The Bye Bye Man

Die bekanntesten und beliebtesten Horror-Ikonen haben ihren Ursprung im letzten Jahrtausend. Den 2000ern und 2010ern entspringen nur wenige Figuren, die sich einen großen Namen machen konnten. Mit dem Bye Bye Man wird ein neuer Anwärter auf einen Platz in der Gruselriege losgelassen. Die Voraussetzungen dafür bringt er durchaus mit: Er verfolgt jeden, der seinen Namen ausspricht. Blöd nur, dass er sich eben genau durch diese Geschichte hier metzelt…

Elliot (Douglas Smith), seine Freundin Sasha (Cressida Bonas) und sein bester Kumpel John (Lucien Laviscount) haben die Nase voll vom Studentenwohnheim und mieten sich zu dritt ein Haus. Positiv: Es gibt jede Menge Platz in dem Gebäude, das noch lauter Retromöbel im Keller hat. Negativ: Elliot macht genau dort einen gruseligen Fund, indem er ein altes Nachttischchen entdeckt. „Don’t Think It. Don’t Say It.“ lautet die eindeutige Warnung in der Schublade, doch während einer Séance spricht er den Namen des Bye Bye Man aus. Fortan werden die neuen Mitbewohner von Wahnvorstellungen geplagt, die sie gegeneinander ausspielen. Die einzige Lösung scheint zu sein, jeden zu töten, der den Namen des Bye Bye Man kennt…

Urbane Legende mit gelangweiltem Boogeyman
Seinen Ursprung findet der Bye Bye Man in einer Kurzgeschichte namens “The Bridge To Body Island im Buch The President’s Vampire: Strange-But-True Tales Of The United States Of America. Urbane Legenden liefern grundsätzlich bereits im Vorfeld viel Material, was es umso einfacher macht, den Mythos um eine Figur herum aufzubauen. Im Falle von The Bye Bye Man dient diese Grundlage mitsamt ihren Regeln jedoch gerade einmal als Aufhänger um die Geschichte ins Rollen zu bringen. Denn schon sehr bald folgt der Film genreüblichen Konventionen. Immerhin hat man sich Gedanken um den Ursprung des Bösewichtes gemacht, wenn die sonstigen Spielregeln schon auf ein Minimum heruntergebrochen werden. Blöd ist dabei nur, dass der titelgebende Schurke die meiste Zeit über nichts weiter macht, als herumzustehen und irgendwo Schatten zu werfen. Bis die Geschichte an Fahrt gewinnt, dauert es eine Weile. Leider ist das mimische Spiel von Doug Jones (Pans Labyrinth) damit eine einzige Verschwendung. Der ehemalige Schlangenmensch wird häufig für Rollen dieser Art gebucht, doch in diesem Film gibt es für ihn nicht viel zu tun.

Das Beste kommt zu Beginn

Originaltitel The Bye Bye Man
Jahr 2017
Land USA
Genre Horror
Regisseur Stacy Title
Cast Elliot: Douglas Smith
John: Lucien Laviscount
Sasha: Cressida Bonas
The Bye Bye Man: Doug Jones
Detective Shaw: Carrie-Anne Moss
Laufzeit 96 Minuten
FSK

Und dann wäre da noch die Geschichte um drei Teenager, die so langsam dem Wahnsinn verfallen. Leider wird hierbei nicht viel erzählt, was man sonst noch nirgendwo gesehen hat. Natürlich verfügt jeder über ein Mitteilungsbedürfnis, weshalb der Name des Bye Bye Man auch schnell die Runde macht. Die Inszenierung des Wahnsinns fällt dabei reichlich uninspiriert aus (Maden im Haar – gähn) und obendrein durchschaut man als Zuschauer auch viel zu schnell, was eine Illusion ist. Begleitet wird das zunehmende Abdriften des Trios von wenig ansehnlichen Effekten. Der Höllenhund des Bye Bye Mans wirkt reichlich ungelenk und wenn eine der Nebenfiguren im Kaminfeuer zu verbrennen droht, lässt sich erahnen, dass das Budget überschaubar gewesen sein muss. Wenn man doch aus der Geschichte irgendetwas herausholen könnte, doch die bietet allenfalls unlogische Handlungen der Figuren (man hört einen Schuss und nimmt den Tod einer anderen Figur ohne Überprüfung direkt in Kauf) und kaum herausragende Momente. Da macht die Introsequenz, die die Vorgeschichte von 1969 anreißt, noch am meisten her. Ohne jenes Schrotflinten-Massaker würde The Bye Bye Man sogar komplett vom Radar verschwinden.

Es ist immer schade zu sehen, wenn Potenzial den Bach runtergeht. Obwohl The Bye Bye Man irgendwo zu unterhalten weiß, verfehlt er mit seinem grundsätzlich furchteinflößenden Titelcharakter den Anschluss an andere Horrorfilme. Obwohl mir die Figur mit ihrer Präsenz gut gefiel, kommt sie in keinster Weise gegen das ohnehin bereits schwache Teenietrio an, was das Armutszeugnis des Films noch einmal attestiert. So bleibt unterm Strich ein müder Titel, der die Zuschauer von einer Vision durch die nächste schickt. Zumindest das Motto „Don’t Think It. Don’t Say It.“ scheint sich zu bewahrheiten – hierüber wird schnell Gras wachsen.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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