Call Me By Your Name

Lesezeit: 4 Minuten

Call Me By Your Name war beim Sundance Filmfestival im Januar 2018 einer der Kritiker- und Publikumslieblinge. Kurze Zeit später folgte die Oscar-Nominierung für das beste Originaldrehbuch und der anschließende Gewinn des Awards. Das Queer Cinema ist auch ein Jahr nach dem Siegeszug von Moonlight bei den Academy Awards vertreten und erzählt in diesem Fall die sommerliche Romanze zweier junger Männer. Allerdings ist der Film nicht ganz so typisch für das Genre, wie es zunächst den Anschein erwecken mag. Regisseur Luca Guadagnino zeigte bereits in A Bigger Splash und I Am Love, dass es ihm viel mehr um die zwischenmenschlichen Verstrickungen als so ein banales Motiv wie Liebe geht. Der Roman Ruf mich bei deinem Namen des US-Schriftstellers André Aciman, auf dem der Film basiert, spielt tatsächlich erst fünf Jahre später, im Jahr 1988.

  

Sommer 1983, Norditalien. Orangenbäume wippen in der Sommersonne und Italo Disco der 80er schalt aus den Autoradios und dem Walkman. Elio (Thimotée Chalamet, Homeland) ist 17 Jahre alt und verbringt sein Leben hauptsächlich mit dem Hören von Musik, der Komposition von Liedern und der hübschen Marzia. Sein Vater (Michael Stuhlbarg, A Serious Man) hegt eine Leidenschaft für antike Statuen und lädt jeden Sommer einen anderen Studenten aus dem Ausland ein, ihn bei der Arbeit zu unterstützen. In diesem Sommer ist Oliver aus Amerika (Armie Hammer, Social Network) zu Gast. Zunächst findet Elio den jungen Mann arrogant, doch bald werden seine Gefühle mächtig aufgewirbelt …

Stilles Wechselbad der Gefühle

Originaltitel Call Me By Your Name
Jahr 2017
Land Italien, Frankreich, USA, Brasilien
Genre Romanze, LGBT
Regisseur Luca Guadagnino
Cast Oliver: Armie Hammer
Elio Perlman: Timothée Chalamet
Mr. Perlman: Michael Stuhlbarg
Mrs. Perlman: Amira Casar
Marzia: Esther Garrel
Laufzeit 133 Minuten
FSK

Große Mühen macht sich Call me by your Name zunächst nicht, eine Geschichte zu erzählen. Die bleierne Sonne und die Lust auf ein Bad im kühlen See dominieren und untermalen die Auswirkungen eines heißen Sommers. Den Rest übernehmen Stille, Mimiken und sehnsüchtige Blicke. Bis die Geschichte einmal Fahrt aufnimmt, vergeht eine ganze Weile und dem Zuschauer, insbesondere solchen, die mit schleichenden Romanzen nichts anzufangen wissen, wird viel Geduld abverlangt. Ein gewisses Hin und Her zwischen Elio und Oliver zieht sich über weite Strecken des Films und zahlreiche zwischenmenschliche Motive werden dabei abgegrast: Zuneigung, Anziehung, Ignoranz, Zweifel, Sehnsucht und Distanz geben sich die Klinke. Der Zuschauer muss dabei mit den Launen Elios vorlieb nehmen, denn Oliver bleibt weitgehend ein Rätsel, was sich bis zum Ende des Films nicht ändert. Deswegen ist es nicht immer einfach, Elios Hormonschübe nachzuvollziehen, welche durchaus impulsiv daherkommen. Ohnehin schert sich der Film gar nicht darum, ob seine Hauptfiguren nun hetero- oder homosexuell sind. Sowohl Elio als auch Oliver haben Affären mit Frauen. Elio verbringt sein erstes Mal mit seiner Bewundererin Marzia und bewegt sich damit völlig innerhalb gängiger Konventionen. Doch ein wirklicher Tabubruch will Call Me By Your Name auch nicht sein, dafür ist Sexualität ein viel zu nebensächliches Thema. Viel eher geht es um die Entdeckung des Gefühls (eindrucksvoll in einer Onanie-Szene mit einem Pfirsich demonstriert) , der sexuellen Vollkommenheit.

Knisternde Erotik, subtile Entwicklung

Nicht nur die gemächliche Erzählweise, sondern auch die unauffällige Inszenierung sorgen dafür, dass Call Me By Your Name viel eher einen Eindruck hinterlässt als dass die Geschichte detailierte Szenen bietet, die in Erinnerung bleiben. Das subtile Schauspiel der beiden Hauptdarsteller sorgt dafür, dass die Figuren authentisch wirken. Nicht immer geht es darum, schön zu sein oder möglichst plastisch zu wirken. Elio verzieht gerne das Gesicht über mehrere Sekunden, er tastet sich langsam in Olivers Leben und gibt dabei nicht immer eine vorbildliche Figur ab. Das macht die Figuren trotz ihrer Eigenheiten greifbar – zumindest Elio. Für seine Leistung wurde Timothée Chalamet schließlich auch bei den Oscars 2018 als bester Hauptdarsteller nominiert. Olivers Entwicklung hingegen vollzieht mehrere Sprünge, die nicht nur bei Elio für Verwunderung sorgen. Die erotische Spannung ist immer präsent, doch der Film drängt sich einem nie auf. Alles wird recht unaufgeregt erzählt und geht seinen Weg. Das eigentliche Highlight versteckt sich ohnehin erst in einer der späteren Szenen.

Es ist reine Geschmackssache, ob man sich mit Call Me By Your Name nun anfreunden will oder nicht. Die Geschichte ist jedenfalls nicht der Star des Films. Dafür kommt sie vergleichsweise klischeehaft in ihrer Idee daher und unspektakulär in ihrer Darbietung. Es ist eher das italienische Lebensgefühl, das man mit dem Kinoticket löst. La Familia im Garten, kühle Therme, “Words don’t come easy”. Die Liebesgeschichte ist eher etwas für Liebhaber des Queer Cinemas, im Vordergrund steht hier das sommerliche Ambiente, vor dem sich zwei Menschen näher kommen und unterschiedliche Lektionen des Leben erfahren dürfen.

 

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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