Avengers Confidential: Black Widow & Punisher

Black Widow und Punisher. Zwei der am meisten unterschätzten Marvel-Helden in einem gemeinsamen Film. Bis 2014 klang dies nach Wunschdenken der Fans, bis Sony Pictures schließlich das japanische Animationsstudio Madhouse beauftragte, den Film Avengers Confidential: Black Widow & Punisher zu produzieren. Mit Blick auf das Marvel Cinematic Universe zunächst einmal eine echte Ergänzung, bietet der Titel allerdings bis auf die bekannten Figuren wenig Spannendes und stieß auch bei seinem Erscheinen in Deutschland im Sommer 2014 auf kein hohes Interesse. Sind das Medium Anime und Marvel einfach keine gute Kombination?

Nach seinem Einmischen in eine Geheimmission wird The Punisher (Originalstimme: Brian Bloom) von dem Avengers-Mitglied Black Widow (Originalstimme: Jennifer Carpenter) in Gewahrsam genommen. Doch die Dinge ändern sich, als Nick Fury (Originalstimme: John Eric Bentley) beide damit beauftragt, die internationale Terror-Organisation Leviathan zu stoppen. Diese befindet sich nach einem Diebstahl im Besitz der S.H.I.E.L.D.-Technologie und plant, großen Umsatz damit zu machen. Das ungleiche Duo muss sich nun zusammenraufen, um zu verhindern, dass die Technik in die falschen Hände fällt …

Marvel-Anime Nummer 6

Originaltitel Avengers Confidential: Black Widow & Punisher
Jahr 2014
Laufzeit 82 Minuten
Genre Action
Regisseur Kenichi Shimizu
Studio Madhouse

Avengers Confidential: Black Widow & Punisher erschien in seiner ursprünglichen Form für den US-Markt. Dort erschien der Film ein Jahr bevor Avengers: Age of Ultron in die Kinos kam. Im Fahrwasser von The Return of the First Avenger sollten animeaffine Käufer mit der Heimkino-Veröffentlichung abgeholt werden. Erst im Herbst desselben Jahres fand die Produktion überhaupt einmal ihren Weg nach Japan. Das zuständige Studio Madhouse hatte bis dahin bereits vier Marvel-Animeserien produziert: Iron-Man, Blade, X-Men und Wolverine, allesamt mit Japan-Bezug. Obendrauf erschien der Film Iron Man: Rise of Technovore, allerdings nicht für eine TV-Ausstrahlung, sondern für eine Heimkino-Veröffentlichung. Avengers Confidential: Black Widow & Punisher stellt somit auch den letzten Teil der Sony-Madhouse-Kooperation dar, die nun mit zwei bislang vernachlässigten Figuren die restliche Käuferschaft für sich gewinnen sollte.

Wo Marvel draufsteht …

So eine Erzählerweiterung um eigenständige Filme, Spin-offs und Mini-Serien kann sich als sinnvolle Ergänzung erweisen. Die Voraussetzung dafür sind ein tatsächlicher Mehrwert und eine gewisse Kontinuität. Die vorliegende Animeproduktion erfüllt keines der beiden Kritierien: Obwohl das Drehbuch von der marvelkundigen Autorin Marjorie Liu (gewann 2018 als erste Frau im Comic-Bereich des Eisner Award) stammt, scheint das Vertrauen in die Figuren gering. Anders lässt sich kaum erklären, weshalb der Film außerhalb seiner Actionszenen keinerlei Mehrwert aufweist. Diese können sich sehen lassen und wissen dank ihres Tempos auch zu überzeugen.

Keine Frau ohne Lovestory

Ein weiteres Ärgernis ist die Tatsache, dass eines der ältesten Erzählmuster überhaupt abgegriffen werden muss: Wann immer eine Frau die Hauptrolle einnimmt, dann muss verdammt nochmal auch eine Liebesgeschichte erzählt werden. So findet auch eine verkorkste Romanze ihren Weg in die Handlung. Wenig glaubwürdig und allzu gut kommt Natasha alias Black Widow dabei auch nicht weg. In der deutschen Version erhält sie zudem einen Nerv-Faktor durch ihre Sprecherin Anita Hopt, welche überwiegend junge und aufgedrehte Animecharaktere spricht, wie etwa Tama in Selector Infected Wixxos. Stimmlich ist sie weit entfernt von der Coolness, die Scarlett Johansson ihrer deutschen Stimme Luise Helm verdankt. Bis der Plot um die Figur Elihas beginnt, ist Black Widow ohnehin eine blutleere Figur ohne jederlei Emotion.

Wir erzählen, was (nicht) passiert

Erschreckend wird es, wenn die Handlung vorangebracht werden soll: Selten schreitet die Geschichte voran, stattdessen versorgen uns die Charaktere mit Infodumps. Es passiert also immer etwas, obwohl de facto nichts passiert. Wenn die Luft dann endgültig raus ist, sollen weitere beliebte Marvel-Figuren wie Iron Man frischen Wind mitbringen. Andere Figuren wie etwa Thor, die das Cover anpreist, besitzen eine effektive Screentime von weniger als einer Minute und sollten den geringsten Grund darstellen, 82 Minuten Zeit einzuplanen.

Fazit

Der Titel weckt Hoffnungen, enttäuscht am Ende allerdings in fast allen Belangen: Avengers Confidential: Black Widow & Punisher bringt keinen einzigen Grund hervor, sich mit dem Film zu befassen. Weder sind die titelgebenden Charaktere interessant gestaltet, noch kann die Story überzeugen. Damit schließt auch dieser Film qualitativ an die anspruchslosen Marvel-Animeserien an und bietet keine eigenen Stärken und kein Alleinstellungsmerkmal. Der Name ‘Marvel’ alleine sollte keinen Grund darstellen, sich diesen Film anzutun. Es sei denn, man ist Hardcore-Fan des Punishers und hat das Bedürfnis, animierte Actionszenen zu sehen. In diesem Fall ist der Film einen einmaligen Blick wert, sonst sollte man die Zeit besser in die Comics oder Marvel’s The Punisher auf Netflix investieren.

© Sony Pictures Entertainment

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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