Star Trek: Picard (Folge 2×02)

Roter Alarm und ein Selbstzerstörungs-Countdown: Mit Folge 1 war Staffel 2 gleich in die Vollen gegangen. Folge 2 lässt das erst einmal links liegen und legt noch mehr Star Trek-Klassiker nach. Eine alternative Zeitlinie, eine böse Gegenwelt, eine Reise in die Vergangenheit, um die Zukunft wieder gerade zu biegen. Staffel 1 hatte den Mythos Picard demontiert, indem sie ihn als enttäuschten alten Mann und gescheiterten Helden starten ließ. Staffel 2 probiert das Gleiche, nur anders: Wie wäre es, wenn Picard sich unter anderen Lebensumständen nicht zum Helden der Sternenflotte sondern zum blutgierigen General eines faschistischen Regimes entwickelt hätte? 

Inhaltsangabe

Im Gespräch mit Q wird Picard klar, dass die Welt, in der er erwacht ist, ganz anders ist, als die, die er kannte. Auf der Erde ist ein autoritärer Staat entstanden, der andere Völker vernichtet und versklavt. Hier ist Picard General unter dem Kommando einer Diktatorin, die sich als Seven of Nine herausstellt. Raffi jagt romulanische Widerstandskämpfer, unter ihnen Elnor. Rios kommandiert ein Raumschiff im Kampf gegen die Vulkanier. Agnes Jurati beaufsichtigt eine Gefangene, die öffentlich hingerichtet werden soll. Es ist die Borg-Königin. Allen geht es wie Picard: sie haben sich die Erinnerung an ihre ursprüngliche Identität bewahrt und schaffen es nur schlecht und recht, die unsympathischen Rollen, in denen sie sich wiederfinden, zu erfüllen. Es gelingt ihnen, zueinander Kontakt aufzunehmen und das Rätsel zu ergründen: Offenbar hat Q die Vergangenheit manipuliert und so eine alternative Zeitlinie erschaffen. Lösung des Problems: Eine Reise ins Los Angeles von 2024. Aber erst einmal müssen sie es schaffen, die Borg-Königin vor der Hinrichtung zu retten und sich alle aus der Gefahrenzone und auf Rios’ Raumschiff zu beamen.

Alles Gute zum Auslöschungstag!

Eine dystopische Gegenwelt also. Hübsch ausgemalt, mit den üblichen Versatzstücken des Faschismus: schwarze Uniformen, Fahnen, Diktatoren-Rhetorik vor aufgeheizten Menschenmassen. Aber auch recht kokett-verspielt. Da gratuliert man einander zum Auslöschungstag, wenn das Regime sich durch Hinrichtungen prominenter Feinde feiert. General Picard sammelt die Schädel seiner Feinde, während Seven of Nine im strengen, grauen Kostüme eine verdammt gute Figur als Gewaltherrscherin macht. Was Raffi, eifersüchtig und eingeschnappt, prompt ironisch kommentiert. Also eher schwarzer Humor, alles nicht wirklich ernst gemeint und auch nicht wirklich beklemmend oder bedrohlich. Offenbar kein Spiegeluniversum, dann wüssten die Parallel-Figuren nichts von ihrem jeweiligen Gegenstück. Sondern eine andere Zeitlinie. Als ob das erklären würde, warum General und Diktatorin eigentlich Picard und Seven sind und sich nach jahrzehntelangen Karrieren des Bösen nun mühevoll ums Böse-Sein herumwurschteln müssen. Ach, egal. Es ist halt Star Trek.

Na, das war ja ein ganz schön knappes Höschen!

Hach, die Perlen der Synchronisationskunst. Diese geht an Agnes Jurati, offenbar fand man, dass so ein Satz zu ihr passt. Der flotte Spruch fasst die Folge allerdings ganz gut zusammen, denn abgesehen von sehr viel Informationsgeschaufel und Figurenschieben hat die Folge auch Nahkampf, Schußwechsel, immer brenzliger werdende Gefahrenlagen und Wegbeamen in allerletzter Sekunde. Also alles, was den Zuschauer am Bildschirm hält, wenn er nicht gerade auf Ostereiersuche ist. Ganz klassisch inszeniert, mit hübsch verteilten unerwarteten Wendungen. Da muss man sich über die Logik der Prämisse und all die (noch) unbeantworteten Fragen gar keine Gedanken machen.

Fazit

Star Trek: Picard versammelt in Folge 2 lauter Handlungsbausteine, die mir eigentlich den Spaß vermiesen. Alles bewährte Traditionsbauteile, ich mag sie nur nicht. Den selbstgefällig-wortreichen Schurken, dessen Gequatsche man ertragen muss, weil er halt die Oberhand hat. Zeitreisen, mit all den Logik-Sackgassen, die sie so mit sich bringen. Figuren, die eine Rolle spielen müssen, die sie nicht kennen und denen beim verzweifelten Improvisieren dauernd peinlich Patzer unterlaufen. Aber da Folge 2 all diese Elemente nur kurz antippt, um dann zum Kerngeschäft zu kommen, macht sie mir doch mehr Spaß als erwartet.

© Amazon Prime Video

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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