Loki (Folge 1×03)

Folge 3 von Loki heißt “Lamentis” und erweist sich als die bislang dialogreichste Folge des MCU-Serienkanons. Loki und seine Variante haben einiges zu berichten, erleben aber auch eine ganze Menge und unvorhergesehene Ereignisse nehmen ihren Lauf.

Inhaltsangabe

Die Variante, deren Name Sylvie ist, hat die Erinnerung der TVA-Jägerin manipuliert, indem sie die Gedankenwelt der jungen Frau betraten und diese von innen heraus infiltrieren konnte. Sylvie gaukelte ihr vor, sie sei ihre beste Freundin, und versetzte beide in eine Bar, um den Aufenthaltsort der TVA ausfindig zu machen. Dorthin macht sie sich anschließend auf den Weg, aber Loki hängt sich an ihre Fersen.

In der TVA entbrennt schließlich ein Kampf zwischen Loki und ihr. Das Erscheinen der beiden ruft Ravonna Renslayer höchstselbst auf den Plan, doch mithilfe des gestohlenen TemPad gelingt den beiden die Flucht. Allerdings nicht auf die Erde, sondern auf den Mond Lamentis-1 im Jahr 2077, auf den gerade ein Planet zurast. Da die Batterie des TemPads leer ist, sind beide dazu gezwungen, auf Lamentis-1 zu verharren. Sie entscheiden sich für Waffenruhe, solange sie Teil dieser Apokalypse sind. Gemeinsam bringen sie in Erfahrung, dass ein Raumschiff zur Evakuierung der Bewohner bereitsteht. Doch der Zug zu dieser Arche bietet nur bedingt Platz. Die Tickets sind rar und nur dem reichen Teil der Bevölkerung zugänglich. Mit einem Trick gelangen sie schließlich ins Innere des Zuges.

In der Bar tauschen die beiden sich bei einigen Drinks aus, etwa über ihre Mütter und die Erinnerungen an diese, welche bei Loki ausgeprägter sind als bei Sylvie. Nach einigen Drinks zuviel dringt die Albernheit in Loki durch. Prompt fliegen beide auf und werden nach einem Handgemenge aus dem Zug geworfen. Loki zerstört daraufhin das TemPad und beide sind gezwungen, den Weg zur Arche zu Fuß zurückzulegen. Im Gespräch erzählt Sylvie, dass die TVA ihren Erkenntnissen zufolge selbst aus Varianten besteht und dass sie in der Gedankenwelt der Jägerin irdische Erinnerungen vorfinden konnte. Das widerspricht völlig Lokis Auffassung, dass die TVA künstlich erschaffen sind, wie Mobius dies vorgab.

Als Loki und Sylvie an ihrem Ziel ankommen, müssen sie feststellen, dass die Arche durch einen Meteor zerstört wurde.

Bestätigte Bisexualität

In der dritten Folge sprechen Loki  und Sylvie über ihre Dating-Geschichte. Als Sylvie schließlich fragt, ob Loki in der Vergangenheit mit einer Prinzessin oder vielleicht sogar einem Prinzen zusammen gewesen sei, antwortete Loki: „Sowohl als auch.“ Damit ist dann nun auch direkt die Brücke zum Comic geschlagen. Bereits 2014 wurde von Marvel Comics bestätigt, dass der Charakter Loki Laufeyson genderfluid ist. Denn im originalen Sin-Comic sagte sein Vater Odin über Loki: „Mein Sohn und meine Tochter und mein Kind, das beides ist.“

Screwball-Comedy

Mal ganz abgesehen von jeglichem Dating-Geplänkel: Loki und Sylvie schweben in Gefahr. Man kommt nicht täglich in die Lage, dass der eigene Aufenthaltsort mit einem Planeten zu kollidieren droht. Ein schlechteres Timing hätte es kaum geben können, aber selbst diese Umstände transportiert Loki spielend leicht. Wenn Loki völlig betrunken im Rampenlicht der Bar steht und den Entertainer gibt, vergisst man einfach die Umstände, in denen sich die beiden Figuren befinden. Natürlich werden beide nicht einfach so ohne weiteres den Löffel abgeben (nicht nur, weil es eben Loki ist, sondern weil wir erst bei der Halbzeit angelangt sind). Viel eher werden Mobius und die TVA nun sämtliche Apokalypsen abklappern, um Loki und Sylvie zu schnappen. Denn wie sich im Widerspruch ihres Wissensstands zeigt, hat Mobius Loki auch falsche Informationen verkauft, womit sich dessen Flucht gleich doppelt gelohnt hat. Aber wen interessiert das schon (wirklich), wenn Loki und Sylvie in einem verbalen Gefecht stecken? 

Da rast übrigens ein Planet auf uns zu

Die stimmungsvollen Violett-Töne, die die Folge dominieren, bilden einen echten Kontrast zu dem geerdeten Retro-Look der beiden ersten Folgen. Tonal würde man diese Folge auch nicht unbedingt dort sehen, wo die Serie zwei Folgen zuvor begonnen hat. Denn stilistisch ist die Episode ein Symbiont aus Doctor Who und Snowpiercer. Gleichzeitig geht es aber auch im Vergleich dazu weniger geheimnisvoll zu. Denn durch mehr Informationen über ihre Person wird nun auch Sylvie greifbarer, und wir erfahren, dass sie weder als Variante betrachtet noch Loki genannt werden möchte. Für den Moment sind das schon einige Informationen, wenngleich bereits feststeht, dass diese Figur noch viel mehr Potenzial mit sich bringt, insbesondere im Hinblick auf die Comics. In Loki gibt es ebenfalls mehr Einblicke als sonst. Man muss sich allerdings fragen, was an manchen Stellen aus Lokis Teleportationsfähigkeit (die Sylvie wohl noch lernen muss) geworden ist, die er an einer Stelle sogar demonstriert, später aber, als sie ebenfalls hilfreich wäre, nicht anwendet.

Fazit

Eine wirklich besondere Folge, die in Sachen Dialog für viele Zuschauer*innen sicherlich zu langatmig ist, aber den wohl besten Beweis dafür darstellt, dass Marvel mehr ist als nur Pausenlos-Action. Tom Hiddleston und sein Gegenpart Sophia Di Martino harmonieren in ihrer Gegensätzlichkeit gut miteinander und übertreffen sogar das Gespann Loki-Mobius. Denn bei einem Kräftemessen wäre es ziemlich unvorhersehbar, wer von ihnen die Oberhand behalten würde. Ganz abgesehen von der Faszination der Sache an sich, mit einer alternativen Version seines eigenen Selbsts abzuhängen. Und das auch noch vor dem Hintergrund einer Apokalypse, hallelujah! 

© Disney

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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Taria
1. Juli 2021 18:01

Folge 3 hat mir eigentlich ganz gut gefallen, da die Dynamik Loki-Sylvie ganz interessant ist. Allerdings empfand ich den Einwurf mit der Bisexualität etwas zu sehr forciert und vor allem deplatziert. Mir wären da eher 1000 andere Fragen durch den Kopf gegangen als die sexuellen Interessen meines Gegenübers. Ich werde diese Fokussierung auf Sexualität eh nie verstehen können.

Was den besagten Original Sin-Comic anbelangt, den ich ja gelesen habe, sollte man diesen vorher lesen, damit man einen gewissen Kontext hat. Loki verwandelte sich da als Frau, weil Heaven eine von Frauen regierte Welt ist und da hat man bei Verhandlungen halt bessere Chancen, wenn man kein Mann ist. Odins Satz ist zwar an und für sich sehr schön, aber irgendwie auch total out of character. Da muss Odin wirklich seine Sentimentalität aus 5 Tonnen Geröll ausgegraben haben, um so einen Satz über die Lippen zu bringen.

Last edited 2 Monate her by Taria