Das Buch von Boba Fett (Folge 1×01)

Mit Das Buch von Boba Fett erhält eine wahre Star Wars-Ikone ihre eigene Show. Als Spin-off zu The Mandalorian angelegt, verfolgt die Serie den Werdegang des populären Kopfgeldjägers Boba Fett, der das erste Mal in Das Imperium schlägt zurück (1980) vorgestellt wurde – nicht unbedingt als guter Charakter, sondern vielmehr als ein Stück geniales Produktdesign, das seinerzeit kräftig die Merchandise-Produktion für Kinderspielzeug ankurbelte. Vier Jahrzehnte später entschied man sich bei Disney, Boba Fett erneut aufleben zu lassen und tiefer in die Geschichte der namhaften Action-Figur einzutauchen. Die Pilotfolge »Der Fremde« (»Stranger in a Strange Land«) ist seit dem 29. Dezember 2021 auf Disney+ abrufbar.

Inhaltsangabe

Die Episode beginnt in der Wüste nahe Mos Espa in Jabbas Palast. Wir erinnern uns: Nachdem der Kopfgeldjäger Boba Fett (Temuera Morrison) und seine rechte Hand Fennec Shand (Ming-Na Wen) am Ende der zweiten Staffel von The Mandalorian ihre Schuld bei Mando beglichen haben, sind sie nach Tatooine zurückgekehrt, um Bib Fortuna vom Thron des Verbrechersyndikats zu stürzen und dessen Platz einzunehmen. Dort hausen die beiden nun, in Jabbas Palast, und versuchen, das Syndikat zum alten Glanz zurückzuführen – mit Boba Fett als ehrenwertem Crime Lord.

Während Boba im Bacta-Tank einem Heilungsprozess unterliegt, ereilen ihn Flashbacks aus seiner Vergangenheit. Wir sehen Kamino, die Geburtsstätte der Klone, und einen jungen Boba Fett, der in der Arena von Geonosis den Tod seines Vaters Jango Fett betrauert. Zu guter Letzt sehen wir, wie es Boba Fett gelingt, sich aus dem Schlund des Sarlaccs zu befreien und sich mehr schlecht als recht an die Oberfläche zurückzukämpfen. Während er halbtot in der Wüste liegt, rauben Jawas seine Rüstung. Kurz danach finden ihn die Tusken-Räuber und verschleppen ihn in ihr Dorf. Dort wird er als Gefangener vor allem von den Tusken-Kindern geschlagen und malträtiert, während der Älteste unbeteiligt zusieht. In der Nacht versucht Boba einen Fluchtversuch, doch ein mitgefangener Rodianer mit Stockholm-Syndrom verpfeift ihn. Es kommt zum Kampf mit den Tusken, in dem Boba unterliegt.

Schnitt zurück in die Gegenwart: Fennec Shand weckt Boba mit der Info auf, dass die Einheimischen anstünden, um ihm als neuen Crime Lord Respekt zu zollen. Auf dem Thron sitzend, nimmt Boba die Geschenke an. Auch der Gesandte des Bürgermeisters von Mos Espa macht ihm seine Aufwartung, allerdings ohne Respekt und ohne Tribut. Fennec würde dem Gesandten für diese Unverfrorenheit am liebsten über den Haufen schießen, Boba aber lässt ihn gehen. Auch die zwei gamorreanischen Leibwächter, die sowohl unter Jabba als auch Fortuna gedient haben, lässt Boba – der Sitte widersprechend – am Leben und stellt sie ein.

Generell hat es Boba nicht so mit dem Protokoll eines Crime Lords. Als er mit einer kleinen Entourage Mos Espa besucht, tut er dies zu Fuß und nicht auf einer Sänfte. Er macht der Besitzerin der Cantina »The Sanctuary«, einer Twi’lek namens Garsa Fwip (Jennifer Beals), seine Aufwartung und garantiert ihr Sicherheit. Sie akzeptiert Bobas Angebot und unterstellt ihre Cantina seiner Autorität.

Zurück auf der Straße werden Boba und seine Entourage von vier Attentätern angegriffen. Boba überlebt verletzt und weist seine Leibwächter an, ihn zurück in den Palast zum Bacta-Tank zu bringen. Fennec jagt unterdessen die Attentäter. Es gelingt ihr, einen von ihnen festzunehmen.

Zurück im Bacta-Tank erleben wir den Rest von Bobas Flashback. In Ketten gelegt muss Boba gemeinsam mit dem Rodianer in der weiten Wüste unter der Knute eines Tusken-Kindes nach Wasserfrüchten suchen, als sie von einem Monster angegriffen werden. Der Rodianer stirbt, Boba aber gelingt es, das Monster zu töten. Danach hätte Boba die Flucht ergreifen können, doch stattdessen eskortiert er das Tusken-Kind zurück ins Dorf. Dort angekommen, prahlt das Kind mit dem abgetrennten Monsterkopf, den es wie eine Jagd-Trophäe in die Höhe hält, während der Älteste mit subtiler Geste Boba als freien Mann im Dorf willkommen heißt.

Disney, der Tusken-Sympathisant

Als die Figur des Boba Fett nach Jahrzehnten überraschenderweise in The Mandalorian auftaucht, sorgte das für große Augen unter den Fans. Denn eigentlich gilt Boba Fett seit Episode VI als tot – verschlungen vom Sarlacc. Daher fragte sich die Community bereits seit geraumer Zeit, wie Boba wohl aus dem Schlund des Sarlaccs entkommen konnte. Netterweise gibt die Serie gleich zu Beginn die Antwort ohne eine allzu große Nummer daraus zu machen: Mit dem Flammenwerfer und viel Ausdauer beim Graben. Zack, fertig, Mysterium abgehakt. Dass Boba letzten Endes bei den Tusken-Räubern landet und sich deren Respekt erarbeitet, könnte für die Zukunft interessant werden. Es ist nie verkehrt, als angehender Crime Lord die gefürchteten Sandleute auf seiner Seite zu haben. Generell erfährt die Tusken-Kultur unter Disney eine massive Weiterentwicklung. Bereits in der ersten Staffel von The Mandalorian erhaschen wir einen kurzen Blick auf ihre Gebärdensprache, während wir hier nun mehr von ihrem Sozialleben sehen. Das, was früher das personifizierte »pure Böse« war, wird nun humanisiert und greifbar bzw. kindertauglich, damit die Tusken auch weiterhin in das Disney-Konzept passen, huh? Dennoch ist es eine sehr nette Szene zum Schluss, wenn der Älteste als Friedensangebot Boba eine Wasserfrucht reicht und wortlos zu sagen scheint: »Ich weiß, ich weiß, du warst es, der das Monster gekillt hat. Der Junge ist halt ‘ne kleine Ego-Ratte, ok? Hoffentlich nur ‘ne Phase. Prost.«

Harryhausen, is that you?

Besagtes Monster sorgt bei seinem Auftauchen erst einmal für … Irritationen. In seinem ganzen Design wirkt es wie ein direkter Nachfahre von Ray Harryhausens Stop-Motion-Monstern aus den 60ern und passt damit so gar nicht in die übliche Star Wars-Ästhetik. Ist das noch Unvermögen seitens der Monster-Designer oder schon eine Hommage? Vermutlich eher Zweiteres. Letztendlich ist es auch ohne Belang, da die Kreatur von Boba gnädigerweise platt gemacht wird. Bestien mit großen Ketten zu erwürgen scheint auf Tatooine gängige Praxis zu sein.

Easter Eggs, Star Wars-Flair, alles da

Das Buch von Boba Fett stammt weitestgehend aus der Feder desselben Teams, welches auch The Mandalorian produziert hat. Es gibt vieles, das den Fans von The Mandalorian bekannt vorkommen wird. Ludwig Göransson zeichnet sich erneut für die Musik verantwortlich, die End Credits setzen sich erneut aus Concept Arts zusammen und natürlich gibt es bei den beiden Protagonisten erhebliche Ähnlichkeiten. Auch in Sachen Star Wars-Feeling steht Das Buch von Boba Fett seinem großen Bruder in nichts nach, denn wer sorgt in der Cantina für die Musik? Niemand Geringeres als Max Rebo and Friends. Wer hätte gedacht, dass der blaue Elefant die Geschehnisse in Episode VI überlebt und nun die lateinamerikanische Version des berühmten Cantina-Songs zockt? Auch Jabbas ehemaliger Folter-Droide 8D8 ist am Start und arbeitet unter Boba als Saaldiener. Und schließlich sind da noch die Gamorreaner, die endlich zeigen dürfen, warum man sie als Leibwache einstellt. Nur um einige Easter Eggs, Seitenhiebe und Selbstreferenzen zu nennen.

Ein Herz für den ü50-Club

Es ist auffällig und darüber hinaus eine mehr als angenehme Abwechslung, dass es sich bei den beiden Protagonisten um Charaktere jenseits des 50. Lebensjahres handelt. Ming-Na Wen hat die 58er-Marke erreicht, während Temuera Morrison bereits 61 Lenze zählt. Erinnert man sich zurück an das Interview mit Carrie Fisher (Prinzessin Lea), in dem sie von den Schwierigkeiten älterer Schauspieler auf dem erbarmungslosen Hollywood-Markt erzählt, ist dieser Umstand umso erfreulicher. Wen und Morrison beweisen, dass die Hollywood’sche Gerontophobie unangebracht ist. Die beiden sind lässig und verfügen darüber hinaus über eine gute Chemie; zwei Gegenpole, aber dennoch Partner auf gleicher Höhe. Und Morrison im Kampfmodus ist eh immer eine Freude für’s Auge, da jede Geste und jede Mimik von seinem maorischen Erbe durchdrungen ist – soll heißen, er schaut stets martialisch aus.

Fazit

Die erste Episode von Das Buch von Boba Fett beginnt mit klaren Erzähllinien, klaren Bildern und einer überzeugenden Performance seitens Temuera Morrison aka Boba Fett. Es vergehen über neun Minuten, ehe das erste Wort gesprochen wird – bis dahin verlässt sich die Serie ganz und gar auf die körperliche Präsenz von Morrison, und es klappt. Boba ist ein unermüdlicher, aber immer noch sterblicher Krieger und sein Gebaren zeugt von einer Kernigkeit und Schwere, die mit dem Alter einhergeht. Darüber hinaus hat sein jahrelanger Kampf gegen die Galaxie eine Philosophie in ihm sprießen lassen, die fast schon zu erhaben und idealistisch wirkt für eine Welt voller Schmiergelder und tödlicher Machtdemonstrationen. Disney halt, gell? Aber egal, ich bin angefixt und sehr gespannt auf Bobas erste Konfrontation mit dem ollen Bürgermeister.

© Disney

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2 Comments
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wasabi
Redakteur
4. Januar 2022 8:00

Hihi, das ist ja schon wieder ein Western, so wie “The Mandalorian”. Nur diesmal nicht “Für eine Handvoll Dollar”, sondern “Boba Fett bei den Apatschen”. Kindertaugliche Tusken? Naja, Kinder mögen ihre Bösewichte eigentlich eindeutig und bedrohlich. Aber ein Naturvolk hässlich und böse aussehen zu lassen, nur weil man Schurken braucht, das trägt man heutzutage nicht mehr so.Hach, und ich liebe das Harryhausen-Monster!

Totman Gehend
Redakteur
Antwort an  wasabi
4. Januar 2022 11:02

Hab mich schon gefragt, ob du Boba guckst und bei Harryhausen steil gehst, so als alter Klassiker- und Kaiju-Fanatic :>

Last edited 21 Tage her by Totman Gehend