Ghost – Das Musical

Ghost – Das Musical erzählt eine dramatische Geschichte über die Kraft der wahren Liebe. Diese Liebe setzt sich über Grenzen hinweg – sogar über jene zwischen Leben und Tod. Als Vorlage dient der Kinohit Ghost – Nachricht von Sam mit Patrick Swayze (Dirty Dancing) und Demi Moore (Die Akte Jane) in den Hauptrollen. Selbst nach knapp 30 Jahren ist der Film vielen Zuschauern noch im Gedächtnis. Eine Geschichte voller Tragik, Romantik und auch Humor, deren Mischung für die Showbühne bestens geeignet ist. Nach Berlin und Hamburg ist das Stuttgarter Stage Palladium Theater die dritte Station in Deutschland. Dort ist die geisterhafte Geschichte noch bis April 2020 zu sehen, ehe sie von den tanzenden Vampiren abgelöst wird.

Die Künstlerin Molly Jensen und der Bänker Sam Wheat sind ein glückliches und bis über beide Ohren verliebtes Paar. Auf einem nächtlichen Nachhauseweg kommt es zu einem Überfall, bei dem Sam erschossen wird. Molly ist schwer erschüttert, jedoch weiß sie nicht, dass Sam zwar tot, aber doch noch da ist. In Form eines Geistes befindet er sich in einer Zwischenwelt, zwischen Leben und Tod. Carl, bester Freund und ehemaliger Kollege Sams, begleitet Molly in dieser schweren Zeit. Sam bleibt an Mollys Seite, doch sie kann ihn weder sehen, noch hören oder spüren. Er versucht sie um jeden Preis zu beschützen und zu warnen, nachdem er herausfindet, dass sein Mörder nun hinter ihr her ist. Unterstützung findet er in der Spiritistin Oda Mae Brown. Sie kann ihn zwar auch nicht sehen, dafür aber hören, was sie zu Beginn erschüttert. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hielt sie sich für eine Betrügerin, die ihren Kunden vorspielte, ein Medium zu sein.

Wahre Liebe endet nie

Originaltitel Ghost – The Musical
Uraufführung 2011
Land England / Manchester (2011) oder Deutschland / Berlin – Theater des Westens (2017)
Musik Dave Stewart, Glen Ballard
Cast Sam Wheat: Riccardo Greco
Molly Jensen: Roberta Valentini
Carl Bruner: Thomas Hohler
Oda Mae Brown: Kim Sanders
Willie Lopez: Vini Gomes
Krankenhausgeist: Benjamin Beckmann
U-Bahn-Geist: Enrico Treuse

Das Musical Ghost, basierend auf der erfolgreichen Filmromanze von 1990, feierte am 7. November 2019 Premiere im Stuttgarter Stage Palladium Theater. Anstatt der Hollywood-Stars Patrick Swayze und Demi Moore treten Musical Darsteller Riccardo Greco (Mamma Mia!) und Roberta Valentini (Elisabeth) in die Rollen der liebenden Sam und Molly, die auf tragische Weise voneinander getrennt werden. Die beiden Hauptdarsteller standen bereits im Operettenhaus in Hamburg zusammen auf der Bühne und sind bereits ein eingespieltes Team. Beide beherrschen ein natürliches und emotionales Schauspiel. Sie mimen das Liebespaar absolut authentisch, sodass ihre Liebe über den Tod hinaus fühlbar ist. Thomas Hohler (Anastasia) in der Rolle des Carl vollzieht den 180 Grad-Wechsel seiner Figur binnen Sekunden: Vom hilfsbereiten Kindergartenkumpel zum gierigen, besessenen Bösewicht.

Lebe den Augenblick

Auf der Kinoleinwand übernahm Whoopi Goldberg (Sister Act) die Rolle der Oda Mae Brown und erhielt hierfür sogar einen Oscar als beste Nebendarstellerin. Auch im Musical sorgt in jener Rolle die ehemalige Culture Beat-Sängerin Kim Sanders für Tränen in den Augen, allerdings eher vor Lachen. Es ist das Musical-Debüt der einstigen Zweitplatzierten von The Voice of Germany. Das Auftreten Oda Maes lockert die Handlung auf und sorgt für einen zusätzlichen Reiz, da Abwechslung in das dramatische Geschehen rund um Sam und Molly gebracht wird.

24 unterschiedliche Songs

Die Darstellung von Sams Geist wird glaubhaft inszeniert. Durch helles bläuliches Licht und sein weißes Hemd wird die Illusion deutlich, dass er nicht mehr physisch unter den anderen ist. Und bei den Gesprächsszenen bekommt seine Stimme durch die Tontechnik einen gewissen Hall, der in den Gesangsparts allerdings abgeschaltet wird. Ebenfalls ist die Musik perfekt auf den Wechsel der Gefühle abgestimmt. Bereits der Film brachte eine der bekanntesten Liebes-Balladen hervor: den Song “Unchained Melody” in der Version von The Righteous Brothers. Dieses Lied fand ebenfalls den Weg auf die Bühne und das nicht nur einmal. Hinzu gesellen sich weitere gefühlvolle Stücke, gemischt aus Pop- und Soul-Nummern. Einen ganz unerwarteten Effekt in petto hat eine Rap-Nummer des U-Bahn-Geistes, die mit einigen Stroboskop-Blitzen noch mehr Action hervorbringt, allerdings auch dafür sorgt, das dass Publikum die Augen zukneifen muss. Wer das Lied “Drei Chinesen mit dem Kontrabass” kennt, kann sich auf eine lustige Szene freuen.

Übernatürliches vom Feinsten

Der Wechsel des Bühnenbildes erfolgt ganz unter dem Stern des Musicaltitels stehend wie von Geisterhand. Die New Yorker U-Bahn-Station (mit Geist auf dem einfahrenden Zug) wird zu einer Bank. Daraus entsteht Mollys Wohnung, umgewandelt in Oda Maes Wahrsagebude. Das Krankenhaus vollzieht einen Wandel zum schäbigen Zimmer von Sams Mörder. Wie fortgeschritten die Bühnentechnik heutzutage sein kann, zeigt die Crew in Stuttgart deutlich. Sam geht durch eine verschlossene Tür, Akten und ein Stuhl fliegen im Büro durch die Gegend, ein Brief entfaltet sich in Mollys Hand von Geisterhand und Personen werden in die Luft gehoben. Zuständig im Stage Palladium Theater ist hier Andreas Meinhardt alias Nils Bennett, der unter anderem mit Illusionisten und Magiern wie den Ehrlich Brothers arbeitet.

Film oder Musical?

Die Verbindung zum Film ist schnell herzustellen, denn die Bühnenshow orientiert sich handlungsmäßig stark an dem Streifen von 1990. Nicht nur durch die Charaktere wie der Geist der U-Bahn oder im Krankenhaus. Die legendäre Töpferszene, auf die viele Zuschauer warten, kommt bereits zu Beginn der Vorstellung und sorgt für den ersten Gänsehautmoment. Ebenso sind viele Texte im Skript Wort für Wort übernommen, was vor allem bei den Gesprächen zwischen Sam und Carl deutlich wird. Eine weitere Szene rund um den “Dito/Ich liebe Dich”-Streit ist durch den Film bekannt. Dieser findet im Musical ebenso statt und geht über in ein Lied von Roberta Valentini und Riccardo Greco, in dem er erklärt, warum er auf Mollys Liebeserklärung mit einem Dito reagiert und die drei bekannten Worte nicht ausspricht. “Dito” spielt übrigens im Finale noch eine Rolle, die bei einigen Zuschauern für ein Schmunzeln sorgen wird.

Fazit

Zunächst konnte ich mir Ghost – Das Musical auf der Bühne nicht richtig vorstellen. Es sind zahlreiche Gänsehautmomente vorhanden, traurige und romantische Szenen sowie Momente, in denen man einfach nur lachen muss. Riccardo Greco und Roberta Valentini als Hauptdarsteller sind klasse. Die beiden besitzen angenehme Stimmen und auch ihr schauspielerisches Können passt super in die Rollen von Sam und Molly. Die Verzweiflung über den Tod, ist ihnen anzusehen. Auch Kim Sanders als Medium Oda Mae Brown beeindruckt. Schon in der ersten Szene, als sie versucht einen Geist zu beschwören, kann man einfach nur lachen und als es zum Kontakt mit Sam kommt, stehen einem Tränen in den Augen. Da vergisst man fast die tragische Geschichte. Oda Mae bekommt auch lustige Kommentare auf die Lippen geschrieben. Wer würde sich zum Beispiel in einer Bank 10 Millionen Dollar in Zehnern und Zwanzigern auszahlen lassen wollen? Thomas Hohler als Carl habe ich bereits in Anastasia als Dimitri gesehen und in Ghost – Das Musical schafft er es glaubwürdig, die Persönlichkeit seiner Rolle zu verändern. Lichteffekte verdeutlichen stimmungsvoll das Auftauchen von Geistern. Einzig in der Szene, als Sam es mit dem U-Bahn Geist zu tun bekommt, musste ich weg schauen. Diese Lichtblitze waren mir zu grell und zu viel. Sam tut einem fast leid, da er die meiste Zeit ignoriert wird. Ich denke für ihn ist es schwer, von den anderen nicht angesehen zu werden, aber auch für die anderen, die so tun müssen, als würden sie keine Notiz von ihm nehmen. Die Leistung der Darsteller ist es Wert, das Stück zu erleben.

© Stage Entertainment

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