Colette beschließt zu sterben

Zu viel Arbeit ist Stress und Gift zugleich, insbesondere dann, wenn das Leben tatsächlich nur noch aus der Tätigkeit besteht und die betroffene Person kaum noch Zeit hat, um sich auszuruhen. Dies schlägt in hohem Maße auf die Psyche und da sind Selbstmordgedanken nicht allzu weit entfernt. So ergeht es auch der Protagonistin Colette aus der Manga-Serie Colette beschließt zu sterben, denn als einzige Ärztin in ihrer Stadt arbeitet sie rund um die Uhr. In ihrer Verzweiflung beschließt Colette in einen Brunnen zu springen, aber der Suizid schlägt fehl, denn das Schicksal hält einen anderen Weg für sie bereit. Welchen Pfad Colette nun beschreitet, kann die Leserschaft seit April 2022 verfolgen, denn der Verlag Altraverse brachte den ersten Band des Fantasy-Werks von Mangaka Alto Yukimura (Honey & Butterfly) in die hiesigen Bücherregale.

 

Tag und Nacht kümmert sich Colette um Patienten, denn sie ist die einzige Ärztin ihrer Stadt. Zeit um zur Ruhe zu kommen hat sie dabei nicht. Viel mehr ist sie ausgelaugt und mit den Nerven am Ende. Als dann die harte Arbeit unerträglich wird, beschließt sie ihrem Leben ein Ende zu setzen. Doch der Selbstmord will ihr nicht so recht gelingen, denn sie findet sich kurz darauf lebendig in der Unterwelt wieder. Dort wartet schon ein ganz außergewöhnlicher Patient auf sie, nämlich Hades, der Herrscher über den Höllenkerker …

Königlicher Patient mit Sonnenallergie

Originaltitel Colette wa Shinu Koto ni Shita
Jahr 2013
Band 1 / 20
Genre Fantasy, Romanze, Komödie
Mangaka Alto Yukimura
Verlag Altraverse (2022)
Veröffentlichung: 19. April 2022

Die Protagonistin Colette stellt eine relativ junge Ärztin dar, die mit der Zeit einfach an ihr Limit stößt. Um aus ihrer Welt zu entfliehen, entschließt sie sich in einen Brunnen zu springen, weil Legenden besagen, dass jener in eine andere Welt führt. Doch anstatt zu sterben, wird sie überraschend von seltsamen Gerippen in der Unterwelt begrüßt. Ihre Ankunft kommt gerade zum richtigen Zeitpunkt, denn König Hades braucht ärztliche Hilfe. Da es keinerlei Ärzte in der Unterwelt gibt, liegt die Hoffnung auf Colette. Kaum freut sie sich, dass sie keine Arbeit mehr hat, bekommt sie wieder welche. Doch Hades weist eine sture Persönlichkeit auf und achtet nicht allzu sehr auf seine Gesundheit. Zudem findet er Colette respektlos, weil sie ihn nicht wie einen König behandelt, sondern als einen Patienten. Dadurch kommt sie ihm näher, als ihm zu Beginn lieb ist. Für Colette steht mit der Zeit fest, von welcher rätselhafter Krankheit Hades betroffen ist, denn es handelt sich schlichtweg um eine Sonnenallergie. Nicht verwunderlich, denn der König ist nur das Leben unter der Erde gewohnt. Durch die Allergie weist er viele Flecken am Körper auf und leidet zudem noch an Fieber. Doch glücklicherweise zeigt die Medizin an seinem Körper erste Wirkung und nach getaner Arbeit nutzt Colette die Gelegenheit, um an seinem Bett auszuschlafen. Dabei kann sie nicht nur neue Energie tanken, sondern auch wieder gefallen an ihrem Beruf finden. Im Verlauf lernt sie noch einiges über die Unterwelt, denn Hades richtet über die Seelen Verstorbener. Die Guten werden von ihm erlöst und die Schlechten in den Kerker gesperrt.

Bedient sich an Figuren aus griechischer Mythologie

Colette beschließt zu sterben mag auf dem ersten Blick wie ein deprimierender Titel klingen, aber inhaltlich ist er dies keineswegs. Denn es handelt sich hierbei um eine heitere, fantastische Geschichte, die sich teilweise bei ihren Charakteren an Göttern und Wesen der griechischen Mythologie bedient. Bei genauer Betrachtung ein durchaus interessanter Aspekt, denn es wird sicher spannend zu verfolgen sein, welche weiteren Figuren aus der Mythologie in den nächsten Bänden auftauchen werden. Im ersten Band ist neben Hades und dem Höllenhund Kerberos der Halbgott Herakles vorzufinden, der auch seinen Teil zur Handlung beiträgt und einen tragischen Hintergrund vorzuweisen hat. Die Protagonistin Colette wird in den Kapiteln als liebenswürdig und hilfreich dargestellt, was ganz den Klischees des Shoujo-Manga entspricht. Hades hingegen als der sture Herrscher, der genauso wie Colette seiner Arbeit nachgehen muss und keine Schwäche zeigen darf. In dieser Hinsicht findet sich eine Gemeinsamkeit, weil sie beide eine hohe Verantwortung tragen. Allerdings muss Colette nicht für immer in der Unterwelt bleiben. Immerhin gibt es zwei Schauplätze – die Unterwelt und die Erde. Colette kommt daher öfter Hades besuchen, indem sie durch den Brunnen in die Unterwelt gelangt und ihn zudem medizinisch versorgt. Auf der Erde kümmert sie sich weiterhin um andere Patienten. Insgesamt zeichnete Mangaka Alto Yukimura einen unterhaltsamen und ansehnlichen Auftakt, der direkt Lust auf mehr macht. Ihre Zeichnungen hinterlassen einen positiven und niedlichen Eindruck und unterscheiden sich nicht allzu sehr von üblichen Shoujo-Vertretern. Was jedoch noch anzumerken ist, dass im ersten Band nur vier Kapitel enthalten sind. Das fünfte Kapitel wird von einer Kurzgeschichte mit dem Titel “Abendmelodie” gefüllt, die nicht zum Universum von Colette beschließt zu sterben gehört.

Erster Eindruck

Hades, der Gott und König der Unterwelt wurde schon in zahlreichen Werken thematisiert. Damit gehört er zu den populärsten Figuren aus der griechischen Mythologie. Da mag es kaum überraschen, dass auch Mangaka Alto Yukimura auf den Zug aufgesprungen ist. Der Fokus der Geschichte liegt nämlich ganz klar auf Colette und Hades, die im ersten Band einen positiven und harmonischen Eindruck vermitteln. Im Handlungsablauf wird direkt Wert darauf gelegt, eine Beziehung zwischen den beiden aufzubauen. Eine Romanze eben, so wie es sich für einen Titel aus dem Shoujo-Segment gehört. Ich bin jedenfalls gespannt, welche Richtung Colette beschließt zu sterben noch einschlagen wird, da es ganze stolze 20 Bände vorzuweisen hat. Der erste Band macht immerhin Spaß und man kann zumindest davon ausgehen, dass Colette weiterhin als Ärztin viel zutun haben wird. Dabei finde ich die Entwicklung schön, dass mehr Shoujos hierzulande erscheinen, die nicht an der öden Schule spielen. Zum Schluss kann ich die Serie allen ans Herz legen, die romantische Geschichten mit mythologischen Einflüssen mögen und auf eine große Portion Fantasy stehen. Aber auch denjenigen, die Schulromanzen satt haben. Sonderlich viel falsch machen kann man mit dem Titel also nicht, sofern man keine eindeutige Abneigung gegen Stereotypen und Klischees hat.

© Altraverse


Veröffentlichung: 19. April 2022

Alva Sangai

Alva Sangai beschäftigt sich in ihrer Freizeit gerne mit Medien verschiedenster Art. Egal, ob Serien, Filme, Anime oder Manga. Dabei spielt es keine Rolle aus welchem Land die Produktionen stammen, denn Alva ist da sehr weltoffen. Des Weiteren hört sie gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee oder ein Cappuccino darf dabei natürlich nicht fehlen. Nebenbei beschäftigt sich Alva mit den vielen Funktionen von Clip Studio Paint EX, denn sie möchte sich in der Zukunft an einem Web-Comic versuchen. Der Name Alva Sangai setzt sich aus dem Vornamen der Protagonistin ihrer ersten längeren Geschichte, sowie ”Sangai”, Hirschen die nur in Manipur (Indien) zu finden sind, zusammen. Sangai spielt also auf ihre Bollywood-Artikel an.

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