Animagic 2018

Jubiläen müssen groß gefeiert werden! So auch bei einer von Europas Anime- und Manga-Messe, der Animagic, die dieses Jahr ihr “20th Anniversary” hat. Zum zweiten Mal in Folge fand die Convention im Rosengarten in Mannheim statt und bot dabei allerlei Programmpunkte an. Vom 3. bis 5. August 2018 wussten die Besucher oft gar nicht, was sie zuerst erleben sollen. Denn neben einem Cosplaywettbewerb, vielen Signierstunden, exklusiven Anime-Premieren, Konzerten, einem Shoppingbereich und und und, war auf dem Gelände alles für Fans vertreten, was Herzen höher schlagen lässt. Einen Besuch des bunten Treibens des J-Culture-Festivals konnten wir uns nicht entgehen lassen.

Von Koblenz nach Bonn, von Bonn nach Mannheim — die hauseigene Messe der Fachzeitschrift Animania ist seit ihrer ersten Veranstaltung 1999, schon viel herumgekommen. Dieses Jahr fand die Messe erneut im Rosengarten Mannheim statt, da die Beethoven Halle in Bonn immer noch renoviert wird. Für den 20. Geburtstag wurde einiges geplant und vor allem haben so viele Ehrengäste wie noch nie das Messegelände betreten. Für einige war es schon ein Highlight, überhaupt in das Gebäude zu gelangen, denn während die Mannheimer Innenstadt schon um 8 Uhr schweißtreibende Temperaturen zu bieten hatte, lief die Klimaanlange drinnen auf Hochtouren. Leider wurde am Eingang jedwede Trinkflaschen abgenommen, da mit dem Catering des Rosengartens ein Vertrag besteht. Für viele ging es daher erst einmal in den dritten Stock, um sich für 3 Euro (1 Euro Pfand) eine 0,5 Liter Flasche zu besorgen, die den Durst nach dem Anstehen in der prallen Sonne vertreiben sollte.

Auf zur Schnitzeljagd und von den ersten Einkäufen

Gestärkt konnte man sich dann ins Shopping-Getümmel stürzen oder an einer Schnitzeljagd teilnehmen. Beim Anime on Demand Stand hatte ein jeder Besucher die Gelegenheit, sich ein Stickerheft zu sichern und dann an den verschiedenen Verlags- und Publisher-Ständen die schicken Aufkleber zu finden, um das Heft zu füllen. Wer alle vorweisen durfte, konnte sich seine Belohnung abholen und hatte die Chance auf noch größere Gewinne bei der Verlosung. Wenn wir dann schon beim Stickerjagen sind, bot sich die Möglichkeit, auch gleich noch die Angebote anschauen. Und da gab es einiges, denn viele Verlage brachten Titel vorab ihrer Veröffentlichung oder exklusiv zur Animagic mit. Ob nun die limitierte Auflage des Gantz-Mangas mit Schutzumschlag in Metalloptik, dem Vorabverkauf des ersten Volumes des Anonymous Noise-Animes oder einigen anderen Mangas, die vor ihrer regulären Veröffentlichung schon auf der Messe erhältlich waren — das liebe Geld ging schneller weg als gedacht.

Großes Anime-Angebot

Wer kein Geld mehr hatte oder dem die Füße weh taten, durfte sich in den verschiedenen Kinos eine ganze Palette an Animefilmen zu Gemüte führen. Unter anderem gab es die Deutschlandpremiere des heiß ersehnten Films The Irregular at Magic High-School: The Girl Who Summons the Stars, den vor kurzem im Kino ausgestrahlten Movie Fate/stay night: Heaven’s Feel – I. Presage Flower und die vier Persona 3-Filme. Auch in viele Anime-Serien konnte hineingeschnuppert werden: So zum Beispiel in Drachenflieger, Hi Score Girl und Sirius the Jaeger, die alle drei ihre Europa-Premiere auf der Messe erlebten. Ein besonderer Leckerbissen bot sich in Form der Violet Evergarden – Special OVA, die dank Universum Anime ihre Europa-Premiere auf der Animagic feierte. Einen Blick in die deutsche Vertonung von Mob Psycho 100 konnte nicht widerstanden werden und es lässt sich sagen: Hier wurde gute Arbeit geleistet. Wer sich selbst davon ein Bild machen möchte, kann beim Streaming-Dienst Chrunchyroll reinschauen.

Und noch ein Geburtstag!

Nicht nur die Animagic hat in diesem Jahr ihr 20-jähriges, sondern auch das Animationsstudio BONES. Das ließ es sich BONES-Präsident Masahiko Minami nicht nehmen und besuchte die Messe zum dritten Mal. Mit im Schlepptau: Yoshiko Umakoshi, der bei dem Heldenspaß My Hero Academia für das Charakter-Designer zuständig ist. Zusammen stellten die beiden zweimal in einem Panel die ersten 30 Minuten des am 3. August 2018 in Japan angelaufenen My Hero Academia: The Movie vor. Die Fans im Saal waren begeistert und das nicht nur, als Fanlieblinge wie Bakugou Katsuki oder Todoroki Shouto auf der Leinwand erschienen. Besonders toll war es, dass dank Kazé Anime der Film mit deutschen Untertiteln vorlag. Neben einer Frage- und Antwort-Runde zeichnete Umakoshi am Samstag zudem ein Bild, bevor es in die Signierstunde ging. Masahiko Minami beließ es aber nicht nur bei diesem einen Leckerbissen. Zusammen mit Peppermint Anime gab es den ersten Teil der Trilogie Eureka Seven- Hi-Evolution 1! zu sehen und dank Crunchyroll die Deutschland-Premiere von Bungo Stray Dogs – DEAD APPLE, was im Frühjahr erst in den japanischen Kinos lief.

Fanherzen schlagen höher

Kaum noch wegzudenken ist der weltweit beliebten Titel Sword Art Online. Daher wurden gleich mehrere Gäste rund um dieses Franchise eingeladen. Aus dem Bereich der Novels waren Reki Kawahara (der Autor), Kaoru Adachi (Redakteur), abec (Illustrator) anwesend. Für die Ohren gab es ein Wiederhören und nun auch Wiedersehen mit Jennifer Weiß (deutsche Stimme von Sinon aus Sword Art Online), Lisa May-Mitsching (deutsche Stimme von Asuna aus dem Movie Ordinal Scale) und Patrick Keller – deutsche Stimme von Kirito. Ebenfalls auf der Messe war Akihito Tsukushi, der Schöpfer des Mangas Made in Abyss (übrigens bereits am Samstag bei Altraverse ausverkauft!). Der Mangaka war damit zum ersten Mal auf einer Convention in Europa. Außerdem war Masayuki Kojima, der Regisseur des gleichnamigen Animes, mit dabei.

Rund um die Mangas

Fans der bei Carlsen Manga erschienenen Manga-Reihe Anonymous Noise freuten sich, denn der Verlag brachte Ryoko Fukuyama auf die Messe. Die Autorin ist hierzulande auch für ihre Werke Charming Junkie und Monochrome Kids bekannt. Am Stand von Carlsen Manga wurde ihr Besuch mit einer schicken kleinen Bühne mit Mikrofonen und Gitarren verziert. Von Tokyopop war Kayoru (Deine teuflischen Küsse) vertreten und bei Kazé Manga das Duo MAYBE eingeladen. Bei letzterem konnte sich der Fan bei den Autogrammstunden zwischen einer Karte von The Tale of the Wedding Rings oder Dusk Maiden of Amnesia entscheiden. Außerdem bot sich an einem Stand im dritten Stock ein ganz besonderes Erlebnis: In der VR-Area konnte in den erstgenannten Manga virtuell eingetaucht werden. Ja, richtig gelesen. Zusammen mit Square Enix (Kingdom Hearts) bot sich die Möglichkeit, in einer 30-minütigen Show mit spezieller Brille die Story des Mangas in 3D-Animationen im klassischen Manga-Look zu lesen. Wer die Reise heil überstand, konnte einen der praktischen Fächer mitnehmen. Geduld jedoch vorausgesetzt, da hier dauerhaft großer Andrang herrschte. Neben den japanischen Gästen waren auch viele deutsche Autoren eingeladen. So zum Beispiel die PYRAMOND-Mangakas Natalia Batista (Sword Princess Amaltea & Mjau), Reyhan Yildirim (Fable Clash! & CandyUpROAR) und Sabrina Ehnert (Friedwalds große Reise)

Klassik auf der Animagic

Was wären so große Filmhits wie Prinzessin Mononoke oder Chihiros Reise ins Zauberland ohne ihre Soundtracks? Richtig, es würde etwas fehlen. Daher gab es auf der diesjährigen Animagic eine Weltpremiere: Der traditionsreiche Musikverein Siershan aus Rheinland-Pfalz, mit seinem 40-köpfigen Blasorchester, spielte verschiedene Stücke aus Fantasy-Meisterwerken wie Mein Nachbar Totoro oder oben erwähnten anderen Ghibli-Filmen. Wer es lieber ruhiger mochte, konnte im Classic Concert im Musensaal der Violinistin Yuna Shinohara und dem Pianisten Ken Nakosako — der gerade in Berlin (!) studiert — sein Gehör schenken. Die beiden spielten Stücke aus den Animes Nodame Cantabile, The Piano Forest und Shigatsu Wa Kimi no uso – Sekunden in Moll. Gerade bei letzterem wurden die passenden Stellen aus dem Anime gespielt, die den einen oder anderen im Saal zu Tränen rührten.

Trommeln, Schwerter und der Angriff der Titanen

Wer im Saal sitzen blieb, konnte sich wie am Samstag das Trommelkonzert der Gruppe Amatersau Taiko anhören. Diese heizte mit ihrem Rhythmusfeuerwerk den Saal ordentlich auf. Nicht nur das Publikum hatte seinen Spaß, sondern auch die Musiker auf der Bühne. Eine klare Empfehlung, sich diese Gruppe einmal live anzuhören und anzuschauen. Im Anschluss an diese Veranstaltung folgte das Kombi-Konzert von Mika Kobayashi (Sängerin und Songwriterin) und der Schwerttanzgruppe KAMUI. Hier war wirklich alles geboten: von ruhigen Liedern, die von einem Bühnenstück begleitet wurden, über Schwertduelle mit der Musik aus Kill Bill bis hin zu Mikas Live Performance von „[email protected]//LES“ aus dem Aldnoah.Zero Soundtrack. Eine dreiviertel Stunde beste Stimmung, bei der die Lichtstäbe geschwungen wurden und die Fans kaum zu halten waren. Vor allem als Mika Kobayashi für eine Zugabe noch einmal auf die Bühne kam um „Ətˈæk 0N tάɪtn“ aus dem Anime Attack on Titan zu singen. Nach der Show konnten die Besucher CDs von ihr erwerben, die die kleine Sängerin mit einem Autogramm versah. Des Weiteren gab es an den Tagen der Messe noch die Europa-Premieren von eufonius, MYTH & ROID und das von vielen Fans heiß ersehnte Konzert der Band ZWEI (Steins;Gate).

Was war sonst noch geboten?

Wer jetzt schon dachte puh, da war aber einiges los, dem möge gesagt sein, dass es noch vieles mehr zu erleben gab. Eine ganze Palette an Show-Gruppen führte die unterschiedlichsten Stücke auf. Unter anderem Sailor Moon German feat. Yume mit der Premiere zu 25 Jahre Sera Myu, Otakus Live die “FINAL FANTASY XV: The Lost Episode” zeigten oder Horo, die sich dem aktuellen Titel My Hero Adademia gewidmet haben. Wer eine Verschnaufpause brauchte, konnte sich im Maid-Café Maido no Kisetsu setzen, wenn er denn einen Sitzplatz bekam oder zum Bring & Buy @ AnimagiC 2018 Markt schlendern, um Secondhand Mangas zu kaufen. Bei der diesjährigen großen Charity-Auktion wechselte auch einiges den Besitzer und beim AnimagiC-Künstlermarkt 2018 gab es viel zu entdecken. Den Cosplayern der Messe widmen wir uns in einem separaten Artikel, denn bei so viel Liebe zum Detail haben sie es sich einfach verdient!

Für mich war es erst das zweite Mal, dass ich die Animagic besuchte. Daher kann ich nicht wirklich Vergleiche ziehen. Mir persönlich hat die Messe sehr gut gefallen, denn alleine das My Hero Academia-Panel ist für mein Fanherz gewesen. Es war einfach klasse, wie positiv die Stimmung im Saal war und wie ich mit anderen Fans zusammen gelacht habe. Genauso war es bei den Konzerten, die ich miterleben konnte. Mein Highlight war dabei das Kombi-Konzert von Mika und KAMUI. Ich liebe den Song „[email protected]//LES“ und ihn einmal live zu hören, ist einfach unvergesslich. Aber auch die Schwertkämpfe, die passend auf die Musik gestimmt waren, waren eine Augenweide. Mein Samuraifanherz wollte sich fast nicht mehr einkriegen und das trotz der Hitze! Eingekauft habe ich auch viel und hatte sogar richtig Glück, denn ich habe das letzte Exemplar des fünften Bandes von Blame! erwischt. Und auch bei einigen Animes konnte ich dank Messepreisen mit besserem Gewissen meinem Geldbeutel gegenüber zuschlagen. Nervig war es nur, sich für den Peppermint-Stand extra in eine Schlange zustellen. Dabei wollte ich nur die beiden Volumes der zweiten Staffel von Haikyu!! einkaufen. Eine Freundin war so lieb und hat sich angestellt, während ich mir die erste Folge von Mob Psycho 100 mit deutscher Sprachfassung angeschaut habe. Ich war sehr gespannt, wie viel Mühe hier hineingeflossen ist und kann sagen: Es hat sich gelohnt. Die Stimmen sich wirklich passend gewählt und erst die Übersetzungen! Jetzt hoffe ich noch mehr, dass es irgendwann eine Veröffentlichung auf Disk geben wird. Die Helfer der Messe waren alle sehr nett, außer jene an den Eingängen, die einem selbst die leeren Wasserflaschen abnehmen wollten. Dabei hatte ich eine davon drinnen gekauft und nur noch nicht abgegeben, weil es zum Mittagessen nach draußen ging. Insgesamt hat mir die Messe gut gefallen und mal schauen, was nächstes Jahr geboten wird.

Sharing is caring / Artikel teilen:
  • 3
  •  
  •  

Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

1
Hinterlasse einen Kommentar

avatar

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Iruka
Mitglied
Iruka

Dieses Jahr war bein erster Besuch auf der Animagic. Gefreut hatte ich mich besonders auf den ersten Ausschnitt von My Hero Academia und die Schwerttanzgruppe. Beim Rest ließ ich mich einfach überraschen. Die Stimmung im Raum bei My Hero Academia war klasse. Das Publikum hat fast wie eine Person reagiert. Da wurde an den richtigen Stellen gejubelt, geklatscht und die Helden gefeiert.
Anschließend kam der Bummel duch die verschiedenen Stände. Das Angebot war nicht schlecht, aber es hat gedauert, bis ich endlich etwas fand, was ich mitnehmen wollte.
Am Nachmittag war ich in dem Classic Concert. Respekt vor der musikalischen Leistung, aber ich war so müde, dass ich fast eingenickt wäre. Gott sei Dank kam direkt darauf die Trommlergruppe. Donnerwetter! Das ging so richtig ins Blut und ich war wieder wach. Bei Mika war ich zuerst skeptisch, aber als sie loslegte, wow! Eine Hammerstimme. Da hat der Saal richtig gekocht.
Die Sache mit den Flaschen, die Aki oben anspricht, hat mich auch ziemlich gestört. Insgesamt drei Euro für einen halben Liter und dann hoffen, dass die Flasche nicht beim erneuten Betreten der Halle abgenommen wird.
Abgesehen davon hat sich der Ausflug nach Mannheim gelohnt. Mal sehen, ob es nächstes Jahr wieder dorthin geht.