X-Men ’97 (Folge 1×01)

X-Men ’97 stellt wohl ein Comeback dar, mit dem bis zu seiner Ankündigung niemals gerechnet wurde. Folge 1 (“Zu mir, meine X-Men”) knüpft nahtlos an das Serienfinale “Graduation Day” (Folge 5×10) an, wo ein schwerverletzter Charles Xavier die Mutanten verlassen hatte, um sich im Weltall in die Obhut von Lilandra vom Shi’Ar Imperium zu begeben.

Inhaltsangabe

Ein Jahr ist es her, nachdem Professor Charles Xavier mit den Shi’ar die Erde verließ. Die Öffentlichkeit lässt man im Glauben, dass er von Henry Gyrich erschossen wurde. 

Die X-Men setzen seitdem ihre Mission führungslos fort, Mutanten und Menschen gleichermaßen zu verteidigen. Die Sympathie der Öffentlichkeit gegenüber Mutanten ist seit dem Tod Xaviers angestiegen. Jean Grey, Scott Summers und auch Storm nehmen seniorige Rollen ein, auch wenn es keinen offiziellen Anführer gibt. 

Jean ist mittlerweile schwanger und erwartet ein Kind von Scott. 

Storm und Bishop retten einen jungen Mutanten namens Roberto da Costa vor den Friends of Humanity (FoH). Diese Extremisten sind an Sentinel-Technologie gelangt und planen, gegen ein Kopfgeld Mutanten zu fangen. 

Jean befragt Henry Gyrichs Geist mithilfe Cerebros nach dem Aufenthaltsort von Bolivar Trask, dem Schöpfer der Sentinels. Trotz des Erfolgs erhält sie eine schreckliche Vorahnung, in der sie und ihr Baby sterben werden.

Das Team findet Trask auf einem Schrottplatz in der Sahara, wo er seine Wächter mit Hilfe eines lobotomierten Master Mold wieder aufbaut. Nachdem die X-Men die Sentinels besiegt und Trask festgenommen haben, denken Scott und Jean darüber nach, das Team zu verlassen. Sie wollen ihren zukünftigen Sohn von Mutantenhass fernhalten.

Jubilee berichtet Roberto von ihren Anfängen bei den X-Men und kann ihn schließlich von dem Familiengedanken dahinter überzeugen, auch wenn er erst einmal eigene Wege geht.

Einen Tag später enthüllt Magneto Xaviers Testament und damit, dass Xavier ihm die Kontrolle über das Institut überträgt und die Leitung der X-Men anvertraut.  

Alter Geist im neuen Körper

X-Men ’97 ist genau so, wie es wohl jeder Fan gerne hätte: Inhaltlich und stilitisch kaum verändert, dafür gründlich modernisiert. Sogar das legendäre Opening ist mit dabei und wurde minimal erweitert sowie im Seitenverhältnis an 2024er-Standards angepasst. Wer befürchtet hat, dass der Stilbruch innerhalb der Serie zu groß werden könnte, sollte sehr gut mit dem Ergebnis leben können. X-Men ’97 sieht eben doch noch einmal ganz anders als Marvels What … If? aus. Wie ernst es X-Men ’97 mit der Kontinuität nimmt, sieht man schon daran, dass für die bekanntesten X-Men die Originalsprecher:innen von damals zurückgewonnen werden konnten. Selbst der Abspann ist im Old-School-Style gehalten, bei welchem wieder die ikonische Musik läuft und Kräfteprofile der Figuren zu lesen sind. Eines lässt sich vorwegnehmen: Es fühlt sich also an, als wäre die Serie nie weggewesen und der Titelzusatz “97” ist selbstbewusst gewählt. 

Mission: Einsteiger abholen, Fans halten

Wie anno 1992 Jubilee als anfänglicher Erzählanker genutzt wurde, um den Zuschauern einen Identifikationscharakter zu geben, ist nun Roberto an der Reihe (den Comic-Fans natürlich als Sunspot kennen und aufmerksame Zuschauer:innen noch aus The New Mutants in Erinnerung haben). Er wird direkt auch in den Gefahrenraum gesteckt, wo in Kürze das Wichtigste zusammengefasst wird. Für diejenigen, für die X-Men ’97 den ersten Berührungspunkt mit den animierten X-Men darstellt (was man niemandem verdenken kann, schließlich ist es 27 Jahre her, dass die Serie im TV lief), gibt es ausreichende Erklärungen. Insbesondere zu dem Verhältnis, das Charles Xavier und Magneto einst hatten.

Slice of Life mit Erklärfunktion

Folge 1 gibt vor allem auch Einblick in das heimische Zusammenleben, was vor allem durch Rogue und Gambit repräsentiert wird. Auffallend sind einige Erklärbär-Momente, in denen die Figuren ganz offensichtlich nur in Dialoge verfallen, um Inhalte für Zuschauer zusammenzufassen. Warum sonst sollte Scott gegenüber Jean erklären, dass sie die ersten X-Men unter Charles Xavier waren? Auch der Kampf gegen die Sentinels ist in erster Linie ein Showcase, um die individuellen Kräfte der X-Men noch einmal zur Schau zu stellen. Für alle, bei denen sie in Vergessenheit geraten sind und ebenfalls für diejenigen, für die das alles Neuland ist. 

Testament mit Twist

Was hat es nun mit dem Ende auf sich? Da Charles Xavier in X-Men ’97 nicht mehr im Spiel ist, steht Magneto die Tür weit offen, um eine größere Rolle zu übernehmen. Die erste Folge deutet damit eine größere Wendung an, doch die Konsequenzen werden wir schon mit der zweiten Folge zu spüren bekommen.

Fazit

X-Men ’97 fühlt sich an wie nach Hause kommen: Die erste Folge ist eine wunderbar aktualisierte Fortsetzung, die kaum Wünsche offen lässt. Neben der Haupthandlung sind es vor allem die kleinen Momente, bei denen das Herz aufgeht. Die Tanzszene zwischen Roberto und Jubilee ist ein solcher Moment, hinter dem die Entwicklung der Handlung auch erst einmal zurücksteht. Im Moment ist Roberto nicht wirklich viel mehr als ein Plot-Device, aber seine aufkeimende Beziehung zu Jubilee und der Hinweis auf seine Kräfte scheinen eine tiefere Handlung für ihn in zukünftigen Episoden zu versprechen. Wie immer gibt es jede Menge Cameos und Easter Eggs, die die Hardcore-Fans auseinandernehmen können.

© Disney+

Ayres

Ayres ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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