Spotlight: Dragon Age

Lesezeit: 5 Minuten

Während unser persönliches Drachenzeitalter auf Geek Germany erst seit April 2018 angebrochen ist, wurde dieses bei Entwickler BioWare und in seiner Fantasy-Welt Thedas schon vor vielen Jahren ausgerufen. Zum Thema des Monats Drachen werfen wir deswegen einen Blick zurück auf die Rollenspiel-Reihe und Noch-Trilogie Dragon Age. Diese bietet Freunden der klassischen Fantasy seit 2009 Freunden eine immer weiter an Umfang und Mythologie wachsende Welt, in der sie sich zwischen politischen Machtspielen, religiösen Fanatikern, einer dunklen Seuchenbrut und außer Kontrolle geratener Magie auch noch mit den namensgebenden Drachen herumschlagen dürfen.

Thedas: Zwischen Darkspawn, Andraste und Blutmagie

Für alle, die mit Thedas nicht vertraut sind,  zuerst ein kleiner Crashkurs: Benannt ist die Reihe nach dem Zeitalter, in welchem die Ereignisse im Spiel stattfinden. Anstatt wie bei uns die Jahrhunderte einfach nur zu zählen, werden diese in Thedas mit Namen versehen und gegenwärtig befinden sich die Spieler im Dragon Age, dem Drachenzeitalter. Dieses wurde so benannt, da die eigentlich als ausgestorben geltenden Wesen plötzlich wieder aufgetaucht sind und sich in Thedas zunehmend ausbreiten. Das Drachenzeitalter ist dabei das neunte Zeitalter und ähnlich wie bei uns ist die Zeitrechnung in Thedas ebenfalls an das Wirken einer religiösen Erlösergestalt gebunden, hier ist es die sterbliche Braut des göttlichen Schöpfers der Welt: Andraste. Diese führte vor einem knappen Jahrtausend eine erfolgreiche Rebellion gegen das über die bekannte Welt herrschende Tevinter Imperium an. Der unter der Führung mächtiger Magier stehende Staat ist bis in die Gegenwart hinein wegen der Schöpfung der Darkspawn verhasst, einer unter der Erdoberfläche hausenden, schier endlosen Horde durch eine dunkle Seuche korrumpierter Wesen, die alle paar Jahrhunderte unter der Führung eines Erzdämons an die Oberfläche stößt und alles in ihrem Weg vernichtet. Infolge Andrastes Märtyrertot entstanden schließlich die Chantry, die Kirche des Schöpfers, und weiterhin auch die Magierzirkel. Um eine erneute Vorherrschaft von Magiern zu verhindern, müssen diese nämlich in abgeschotteten Kommunen leben, um dort unter der strengen Aufsicht des Templarordens die Kontrolle über ihre Fähigkeiten zu lernen.
Soweit das Wichtigste zur Geschichte der Menschen in Thedas. Damit einher geht noch die Geschichte der unterirdischen Königreiche der Zwergen, die seit dem Auftauchen der Darkspawn um ihr Überleben kämpfen; die Geschichte der Qunari, einer magiefeindlichen Spezies gehörnter Riesen, welche die gesamt Welt gewaltsam ihrer Religion unterwerfen will; der Geschichte der Elfen, den einstigen Herrschern der Welt, die nun entweder als Sklaven in städtischen Ghettos leben oder als umherziehende Dalish-Clans versuchen ihre verlorene Geschichte zu rekonstruieren oder den Geistern und Dämonen, die aus dem Fade, einer Traumwelt jenseits des Schleiers der Realität, immer wieder durch Risse in die reale Welt schlüpfen, um sich dort zu manifestieren oder Besitz von den Körpern derer zu ergreifen, die sie gerufen haben.

Der erste Teil: Matsch und Blut in Ferelden

Dragon Age: Origins erschien 2009 und wurde nicht nur von Kritikern mit Auszeichnungen überschüttet, sondern mit 3,2 Millionen verkauften Einheiten auch kommerziell ein großer Erfolg. Die Handlung im Königreich Ferelden folgt dabei einem frisch gebackenen Grauen Wächter, ein Orden von Elitekämpfern, die sich gänzlich dem Kampf gegen die Darkspawn verschrieben haben und anscheinend auch die einzigen sind, die einen Erzdämonen töten können. Wer dieser Graue Wächter genau ist, hängt gänzlich vom Spieler ab. Neben dem Geschlecht kann nämlich auch bei der Spezies zwischen Mensch, Elf und Zwerg und in der Klasse zwischen Krieger, Magier und Schurke gewählt werden. Der Clou ist dabei, dass diese Wahl auch Auswirkungen auf das Spielgeschehen hat: Als Magier startet der Spieler z.B. in jeden Fall als Novize im Magierzirkel, kurz davor ein Ritual zu durchlaufen, das darüber entscheidet, ob man als Magier Kontrolle über seine Kräfte anerkannt bekommt oder als potentielle Gefahr von den Templarn getötet wird. Als menschlicher Nicht-Magier startet der Spieler dagegen als junger Adeliger, dessen Familie in einer Verschwörung niedergemetzelt wird. Als Elf entdeckt ihr dagegen entweder als Dalish einen unheilvollen alten Zauberspiegel oder werdet als Stadtelf Opfer der Willkür eines menschlichen Adeligen, dessen entführerische Vergewaltiger-Neigungen eure Hochzeit versauen. Dementsprechend geht mit der rollenspieltypischen Klassen- und Spezieswahl eine jeweils individuelle Origin-Story einher, die sich auch auf das weitere Spielgeschehen auswirkt.
In jedem Fall wird der Spieler danach vom Grauen Wächter Duncan unter die Fittiche genommen, um eine drohende Darkspawn-Plage zu bekämpfen, doch endet die erste Schlacht gegen die Monster mit der fast kompletten Auslöschung der fereldischen Grauen Wächter, sowie dem Tod des Königs von Ferelden. Zusammen mit dem Wächter-Neuling Alistair, der formwandelnden Hexe Morrigan und der Ex-Spionin und nun Ordensschwester Leliana, liegt es am überlebenden Wächter die verbliebenen Kräfte in Ferelden gegen die Darkspawn zu vereinen. Von Horrorgeschichte bis Politthriller erfährt das Fantasiespiel dabei verschiedene inhaltliche Färbungen, wenn ein von Dämonen überrannter Magierzirkel befreit werden soll, in den Konflikt zwischen Dalish und Werwölfen eingegriffen werden muss oder die Thronnachfolge im Zwergenkönigreich Orzammar geregelt werden soll. Der Spieler bereist dabei allerlei Teile von Ferelden und besteht Abenteuer in Großstädten, Wäldern, auf schneebedeckten Bergen oder unterirdischen Straßen.
Ton und Inhalt des Spiels sind dabei auf der düsteren Seite der Stimmung und Origins verdient sich das USK 18-Siegel mit rabiaten Inhalten, viel Blut und auch ein wenig Sex, da mit diversen Mitstreitern eine Liebesbeziehung möglich ist. Gerade beim Bluteinsatz waren die Entwickler vielleicht etwas zu großzügig. Nicht nur in Sequenzen fließt es literweise, auch in normalen Kämpfen sehen die Figuren schon nach dem Zusammenstoß mit einem Wolf – der ja nun kein allzu großes Volumen hat – aus, als hätten sie den lieben langen Tag in Blut geduscht. Zwar lässt sich dieser Gore-Effekt ausschalten, doch wirkt die Freigiebigkeit manchmal komisch, besonders wenn blutmarinierte Figuren wieder zu gesitteten Gesprächen zurückkehren.

Die Spielmechanik ist vielleicht der größte Minuspunkt des Spiels. Zwar ist diese in ihren taktischen Möglichkeiten recht ausgefeilt und auch anspruchsvoll, wirkt dabei in der Umsetzung aber recht behäbig und unfreiwillig lächerlich, wenn Figuren im Schneckentempo klobige Bewegungen und Manöver ausführen. Der große Pluspunkt ist dagegen die Geschichte und besonders die Entscheidungsgewalt, mit welcher der Spieler ausgestattet wird. Der gespielte Graue Wächter kann letztlich nicht alles haben und muss dabei manchmal die schweren Entscheidungen treffen, was zu der Auslöschung ganzer Bevölkerungsgruppen und sogar zu moralischen und idiologischen Zerwürfnissen mit den eigenen Mitstreitern führen kann, die sich von ihrem Anführer abwenden oder sich sogar mit fatalen Folgen gegen ihn stellen können. Dramatische Ereignisse, die nicht ihren Effekt verfehlen, denn auch wenn der gespielte Wächter einer jener schweigenden Helden ist, die höchstens im Kampf mal grunzen, sind alle anderen Figuren komplett synchronisiert und mit Sprechern wie Claudia Black (Stargate SG-1), Steve Blum (Star Wars: Rebels) oder Tim Curry (The Rocky Horror Picture Show) namenhaft besetzt.

Der Hauptstory folgte neben kleineren DLC-Goodies mit Dragon Age: Awakening 2010 noch eine größere Erweiterung, in welcher die Grauen Wächter in Ferelden wiederaufgebaut werden sollen, ehe schon 2011 mit Dragon Age II die offizielle Fortsetzung folgte. Mehr zum zweiten Teil dann im zweiten Teil unseres Features.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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