Das Buch von Boba Fett (Folge 1×02)

Episode 2 von Das Buch von Boba Fett, »Die Stämme von Tatooine«, ist ein gut geschnürtes und prall gefülltes Paket mit einer neuen stolzen Länge von 50 Minuten. Sie führt die Hutten sowie die Live Action-Ausgabe eines beliebten Kopfgeldjägers aus dem Expanded Universe ein und schließt mit einer Zugraub-Eskapade ab, die Western-Fans in Wallung bringen wird.

Inhaltsangabe

Fennec Shand bringt den gefangenen Attentäter ins Jabbas Palast. Er entpuppt sich als Mitglied des Nachtwind-Ordens und weigert sich beharrlich, irgendwelche Informationen preiszugeben. Erst als er in die Rancor-Höhle gestoßen wird, brüllt er in seiner Panik »Der Bürgermeister war’s!« Unnötigerweise, denn es stellt sich heraus: kein Rancor da. Offenbar hat Bib Fortuna seinerzeit keinen neuen angeschafft.

Boba und seine Entourage begeben sich nach Mos Espa, um den Nachtwind-Attentäter beim Bürgermeister abzuliefern und Antworten zu verlangen. Der Bürgermeister, ein Ithorianer namens Mok Shaiz, reagiert allerdings anders als Boba erwartet: Er übergibt Boba ganz geschäftsmäßig ein Kopfgeld für den Attentäter und ist sich selbst offenbar keiner Schuld bewusst. Boba stellt daraufhin noch einmal klar, dass er der neue Crime Lord (oder auch »Daimyo«) ist und dass der Bürgermeister unter ihm dient. Der Bürgermeister akzeptiert das ganz nüchtern und gibt ihm den Tipp, zurück in Garsas Cantina zu gehen um die Wahrheit über den Attentäter herauszufinden.

Garsa ist überrascht über Bobas Auftauchen und übermittelt ihm gleich die schlechte Nachricht: die Hutten-Zwillinge erheben Anspruch auf das Erbe ihres Vetters Jabba. Gerade, als Boba das ungläubig abtun will, hört er den Trommel-Begleitschlag, der die Ankunft der Hutten verkündet. Die Zwillinge höchstselbst sind am Start und verlangen ihr Territorium zurück. An ihrer Seite der Wookie und Kopfgeldjäger Black Krrsantan, der Boba böse anstarrt. Doch die Einschüchterung zieht nicht. »Nur über meine Leiche«, sagt Boba und die Hutten ziehen von Dannen – vorerst.

Zurück im Palast, steigt Boba erneut in den Bacta-Tank; weiter geht’s mit dem Flashback. Die oberste Chefin des Tusken-Clans, bei dem Boba nun lebt, bringt Boba das Kämpfen mit dem Gaffi-Stab bei. Das urige Dorfleben wird jäh unterbrochen, als ein Transportzug durch die Dünen brettert und die Tusken, die ihr Territorium verteidigen, über den Haufen schießt. Boba verspricht dem Ältesten, dass er den Zug aufhalten wird.

Dazu geht Boba in die nahe gelegene Tosche-Station, raubt von den Nikto, die dort trinken und pöbeln, ihre Speeder-Bikes und bringt sie zurück zu den Tusken, um sie in der Speeder-Handhabung zu unterweisen und mit ihnen einen Schlachtplan zu entwickeln. Als der Transportzug das nächste Mal erscheint, vollführen die Tusken unter Boba eine aufregende Zugübernahme und schließlich gelingt es ihnen, den Zug zu stoppen. Die Insassen sind Angehörige des Pyke-Syndikats. Boba eröffnet ihnen, dass die Dünen von nun an den Tusken gehören und die Pykes Wegezoll entrichten müssen.

Boba wird nun eine große Ehre der Tusken zu Teil: Er bekommt durch die Nase eine psychoaktive Echse ins Hirn verpflanzt. Diese führt ihn unter größten Halluzinationen zu einem rituellen Baum, von dem Boba einen großen Ast abbricht. Eine Prüfung, die Boba besteht, denn er schafft es trotz Drogentrips ins Dorf zurückzukehren. Die Tusken empfangen ihn und kleiden ihn in ihre Gewänder. Zu guter Letzt darf er aus dem mitgebrachten Ast seinen eigenen Gaffi-Stab herstellen. Der Tag endet mit einem zeremoniellen Reigen ums Lagerfeuer, Boba mitten darin.

Einen Gute-Nudel-Stern für die armen Sänften-Träger

Episode 2 ist eine wesentlich längere Folge mit 50 statt 37 Minuten. Ein Großteil davon ist Backstory in Form eines Flashbacks, doch auch die 14 Minuten serieninterner Gegenwart bieten alles Nötige für’s Star Wars-Herz. Nach etlichen Jahren darf mal wieder der Knopf für die Rancor-Luke gedrückt werden (sehr schön das panische Wegspringen der gamorreanischen Wache, die sich wohl nur zu gut daran zurück erinnert) und auch die Hutten betreten das Spielfeld bzw. sie werden hineingetragen, auf einer Sänfte, die sich bedenklich zur Mitte hin durchbiegt, getragen von armen Typen, die mit jeder Sekunde, die das Gespräch mit Boba anhält, mehr und mehr unter der Last zittern. Die Hutten tupfen sich unterdessen mit ihren Ratten-Snacks den Schweiß ab – offenbar bringt die Frage, ob die Sänfte hält oder nicht, auch sie ordentlich ins Schwitzen. Außerdem mit dabei: Black Krrsantan, der schwarzhaarige Wookie und Kopfgeldjäger, der vielen vor allem aus den Doctor Aphra-Comics bekannt sein dürfte und hier sein Live Action-Debüt feiert.

Der Mann, der den Tusken den Zoll brachte

Durch den Flashback wissen wir nun auch, wo Boba seinen Gaffi-Stab her hat, mit dem er technisch einwandfrei in Folge 2×06 von The Mandalorian die Sturmtruppler niedermäht. Und wenn wir irgendwann mal wieder Folge 1×05 anschmeißen und die Tusken von Mando Wegzoll für die Durchquerung ihrer Dünen verlangen, dann wissen wir auch hier, wem dieser Umstand zu verdanken ist. Ein interessantes Detail gibt es zudem beim Transportzug. Aus der Ferne klingt dieser zunächst wie ein riesenhaftes Monster und versetzt die Tusken deswegen so sehr in Angst. Womöglich verfügt der Zug über ein Horn, das zur Abschreckung den Ruf eines Krayt-Drachen imitiert – bekanntlich der einzige Angst-Gegner der Tusken. Erinnern wir uns alle noch an den »Sound«, den seinerzeit Obi-Wan Kenobi in Episode IV machte, um die Tusken zu verscheuchen? Auch das war ein Krayt-Schrei.

Lawrence, Hechte und Mujahideen

The Mandalorian strotzt bekanntlich vor Western-Klischees und auch Das Buch von Boba Fett macht davor keinen Halt. Die Übernahme eines Zuges? Mehr Western geht wohl nicht. Gleichzeitig ist die ganze Aktion auch dem Historienfilm Lawrence von Arabien (1962) entnommen. Ein Concept Art während der End Credits ist gar eine 1:1 Kopie der Zugraub-Szene aus besagtem Film – mit Tusken anstelle der Beduinen, also fast 1:1. Bei den Zuginsassen handelt es sich um das Pyke-Syndikat, das zwar vor allem aus The Clone Wars bekannt ist, aber auch in Solo: A Star Wars Story bereits »in echt« auftritt. Die Pykes entpuppen sich hinter ihren Masken überraschenderweise als … Fische. Quasi wie der Name »Pyke« (»pike«, Englisch für »Hecht«) bereits impliziert. Nun ja, Star Wars war noch nie sonderlich subtil mit seinen Namensgebungen, gell? Nehmen wir die Tintenfisch-Leute; die heißen »Mon Calamari«. Boba jedenfalls hat den Tusken Technik und Waffen gebracht und ihnen gezeigt, wie sie die überlegenen Ausländer besiegen können. Es fehlt am Ende eigentlich nur noch die Einblendung »This Film Is Dedicated To The Brave Mujahideen Fighters Of Afghanistan« – Rambo– und Meme-Veteranen werden sich erinnern.

Bobas Identität

Dem aufmerksamen Publikum wird wohl nicht entgangen sein, dass Bobas Rüstung über die Jahre immer mehr Teile eingebüßt hat. Das könnte vielleicht daran liegen, dass eine komplette Montur wenig für Temuera Morrisons Körper tut. Das könnte aber auch serienintern dadurch erklärt werden, dass Boba (auch wenn er das Zeichen Mandalors auf der Schulterklappe trägt) kein Mitglied eines mandalorianischen Clans ist und daher auch keinen Zugriff auf Beskar hat, mit dem er verlorene/zerstörte Teile der Rüstung ersetzen kann. Auch könnte es eine willentliche Entscheidung seitens Boba sein, die Rüstung optisch zurückzunehmen und dafür die Gewänder der Tusken in den Vordergrund zu rücken. Denn das Interessante ist: Boba wird von vielen Mandalorianern nicht als einer der ihren akzeptiert (Folge 2×03 aus The Mandalorian), während er gleichzeitig nun Teil eines Tusken-Clans geworden ist. Vielleicht versucht Boba hier also seine zwei kulturellen Identitäten miteinander zu vereinen.

Fazit

Dieses Tusken-Lore-Building gepaart mit Boba-Entwicklung gefällt mir ziemlich gut; zwei Dinge, die füreinander wie gemacht zu sein scheinen. Temuera Morrison schwingt denn tuskischen Gaffi-Stab wie ein Taiaha der Maori und auch der tuskische Reigen erinnert an den altehrwürdigen Haka. Die Macher scheinen Morrisons Erbe mit der Geschichte verweben zu wollen. Und auch sonst ist die Serie einfach gut darin, schlicht genossen zu werden; tolle Sets, tolle Kostüme, tolles Flair, keine Langeweile. Aber daran, dass Mos Espa einen Bürgermeister hat, samt Vorzimmer-Typen, der bürgeramtmäßig Termine vergibt, muss ich mich erst noch gewöhnen.

© Disney

Totman Gehend

Totman ist Musiker, zockt in der Freizeit bevorzugt Indie-Games, Taktik-Shooter oder ganz was anderes und sammelt schöne Bücher. Größtes Laster: Red Bull. Lieblingsplatz im Netz: der 24/7 Music-Stream von Cryo Chamber auf YouTube.

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