch als Carole wieder nach Hause verschleppt wird, löst sich dies erfrischend schnell weider auf und die beiden Freundinnen sind wieder vereint.

Nur ein Ausschnitt aus einer faszinierenden Welt

So schön die Geschichte mit ihren verschiedenen Charakteren ist, so sehr ist es bedauerlich, dass dann doch einiges Potenzial auf der Strecke bleibt. Es tut der Serie zwar einerseits gut, dass sie sich auf ihre Geschichte konzentriert und nicht mit zig Nebenhandlungen den Fokus verliert, andererseits ist das eben auch schade, hätte das Setting doch noch so viel mehr hergeben können. Ein Beispiel hierfür ist die Tatsache, dass sowohl Angela als auch Tao sogenannte “Designer-Babys” waren, das aber nur am Serienende kurz erwähnt wird oder aber die Frage wie genau es nun auf der Erde aussieht, es lässt sich nur stark vermuten, dass sie vom Krieg zerstört worden ist. Immerhin sind die kleinen Nebenhandlungen immer überzeugend, wirken nie übertrieben, sondern fügen sich nahtlos ein. Das Treffen von Carole mit ihrem Vater wird zum Beispiel nicht überdramatisiert, sondern stattdessen emotional umgesetzt, ohne dabei zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken.

Ein Augen- und Ohrenschmaus

Ohne Frage bietet Carole & Tuesday eine weite Auswahl an wunderschönen Songs, die von der emotional aufgeladenen Ballade bis zum üblichen Pop-Song gehen, der ein oder andere Song ist dabei auch ein wahrer Ohrwurm. Auch die beiden ruhigen Openings „Kiss Me“ und „Hold me Now“ gefallen, ebenso wie das erste Ending „Polly Jean“ und das zweite, deutlich energiegeladene Ending „Not Afraid“. Die Episodentitel sind Titel berühmter, tatsächlich existierender Songs. Das Ganze wird durch die zusätzlich beeindruckenden Animationen und dem schönen Charakterdesign zu einem wahren Augen- und Ohrenschmaus.

Fazit

Mir gefällt Carole & Tuesday ausgesprochen gut, was sowohl an der wundervollen Musik als auch an den großartigen Charakteren liegt. Die Serie braucht ein paar Episoden gebraucht, bis sie wirklich in Fahrt kommt, aber daraufhin konnte ich sie auch kaum noch abschalten. Angela gefällt mir überraschenderweise sogar besonders gut.  Sie mag zwar nicht unbedingt als sympathischer Charakter angelegt sein, aber ihre Geschichte hat mich besonders berührt. Der Moment, wenn sie mit Carole, Tuesday und all den anderen den Song “Mother” singt, nachdem ihre eigene Mutter gerade erst gestorben ist, ist zudem einfach nur absolut großartig, insbesondere durch die absolut passenden Lyrics. Mir sind bei diesem letzten Song tatsächlich auch die Tränen gekommen. Das Setting auf dem Mars gefällt mir so gut, dass ich vermutlich noch dutzende Folgen den Charakteren beim Interagieren hätte zuschauen können. Aber dafür ist der Anime immerhin ausgesprochen rund. Wer Musik mag und Lust auf eine eher ruhige Geschichte mit vielseitigen Charakteren hat, sollte der Serie auf jeden Fall eine Chance geben.

© Bones, Netflix

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Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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2 Comments
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Alva Sangai
23. Juni 2020 16:05

Das Setting auf dem Mars überrascht mich. Hab hier mit sowas nicht gerechnet. Ist auf jeden Fall auch noch ein Titel den ich mir mal anschauen möchte. 😀 Einer der Hauptgründe ist einfach die gute Musik XD

Aki
Aki
23. Juni 2020 21:16

Ich habe den Anime Anfang des Jahres zusammen mit zwei Freundinnen an einem Wochenende angeschaut. Wer einmal anfängt, mag halt auch nicht so einfach aufhören.

Ich war auch überrascht, dass die Handlung auf dem Mars spielt. Was aber auch Anfangs nicht so eine große Rolle spielt. Störte mich aber auch nicht, weil die Geschichte einen angenehmen Fluss hatte, dass ich mich mit anderem mehr beschäftigt habe. Gerade die beiden Heldinnen sind sehr sympathisch, weil sie wie aus dem Leben gegriffen sind. Unser heimlicher Held war dann noch Roddy, der einfach so ein gutes Herz hat und dann doch immer nur der gute Kumpel bleibt. Ach ja Roddy. Ansonsten konnten wir uns nicht mehr halten wenn Ertegun mal wieder im Bild war XD Gott der Kerl ist eine Nummer für sich aber er bessert sich ja noch.

Besonderes Highlight ist hier natürlich die Musik. Ich mag viele der Lieder, obwohl ich normal mehr im Rock Bereich unterwegs bin. Ich mag vor allem das Stück, das Roddy mit der Kamera aufnimmt. Also ihr Markenzeichen Lied, wenn ich das so nennen kann ^^’

Die deutsche Sprachfassung kann ich empfehlen. Die Stimmen haben sehr gut gepasst und es lag viel Gefühl in den Stimmen, was mir hier auch wichtig war, weil es ja auch viel um Emotionen geht.

Übrigens: Hinter dem Anime steckt ein Herzenstitel. Bones hat ihn als Jubiläums-Projekt (20 Jahre bestehen des Studios) produziert und es steckt auch ein Anime-Only Titel dahinter, der auf keiner Vorlage basiert (War früher oft ein Markenzeichen von dem Studio). Mit Shinichiro Watanabe steckt ja vor allem der Mann hinter Cowboy Beebob dahinter, was alleine viele Anime-Fans neugierig gemacht hat und auch erklärt, warum Musik hier eine so wichtig Rolle spielt.