Attack on Titan (Staffel 2)

Lesezeit: 5 Minuten

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Attack on Titan nach seinem Anime-Siegeszug fortgesetzt werden würde. Die Nachricht, dass die zweite Staffel allerdings nur zwölf Episoden umfassen würde, versetzte die Fans in Aufregung. War dies etwa nur ein Test, um zu schauen, ob die Serie vier Jahre nach ihrer Ausstrahlung noch angesagt war? Doch die Angst erwies sich als umsonst, nachdem eine dritte Staffel angekündigt wurde. Die zweite Staffel setzt ihre Schwerpunkte auf gänzlich andere Figuren als Staffel 1. Und so rücken Eren, Mikasa und Armin in den Hintergrund und machen Platz für die bisherigen Nebenfiguren Christa, Ymir und Sasha, die beweisen, dass in ihnen mehr steckt als nur Sidekick-Potenzial.

  

Nachdem Eren und seine Freunde das Gesicht eines Titanen innerhalb der Mauer zu sehen bekamen, gibt sich der Priester Nick zu erkennen. Er weiß mehr über die Geschichte der Mauer und offenbart, dass die Mauer aus Titanen besteht. Der Schock sitzt tief, doch Eren und seine Freunde haben nicht viel Zeit. Die Mauer Rose ist gefallen und Titanen rücken von Süden in das Gebiet vor. Niemand ahnt, dass jener Tag als der “neue schlimmste Tag der Menschheit” in die Geschichte eingehen soll.

Einordnung in den Geschichtsverlauf

Die zweite Staffel mit den Episoden 26 bis 37 deckt Kapitel 34 bis 50 des Mangas (den sogenannten “Clash of Titans” Handlungsbogen) ab und beginnt mit einem Wiedereinstieg für all jene, deren Erinnerung an das Geschehene aufgefrischt werden will. Sowohl für die Überlebenden rund um Eren als auch den Zuschauer ist die Überraschung groß, dass die Mauer aus Titanen besteht. Damit eröffnen sich ganz neue Fragen, die nicht alle im Laufe der Staffel geklärt werden. Beispielsweise, was es mit dem Affentitan auf sich hat, der sich stark von allen anderen Titanen unterscheidet und über eine höhere Intelligenz zu verfügen scheint. Auch die ersten Verluste lassen nicht lange auf sich warten und zeigen am Beispiel von Connie, was es bedeutet, in Sorge um das Leben Angehöriger zu sein. Auch fordert bereits die erste Episode der Staffel mit Mike  ein weiteres Opfer.

Sasha – die unterschätzte Bogenschützin

Originaltitel Shingeki no Kyojin Season 2
Jahr 2017
Episoden 12
Genre Action, Drama, Fantasy
Regisseur Masashi Koizuka
Studio WIT Studio

Sasha ist die erste Figur, deren Screentime in der zweiten Staffel massiv erhöht wird. Ist sie in Staffel 1 noch ein verfressener Kadett, der in erster Linie als Comic Relief dient, beweist sie in der zweiten Staffel, weshalb sie ihren Platz im Aufklärungstrupp verdient hat. Sie ist eine exzellente Bogenschützin und beweist nicht nur Mut, sondern auch Herz, als sie alleine ein Mädchen vor einem Titan beschützt. Einmal mehr zeigt sich, dass sie über besonders starke Instinkte verfügt, aber eben kein Teamplayer ist.

Ymir und Christa – Liebe auf Abwegen

Ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht die Geschichte, als sich die menschliche Gruppe in einem Turm verschanzt. Nicht nur, dass die Lage aussichtslos ist, es kommen auch sensationelle Enthüllungen ans Licht. So etwa die wahre Identität von Ymir als Titan. Sie rettet das Leben der anderen, vor allem aber aus Liebe zu Christa. Wie der Autor Hajime Isayama bereits einräumte, sind Ymir und Christa ein Liebespaar, ohne dass diese Karte exzessiv im Manga bzw. Anime ausgespielt wird. Ymirs Kampf gegen die anderen Titanen zählt zweifelsohne zu den Höhepunkten der Staffel.  Doch man merkt mit verstreichender Laufzeit, dass eine große Geschichte einer anderen Figur vorbereitet wird: Nach und nach rückt Christa in den Mittelpunkt, der eigens eine Rückblickfolge (Folge 5) gewidmet wird. Ab der sechsten Folge enthüllt der Autor endgültig die Dimension hinter dieser Figur: Christas wahrer Name ist Historia und sie stammt aus der Reiss-Familie, welche historisch betrachtet knietief in der Geschichte der Titanen steckt.

Was ist eigentlich mit Eren?

Der vermeintliche Hauptcharakter der Geschichte bleibt lange Zeit im Hintergrund und spielt erst in der zweiten Hälfte der Staffel wieder eine Rolle. Die Enttäuschung in ihm sitzt jedenfalls tief, denn nach Annie entpuppen sich auch noch Reiner und Berthold als Titanen. Für Eren, dessen Mutter als erstes Opfer der Serie fiel, ein Schock! Nachdem Ymir eine Allianz mit Berthold und Reiner geschmiedet hat, wird Eren gemeinsam mit Christa alias Historia entführt und die Handlung damit in eine neue Richtung gedrängt.  Wer allerdings dachte, dass die Luft aus Erens Geschichte mit der Enthüllung seiner Titanenkräfte am Ende der zweiten Staffel bereits raus sei, wird noch einmal überrascht. Denn augenscheinlich besitzt Eren als Titan auch noch wundersame Fähigkeiten und kann andere Titanen lenken. Weiteren Aufschluss darüber kann nur die kommende Staffel geben.

Augen- und Ohrenfutter

Visuell legt die zweite noch eine Schippe drauf: Die Animationen sind noch fließender und die Gesichter noch lebhafter als in der vorherigen Staffel. Insgesamt macht die Serie einen blitzblanken Eindruck. Musikalisch knüpft man ganz stilecht an die erste Staffel an. Das Opening “Shinzo o Sasage yo!” von Linked Horizon mag nicht die starken Ohrwurmqualitäten des Intros aus Staffel 1 besitzen, fügt sich aber stilistisch nahtlos an den Hit der Band an.

Staffel 2 von Attack on Titan ist vor allem von Pathos und zunehmender Dramatik gezeichnet. Diese ist zunächst nur vorbereitend für das, was in der dritten Staffel passieren wird, treibt allerdings einige wichtige Charakterentwicklungen, allen voran Christas, nach vorne. Selbst der Tod vermeintlicher Nebencharaktere wie Lynne und Gelgar  gehen in Mark und Knochen und unterstreichen, dass diese Serie es ernst meint. Ähnlich wie in Game of Thrones wird dem Zuschauer suggeriert, dass es jede Figur jederzeit treffen kann, doch insgeheim steht schon fest, auf welche Figuren man auf keinen Fall verzichten kann. Dennoch gelingt es der Serie immer wieder zu überraschen und das in einer Inszenierung, die auf TV-Serien-Niveau ihresgleichen sucht.

Zweite Meinung:

Die Länge von zwölf Folgen ließ Anfangs Skepsis in mir aufkommen, aber letztendlich waren alle meine Sorgen unbegründet, denn mir gefällt die zweite Staffel sogar noch um einiges besser als die erste Staffel, die noch einige Schwächen hat, wie zum Beispiel das Pacing. Es geht in der zweiten Staffel ziemlich spannend zu und den Fokus auf den anderen Charakteren sehe ich als sehr positiv an. Christa und Ymir gesellen sich zu meinen Lieblingscharakteren und gerade bei Ymir ist dies besonders überraschend. Ich mochte Ymir in der ersten Staffel überhaupt nicht, aber so sieht man, dass der erste Eindruck täuschen kann. Es ist unglaublich, was hier noch an Potenzial aus den Charakteren herausgeholt wird. Berthold und Reiner sind nicht minder interessant und so gibt es noch einige Geheimnisse, die in der zweiten Staffel zwar noch nicht gelüftet werden, aber dafür in der kommenden dritten Staffel. Von den Animationen und vom Soundtrack her ist die zweite Staffel ordentlich ausgefallen. Das inzwischen dritte Opening von Linked Horizon kann zwar nicht mit seinen Vorgängern mithalten, aber nach mehrmaligem Hören hat es schon einen gewissen Ohrwurm-Faktor. Mir ist nur nicht klar, was die Dinosaurier im Video darstellen sollen. Bleibt nur abzuwarten, ob es sich bei “Shinzo o Sasage yo!” um das vorerst letzte Opening von Linked Horizon für die Serie handelt. Denn bei der dritten Staffel weht mit der Band X Japan in Zusammenarbeit mit Hyde (L’Arc-en-Ciel) neuer Wind. “Yuugure no Tori” von Shinsei Kamattechan ist das Ending der zweiten Staffel und für mich eine echte Überraschung, denn es ist ziemlich düster und zeigt eine Geschichte. Meiner Meinung nach sehr passend zur zweiten Attack on Titan Staffel und einfach ein tolles ungewöhnliches Lied. Hajime Isayama ist ein großer Fan von Shinsei Kamattechan und so wurde ihm mit dem Ending ein Wunsch erfüllt. Das Storyboard fürs Ending stammt von Isayama persönlich.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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