Star Trek: Discovery (Folge 2×12)

Lesezeit: 4 Minuten

In der drittletzten Folge „Through the Valley of Shadows“ der zweiten Star Trek: Discovery-Staffel scheinen die meisten Karten aufgedeckt und alle Spielfiguren auf dem Feld zu sein. Während der Rote Engel/Dr. Burnham mit zerstörter Zeitmaschine nun endgültig in der Zukunft gestrandet ist, hat die Discovery immer noch erzwungenermaßen das Archiv der Sphäre an Bord, wobei die KI Control nun in Lelands Gestalt ganz klar auf dieses Archiv aus ist. Nur eine Variable bleibt noch ungeklärt: die roten Signale.

Ein viertes Signal erscheint, dieses Mal ausgerechnet über dem klingonischen Mond Boreth. Dieser ist eigentlich nur berüchtigt für sein dem klingonischen Heiligen Khaless gewidmetes Kloster, doch – wie Kanzlerin L‘Rell offenbart – bewachen die Mönche dort gleichzeitig eine extrem wertvolle Ressource: Zeitkristalle. Davon ausgehend, dass das Signal die Discovery mit einem bestimmten Ziel nach Boreth geleitet hat, scheint das nächstliegende zu sein, dass sie wegen eines Zeitkristalls dorthin geschickt worden sind. Doch so einen Kristall von den Mönchen zu bekommen, ist leichter gesagt als getan. Weiterhin ist das Kloster auf Boreth auch der Ort, in dem Tyler und L‘Rell ihren gemeinsamen Sohn versteckt haben. Da Tyler aus klingonischer Sicht eigentlich tot sein soll und sein Auftauchen im Kloster sowohl seinen Sohn wie auch den Frieden im Klingonischen Reich gefährden würde, erklärt sich Captain Pike dazu bereit, das Kloster aufzusuchen. Michael erfährt indes von Tyler, dass ein Sektion 31-Schiff mit seiner stündlichen Meldung spät dran ist. Noch auf Rache sinnend, da Control in Form von Leland dafür verantwortlich ist, dass ihre Mutter nun in der Zukunft feststeckt, macht sich Michael begleitet von Spock auf den Weg zu besagtem Schiff. Sie wollen untersuchen, ob die Killer-KI hier wieder ihre Nanobot-Finger im Spiel hat.

Tatsächlich dreht sich alles um Michael

Michaels Verdacht bestätigt sich, denn am Schiff angekommen fallen die Geschwister inmitten eines Feldes gefrorener Leichen aus der Warpgeschwindigkeit. Das Schiff ist zwar noch funktionstüchtig und treibt durch das Weltall, doch dasselbe macht auch dessen Crew. Nur ein Überlebender namens Lieutenant Gant, den Michael zufälligerweise noch von ihrem Dienst auf der Shenzhou kennt, weiß zu berichten, wie ein verdächtiges Programm im Bordcomputer kurzerhand die ganze Crew des Schiffs ins Vakuum geschleust hat. Zwar versuchen die drei das Schiff wieder unter ihre Kontrolle zu bringen, doch dort offenbart sich, dass Gant dasselbe Schicksal wie Leland ereilt hat und er von Control übernommen wurde. Der ganze Vorfall stellt sich so als Falle für Michael heraus, die ebenfalls von Control assimiliert (ich benutze dieses gewisse Wort jetzt einfach mal) werden soll. Gerade Michael wird so als größte Gefahr für Control offenbart und scheint letztlich der Schlüssel zu sein, die KI irgendwie aufzuhalten. Wer weiß, vielleicht indem sie letztlich diejenige ist, die für die Signale verantwortlich zeichnet.

Wenn man das eigene Schicksal kennt

Im Kloster auf Boreth wird Pike neben gezogenen Bat’leths auch vom Zeitwächter Tenavik (Kenneth Mitchell in seiner nunmehr dritten Klingonenrolle in der Serie; zuvor hat er schon Kol und Kol-Sha gespielt) begrüßt. Dieser scheint tatsächlich gesprächsbereit, denn immerhin geht es ja um die Zukunft allen intelligenten Lebens. Pike bekommt so tatsächlich die Gelegenheit, sich einen Zeitkristall nehmen zu dürfen, doch kommt dieser zu einem Preis. Pike wird durch den Kristall seine Zukunft offenbart, zumindest soweit bis zu seinem Unfall und dem anschließenden Schicksal, an einen lebenserhaltenden Rollstuhl gebunden zu sein. Besteht er auf einen Kristall, wird eben dieses Schicksal unabwendbar, andernfalls könnte er es vielleicht noch verhindern. Opferbereitschaft ist zwar eine vielzitierte Eigenschaft, die Sternenflottenoffiziere mitbringen müssen, doch Ideale wie diese werden im Angesicht des individuellen Schicksals doch ganz gerne mal aufgegeben, wie schon so viele Ideale im vorangegangenen Krieg mit den Klingonen dem Überleben geopfert wurden. Pike, wohl einer der vorbildlichsten Offiziere überhaupt, muss sich also beweisen.

Meinung

Wahrscheinlich die beste Folge seit dem Staffelstart. Abgesehen von einem gewissen Tilly-Mangel fällt mir eigentlich kaum was ein, das ich beanstanden könnte. Wie Pikes Rollstuhl-Darth-Vader-Version jenseits von Pikes Schulter von hinten ins Bild gerollt kommt, ist von der Inszenierung her irgendwie etwas käsig und fast schon unfreiwillig komisch, aber insgesamt ein extrem starker Moment, sowohl für die Figur wie auch von Schauspieler Anson Mount. Zwar weiß man als Zuschauer, dass Pikes recht grausames Schicksal durch seinen Lebensabend bei den Talosianern und Vina noch so eine Art Happy End findet, trotzdem wird einem recht mulmig dabei, zu sehen, wie er jetzt mit dem Wissen um seinen zukünftigen Unfall weiterleben muss. Control wird ebenfalls etwas verständlicher. Die Grundprogrammierung Leben zu retten und Kriege zu verhindern, scheint bei der KI irgendwann korrumpiert worden zu sein. Das eigene schützenswerte Leben wird über das von Organischen gestellt und das Auslöschen von allem anderen Leben verhindert logischerweise automatisch jeden weiteren Krieg. Und da Control jetzt mehr oder weniger Michaels Mutter auf dem Gewissen hat, wird die Angelegenheit zumindest etwas persönlicher. Zwar nur ein Nebenschauplatz, aber wie Commander Reno sich als Versöhnerin zwischen Culber und Stamets versucht war für mich ebenfalls schön anzusehen. So irre weit hergeholt Hughs Wiederbelebung auch ist, das vorzeitige Auseinanderbrechen der Beziehung ist erzählerisch ein guter Schachzug. Einfach mit liebenswerter Einigkeit weiterzumachen, wäre nach dem Erlebnis noch unglaubwürdiger gewesen.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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