Valerian und Veronique – Teil 2

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Anfang der 80er Jahre ergibt sich für Christin und Mézières ein ziemliches Problem: Was tun, wenn die Welt, die sie für Valerian und Veronique erschaffen haben, auf der Umweltkatastrophe von 1986 fußt und genau dieses Jahr nun immer näher rückt? Ganz einfach, dieses als Chance nutzen, um die Serie einmal kräftig umzukrempeln und ihr eine völlig neue Ausgangslage zu geben.

Hypsis (Band 11 bis 12)

Die Hypsis- Geschichte, bestehend aus „Die Geister von Inverloch“ und „Die Blitze von Hypsis“, bildet das große Finale der vorangegangenen Teile seit Band 1 und zeigt Christin und Mézières in absoluter Topform. Bereits ab den ersten Seiten von „Die Geister von Inverloch“ herrscht eine bedrohliche Atmosphäre vor und der Leser merkt schnell, dass es dieses Mal wirklich ernst ist. Denn die drohende Katastrophe wirft mit geheimnisvollen Störfällen in Atommeilern und unerklärlichen Nervenzusammenbrüchen von Agenten und Militärs, die mit der Betreuung von Atomwaffen betraut sind, ihre Schatten voraus, und auch über die Figuren, die ganz genau wissen was bevorsteht, entsteht eine sehr beklemmende Stimmung. Dieses ist gerade in der Sequenz, wo sich Monsieur Albert mit ein paar alten Damen im Zug auf das Leben zuprostet und sich anschließend fragt, ob die beiden (oder vielleicht sogar er selbst) durch die kommenden Ereignisse sterben werden, sehr effektiv gemacht. Der erste Teil ist so gut erzählt, dass es absolut nicht negativ ins Gewicht fällt, dass der erste Band eigentlich nur dazu dient, die verschiedenen Figuren wie Albert und die Shinguz, sowie sympathische neue Figuren wie den außerirdischen Ralf zusammenbringen und die Bühne für das große Finale in Band 2 zu bringen. Dieser beschreibt die Jagd nach dem Urheber der Störfälle äußerst spannend und führt von der Erde bis hin in die entlegendsten Enden des Alls. Auch die Zeichnungen sind gerade bei den Szenen im All sehr toll und dramatisch gestaltet.

(Fast allein) im All (Band 13 bis 17)

Nach den Ereignissen von Hypsis stehen Valerian und Veronique im Grunde genommen vor dem Nichts. Kein Geld, keine Ressourcen, kaum Verbündete und dazu auch noch ein Raumschiff, das wegen fehlender Wartung am Auseinanderfallen ist. Während „Die letzte Grenze“ mehr ein Epilog zum vorhergegangenen Zweiteiler ist, der dessen Konsequenzen näher beleuchtet, machen die darauf folgenden beiden Bände sehr guten Gebrauch von der neuen Ausgangslage. „Lebende Waffen“ dreht sich um die Frage, wie weit die beiden gehen wollen, um ihr Überleben zu sichern, und hat damit einen sehr interessanten Konflikt zwischen den Hauptfiguren, der den aus der Aflolol-Geschichte locker übertrumpft und die etwas dünne Handlung gut wett macht. Der Nachfolgeband „Die Kreise der Macht“ bringt schließlich alle Entwicklungen dieser Phase zu einem glänzenden Höhepunkt und kann ganz klar als zweites großes Finale der Serie betrachtet werden. Wo in der Hypsis-Saga aber noch weitgehend Düsternis vorherrschte, bringt Christin in diesem deutlich actionreicheren Finale (in dem Valerian und Veronique gezwungen sind, die Drecksarbeit für den Polizeichef auf dem futuristischen Stadtplaneten Rubanis auszuführen) eine deutlich größere Portion Humor hinein, die den Band zu einem tollen Vergnügen macht. Gerade die Versuche von Valerian und dem wunderbar schmierigen Strax, sich im Imponieren gegenüber Veronique zu übertrumpfen, sind äußerst lustig. Der Humoranteil wird in den Folgebänden weiter ausgebaut und mündet mit „Die Sternwaise“ schließlich in eine sehr gelungene Actionkomödie, in der Christin und Mézières bis hin zu sich selbst alles Mögliche auf die Schippe nehmen und zudem eine der abwechslungsreichsten sowie grafisch schönsten Welt der ganzen Serie präsentieren.

Ein letztes Abenteuer (Band 18 bis 21)

Die folgenden vier Bände ergeben eine zusammenhängende die Geschichte und stellen den offizielle Abschluss der Reihe dar, auch wenn danach mit „Souvenirs der Zukunft“ noch ein weiterer Band mit neuen Kurzgeschichten erschienen ist. Der Mehrteiler dreht sich um die Versuche von Valerian und Veronique, die Konsequenzen der Hypsis-Saga umzudrehen oder wenigstens zu lindern. Dieses hat viel Potential und auch die Idee mit den Wolochs, quasi die Monolithen aus 2001: Odyssey im Weltall zu den Antagonisten zu machen, hat ihren Reiz. Nur gelingt es hier anders als in den vorherigen Mehrteilern nicht, die Elemente in ein gut funktionierendes Ganzes zu bringen. Das bedeutet nicht, dass die Geschichten unlesbar oder schlecht sind, aber in meinen Augen bremsen sich Christin und Mézières immer wieder aus, indem sie versuchen, jede Figur, die in der Serie wichtig oder beliebt ist, reinzubringen. So bleibt wenig Platz, um die Wolochs richtig zu entwickeln oder eine solch effektive Bedrohnungsatmosphäre wie in der Hypsis-Saga zu kreiieren.

Auch das Ende geht in diese Richtung. Es ist beleibe nicht schlecht, sodass man keine Angst haben muss, dass es die Serie im Nachhinein ruiniert. Mein Fall war es allerdings nicht, wobei ich denke, dass einfach daran liegt, dass ältere Menschen wie Christin und Mézières eine andere Sicht auf das Leben haben als jemand, der in den 20ern ist. Vielleicht werde ich den Band, wenn ich in demselben Alter wie die beiden bin, anders sehen. Bis dahin empfehle ich jedoch, die Serie besser nur bis zur Sternwaise zu lesen und an den letzten Zyklus nur ranzugehen, wenn man die Serie komplett gelesen haben will. Denn die Sternwaise funktioniert ebenso gut als Abschluss einer ab Band 0 durchgehenden Geschichte, die einen, je länger sie dauert, erzählerisch und grafisch immer mehr begeistert und mit den beiden Hauptfiguren eines der besten und vielseitigsten Paare in der europäischen Comics zu bieten hat.

 

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