Versailles of the Dead

Jeder kennt die einstige Königin Frankreichs, Marie-Antoinette. Sie ist auch die Hauptfigur des Zombie-Titels Versailles of the Dead, einer skurrilen Mischung aus fiktiver Geschichte und Untoten-Ausbruch. Die Manga-Künstlerin Kumiko Suekane (Blood+ A) setzt in ihrem im Oktober 2020 veröffentlichten Werk auf die Kraft einer historischen Kulisse und die Verstrickungen des Adels, der von einer Zombie-Welle überrannt wird. Klingt nach Stolz und Vorurteil und Zombies, ist auch ähnlich so im der Umsetzung. Ob der erste Band aus dem Programm von Tokyopop Lust auf mehr macht, wird hier besprochen.

 

18. Jahrhundert, Frankreich: Prinzessin Antoinette und ihr Bruder Albert sind auf dem Weg zur Hochzeit Antoinettes mit dem Thronfolger Frankreichs. Plötzlich stoppt die Kutsche, denn eine Horde Untoter versperrt die Weiterfahrt. Albert kann fliehen, doch seine Schwester, die ihn häufig herablassend behandelte, wird von den Untoten angegriffen. Ganz unversehrt schafft er es aber nicht zurück, denn eine geheimnisvolle Kraft ergreift Besitz von ihm.
Als seine Schwester verkleidet gelangt er wieder zurück an den Hof und nimmt fortan ihre Rolle ein. Völlig zur Überraschung von Madame du Barry, der einflussreichen Mätresse des Königs, die hinter dem Überfall steckt. Doch die Hochzeitsvorbereitungen dürfen nicht unterbrochen werden, schließlich steht der politische Frieden zwischen Frankreich und Österreich auf dem Spiel. Fortan ist Albert also Dauphine von Frankreich und rutscht damit in ein Netz voller Intrigen … und Zombies.

Fiktive Abbiegung der Realität

Originaltitel Versailles of the Dead
Jahr 2016
Band 1 / ?
Genre Action, Historie, Horror
Mangaka Kumiko Suekane
Verlag Tokyopop
Veröffentlichung: 1. Oktober 2020

Bereits in der Einführung weicht die Autorin von der Historie ab und dichtet Marie-Antoinette einen Bruder namens Albert hinzu. Damit verdeutlicht sie, dass ihre Geschichte reine Fiktion ist und sich im Grunde nur lose an geschichtliche Begebenheiten anlehnt. Demnach ist auch ein Großteil ihrer Figuren frei erfunden, andere wie etwa Napoleon werden eigenständig charakterisiert und teilen nur wenig mit ihren historischen Vorbildern. Der erste Band zeigt generell wenig Interesse an geschichtlichen Fakten, sondern eröffnet frühzeitig mehrere Mysterien. Wer sind die Mort-viants, die lebenden Toten? Woher kommen sie? Ist Albert wirklich Herr seiner Sinne oder hat etwas die Kontrolle über ihn übernommen? Existieren weitere Personen mit dämonischen Kräften? Steckt die Kirche hinter allem? Mit diesen und vielen anderen Fragen werden Lesende bei Stange gehalten, denn auch wenn Band 1 dahingehend noch wenig zeigt, lauern irgendwo dort draußen weitere Untote und es macht sich der Eindruck breit, als stünde eine große Schlacht bevor.

Viel Teasering vor aufwendiger Kulisse

Fans von Gender Bendering und Crossdressing dürfen sich an Albert in der Rolle seiner Schwester erfreuen, dessen feminines Äußeres wie geschaffen ist, um die prunkvollen Kleider zu tragen. Wieviel davon nun echte Überzeugung ist und wie hoch der Anteil einer politischen Intrige – vollkommen offen. Antworten werden erst einmal nicht präsentiert. Viel mehr ist es der Autorin ein Anliegen, möglichst viele Cliffhanger zu streuen und im Hintergrund etwas Größeres vorzubereiten, das seine Schatten vorauswirft. Derweil bleibt Zeit für die angenehmen Seiten des Adels, also Luxus und prachtvolle Gewänder, während die Charakterentwicklung zunächst nicht großartig vorangetrieben wird. Stattdessen punktet Versailles of the Dead erst einmal mit optischen Reizen: Die Zeichnerin erschafft einen detailreichen Rokoko-Look mit anmutigen Figuren und pompösen Kostümen.

Erster Eindruck

Versailles of the Dead ist ein bizarrer Mix aus Hofintrigen und Zombiebrut. Wohin die Geschichte möchte, ist nach dem ersten Band noch völlig offen. Erst einmal gibt es viele Geheimnisse, die den Spannungsbogen aufrecht erhalten, und insbesondere optische Schauwerte, die das Treiben dominieren. Freunde blutrünstiger Zombie-Action werden zumindest im ersten Band wenig vorfinden, das Titeln wie Highschool of the Dead Konkurrenz macht. Vielleicht benötigt die Handlung aber auch diesen Unterbau, um zu einem späteren Zeitpunkt auszuholen. Denn zum Zeitpunkt des Erscheinens von Band 1 ist die Reihe auch in Japan erst bei vier Bänden angelangt und es sieht danach aus, als gäbe es noch einiges zu erzählen. Zumindest macht der Auftakt neugierig auf mehr.

 © Tokyopop


Veröffentlichung: 1. Oktober 2020

 

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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