The Terror

Seit 26. März 2018 findet sich im Serienangebot auf Amazon Prime The Terror, das auf dem gleichnamigen Roman von Dan Simmons von 2007 beruht. Die Handlung ist auf wahren Begebenheiten begründet, wurde jedoch um einige phantastische Aspekte ergänzt. In eisiger Kulisse wird die gescheiterte Antarktis-Expedition von 1845 von Sir John Franklin und der Überlebenskampf zweier Mannschaften in einer der lebensfeindlichsten Umgebungen der Welt dargestellt. Produziert wurde die Serie von Ridley Scott (Robin Hood) – und ist nichts für schwache Nerven.

   

Die grundlegende Handlung ist schnell erzählt: 1845 stechen insgesamt 133 Männer auf den zwei Forscherschiffen “HMS Terror” und “HMS Erebus” unter dem Kommando von Sir John Franklin in See. Diese dritte und letzte Expedition des Polarforschers ist mehr als umstritten. Zum einen gilt der 59-jährige als zu alt für eine derartige Unternehmung, und zum anderen hat sich keiner der Teilnehmer bisher in der Gegend aufgehalten, die es zu erforschen gilt. Ziel ist es, erstmals die Nordwestpassage zu durchqueren, diese zu kartographieren und einen kürzeren Seeweg nach Asien zu finden. Die Tortur der Mannschaften sollte bis 1848 gehen, die Öffentlichkeit allerdings auch noch viele Jahre danach beschäftigen. Mit an Bord befinden sich die Kapitäne Francis Crozier sowie James Fitzjames. Als beide Schiffe im Packeis stecken bleiben, beginnt der Alptraum für die Männer.

Sterben werden sie alle

Originaltitel The Terror
Jahr 2018
Land USA
Episoden 10 (1 Staffel)
Genre Drama, Horror
Cast Captain Francis Crozier: Jared Harris
Sir John Franklin: Ciarán Hinds
Captain James Fitzjames: Tobias Menzies
Dr. Henry Goodsir: Paul Ready
Cornelius Hickey: Adam Nagaitis
Thomas Blanky: Ian Hart
Lady Silence: Nive Nielsen

Daraus macht The Terror keinen Hehl. Wer sich bereits mit der Expedition beschäftigt hat, der weiß, dass keiner der Teilnehmer überleben wird. Für alle anderen wird dies bereits in den ersten Minuten der Serie deutlich. Groß Sympathien für einen Charakter aufbringen und hoffen, dass er am Ende noch lebt, entfällt bei dieser Serie. Das Mitfiebern und Mitbangen verschiebt sich eher auf die Frage: Wie wird jemand sterben? Und vor allem auch darauf, wie sich der Überlebenskampf isoliert inmitten von Eis gestalten wird. Denn der Tod ist ständiger Begleiter. In jeder Szene, in jeder Minute. Es sind nicht nur die Kälte und das viele Eis, die den Männern zu schaffen machen. Hauptsächlich sind es die Einsamkeit inmitten Hunderter von Männern, die Isolierung von der Außenwelt und das Gefangensein im Eis. Je weiter die Serie fortschreitet, desto mehr Bedrohungen treten hervor. Die Kohle neigt sich dem Ende, Krankheiten aufgrund von Nahrungsmangel und fehlendem Sonnenlicht machen sich breit. Der Unmut innerhalb der Mannschaft und Unstimmigkeiten zwischen Francis, John und James spitzen die Stimmung zu. Es ist vor allem auch das Aufeinandersitzen auf engem Raum in einer Extremsituation, die zur eigentlichen Gefahr wird. Am Ende braucht es nur einen Mann, um die Situation eskalieren zu lassen und die Moral der Mannschaft zu unterminieren. Hinzu kommt ein riesiges Monster in Bärengestalt – die Verkörperung eines Geistes, wenn man den Inuit Glauben schenken möchte –, das die Reihen bedeutend dezimiert. Bereits in Folge 3 offenbart sich das Grauen in dieser Form. Sir John wird von dem Biest angegriffen und verstümmelt. Er wird in ein Eisloch geworfen und stirbt sofort.

Prominenz auf dem Eis

Schauspieltechnisch kann sich die Serie durchaus sehen lassen. Film- und Serienfans werden Ciarán Hinds (Rom), Tobias Menzies (Rom) sowie Jared Harris (Lincoln) sicherlich kennen. Mit Ridley Scott (Königreich der Himmel) hat man ebenfalls einen sehr bekannten und renommierten Produzenten am Start. Es ist also zu erwarten, dass die Serie sich qualitativ auf hohem Niveau befindet. Auch musikalisch kann die Serie punkten. Sie schlägt die richtigen Töne an und wirkt nie zu übertrieben oder aufdringlich. Die meisten Szenen untermalt sie durchaus passend und erinnert teilweise an ältere Stummfilme. Allerdings wirken die Kulissen zum Teil sehr billig. Wenn die Männer auf Jagd oder Erkundungsgängen über die Eisberge klettern, kommt das Gefühl auf, als würden sie über Styropor laufen. Es bleibt schleierhaft, wieso der Hauptakteur Eis derart vernachlässigt wird. Generell geraten die eisige Kälte, der Schnee und das Eis schnell in den Hintergrund. So sieht es zeitweise so aus, als wäre es sogar ganz nett, dort zu leben. Die Männer wirken in manchen Szenen so, als würden sie überhaupt nicht frieren und spazieren über das Eis, als würden sie einen gemütlichen Ausflug machen. Positiv ist hervorzuheben, dass die Serie Kontraste recht gut zeichnet. Es findet sich häufig eine parallele Darstellung: Eine brutale Szene mit eher ruhiger Musik, die Beengtheit auf den Schiffen im Vergleich mit der unendlichen Weite draußen, die zivilisierten Rituale wie Tischmanieren im Kontrast zu den Gesetzen der Natur außerhalb der Schiffe und natürlich auch das Aufeinanderprallen von Fakten versus Spekulation bzw. Fiktion und Realität. Der Titel der Serie bzw. des Buches ist auch nicht zufällig gewählt. “Terror” ist zugleich der Name des Schiffes, als auch der Name der Bay, in der das Schiff erst 2016 (die “Erebus” 2014) nach fast 170 Jahren geborgen wurde. Darüber hinaus umfasst der Titel sowohl die Situation, in der sich die Männer befinden, als auch das Monster im Eis.

Lauwarme Inszenierung

Letztlich scheitert die Serie jedoch an ihrer unglaubwürdigen Inszenierung; vor allem an der des bärengestaltigen Monsters. Die Darstellung ist viel zu übertrieben und überschattet all die Schrecken, die die Serie authentisch gemacht hätten: Die Antarktis und ihre natürliche lebensfeindliche Umgebung sowie die zwischenmenschlichen Beziehungen in dieser Extremsituation. Es hätte nicht mehr gebraucht als die Natur und den Menschen selbst, um die schreckliche Situation der Männer zu verdeutlichen. Bis knapp zur Hälfte ist The Terror wirklich sehr gut und glaubhaft. Mit jeder weiteren Folge jedoch sinkt das Thermometer, bis man weit unter dem Gefrierpunkt der Begeisterung in einem völlig überzeichneten Finale endet, das leider völlig unglaubwürdig wirkt und die anfängliche Stimmung komplett zerstört. Wenn man den Geist in Bärengestalt ausblendet, bleibt eine durchaus packende Serie übrig, die zumindest bis zur Hälfte zeigt, dass der größte Schrecken, egal in welcher Umgebung, letztlich doch der Mensch selbst bleibt.

Ich kannte die grundlegenden Fakten zu der Expedition von John Franklin, da ich vor einiger Zeit eine Dokumentation darüber gesehen hatte und ich generell diese völlig waghalsigen Unternehmungen aus dieser Zeit sehr spannend finde. Deswegen hatte ich mir von The Terror recht viel erhofft, vor allem mit Blick auf die Schauspieler. Es ranken sich einige Mythen um die Expedition und man wird natürlich nie genau nachvollziehen können, was tatsächlich passiert ist. Ich war skeptisch, als der Geist eingeführt wurde, aber fand es anfänglich noch in Ordnung, da man es ganz gut als Wahnvorstellung abtun kann, die sich kollektiv ausbreitet. Allerdings ist es schade, dass der Bär Hauptakteur wird und den restlichen Schrecken überschattet. Die blutigen und bombastisch inszenierten Schlussszenen hätte man sich sparen sollen. Als Empfehlung möchte ich an dieser Stelle auf das Buch von Simmons verweisen, auf dem die Serie basiert. Ich habe mir sagen lassen, dass es die eisige Stimmung auf jeder Seite einfängt und diese (paradoxerweise) deutlich besser rüberbringt als die Serie, obwohl diese die besseren bzw. leichteren Mittel dafür hätte.

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Prinzessin Blaubeere

Prinzessin Blaubeere studiert aktuell noch Geschichte im Hauptfach, möchte aber nach ihrem Abschluss Polizistin werden und schwitzt deshalb seit Neuestem im Fitnesstudio, in das sie ihr Einhorn Kurt (Cobain), das sie sich schon lange vor dem großen Boom angeschafft hat, leider nicht mitnehmen darf. Sie liest überwiegend Fantasy und suchtet allerhand Filme und Serien mit den unterschiedlichsten Themen - Zombies und Rosamunde-Pilcher-Kitsch dabei am unbeliebtesten. Darüber hinaus schreibt sie gerade selbst an einem Fantasyroman, in dem natürlich auch ein Einhorn vorkommt.

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koerschgen
Gast
koerschgen

ich stimme nicht zu und muss auch irgendwie hinerfragen, ob ein autor mit solch einem avater der richtige ansprechpartner ist.
ich bin wohl zu alt, um das zu verstehen oder einordnen zu können, aber es scheint so, als ob ein bäckermit faible für weltmeisterbrötchen zum korrespondenten für eine fußball-wm wird.

Ayres
Redakteur

Gibt’s auch eine konstruktive Begründung, weshalb du nicht zustimmst oder darf jeder sich selbst eine aussuchen?