Star Trek: Discovery (Folge 3×10)

Abschied von Philippa Georgiou und Begegnung mit einer legendären Figur aus der Frühzeit von Star Trek. Star Trek: Discovery 3×10 geht in Teil 2 der Doppelfolge über Georgious Ausflug in ihre alte Heimat im Spiegeluniversum so richtig in die Vollen. Mit Out of Character-Faxen, großen Gefühlen und jeder Menge pathetischer Abschiedsworte.

Im Spiegeluniversum ist Philippa Georgiou dabei, umzusetzen, was sie auf der Discovery gelernt hat. Etwa es beim Herrschen über ein Imperium statt mit täglichem Blutvergießen mal mit Politik zu versuchen. Kelpianer nicht mehr zu schlachten, sondern ihnen mit Freundlichkeit begegnen. Und ihre Adoptivtochter auf den richtigen Weg zu bringen. Das ist ihrer Einschätzung nach bei einer jungen Frau, die so sehr im terranischen Weltbild von “Töten oder getötet werden” verhaftet ist, nur mit äußerster Härte möglich. Darum schickt sie die wutschnaubende Parallel-Michael in die Kammer der Schmerzen und lässt Folterbeauftragte Killy ihr Bestes oder auch Schlimmstes tun, bis Michael hoffentlich zusammenbricht. In der Tat gibt Michael irgendwann klein bei und als Zeichen der Loyalität liquidiert sie alle ihre Mitverschwörer. Aber die Mutter-Tochter-Harmonie ist nur von kurzer Dauer, dann stehen sie einander doch mit gezückten Stichwaffen gegenüber. Gerade bevor die Tragödie ihr Ende findet, wacht Georgiou wieder auf dem Schneeplaneten bei dem Herrn mit der Zeitung und Michael Burnham auf. Der nette Herr gibt sich als Hüter der Ewigkeit zu erkennen, der Georgiou auf eine Probe gestellt hat. Zwar ist es ihr nicht gelungen, Parallel-Michael zu retten, aber sie hat bewiesen, dass sie fähig zur Veränderung ist. Und so schickt er sie durch sein plötzlich erschienenes Raum-Zeit-Portal in eine Welt, in der sie überleben kann, auch wenn dort ungeahnte Gefahren lauern. Währenddessen auf der Discovery: Stamets und Adira versuchen, auf die Daten des Schiffes zuzugreifen, das das Notsignal gesendet hat. Das funktioniert erst, als Book ihnen ein Kurier-Gadget aus den Beständen der Smaragdkette ausborgt. Über die Nutzung von Smaragdketten-Technologie ist Admiral Vance nicht begeistert, lässt sich aber von Book und Saru überzeugen, dass dieser weitere Verstoß gegen Föderations-Richtlinien eine gute Idee ist.

Großer Abgang für Philippa Georgiou

Teil 2 der Doppelfolge macht weiter wie zuvor: mit dem Scheppern von Armschienen auf Brustpanzern, terranischem Schurkentum und allerlei Out of Character-Momenten für die Crew-Mitglieder, die sich hier in ihren Parallel-Identitäten mal als Folterpersonal, mal als Verschwörer so richtig austoben können. Am Ende dürfen sie einander sogar niedermetzeln und wem Tilly als Folterspezialistin schon Spaß gemacht hat, der wird sich freuen, Saru im Nahkampf mit einem kelpianischen Kampfschrei zu erleben. Aber der Schwerpunkt der Folge liegt nicht mehr so sehr auf den Comedy-Einlagen, sondern auf emotionalen Momenten. Georgiou hat üppig Gelegenheit, ihre Muttergefühle für Parallel-Michael auszubreiten und mal eine ganz neue Seite an sich auszuleben, wenn sie Parallel-Saru nicht als Sklaven und Schlachtvieh, sondern als Gleichgestellten behandelt. Zum Lohn dafür gibt es eine hochemotionale Abschiedsszene am Dimensionstor, wo sich Georgiou und Michael noch einmal ausführlich sagen, wie viel sie einander bedeuten. Und auch jeder aus der Crew hat zum Schluss noch einen netten Satz über Georgiou zu sagen. Dafür, dass sie Folge für Folge so durch und durch boshaft, fies und zynisch war, hat sie doch jeder an Bord ins Herz geschlossen.

Michael Ende meets Star Trek Classic

Dass der rätselhafte Herr mit der Zeitung nicht das ist, was er zu sein scheint, sondern etwas ganz Großes, Bedeutungsschwangeres, konnte man sich schon vom ersten Moment denken. Der Hüter der Ewigkeit, der Tore in Raum und Zeit öffnen kann und Bittsteller auf die Probe stellt, ob sie eines rettenden Portals auch würdig sind… ganz großes Fantasy-Bedeutungsgeschwurbel, das von Michael Ende (Die unendliche Geschichte) stammen könnte. Tatsächlich stammt es aber aus den Anfängen von Star Trek, aus der Episode Griff in die Geschichte, in der Kirk und Spock durch ein Portal in die Vergangenheit reisen, um das Chaos, das der unter Drogen stehenden Dr. McCoy dort anrichtet, wieder geradezurücken. Fans der ganz alten Folgen werden das ringförmige Portal sicher wiedererkennen. Auch das Motiv der Zeitungschlagzeilen stammen aus der alten Star Trek-Folge. Hübsch gemacht, dass der Hüter der Ewigkeit diesmal eine skurril-sarkastische Menschengestalt annimmt.

Same procedure as last episode? Same procedure als every episode, Admiral!

Ja und dann ist da noch der obligatorische Regelbruch zum guten Zweck, der Admiral Vance auf den Plan ruft. Fast hätte man meinen können, dass diese Folge bei so viel Spiegeluniversums-Content mal ohne diesen Traditionsschnörkel auskommt. Aber kurz vor Schluss, in der Nebenhandlung, die in dieser Folge auf ein Minimum reduziert ist, hüpft er doch noch ins Bild. Book will sich nützlich machen und löst ein technisches Problem durch ein kleines Gerät. Das stammt aus illegalen Quellen und ist drum gegen die Vorschriften. Und gefährlich, weil, die Smaragdkette… Ja, aber die hält sich ja auch nicht an die Vorschriften. Grummel, grummel … na gut. Überraschen tut das keinen mehr. Spannend wäre, wenn das tatsächlich ernstere Folgen hätte als einen strengen Blick vom Admiral. Na, mal schauen, was der Rest der Staffel noch so bringt.

Fazit

Star Trek: Discovery Staffel 3 hätte bisher längst nicht so viel Spaß gemacht, wenn nicht Philippa Georgiou mit ihrer Haltung einer Diktatorin im Exil und ihren stets boshaften Kommentaren ein Gegengewicht zu all den Star Trek-Niedlichkeiten aus Pathos und Feel-Good-Comedy gebildet hätte. Jetzt müssen wir ohne sie auskommen. Die nächsten Folgen werden längst nicht so lustig sein. Aber aus einem Tor zu einer anderen Welt kann man in Star Trek-Zusammenhängen so ziemlich jeden zurückschreiben. Und durchs Internet schwirren Gerüchte über ein geplantes Georgiou-Spinoff. So schlecht sind die Chancen für ein Wiedersehen mit unserer Lieblings-Imperatorin also nicht.

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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