Neues vom US-Comicmarkt (Februar 2019)

Lesezeit: 5 Minuten

In diesem Format stellen wir euch ausgewählte aktuelle Comics des US-Markts vor, die wir monatlich begleiten. 

 

Heroes in Crisis #6 ©DC

Drei Personen, drei Geschichten. Wie in den zuvor erschienenen Ausgaben werden uns mehrere Erzählstränge auf einmal serviert. Gnarrk, der aus der Zeit gerissene Höhlenmensch, der nun als Superheld agiert. Sanctuary zeigt ihm eine einfachere Welt, seine Welt. Als sein einziger Zweck damals war zu töten oder getötet zu werden. Nun ist er Teil einer Welt geworden, die viel komplizierter geworden ist und die Frage, ob Gnarrk darin einen Platz hat, bleibt bestehen. Allerdings nicht lange, denn am Ende findet er seinen Tod durch einen stärkeren Jäger. Harley Quinn gemeinsam mit Poison Ivy. Die beiden besten Freundinnen. Sie teilen alles, Freud und Leid. Oder das Töten von Joker-Simulationen. Sanctuary ist ein Ort, an dem man sein Innerstes Preis gibt und für Harley gilt das über den Verlauf der gesamten Serie besonders. Dann ist da noch der Flash, Wall West. Wieder zurück in der Realität. Vereint mit Familie und Freunden. Zumindest fast, denn die drei wichtigsten Personen in seinem Leben gibt es nicht (mehr). Seine Frau Linda kennt ihn nicht. Seine Kinder gab es nie. Dadurch fühlt er sich verloren. Fast genauso verloren fühlt er sich, als er Roy Harpers Leichnam im Arm hält und dann von Booster Gold erschossen wird. Was die Frage aufwirft, wie er zuvor schon einmal in derselben Situation von Harley getötet werden konnte?

Das durch Clay Manns inszeniert Therapiesitzungen zentrale Thema lautet “Rettung”. “Wie viele Menschen hast du gerettet?”, ist die Frage, die Sanctuary allen Helden stellt. Die Antwort bietet einen weiteren Blick in die Psyche und hilft zu verstehen, was die Helden antreibt. Bis auf diese zwei Seiten, die erste und die letzte, wird die restliche Ausgabe allerdings von Mitch Gerads gezeichnet. Tom Kings Partner bei Serien wie Sherriff of Babylon und Mister Miracle zeigt nicht nur die schöne, aber harte Vergangenheit von Gnarrk, sondern setzt besonders gut Harleys und Wallys Probleme um. Vor dem letzten Drittel scheint Tom King noch einmal alle Emotionen aufleben zu lassen und den Leser auch mit unbekannten Helden wie Gnarrk mitfühlen zu lassen. Durch die Wendung am Ende bleiben die wichtigsten Fragen noch offen, lassen aber damit auf drei fulminante Abschlusskapitel hoffen. Alle Informationen liegen vor uns und Tom King und Clay Mann dürfen sie jetzt gerne präsentieren

 

 


Black Bird #5 ©Image Comics

Kaum entsteht ein Gespräch zwischen Nina und Gloria, nähert sich eine weitere weibliche Person im Hintergrund. Es ist Marisa! Auch sie trägt ein magisches Gewand und versucht Nina zurückzuweisen. Nina soll davon überzeugt werden, dass sie immer beschützt wurde. Doch Nina kann dieses Schicksal einfach nicht akzeptieren und die Emotionen der Schwestern schaukeln sich gegenseitig hoch. Es kommt zu einem Kampf, bei dem Nina Katzen herbei zaubert, welche sich in Bestien verwandelt. Diese kann sie gerade so davon abhalten, ihre Schwester zu töten. Somit verliert Marisa den Kampf. Kurze Zeit später kommt es auch zu einem Streit zwischen Nina und Clint, bei dem sich herausstellt, dass Clint Magie benötigt, um sein Gesicht von Narben freizuhalten. Die beiden versöhnen sich und Clint nimmt Nina mit zu seinem Vater. Dort wird sie per Magie in die Wahrheit eingeweiht: Sie starb einst bei jenem Unfall in den Armen ihrer Mutter…

Enthüllungen. Nachdem Nina von allen immer nur neue Fragen mitnimmt, gibt es endlich Antworten. Die Wahrheit ist so niederschmetternd, dass Nina zurecht völlig am Boden zerstört ist. Wie sollte sich das schon anfühlen, wenn man erfährt, dass man eigentlich tot ist? Ein spannender Cliffhanger zum Ende des Kapitels. Allerdings ist der Weg dahin ein steiniger: Im Dialog mit Gloria kommt nicht viel herum. Der Kampf mit Marisa packt leider nicht so recht und auch das Gespräch mit Clint und dessen Vater will nicht so recht zünden. Schade, aber weiterhin prescht Black Bird mit Ereignissen voran, doch es bleibt kaum Luft zu atmen. Unentwegt prasseln neue Eindrücke auf Nina ein und auch beim Leser türmen sich die Fragen allmählich. Das kann ein Zeichen schlechten Pacings sein oder der Autor ist einfach zu überambitioniert.

 


Middle West #4 ©Image Comics

Juhu, Abel flieht mal nicht zum Beginn des Kapitels, sondern kommt an einem Ort an! Auf einem Jahrmarkt hofft er, die mystische Magdalena zu finden. Doch seine Suche bleibt erfolglos, einzig zu Bobby und ihrem Reparaturroboter entsteht ein unfreiwilliger Kontakt. Hungrig und enttäuscht kehrt Abel zu seinem Fuchs zurück. Setzte im ersten Kapitel ein erfolgloser Klau das ganze Geschehen überhaupt erst in Gang, probiert es der Junge noch einmal. Verzweifelt genug ist er langsam, denn weder Antworten noch etwas Ruhe sind in Sicht. Doch nach einem ersten Erfolg wird er von Bobby erwischt, die ihn im Auftrag ihrer Chefin beobachten soll. Eine wilde Flucht weckt starke Gefühle in Abel und lässt das Kapitel mit einem beeindruckenden Bild enden.

Nachdem wir im dritten Kapitel einen Hinweis auf den Verbleib von Abels Vater bekamen, finde ich es regelrecht schade, dass dieser komplett ausgelassen wird. Wobei das letzte Bild hervorragend dafür geeignet ist, diesen Umstand bald zu ändern. Die bunte Welt des Jahrmarktes ist genial eingefangen. Allein die Sprüche und Interaktionen der Schießbudenbesitzer zu Beginn versetzen mich in meine Kindheit zurück. Spannend finde ich auch, wie der Fuchs immer mehr zu Abels Lehrmeister wird und zwar immer noch für allerlei Unfug zu haben ist, aber dennoch versucht, Abel am Laufen zu halten. Und man mittlerweile einen so guten Eindruck von der Beziehung der beiden bekommen hat, dass es einen nicht wundert, wenn sie wieder in Schwierigkeiten geraten. Ich finde es auch toll, wie nebenbei Weltenbau betrieben wird und wir mit beinahe nebensächlichen Kommentaren neues erfahren. Zu Bobbys Chefin habe ich eine Vermutung, die sich hoffentlich im nächsten Kapitel bestätigen wird. So eindrucksvoll, wie die viel zu wenigen Seiten enden, freue ich mich jedenfalls sehr auf dieses!

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