Ayres’ Jahresrückblick 2020

Ich fühle mich jedes Mal ein bisschen schlecht, wenn ich mir insgeheim denke, dass 2020 für mich persönlich ein richtig gutes Jahr war. Nicht nur als Privatperson, sondern vor allem als Geek. Und ja, das denke oder sage ich ganz bewusst und unabhängig von dem, was dort draußen geschieht. Sicherlich hätte 2020 ganz andere Züge annehmen können. Wer hätte denn auch geahnt, dass wir von einer globalen Pandemie erfasst werden? HALT! Nicht die Augen verdrehen und weiterklicken. Ich kann die Begriffe Corona und Pandemie auch nicht mehr hören, werde das C-Wort im folgenden Text aber nicht ausblenden können. Wie wäre es mit einem Kompromiss? Ich erwähne die Worte oben nicht mehr und ihr lest einfach weiter. Okay?

Filme

Cool, ihr seid noch da. Dann beginne ich doch direkt mal mit meinem liebsten Medium, dem Film. Ich komme trotz Corinna – ihr seht, ich halte meine Versprechen – auf eine respektable Anzahl an Kino-Besuchen in diesem Jahr. Und irgendwie fühle ich mich auch ein wenig privilegiert, dass ich mit A Quiet Place 2 die Pressevorführung eines Films besuchen durfte, der ursprünglich im Februar 2020 in die Kinos kommen sollte, aber bis heute nicht erschienen ist – und das auch in naher Zukunft wohl nicht wird.

Nun, ich komme auf eine Zahl von mehr als 500 gesehenen Filmen in diesem Jahr und davon schätzungsweise 70 im Kino. Ich gebe zu: So schön allein im Kino wie in Blumhouses Der Hexenclub oder Hexen hexen (2020) war es selten. Nicht, dass die Filme besonders herausragend sind. Aber der Filmfreund in mir hat es genossen, mal nicht vom Publikum abgelenkt zu werden. Mein erster Kinobesuch in diesem Jahr war Knives Out – Mord ist Familiensache und eigentlich kann ich gar nicht viel Schlechtes über den Film sagen. Nur, dass ich immer wieder mit den Augen rollen muss, wie dieser Auf-Nummer-sicher-Film mit seinem Allstar-Cast in Deutschland gefeiert wurde. Dabei ist er einfach nur gut produziertes, aber vollkommen seichtes und vor allem belangloses Mainstream-Kino, das sich anbiedert. Der Januar brachte für mich mit Jojo Rabbit auch gleich einen der drei besten Filme des Jahres hervor. Ich hätte aufgrund der Beschreibung niemals (also: never ever!) gedacht, dass mich über ein Film über die Hitler-Jugend doch so sehr bewegen und gleichzeitig amüsieren könnte. Chapeau für diese ausbalancierte Mischung! Gleichzeitig aber auch der beste Film des Fantasy Filmfest White Nights 2020, die mich sonst komplett enttäuscht haben. Mit Underwater –  Es ist erwacht erschien ein weiteres Highlight und der wohl beste Sci-Fi-Actioner des Jahres. Limitierter Kino-Start, damit man auch direkt sehen kann, wieviel Disney noch auf seine 20th Century Fox-Altlasten gibt … Bevor es in den Lockdown ging, war ich tatsächlich vier Wochen hintereinander noch im Kino: In dem grottigen Teenie-Horror Countdown (für alle, die tatsächlich Final Destination nicht kennen sollten), den himmelweit beschissenen Fantasy Island (bei dem ich auch nicht müde werde zu betonen, dass mich kein Film 2020 in solchem Maß aufregen konnte wie dieser in einem großen Rotzhaufen ertränkte Logikfurz). Dann war da noch Bombshell –  Das Ende des Schweigens und mit Birds of Prey –  The Emancipation of Harley Quinn tatsächlich noch ein Highlight, bei dem ich sagen kann: Die Mischung aus Action und Comedy finde ich ja wirklich prima ausgeklügelt. Dass tatsächlich Zuschauer den Weg nicht ins Kino gefunden haben, weil der Film eben “Birds of Prey” und nicht “Harley Quinn” heißt, … da kommt wieder so ein Schamgefühl auf. Der März bescherte mit Der Unsichtbare nochmal so einen richtigen Kracher. Tolle Sci-Fi-Ideen, ein wahnsinniges Tempo, eine hohe Schlagzahl an Überraschungen und eine Elisabeth Moss, die zeigt, weshalb sie zu den beeindruckendsten Schauspielerinnen der Welt zählt. Rundum gelungen. Dann wurde Corinna aber richtig spürbar und wir mussten auf VOD-Releases umsatteln. Zugegeben: Meine Filme schaue ich lieber zu Hause als im Kino. Da stört keiner. Aber wie sich Menschen in Social Media aufplustern, dass sie nun ja endlich brandneue Filme direkt als Raubkopie sehen dürfen, widert mich schon an. Und wo wir schon bei moralischer Haltung sind, werde ich auch nicht müde zu erwähnen, was für ein Fehlschlag doch Black Christmas ist, das es sich einfach nur auf die Fahne geschrieben hat, die Geschlechter zu entzweien und Männer als grundliegend böse abzutun. Wasser auf den Mühlen aller Emanzipationsgegner und Diversity-Kritiker.
Die Zeit bis zur Wiedereröffnung der Kinos vertrieb ich mir mit Streaming und dem Abarbeiten meiner elendig langen Watchlist. Mit Mein Ende. Dein Anfang. konnte ich mich nach langem auch mal wieder für einen deutschen Film begeistern. Wieso werden Nachwuchstalente hierzulande nicht genügend gefördert, aber der nächste unkreative Schweig(höf)er-Film erhält die fetten Budgets? Pixars Onward: Keine halben Sachen ist noch so eine positive Überraschung. Früher, wenn es hieß “Filme für die ganze Familie”, wusste man: Die Eltern werden den Film eher aussitzen. Das hier ist tatsächlich mal ein Film, an dem auch Erwachsene Spaß haben können. Zur Wiedereröffnung der Kinos fanden dann im Sommer die Fantasy Filmfest Nights statt, die mit Yummy und Malasaña 32 – Haus des Bösen zwei überdurchschnittlich starke Filme zeigten, die mir auch in Erinnerung bleiben werden. Zeitgleich lief im Kino auch Gretel & Hänsel, was wohl der Spalter des Jahres schlechthin ist. Ich habe inzwischen gelernt, auch Arthouse-Dramen genießen zu können und bin schon sehr angetan vom Ergebnis. Ein Film mit wahnsinnig tollen Produktionswerten und stimmungsvoller Kulisse. Mit dem Programm des Fantasy Filmfest 2020 tat ich mich dieses Jahr eher schwer. Mit Palm Springs hat sich aber direkt ein Film in meine Top 3 gespielt und mich so richtig abgeholt, geflashed, berührt. Dass ich das noch erleben durfte! So dankbar. Weitere Knaller: Possessor, Breaking Surface – Tödliche Tiefe, Mandibles und PG: Psycho Goreman. Alle in ihrem Genre wirklich großartig und jeden davon werde ich mir bestimmt noch ein paar mal ansehen. Als wäre so ein Festival nicht schon anstrengend genug, nahm ich gleichzeitig noch als Online-Veranstaltung des HARD:LINE Film Festival 2020 mit. Hier konnte ich vor allem an Red Screening und Koko-Di-Koko-Da Gefallen finden. Letzterer besitzt auch das Zeug, die Massen wieder zu spalten. Bei The New Mutants weiß ich einfach nicht, ob ich lachen oder heulen soll. Wenn man die Entstehungsgeschichte des Films kennt, wird einem einiges bewusst. Aber sonst ist das ein im ganz großen Stil in den Sand gesetzter Film. Ein Film, der mir als Home Release noch ans Herz gewachsen ist, ist Swallow. Noch ein Arthouse-Drama, das sich auf besondere Weise mit einer psychischen Krankheit befasst. Nur eben mal ganz unaufgeregt und ohne viel Thrill.

Abseits von Neuheiten: Ich habe dieses Jahr Mary & Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet? für mich entdeckt und der Film konnte direkt in meine Allzeit-Top 10 einsteigen. Etwas fürs Herz. Ich bin verzaubert. Alles in allem habe ich die Lockdowns und Home Office-Phasen schon sehr sinnvoll genutzt, um eine respektable Anzahl an Filmen nachholen zu können.

Am häufigsten gesehener Film: I See You von 2019. Noch immer meine absolute Geheimempfehlung.

Bitte nicht mehr davon: generische Animationsfilme, die von der Popularität ihrer Figuren leben, sonst aber keine Ideen mitbringen (Sonic the Hedgehog, Scooby! Voll verwedelt).

Größte Gurke: I Spit On Your Grave Déjà vu. Daran ist einfach alles schlecht und das auch noch in Überlänge.

Langwierigster Kino-Besuch: Tenet. Meine Ohren dröhnen noch immer von dieser Abmischung.

Serien

Ein großes Dank an Corinna an dieser Stella, die sich dafür eingesetzt hat, dass ich mit diesem Jahr mit einer Serien-Watchlist von fast null herausgehen werde. Damit hätte ich niemals gerechnet (in zehn Jahren kein einziges Mal geschafft), aber sich zukünftig nur noch auf Aktuelles konzentrieren zu können ohne immer im Hinterkopf zu haben, dass irgendwo noch dutzende Folge warten, hat schon etwas Angenehmes. Außerdem gibt es ja auch noch TV-Inhalte und unter meiner Brust schlägt auch ein starkes Reality TV-Herz, das sich freut, wenn ich Zeit für jedes Guilty Pleasure finde  …
An erster Stelle muss ich eine Serie nennen, die mich zur Jahreswende so richtig geflashed hat und über deren Erscheinen auf Blu-ray ich mich auch ungemein freute: Years and Years! So packend, so nah an der Realität und so zukunftsweisend. Okay, wer hätte damit gerechnet, dass Corinna das nächstgrößere Ding werden würde? Ansonsten wäre sicherlich der eine oder andere Verlauf dieser Serie eingetreten … Theoretisch würde ich in Sachen Qualität direkt als nächstes Watchmen fallen lassen. Die habe ich aber 2019 gesehen, 2020 nur gekauft. Egal, nun stehen sie nochmal hier.
Auf der Streaming-Front war bei mir jede Menge los. Serien sind eigentlich so der einzige Grund, weshalb ich noch ein Netflix-Abo besitze. Sonst wäre ich dort schon längst weg so mau sieht es an der Filmfront aus. Gleichermaßen schockiert es mich aber auch, wenn ich so erlebe, wie viele Leute ihren Film- und Serienkonsum ausschließlich aus dem Netflix-Angebot beziehen. Mein Jahr begann jedenfalls mit dem unterdurchschnittlichen V Wars, dem Netflix inzwischen selbst schon wieder den Stecker gezogen hat. Ich kann meinen Groll gegenüber diesem Streamingdienst manchmal einfach nicht zurückhalten. Aber tatsächlich brachte er 2020 auch viel Gutes hervor. Etwa Ragnarök, die moderne Götter-Saga, die sich selbst mit Mystery, Umweltthriller und Coming-Of-Age kombiniert. Staffel 2 darf gerne bald kommen!
Carmen Sandiego und She-Ra und die Rebellen-Prinzessinnen haben auch 2020 einen starken Eindruck hinterlassen. She-Ra wieder ein wenig mehr, denn zum Ende hin nimmt die Serie so richtig an Fahrt auf, sodass man eine steile Entwicklungskurve beobachten kann. Auch hinsichtlich ihrer Charakterentwicklung ein echtes Musterbeispiel.
Auf Locke & Key war ich durchaus neugierig, aber so richtig gepackt hat die Serie mich nicht. Und so im Nachhinein: Eigentlich ist davon gar nichts hängen geblieben. Heißt also: bin raus für Staffel 2. Ju-On: Origins ist genau die Art Erzählverlängerung, für die ich Netflix auch schätze. Mehr Serien dieser Art bitte, die ein Erzähluniversum sinnvoll ergänzen. Zwei Serien, auf die ich mich nie so recht freue, dann aber doch gerne schaue, sind Titans und The Umbrella Academy. Mir fällt es bei beiden schwer, dran zu bleiben, da ich das Thema Superkräfte bzw. Superhelden schon so satt bin. Mit der zweiten Staffel hat The Umbrella Academy aber wirklich so vieles richtig gemacht. Offen bin ich immer für Produktionen aus dem Osten. Mal läuft das gut, so wie zuletzt bei Alice in Borderland, mal geht das in die Hose. So wie bei dem indischen Dramaturgie-Fehlschuss Vetala. Und manchmal erwartet man gar nichts, wird aber doch überraschend gut unterhalten, etwa in der brasilianischen Zombie-Produktion Reality ZAnother Life gurkte ewig auf meiner Watchlist herum, bis ich mich dann erbarmte. Die Serie orientiert sich inhaltlich an einer breiten Masse beliebter Sci-Fi-Titel. Eigenständigkeit ist aber nur in Maßen vorhanden und im Besonderen die schwachen Charaktere, deren eindimensionale Persönlichkeiten sich auf durchschnittlichem Soap-Niveau bewegen, können nicht überzeugen. Mit You – Du wirst mich lieben hat Netflix ein ganz cooles Psycho-Drama im Angebot, das auch in der zweiten Staffel eine gute Figur macht. Chilling Adventures of Sabrina steht kurz vor dem Ende und die erste Hälfte der zweiten Staffel (aka Part 3) zeigt, dass die Serie sich inzwischen auch gefunden hat. Die dritte Staffel Élite fühlt sich an, als würde man bereits zum dritten Mal das gleiche Stück Torte servieren, das zwar weiterhin vorzüglich schmeckt, aber einfach nichts Neues mehr darstellt. Die Suche nach dem Mörder macht Spaß, zeigt aber auch massiv Abnutzungserscheinungen. Es wäre nicht die schlechteste Entscheidung, an der Stelle einen Punkt zu machen. Spuk in Bly Manor brauchte bei mir echt seine Zeit, ist aber wohl eine der besten Serien des Jahres. Die emotionale Erzählweise und die neuen erfrischenden Ansätze greifen so selbstbewusst ineinander, dass ein schaurig-romantisches Oldschool-Grusel-Feeling kaum besser treffen hätte können. Eine der wenigen Ausnahmen, denn oft sind Folgestaffeln einfach nicht mehr das Gelbe vom Ei. So wie Staffel 3 von The Sinner. Der deutlich niedrigere Spannungsbogen, die angestiegene Dialoglastigkeit sowie der Fokus auf Charakterstudie sorgen dafür, dass sich die ohnehin dünne Handlung kaugummiartig in die Länge zieht. Dead to Me Staffel 2 ist für mich klassischer snackable Content: Schnell konsumiert, kurzzeitig genossen, aber eben kein vollwertiger Hauptgang. Gesehen habe ich noch die chinesische Version von Chosen, einem Play-or-die-Thriller, der auf einer US-Serie fußt und sich auch als Quasi-Reboot sehen lassen kann. Sind nur drei Folgen à 60 Minuten.

Hollywood ist eigentlich genau das, was ich befürchtet habe. Der typische Ryan Murphy-Aufguss, nicht mehr und nicht weniger. Und traurigerweise muss ich dasselbe über Ratched sagen. Verkorkste Erzählweise, Höhepunkt- und substanzlos erzählt, aber viel fürs Auge. Und natürlich wie immer politische Agenda. Gerne würde ich Murphy abschwören, aber an bestehenden Serien bleibe ich natürlich dran. Wo wir schon dabei sind: American Horror Story: 1984 ist wieder einmal nur eine Randnotiz geworden. Diese Staffel wird zwar in der breiten Wahrnehmung wieder stärker gefeiert, aber auch hier fehlt es mir an essenziellen Dingen. Und dann gibt es da noch Staffel 4 von Riverdale. Der Zugunfall in serieller Form. Eskapismus-Parkbucht, IQ-Test und Waschmaschinen-Schleudergang in einem. Man wird durch allerlei haarsträubenden Nonsense gejagt und jedes “das meinen die nicht ernst” wird sofort mit dem nächsten Ereignis quittiert. Staffel 5 kann kommen, ich bin wieder bereit! Auf Netflix zappt man natürlich auch mal in das eine oder andere Genre rein, das man sich sonst eher nicht geben würde. So konnte der innere True Crime-Anhänger in mir mit Unsolved Mysteries unheimlich schnell warm werden und sowas wie Der Boden ist Lava ist einfach ein tolles Guilty Pleasure. Neuerdings fühle ich mich, als wäre ich meine Oma, wenn ich mich dabei erwische, The Crown durchzuschauen.

Mit Absentia hat Amazon Prime Video bei mir einen richtigen Stein im Brett gelandet. Ja, die Serie ist längst auserzählt. Nein, es gibt wirklich nichts Neues mehr zu erzählen. Aber sie ist so verdammt spannend erzählt, dass ich wirklich seit Langem mal wieder Spaß an einer Thriller-Serie und mich auch schon auf Staffel 4 freue. Der zweite Höhepunkt von Amazon ist The Boys. Staffel 1 hat mich ja nur zur Hälfte wirklich überzeugt, aber dass die zweite Staffel dann solch ein Brett werden würde, kam vollkommen überraschend. Mein Gott, wenn ich mir eine Staffel einer Serie sofort herbeizaubern dürfte, dann wäre das Staffel 3 von The Boys. Mit dem Agententhriller Alex Rider und der virtuosen Sci-Fi-Komödie Upload hat Prime für mich aber die Messlatte auch hoch gehängt. Das sind  die Serien, mit denen ich 2020 assoziieren werde. Etwas zäher war der Kampf durch drei Staffeln The Handmaid’s Tale. Geile Dystopie, ohne Frage! Aber auch schwere Kost, die Aufmerksamkeit einfordert und sich hier und da mal nicht mehr vom Fleck bewegt.

Zwischenzeitig hatte ich auch ein Joyn-Abo, welches inzwischen mangels neuer Inhalte wieder gekündigt wurde. Aber immerhin konnte ich dort vier Staffeln The Good Place durchsuchten, von dem ich immerhin berichten darf, dass ich tatsächlich mal Freude an einer Sitcom entwickelt habe. Wenngleich ich mit Staffel 4 wirklich nicht glücklich bin, aber unterm Strich ist das schon eine starke und intelligente Serie mit philosophischem Einschlag. Kurz bevor mein Abo auslief, habe ich noch Cryptid mitgenommen. In einem Jahr ohne Stranger Things kann man die Serie sicherlich als Lückenfüller bezeichnen, darüber hinaus wird es dann aber schon dünn. The Pier ist irgendwo zwischen Thriller und spanischer Telenovela anzusiedeln. Wird damit beworben, dass Álex Pina, der Kopf hinter Haus des Geldes, für die Serie verantwortlich ist und da wollte ich einfach mal spüren, wie brillant das Ergebnis ist. Aber Ende sind es eben doch zwei Staffeln voller Pathos und Telenovela-Feeling vor unglaubwürdigem Story-Konstrukt.

Mit Disney+ kam ein Streamingdienst hinzu, von dem sich wohl alle Abonnenten mehr versprochen haben. 2021 kann es aber endlich losgehen. Die Gunst der Gelegenheit habe ich bislang auch nur genutzt, um Marvel’s Runaways weiterzuschauen, aber in der zweiten Staffel hat mich dann die Lust verlassen. Verdammt. Ab dem kommenden Jahr wird dann wohl Love, Victor auf Disney+ bzw. Star zu sehen sein. Ich habe die Serie mittlerweile auf anderem Wege gesehen und bin einfach total begeistert. Als romantisches Teenager-Drama macht die Serie alles richtig und etabliert sorgsam ausgearbeitete Charakterprofile. Die charmante und emotionale Erzählweise bringt zwar hier und dort auch mal leicht dunkle Anflüge mit, fängt sich aber immer schnell ein und bleibt in jeder Hinsicht eine Feel-Good-Serie.

Meine Sky-Serien kann ich gut überblicken: Das von der Kritik gelobte I May Destroy You hat mich in Grund und Boden gelangweilt. Schlecht will ich es nicht nennen, aber der trotz dramatischer Ereignisse unaufgeregte Erzählstil wollte in meinem Kopf einfach nichts Runde ergeben. The Outsider habe ich inzwischen gedanklich längst archiviert. Das ist nicht meine Serie und da ist auch nichts hängen geblieben. Mit Spides – Berlin ist erst der Anfang hat sich dann ganz unerwartet eine deutsche Serie auf meinen Radar verirrt. Man muss über sehr viele Schwächen hinwegsehen und auch wirklich deutschen Produktionen gut gesinnt sein, um dem Ergebnis etwas abgewinnen zu können.

Aus der Nachhol-Reihe: Harper’s Island war auf dem Papier schon ganz mein Geschmack und ist auch in der Praxis eine gelungene Serie, die ich zwar zehn Jahre zu spät gesehen habe, aber immerhin nun weiß, dass es neben Slasher auch andere gute Schnetzel-Serien gibt. Humans habe ich nur noch der Ordnung wegen durchgezogen. Ab Staffel 2 war die Luft raus. Mortal Kombat: Defenders of the Realm war sozusagen eine Enttäuschung auf Ansage: Anhand der Zielgruppe ist klar, dass dieser Cartoon nicht überzeugen kann. Neugierig war ich natürlich dennoch. Staffel 2 von Missions hat wenig Eindruck hinterlassen. Kuntergrau ist in die letzte Staffel gegangen. Bislang (das Ende fehlt mir noch) ist mir die dritte Staffel der Websoap aber viel zu düster und viel zu traurig, das kommt ein bisschen zu sehr mit dem Dampfhammer. Zum Schluss habe ich mit The Freedom Force ein Stück Kindheit nachgeholt. Geister, die ich besser niemals gerufen hätte. Manches bleibt besser eine gute Erinnerung.

Games

Anfang des Jahres dachte ich mir noch: Och, dieses Jahr widmest du dich vollständig deiner langen Serienliste und lässt die Games einfach mal links liegen.  Als es im März in den Lockdown ging, schloss ich mich dem allgegenwärtigen Hype namens Animal Crossing: New Horizon an. Was soll ich sagen? Ich habe das Spiel zwei Monate intensiv gespielt, dort viel Zeit mit einem bestimmten Menschen verbracht und auch eine hübsche Insel aufgebaut. Irgendwann empfand ich es aber nur noch als Zwang, mich täglich einzuloggen und meine Insel-Runde zu drehen oder sonntags irgendwelche Rüben-Preise zu vergleichen, sodass ich dann schneller wieder raus war als gedacht und habe schnell The Legend of Zelda: Link’s Awakening nachgeschoben. Ein wirklich putziges Remake, an dem es rein gar nichts auszusetzen gibt. Die meiste Zeit habe ich aber in Ultimate Chicken Horse verbracht. Einfach das beste Multiplayer-Game aller Zeiten. Tränen gelacht, kreativ gewesen, Schadenfreude ausgelebt. Wird immer wieder gerne mit meinen Freunden online wie offline gespielt. Dazu kommen auch immer wieder Runden in Overcooked 2 sowie dem brutalen Puzzle-Game Death Squared. Die ideale Kopfnuss für mehrere Spieler. Sonst herrschte lange Zeit Ebbe auf der Nintendo Switch, was dazu führte, dass Super Mario 3D-Allstars ins Haus kam. Seitdem stecke ich irgendwo in Super Mario 64 fest und ärgere mich über die Steuerung. Im Dezember habe ich mir noch Felix the Reaper geholt, nachdem ich das bei einem Freund kurz gesehen habe. Ich war sofort Feuer und Flamme und für den tanzenden Tod und die Knobelei. Wirklich ein schönes Indie-Game. Was ich gar nicht auf dem Zettel hatte und mich erst kurz vor der Veröffentlichung aufmerksam machte, ist Immortals: Fenyx Rising. Noch mehr The Legend of Zelda: Breath of the Wild-Abklatsch geht nicht. Aber es ist ein guter Abklatsch, wenngleich mir irgendwie etwas die Magie fehlt. Noch habe ich nicht so recht den Biss, mich dahinter zu klemmen. Ohne nachzugucken, hätte ich wohl Marvel Ultimate Alliance 3: Black Order übersehen. Ein totaler Fehlkauf, der sich keine zwei Tage in meiner Konsole halten konnte.

Auf dem PC habe ich ein einziges Spiel gespielt: Tell Me Why. Nicht ganz das, was ich mir erhofft habe, aber inhaltlich besitzt das Spiel schon so seine Momente und auch die Charaktere sind gut geschrieben

Auf der PlayStation 4 hatte sich irgendwann so eine dicke Staubschicht gesammelt, dass ich dort mit dem Finger “Corinna” hätte reinschreiben können. Bis Juli dauerte es, bis sie wieder in den Betrieb ging. Da hatte sich dann nämlich ein Teil in meinem Freundeskreis gebildet, der eine Vorliebe für storyaffine Games besitzt und mit dem wurden erst Detroit: Become Human, dann Beyond: Two Souls und Heavy Rain durchgespielt. Interessant, wie jeder so seinen persönlichen Liebling in der Reihe hat. Das Fahrenheit-Remake ist leider inzwischen auf 2021 geschoben worden. Dazwischen legte ich noch eine Wiederholung von Uncharted 4: A Thief’s End ein. Einfach weil ich mir schon immer gesagt hatte, dass ich so ein geniales Spiel mehrfach spielen muss. Neuer Stoff kam im Oktober mit Little Hope. So richtig Klick hat es nicht gemacht, aber ich habe mit meinen Freunden eine intensive Halloween-Nacht mit dem Spiel gespielt. Auch wenn ich das im Vergleich zu den Vorgängern vermutlich nicht mehr anrühren werde. Im nächsten Jahr kommt dann die PlayStation 5 ins Haus. Vielleicht werde ich dann wieder ein wenig aktiver als Gamer.

Animes

Auf der einen Seite habe ich schon eine respektable Anzahl an Anime-Titeln gesehen und bin der Sache generell auch aufgeschlossen, aber: Find mal einen herausragenden Titel. Auch in diesem Jahr blieb die Begeisterung aus. 

Erstmal an der Filmfront: Fate/stay night: Heaven’s feel 2: Lost Butterfly macht eigentlich alles richtig und ist mindestens genauso opulent wie sein Vorgänger. Das Allerschlimmste und Dilettantischste, was ich in den letzten Jahren gesehen habe, ist The Island of Giant Insects. Wow, also eine derart miese Handlung mit hassenswerten Figuren und grauenerregenden Animationen habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Genauer gesagt seit Gyo: Tokyo Fish Attack, welches ich witzigerweise dieses Jahr rewatchte, als ein Freund da war, der den Wunsch äußerte “lass einen trashigen Anime gucken” …  Positives Kontrast-Programm: Um ein Schnurrharr. Da hat Netflix erfreulicherweise ja schnell das Geld in die Hand genommen und den Film eingekauft. Eine der wenigen positiven Erfahrungen. Hello World habe ich tatsächlich gefressen, so schwer fällt es mir, an dem Film positive Ansätze zu finden.

Bei Darwin’s Game musste ich eben selbst nachsehen, ob ich es überhaupt geschaut habe. Sagt eine Menge über den Titel aus, nicht? Und so geht es mir mit viele Anime-Serien: Mehr als ein schneller Snack für zwischendurch ist selten drin. Ebenso ist auch Puella Magi Madoka Magica Side Story: Magia Record an mir vorbeigerauscht. Mit Staffel 2 von 7 Seeds war ich schon höher involviert, auch wenn das qualitativ auch wieder Durchschnittsware ist. Immerhin: Pokémon: Twilight Wings konnte mich kurzfristig nochmal in Erinnerungen an das letzte Spiel schwelgen lassen.

Also weiter mit der Anime Spring Season, wo mit Fruits Basket immerhin eine Serie fortgeführt werde, für dich ich meine Hand ins Feuer legen kann. Aber ja, auch wieder ein Armutszeugnis, wenn ich mich mit Remakes durch das Anime-Jahr kämpfen muss. Es wurde aber nicht besser: In der Summer Season ging ich erstmals mit einer Ausbeute von null heraus. Die erste Anime Season, in der ich wirklich gar nichts geschaut habe. Zumindest nicht wöchentlich, denn da war ja noch auf einen Schlag Japan sinkt: 2020 auf Netflix verfügbar und auch gleich in deutscher Sprache. Aber was bitte war das? Überkonstruierte Handlungsstränge, furchterregende Animationsqualität und ein mäanderndes Drehbuch, das einen wünschen lässt, schnell zum Ende zu finden. Verdammt, so kann das doch nicht weitergehen! Ehrgeizig abonnierte ich kurzer Hand Wakanim, Crunchyroll und andere Streamingdienste, um dann doch nochmal in alles reinzuschauen, was in der Fall Season anstand. Aber auch hier überstanden nur drei Serien die erste Folge. Assault Lily flog kurz vor der Halbzeit wieder aus meiner Watchlist, durch Jujutsu Kaisen und das komplett unnötige Higurashi no naku ni New schlafwandle ich mich irgendwie durch. Tja …
Also habe ich mich mit vielen Rewatches beschäftigt, um dem Medium nicht ganz abzuschwören: Sailor Moon (nun auf Blu-ray, yay!), Wedding Peach (war nie geplant, dann nahm Amazon Prime Video die Serie ins Programm), Urotsukidoji (mir war nach 80er Horror), The Promised Neverland (die letzte Anime-Neuheit, für die ich mich begeistern konnte) und sogar Golden Boy … jahaha.

Erstmals geschaut habe ich Jojo’s Bizarre Adventure, aber nach einer Staffel belasse ich es dabei. Yu Yu Hakusho macht mir nach 11 Episoden schonmal wesentlich mehr Spaß und die Chancen stehen gut, dass ich das auch beenden werde. Vielleicht halte ich mich im kommenden Jahr an Rewatches und werde auch so ein “Früher war einfach alles besser”-Veteran.

Mangas

Ich habe mich entschlossen, dem Medium Manga den Rücken zu kehren. Seit meinem ersten Manga-Band im Jahr 1998 sind nur wenige Werke dazugekommen, die mein Herz zum Schlagen gebracht haben und die meisten davon in den ersten zehn Jahren. Deswegen habe ich mich entschlossen, nur noch Attack on Titan fertig zu kaufen. Aus der Reihe “dahindümpelnd und hier und dort mal weitergelesen” sind Satsuriko Morph, Okitenemuru und Fire Punch übrig geblieben, die ich noch beenden werde. Wer meinen Anime-Block gelesen hat, wird nun auch wissen, was einen Katastrophentouristen ausmacht, denn ich habe doch prompt nach dem Film The Island of Giant Insects angefangen zu lesen. Nur um zu zu schauen, ob es noch schlimmer geht. Ob ich Versailles of the Dead weiterlesen werde, wird die Zeit zeigen.

Sollte sich unter Neuheiten denn jemals ein spannender Titel finden, hoffe ich entweder auf eine eBook-Variante oder darauf, dass ich ihn mir im Freundeskreis ausleihen kann. Meine Manga-Bäne ziehen bald in den Schrank um und der Platz weicht dann anderem. Mit Dead Company und The Killer Inside hat Carlsen Manga aber tatsächlich zwei Titel für das kommende Jahr angekündigt, auf die ich selbst schon aufmerksam wurde. Vielleicht sorgt das ja für eine Wiederbelebung meiner Lust auf dieses  Medium.

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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Ayla
29. Dezember 2020 21:52

Wow, erstmal Respekt für die leergefegte Serien-Watchlist! Ich glaube diesen Zustand werde ich nie erreichen, die Liste wächst gefühlt um mehr Titel als dass sie sich verkleinert. Auf Years and Years bin ich dank deines Reviews auch aufmerksam geworden, liebäugele da nun auch schon sehr mit der Blu-Ray, weil ich glaube, dass die Serie wirklich etwas für mich wäre, so düstere Zukunftsszenarien waren schon immer mein Ding.

Bei Animal Crossing: New Horizons ist bei mir, so sehr ich es mag, auch die Luft draußen, im Frühjahr und Sommer habe ich es viel gezockt, aber jetzt schon seit einigen Monaten nicht mehr. Da hat mich der Vorgänger irgendwie länger bei der Stange gehalten, vielleicht kommt ja nächstes Jahr wieder der Kick für den Titel. Dabei finde ich es durchaus klasse, wie Nintendo das Game durch die Updates aktuell hält.

Immortals: Fenyx Rising ist mir auch total unter dem Radar durchgerutscht, habe auch erst vor Kurzem durch Reviews so wirklich erfahren, dass es ganz cool sein soll. Bei meinem Stapel ungespielter Games rutscht das aber erst einmal auf die Nachkaufliste, vielleicht dann zur PS5.

Last edited 3 Monate her by Ayla