Super Dark Times

Coming of Age-Filme und die 80er haben eines gemeinsam: Sie sind wieder hoch im Kurs. Stranger Things und der Hype um ES sorgten dafür, dass nostalgische Erinnerungen und Sehnsucht nach der eigenen Kindheit trotz manch präsenter Gefahr, wieder in Mode kamen. Super Dark Times hat dieses Jahrzehnt zurückgelassen und nimmt den Zuschauer mit in die 90er, eine Dekade ohne Smartphones und WLAN. Kinder sind also noch draußen auf Fahrrädern unterwegs. So beginnt die Geschichte dieses düsteren Films, der zunächst als Pubertätsstudie beginnt.

In der Kleinstadt herrscht vor allem Langeweile: Die Anzahl Gleichaltriger ist überschaubar und jeder kennt jeden. Charlie, Daryl, Josh und Zach verbringen ihre Zeit mit Videospielen und den ersten Joints. Alles zunächst ganz üblich. Doch als eines Tages in Folge eines Streits eine Tragödie ausbricht, geht jeder anders mit deren Konsequenzen um. Über die Unberührtheit der Jugend brechen superdunkle Zeiten an, die schlagartig erwachsenes Denken fordern.

Entdeckungslust gegen Daseinsfrust

Originaltitel Super Dark Times
Jahr 2017
Land USA
Genre Coming of Age, Horror
Regisseur Kevin Philipps
Cast Zach: Owen Campbell
Josh: Charlie Tahan
Allison: Elizabeth Cappuccino
Daryl: Max Talisman
Charlie: Sawyer Barth
Laufzeit 100 Minuten
FSK keine Angabe

Der plakative Titel klingt wie ein abgedrehter Horrorfilm, der um jeden Preis gekauft werden will. Ganz so massenkompatibel ist Super Dark Times dann allerdings doch nicht, denn das hier dargebotene Horrorszenario zählt zu den realistischeren. Die suggestiven Schnitte zu Beginn möchten hier zwar noch ein anderes Bild vermitteln, doch die erste Hälfte über geht es mehr oder minder ereignislos zu. Gespräche über Comichelden, Videospiele, sexuelle Fantasien und Mutproben sind Inhalte des Geplänkels der vier Jungs. Dass man sich dabei größer aufbaut, als man ist, steht in einem Kontrast zu den Handlungen der Jungen, wenn sie alleine sind. Wie etwa Zachs Tränenausbruch in der Gegenwart seines Schwarms Allison, als die beiden alleine sind und die frischen Ereignisse über ihn hereinbrechen.

Der Filmtitel spiegelt in seiner einfachen und negativen Weise die Instinkte wieder, von denen sich die Jungen leiten lassen.

Odyssee in die Dunkelheit

In der zweiten Hälfte zeigt sich der Titel von seiner rauhen Seite. Hier hat jeder der Jungen den ersten Schock über den Tod des Freundes verarbeitet und Josh findet ein Ventil für seine Schuld.  Eine Metabene oder mysteriöse Anspielungen fallen weg, dafür werden die Tragweiten zentraler Handlungsweisen regelrecht zelebriert. Das jugendliche Ensemble wurde fein ausgewählt und kann die Geschichte ganz ohne Zutun eines Erwachsenen alleine stemmen. Die unterschiedlich ausgeprägten Entwicklungsrichtungen sind anspruchsvoll und insbesondere Charlie Tahan (Wayward Pines) sticht positiv hervor. Was der Film sicherlich hätte vertiefen können, ist das Flair der 90er. Da ein typischer Soundtrack der Dekade fehlt und auch die sonstigen kulturellen und politischen Ereignisse auf eine Szene mit Bill Clinton reduziert werden, lässt sich Super Dark Times nicht so eindeutig verorten wie die eingangs genannten Titel.

Super Dark Times ist ein herausragender und eindringlicher Film, der sein Erzähluniversum zaghaft aufbaut. Es ist angenehm, einen angespannten und dennoch fest in der Realität verwurzelten Horrorfilm zu sehen. Die Unterschwelligkeit und das eher gemächliche Erzähltempo konnten bei mir allerdings nicht punkten. Dass meine Erwartungshaltung nach dem Beginn eine andere war, trägt dazu eher weniger bei. Wenn man sich vor Augen hält, worum es im Grunde genommen geht, nämlich einen Unfall und einen daraus resultierenden Amoklauf , fehlt mir ein wenig der Wow-Effekt, der das wertschätzen kann. Die Herangehensweise mag noch soviel Fingerspitzengefühl besitzen und das starke Casting kann noch so sehr glänzen, doch unter dem Strich war das nicht mein Film.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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