Leipziger Buchmesse 2018

Die Leipziger Buchmesse ist nach der Herbstmesse in Frankfurt die zweitgrößte Deutschlands und bekannteste Messe Leipzigs. 2018 gab es trotz Schneechaos einen großen Andrang, allerdings blieb der erneute Besucherrekord aus, die Zahl der Aussteller ist jedoch angestiegen. Gemeinsam mit der Manga-Comic-Con in Halle 1 und der 24. Leipziger Antiquariatsmesse fand die Buchmesse vom 15. bis 18. März statt. Bekannte Namen wie Derek Landy, Andreas Brandhorst, Sky DuMont, Sonja Kraus und Sebastian Fitzek waren vertreten. Rumänien war als diesjähriges Gastland eingeladen.

Am Mittwoch, den 14. März 2018, wurde die Leipziger Buchmesse mit der Auftaktrede der norwegischen Autorin und Journalistin Asne Seierstad eröffnet. Für ihren Roman Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders, der den Amoklauf von Anders Breivik behandelt, wurde sie mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Am Donnerstag war es dann soweit und die Messehallen öffneten ihre Tore bis zum Sonntag für die Besucher. Aus insgesamt 46 Ländern kamen Aussteller nach Leipzig angereist, doch der plötzliche Wintereinbruch sorgte dafür, dass mit 271.000 Bücherfreunden erstmals seit Jahren kein neuer Besucherrekord erreicht werden konnte. Auch andere Probleme waren in diesem Jahr aufgekommen. Zu verschmerzen waren die langen Wartezeiten an den Garderoben, da Personal krank war oder gar nicht anreisen konnte. Hingegen war es für Cosplayer ärgerlich, dass diese am Samstag und Sonntag den Haupteingang nicht benutzen durften. Man wurde zu einem separaten Seiteneingang geschickt, was bedeutete, dass man weiter durch den Schnee stapfen durfte. Dem Personal tat dies leid, da es zudem auch sehr glatt war, was keine angenehme Reise garantierte.

Beeinträchtigungen durch den plötzlichen Wintereinbruch

Die äußeren Wege waren nur etwas für Hartgesottene

Besucher und Aussteller hatten durch den plötzlichen Wintereinbruch am Freitag Schwierigkeiten, das Messegelände zu erreichen und auch wieder zu verlassen. Der Hauptbahnhof wurde am Samstag von der Deutschen Bahn aufgrund eingefrorener Weichen und Schneeverwehungen gesperrt. Der S-Bahn- und Tramverkehr war ebenfalls stark beeinträchtigt – Ausfälle und Verspätungen führten dazu, dass Besucher es schwer hatten, innerhalb Leipzigs von A nach B zu kommen. Der Busersatzverkehr und die Taxiunternehmen waren während der ganzen Zeit überlastet. Hinzu kamen ausgefallene Ampelanlagen und zugeschneite Autos. Bei Minustemperaturen waren die Außenwege zwischen den Hallen schwierig zu begehen, weil sie teilweise vereist waren. Die große Glashalle hatte hingegen ihre eigenen Probleme: Neben den nassen Besuchern, die in die Haupthalle strömten, tropfte es aufgrund von Temperaturunterschieden zusätzlich von der Deckenhalle. Es wurde daher überall nass und rutschig.

Verleihungen von Buchpreisen

Verschiedene Autoren wurden mit den Preisen der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Dazu gehörten in der Kategorie „Übersetzung“ Sabine Stöhr und Juri Durkot für ihre gemeinsame Arbeit an der Übertragung von Serhij Zadans Internat aus dem Ukrainischen ins Deutsche. Im Sachbuchbereich wurde Karl Schloegel für Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt ausgezeichnet und in der Sparte Belletristik Esther Kinsky für ihr Buch Hain – Geländeroman. Alle Gewinner erhielten ein Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro. Am ersten Tag der Messe wurde abends der Phantastikpreis SERAPH auf der Fantasy-Leseinsel verliehen. Der von der 2011 gegründeten Phantastischen Akademie e. V. verliehene Preis bemüht sich darum, der deutschsprachigen Phantastik mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und ihren Stand im deutschen Literaturbetrieb zu verbessern. Dieses Jahr zeigte sich anhand der Shortlist, dass Science-Fiction-Titel wieder im Kommen sind: In der Kategorie „Bestes Debüt“ gewann Theresa Hannig mit ihrem Titel Die Optimierer aus dem Bastei Lübbe Verlag, den Preis für das „Beste Buch“ bekam Michael Marrak für seinen Roman Der Kanon mechanischer Seelen. Neu verliehen wurde dieses Jahr der Selfpublisher-Preis für die Kategorie „Bester Independent-Titel“: Janna Ruths Im Bann der zertanzten Schuhe konnte hier die Jury überzeugen. Zum ersten Mal fand die Preisträgerlesung in der Kulturfabrik Werk 2 statt – mit großen Namen der Phantastik wie Christian von Aster, Bernhard Hennen, Kai Meyer und Markus Heitz wurde der Abend wahrhaft phantastisch.

Mutige Autoren wagen sich in die beginnende #ApokaLeipzig

Bereits 2017 fand während der Leipziger Buchmesse eine Guerilla-Lesung statt. Eine kleine Gruppe von Autoren und Autorinnen wagte sich in die Leipziger Innenstadt, um eigene Texte all denjenigen vorzulesen, die sich für spontane Lesungen begeistern können. Nach dem Erfolg des letzten Jahres sollte es 2018 zu einer Fortsetzung kommen, Veteranen und Frischlinge trafen sich Freitagmorgen 10 Uhr am Mendebrunnen auf dem Leipziger Augustusplatz. Dem beginnenden Schneefall geschuldet, versetzten sie den Startpunkt dann aber um ein paar Meter weiter unter ein Dach, damit die Texte noch lesbar waren und die Zuhörer einem nicht wegrennen konnten. Schnell erhielt der Wintereinbruch auf Twitter den Hashtag #ApokaLeipzig, unter dem Autoren, Verleger, Mitarbeiter und jeder, der eigentlich nur auf die Messe wollte, seine und ihre Erlebnisse – meist mit der Deutschen Bahn – auf amüsante Weise mitteilen konnten. Als Lockmittel zum Halten der Zuhörer hätten wahrscheinlich auch die hübschen Buttons und der bunte Mix an Gummibärchen (von Vampirzähnen über Totenschädel und Spinnen war alles dabei) gereicht. Zehn Autoren lasen an drei Stationen mindestens einmal für fünf Minuten einen ihrer Texte vor. Zu den meist düsteren Horrorgeschichten (der Beginn der Zombieapokalypse oder ein etwas anderes Casting) mischten sich auch Fantasy und phantastischer Sport unter die Texte. Als zweite Örtlichkeit wurde der Galeria Kaufhof erobert. Der Sicherheitsmann am anderen Eingang warf zwar skeptische Blicke in die Richtung der Guerillas, da sich diese aber benahmen und nicht mehr taten, als Geschichten vorzulesen (diesmal ging es zum Beispiel um den neuen Lehrling eines Friseurs, eine letzte Absinthflasche und wie man einem Zombie seinen Penis wieder anwachsen lassen kann), wurde die Gruppe nicht hinausgeworfen. Der letzte Halt war der Hauptbahnhof, bei dem jeder aufgrund der fortgeschrittenen Zeit noch ein kurzes Stück vorlesen durfte. Der Einsatz war ein voller Erfolg gewesen und die Planungen für 2019 haben bereits begonnen.

Autoren, Gespräche und Signierstunden

Viele Schriftsteller waren auf der Messe zu Gast. Besonders bei den Kleinverlagen waren Autoren oft für Meet & Greets an den Ständen und unterschrieben ihre verkauften Bücher (siehe weiter unten). Bei Signierstunden, wie zum Beispiel von Derek Landy (Skulduggery Pleasant), Markus Heitz (Die Klinge des Schicksals), Bernhard Hennen (Der Verfluchte (Die Chroniken von Azuhr 1)) und Sebastian Fitzek (Das Paket), kam es oft zu sehr langen Schlangen. Fans hielten jedoch jede Wartezeit durch, um die Autoren persönlich zu treffen, ein Foto von und, in besonderen Fällen, mit ihnen zu machen und ein Autogramm zu bekommen. Zudem gab es Diskussions- und Fragerunden mit Autorinnen und Autoren. In einem Gespräch mit dem Titel „Erfahrene Autorinnen geben Tipps für das Entwickeln und Schreiben von Liebesgeschichten“ gaben Ellen McCoy (Hin und weg verliebt: Alaska wider Willen), Sarah Saxx (Harte Schale, weiches Herz) und Emma Smith (Lost Heart: Der Traum von uns) einen Kostprobe zum Thema Genreschreiben und was ihnen bei Charakteren wichtig ist.

Derek Landy – Lesung und Autogrammstunde

Derek Landy, Autor der mittlerweile zehnbändigen Skulduggery Pleasant-Reihe, war zu Besuch auf der Leipziger Buchmesse, da von seiner Romanreihe Demon Road der dritte Band Finale infernale am 12. März 2018 beim Loewe Verlag erschienen ist. Der irische Autor hat sich viel Zeit für Autogrammstunden und Selfies genommen. Dass er dabei seinen Spaß hatte, können wir bezeugen, denn er scherzte mit wirklichen jedem, der vor ihn trat. Zwei Lesungen gab es an den Messetagen, bei dem Schauspieler Rainer Strecker aus dem zehnten Skulduggery Pleasant vorlas. Da sich der Band laut Aussage von Herrn Landy gut als Quereinstieg eignet, war er auch etwas für Neulinge. Rainer Strecker, der auch als Hörbuchsprecher tätig ist und die deutsche Vertonung der Buchreihe gesprochen hat, hatte viel Spaß bei der Lesung am Samstag. Bei dieser waren wir dabei und können sagen: Es hat sich gelohnt. Während Derek das Mikrofon mehrfach um- und auseinandergebaut hat, hat Herr Strecker mit viel Elan vorgelesen. Am Ende der Lesung ließen Autor und Moderator noch Zeit für Fragen aus dem Publikum. Eine davon war, wie er auf das Liebesdreieck gekommen ist und warum er im aktuellsten Band den Charakter Omen Darkly so charakterisiert hat, wie er ist. Am Freitagabend um 19 Uhr gab es noch eine Lesung auf einem Leipziger Friedhof. Doch dank Schneechaos war es uns leider nicht möglich, daran teilzunehmen. Laut dem, was wir aber mitbekommen haben, war die Stimmung in der Kapelle, in der die Lesung stattfand, sehr gut.

Meet & Greets

Wie bereits erwähnt, nutzen nicht wenige Verlage und Verbände eine Buchmesse dazu, um die Leser in Kontakt mit den Autoren zu bringen. Zum Beispiel konnte man beim Mantikore Verlag Elea Brandt, Autorin von Opfermond treffen, sich sein Buch signieren lassen und Fragen stellen – über das Gelesene oder über zukünftige Projekte. Man konnte aber auch einfach nur ein kurzes Gespräch mit ihr führen. Eine andere Anlaufstelle war direkt gegenüber der Stand des Nornennetzes – dieses Netzwerk möchte Autorinnen der Phantastik dabei helfen, sich mehr Gehör und Aufmerksamkeit in einer noch recht männerdominierten Literaturwelt zu verschaffen. Dementsprechend konnte man auch die ein oder andere Autorin dort antreffen: Unter anderem Nora Bendzko (Galgenmärchen), Janna Ruth (die den Seraph für „Bester Independent-Titel“ gewann, s.o.) und Nike Leonard (Der Fluch des Spielmanns). Auch in Halle 5 konnte man zum Beispiel beim Selfpublisher Verband immer wieder einige der dort ausgestellten Autoren und Autorinnen antreffen. Dahlia von Dohlenburg brachte Meermänner küsst man nicht mit und Anja Stephan präsentierte stolz die neue Ausgabe ihres Debuts A Fairy Tale – Die Suche nach dem blauen Herz.

Die Leipziger Buchmesse 2018 war wieder ein sehr schönes Erlebnis. Ich war das dritte Mal in Folge zu Besuch und kann nur sagen: Gerne wieder. Gleich am ersten Tag ist mir aufgefallen, dass sehr viel Polizei auf dem Gelände unterwegs war. Das Wetter war leider so gar nicht nach meinem Geschmack! Denn durch den Schnee konnten wir das schöne Außengelände nicht genießen. Aufgrund der Umstände sind wir schnell zum Messeeingang und auch wieder zum Taxi zurück. Dass es in der Haupthalle von der Decke getropft hat, war gar nicht angenehm. Am ersten Tag sind wir fast alle Hallen abgelaufen. Es gab wieder sehr unterschiedliche, interessante Stände mit vielen Programmheften und Leseproben, mit denen ich mich gut eingedeckt habe. Tanz, meine Seele von Kira Minttu aus dem Amrûn Verlag ist das Buch, das ich mir gekauft habe und auf das ich schon sehr gespannt bin. Die Wegfindung von Halle zu Halle war am Samstag wieder ein bisschen kompliziert, da bei hohem Besucheraufkommen ein Einbahnstraßenprinzip herrschte.

Ich freue mich jedes Jahr auf die LBM/MCC und auch wenn es dieses Jahr wirklich nicht einfach war, zum Messegelände zu gelangen, habe ich die Zeit gerne auf mich genommen. Mein persönliches Highlight war die Lesung von Derek Landy. Dabei habe ich noch absolut nichts von ihm gelesen! Doch der Autor war extrem gut gelaunt, so dass ich gar nicht anders konnte, als mit zu lachen. Der Text von der Lesung war auch für mich verständlich und ich habe mir vorgenommen, die Skulduggery Pleasant-Reihe nun auch zu lesen. Von den Problemen mit den Rechten habe ich nicht viel mitbekommen. Von dem hohen Sicherheitsaufkommen hingegen schon, sobald ich Halle 1 verlassen habe. Der Samstag war wirklich eine nasse Angelegenheit! Gerade ich als Hobbyfotografin, musste immer wieder aufpassen, dass meine Kamera nicht nass wird (von meinem Cosplay ganz zu schweigen)! Viel Geduld musste ich für die Garderobe aufbringen. Ich stand, glaube ich, mit meinen Freunden 30-40 Minuten in der Schlange in Halle 1. Trotzdem kann ich dem Personal nicht böse sein, denn bei dem Wetter haben es viele schwer gehabt, dorthin zu kommen. Laut Schild gab es daher Unterbesetzung an allen Schaltern. Sehr schön fand ich, dass der Feder & Schwert Verlag wieder bei der LBM dabei war. So konnte ich wegen des 16. Harry Dresden-Bandes nachfragen und habe zwar keine befriedigende, aber sympathische Antwort bekommen. Ich freue mich schon sehr auf die nächstjährige Messe. Diesmal dann aber bitte wieder mit Plusgraden und Sonnenschein!

Die Leipziger Buchmesse ist für mich viele Jahre ein Heimspiel gewesen. Die Anreise aus Dresden war zwar noch wesentlich kürzer, aber auch nach meinem Wegzug aus Sachsen lasse ich es mir nicht nehmen, jedes Jahr wieder in diese tolle Stadt zu pilgern, um eine der tollsten Messen des Jahres zu erleben. Deshalb jährte sich mein Besuch auch zum 14. Mal und ich muss mir wohl für das anstehende Jubiläum 2019 etwas überlegen! Dieses Jahr habe ich die vier Tage eher ruhig angehen lassen. Basis meiner Ausflüge war die Phantastik-Lounge des Phantastik-Autoren-Netzwerkes direkt hinter der Fantasy-Leseinsel in Halle 2. Von dort unternahm ich meine Ausflüge zu diversen Kleinverlagen und kam oft kaum zwei Meter weit, ohne jemanden zum Knuddeln zu finden. Spannende Gespräche mit anderen Autoren, die Freude, von Andreas Brandhorst wieder erkannt zu werden (er wusste noch meinen Namen!) und Pläne für die Zukunft, die mich wieder zum Schreiben motivieren, geben mir jedes Mal aufs Neue die Gewissheit: Ich liebe meine kleine Literaturwelt und möchte die ganzen Bekanntschaften nicht mehr hergeben! Andere Hallen habe ich nur kurz besucht, meist in Begleitung von spontan getroffenen Freunden. Ein besonderes Erlebnis war für mich die Guerilla-Lesung, zu der mich die bezaubernde Faye Hell einlud. Zu hören, was andere Autoren schreiben und wie sie es vorlesen, hat unglaublich viel Spaß gemacht. Ich hoffe, ich darf auch nächstes Jahr wieder Teil der Guerillas sein, freue mich aber so oder so auf die nächste Messe.

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