Violet Evergarden (Special)

Lesezeit: 3 Minuten

Japans moderne Animeindustrie produziert gerne Zusatzmaterial exklusiv auf Blu-ray/DVD. Auch Violet Evergarden ist da keine Ausnahme. In der Regel handelt es sich dabei um für die Haupthandlung entbehrliche Zusatzfolgen. Die auf Netflix als “Violet Evergarden Special betitelte Folge hingegen reiht sich direkt nach der vierten Folge ein und bildet nicht nur eine Brücke über den Zeitsprung zur fünften Folge hinweg, sondern füllt die Serie mit weiteren kleinen Details.

Violet besucht die Oper und trifft daraufhin ihre neue Klientin: Irma ist Opernsängerin und wünscht sich von Violet einen Liebesbrief, der modern ist und die Herzen aller Frauen berührt. Violet sieht sich mit einem Problem konfrontiert: So sehr sie auch recherchiert und versucht, die Aufgabe zu bewältigen, sie erfasst nicht, was Irma von ihr verlangt. Viel konkreter mit ihren Anforderungen wird diese allerdings auch nicht. Violet sucht Hilfe bei ihren Kollegen, doch letztlich findet sich die Lösung dann doch in der persönlichen Geschichte Irmas.

Von allen anderen Folgen etwas

Produktionstechnisch ist die Folge so detailverliebt und hochwertig animiert wie der Rest der Serie. Auch die Blumensymbolik darf nicht fehlen: Nelken sind ein Sinnbild für Ehe und Liebe und verkörpern Irmas anhaltende Gefühle, von denen sie nicht loslassen kann. Von Violets Lehrerin aus der dritten Folge kommt die Empfehlung, Violet anzustellen. Luculia bekommt eine thematische Referenz, da sie wie Irma eine Hinterbliebene des Krieges ist. Durch Irma geht Violet in die Oper, die sie in der siebten Folge noch einmal besuchen wird. Der Hund bahnt sich seinen Weg vom Boden etwas näher zum Tisch. Auch wird der Briefregen, der das finale der Serie darstellt, hier bereits angeteast. Da Irmas neues Theaterstück ein großer Erfolg wurde, dient es auch als deutlich fließenderer Übergang zu Folge 5, in der sie bereits für Prinzessin Charlotte schreibt, obwohl sie in Folge 4 zuvor gerade einmal ihrer Kollegin Iris etwas unter die Arme gegriffen hat. Ihr Auftrag mit Irma verbindet sie nun mit einem prominenten Namen. Dazu hat sie auch viel klassische Literatur gewälzt, was bei der Arbeit für Prinzessin Charlotte referenziert wird.

Und noch eine Teamkomponente

Eines bietet die Folge, was in der TV Serie nach wenigen Folgen relativ kurz kommt: Violets Kollegen und ihre Zusammenarbeit mit ihnen. Abgesehen von den ersten Folgen, in denen Violets sozial merkwürdig anmutendes Verhalten noch für Furore sorgt, ist sie nun ein etabliertes Mitglied der Postfirma, das zwar noch helfende Hände brauchen kann, aber mit den anderen professionell auf einer Ebene steht. Selbst Cattleya ist so ratlos wie alle anderen bei diesem Kunden. Das ist die einzige Geschichte in dem das der Fall ist, denn davor muss sie den Respekt erst noch erarbeiten und danach hat sie Kollegen wie Iris und Erika weit übertroffen. Zusätzlich haben die männlichen Kollegen auch noch einen Auftritt: Benedict versucht einmal mehr romantische Gefühle Cattleya gegenüber auszudrücken und der alte Roland bietet auch eine maßgeblich helfende Hand.

 

Es ist irgendwie schade, dass die Folge zum Special degradiert wurde, auch wenn ihr im Gegenzug zusätzliche Laufzeit spendiert wurde. Das Tempo der ersten Folgen ist ziemlich gemächlich und der Sprung von Folge 4 zu 5 wirkt dabei ziemlich abrupt. Diese Folge 4.5 federt das sehr gut ab. Sie gibt auch der dritten Folge mit Luculia und deren Grundtenor als Kriegswaise auch etwas mehr Betonung, sodass sie nachträglich einen Deut weniger übermäßig kitschig wirkt. Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass sich während der Ausstrahlung wohl das Gefühl von Wiederholung verstärkt hätte, da Folge 5 sich genauso wie das Special um das Verfassen von Liebesbriefen dreht. Persönlich wäre ich von mehr solcher Bindegeschichten angetan, die kleine Details ausbauen und das Gesamtbild mit mehr Kausalität füllen. Mir stellt sich gerade z.B. die Frage, wieso Violets Lehrerin ausgerechnet Violet mit solchem Nachdruck empfohlen hat, obwohl sie (soweit dem Zuschauer bekannt) nur vom Brief, den sie für Luculia geschrieben hat, weiß und mir insbesondere Luculia mit ihrem Hintergrund als die viel bessere Wahl erscheint. Von allen Folgen ist das Violet Evergarden Special auf jeden Fall die bodenständigste und am wenigsten mit Kitsch und Herzschmerz getränkte Geschichte. Wenn man mal vom Schlusslied und dessen Lyrics absieht. Aber da das Stück nicht übersetzt vertont ist, dürfte das nicht zu sehr ins Gewicht fallen.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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