Sidooh

Lesezeit: 4 Minuten

Die meisten Geschichten der Bakumatsu-Zeit (1853 bis 1867) fokussieren sich besonders auf das Leben der Shinsengumi, doch der Manga Sidooh von Tsutomu Takahashi zeigt eine etwas andere Perspektive der Ereignisse. Es wird das Leben zweier Brüder verfolgt, wie sie in dieser turbulenten Zeit ums Überleben kämpfen und mit den unterschiedlichen politischen Gruppierungen interagieren.

 

Die zwei vaterlosen Brüder Shoutarou und Gentarou Yukimura gehen zu einem Tempel, da ihre Mutter schwer krank ist und die Ärzte sie bereits aufgegeben haben. Denn dort soll ein Priester leben, der sich mit westlicher Medizin auskennt, dieser erkennt bereits an den beschriebenen Symptomen, dass sie Cholera hat. Eine Krankheit, die von den westlichen Besuchern eingeschleppt wurde und jetzt die einheimische Bevölkerung dahinrafft, alleine in Edo sind es über 100.000 Tote. Der Priester entschließt sich nach kurzen Zögern die Mutter der beiden Jungs zu besuchen, doch nicht um sie zu retten, denn dafür ist es bereits längst zu spät. Sie soll noch einmal mit ihnen sprechen, bevor sie stirbt. Nach ihrem Tod gehen die Jungs zum Priester, aber es dauert nicht lange bis ihn dasselbe Schicksal ereilt. Nun sind die beiden Brüder ganz alleine auf sich gestellt.

Das Treffen mit Kiyozou Asakura

Originaltitel Sidooh
Jahr 2005 – 2010
Bände 1/25
Genre Action, Drama, Historie
Autor Tsutomu Takahashi
Verlag Shueisha (J)

Shoutarou und Gentarou verlassen die Stadt, um nach Edo zu reisen, wo es zumindest Ärzte und Dojos gibt. Allerdings ist es ein langer Weg und beide plagt der Hunger, da findet Gentarou im Wald eine Sandale und sieht nach. Doch er findet mehr Ärger, denn neben einen sterbenden Mann gesellt sich kurze Zeit eine Frau, die von einem anderen Mann vergewaltigt wird. Shoutarou wartet bis zum Einbruch der Nacht, um sie zu retten und kann den Übeltäter sogar töten. Doch das rettet nicht das Leben der Frau, die selbst eine gesuchte Verbrecherin ist. Sie wird von Kiyozou Asakura getötet, der aber den beiden Jungs immerhin eine Chance zum Überleben anbietet. Doch dies tut er nicht aus Edelmut, sondern er hat sie schlichtweg an einen Kult verkauft.

Die Veränderungen des Landes

Mit der Ankunft der schwarzen Schiffe von Matthew Perry im Jahr 1853 musste Japan seine Isolationspolitik, die seit 1633 galt, letztendlich vollkommen aufgeben. Dies führte nicht nur dazu, dass mit den Fremden aus dem Westen leichter neues Wissen und Waren ins Land kommen konnten, sondern auch Krankheiten und politische Unruhen innerhalb der heimischen Bevölkerung. Hinzu kamen mehrere schwere Erdbeben zwischen 1854 und 1855, die weiterhin viele Todesopfer forderten. Der Beginn von Sidooh setzt genau da an, es wird ein Land gezeigt, welches gerade eine schlimme Krise durchlebt und mittendrin sind die Yukimura-Brüder, die einfach nur überleben wollen. Dafür müssen beide stärker werden, weshalb sie Kiyozou Asakura vertraut haben. Allerdings müssen sie erkennen, dass sie sich dadurch in eine noch gefährlichere Lage manövriert haben. Shoutarou wird gefoltert, um seine angebliche Besessenheit auszutreiben, währenddessen muss Gentarou sich einer Horde von Frauen stellen. Sex und Gewalt gehen in diesem Kult Hand in Hand.

Erster Eindruck

Ich finde die Bakumatsu-Zeit sehr interessant, daher lese ich auch recht viel in diese Richtung. Deswegen ist Sidooh natürlich schnell auf meine Leseliste gelandet. Der erste Band ist nicht mehr als eine bloße Einleitung der ganzen geschichtlichen Geschehnisse und Abenteuer der Brüder, es nimmt erst in späteren Bänden so richtig Fahrt auf. Dennoch möchte man als Leser wissen, wie sich Shoutarou und Gentarou aus dieser Situation winden werden. Ich mag aber irgendwie auch den Zeichenstil von Tsutomu Takahashi, der hierzulande kaum bekannt ist, aber vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser an den Titel Alive, der 2008 von Carlsen Manga veröffentlicht wurde. Ansonsten gab es von Carlsen Manga 1995 noch Jiraishin, welches aber abgebrochen wurde. Im europäischen Umland wird der Mangaka jedoch viel mehr geschätzt als hierzulande. Frankreich hat sehr viele seine Werke veröffentlicht, aber auch Spanien und Italien sind ihm nicht abgeneigt. Ein weiterer interessanter Fakt ist, dass Tsutomu Nihei (Blame!, Aposimz – Land der Puppen) sogar einst sein Assistent war. Daher ist es etwas schade, dass er in Deutschland nicht wirklich vertreten ist. Ich kann Sidooh dennoch wirklich jedem Fan von japanischer Geschichte, der nichts gegen Sex und Gewalt hat, ans Herz legen, aber auch jenen, die gerne Action und Drama lesen.

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Taria

Taria arbeitet seit einigen Jahren für einen großen Automobilzulieferer in der Produktion. Abseits von der Arbeit beschäftigt sie sich in ihrer Freizeit vor allem mit Manga, Animes und Videospielen, in diesen Bereichen hat sie genretechnisch einen sehr breiten Geschmack bewiesen. Weiterhin sammelt sie gerne Figuren und anderes Merchandise von den Serien Gintama und JoJo's Bizarre Adventures.

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