Game of Thrones – Staffel 7

Game of Thrones ging im Juli 2017 in die siebte Runde, die DVDs und Blu-rays gibt es seit dem 14. Dezember im Handel zu erstehen. In der heiß ersehnten neuen Staffel wird es kälter und kälter, denn nun heißt es mehr als je zuvor: Winter is coming. Während noch immer massenhaft Blut vergossen wird im Krieg um die Krone, droht eine ganz andere Gefahr im Norden: Die weißen Wanderer stehen kurz davor, die ganze Menschheit zu vernichten und sie zu ihresgleichen zu machen. Die Handlung der Serie weicht dabei schon seit einiger Zeit immer mehr von George R. R. Martins Buchvorlage Das Lied von Eis und Feuer, die von der Serie mittlerweile überholt wurde, ab und geht seit Staffel 6 (manche Handlungsstränge auch schon vorher) komplett ihren eigenen Weg.

Cersei sagte es bereits in Staffel 1: Wenn man das Spiel der Throne spielt, gewinnt man, oder man stirbt. Dazwischen gibt es nichts. Dies hat sich bisher oft bewahrheitet: Zahlreiche Charaktere haben bereits das Zeitliche gesegnet und die Anzahl der Protagonisten wird mittlerweile überschaubarer, muss die Gesamthandlung doch noch mit der kommenden Staffel, die voraussichtlich nur noch sechs Folgen haben wird, abgeschlossen werden. Auch Staffel 7 ist mit ihren sieben Folgen kürzer als sämtliche vorherige Staffeln, die jeweils zehn Episoden hatten.

Die politischen Lager sind mittlerweile einfach zusammenzufassen. Cersei hat nachdem sie im Finale von Staffel 6 die Große Septe von Baelor mit Seefeuer in die Luft sprengen ließ und damit den Suizid ihres letzten Sohnes und Königs Tommen verursachte, den Eisernen Thron an sich gerissen. Einen starken Verbündeten findet sie in dieser Staffel nun in Euron Graufreud, was Jaime wiederum gar nicht gefällt. Daenerys setzt mit ihrer ganzen Armee Unbefleckter, ihren Beratern Varys und Tyrion, und nicht zu vergessen den einzigen drei Drachen auf der Welt, endlich über auf Westeros, um den Thron zu erobern. Jon wird als König im Norden propagiert und lässt Winterfell in Sansas Obhut zurück. Er macht sich auf den Weg, um Hilfe zu erbitten, die dringend benötigt wird. Schließlich steht der Nachtkönig mit seiner untoten Armee kurz davor, in Westeros einzufallen. Denn feststeht, dass die Mauer und die Nachtwache die weißen Wanderer nur bedingt aufhalten können…

Charakterentwicklung oder: Die Grauzonen von Westeros

Das Lied von Eis und Feuer ist bekannt dafür, dass zahlreiche Charaktere eine enorme Tiefe aufweisen, besonders wenn es um ihre moralische Einstellung geht. Viele der wichtigeren Charaktere, seien es nun Jaime Lennister oder Sandor Clegane, befinden sich in einer Grauzone und können nicht so einfach als „gut“ oder „böse“ eingestuft werden. Sie machen im Verlauf der Story eine Entwicklung durch und erkämpfen sich teilweise die Gunst des Publikums. Gerade Jaime und Sandor begingen am Anfang noch einige der schlimmsten Taten; so ermordeten sie jeweils kaltblütig ein kleines Kind bzw. versuchten es erfolglos. Auch wenn es in der Vergangenheit natürlich einige Charaktere gab, die abgrundtief schlecht waren (Joffrey, Ramsay, Gregor Clegane,…), und einige, die man einfach als gut bezeichnen muss (allen voran das tragische Paradebeispiel Ned Stark oder Samwell, der auch in Staffel 7 noch lebt und eine Rolle spielt), verfügen eigentlich fast alle Charaktere über ihre Stärken und Schwächen und haben ihr eigenes Wertesystem.

Dass die Bindung zwischen Cersei und Jaime reißen wird, hätte man sich womöglich schon im Finale der vorigen Staffel denken können. Cerseis Massenmord an den Menschen in der Septe durch Wildfeuer schafft eine Parallele zu Aerys Targaryen, the Mad King, den Jaime wie man weiß vor Beginn der Serie hinterrücks ermordet hat, als dieser die ganze Stadt verbrennen lassen wollte. Dennoch dürften viele Zuschauer den letzten Austausch der Geschwister in diesem Finale mit viel Spannung beobachtet haben, denn für einen Moment sah es tatsächlich so aus, als ob Gregor Clegane (oder was von ihm übrig geblieben ist) Jaime bekämpfen oder womöglich töten würde.

Jon Schnee hingegen geht eine Allianz mit Daenerys ein und ordnet sich ihr sogar unter, nachdem sie ihn und seine Kameraden rettet. Dazu muss man sagen, dass Jon einer der wenigen Charaktere ist, die man in der Serie wohl noch als komplett tugendhaft und moralisch gut bezeichnen könnte. Seine Sturheit in dieser Staffel erinnert schon an Ned, schwört er Daenerys doch vor Cersei und allen anderen offen die Loyalität, obwohl das strategisch gesehen ein sehr unkluger Zug ist. Dies weicht von seiner Darstellung in der Bücherreihe ab, wo er auch einige fragwürdige Entscheidungen getroffen hatte (der heimliche Austausch der Babies von Gilly und Mance, die ständige Beratung mit Stannis) und seine Ermordung durch die Verräter der Nachtwache  noch ein wenig „berechtigter“ ist als in der Serie.

Arya ist zwar ein Fanfavorit, könnte man andererseits wenn man wollte aber auch schon als psychopathische Serienkillerin einstufen. Dies zeigt sich schon mal gut in einer epischen Szene, wo sie mit dem Gesicht Walder Freys fast den gesamten Frey Clan auslöscht. Auch die anderen verbliebenen Starks sind mittlerweile alles andere als naiv und unberührt geblieben von der Welt. Bran als dreiäugiger Rabe ist zwar (theoretisch) allsehend, scheint aber keine Empathie mehr zu empfinden, und Sansa könnte man zwar noch als „normalste“ von den dreien bezeichnen, ist aber nach ihrer Tortur durch Ramsay und andere auch nicht mehr das dumme, liebe Mädchen von früher.

Pacing, Pacing, Pacing

Originaltitel Game of Thrones
Jahr seit 2011
Land USA
Episoden 67 (in bislang 7 Staffeln)
Genre Fantasy, Action, Drama
Cast Jon Schnee: Kit Harrington
Daenerys Targaryen: Emilia Clarke
Tyrion Lennister: Peter Dinklage
Jaime Lennister: Nikolaj Coster-Waldau
Cersei Lennister: Lena Headey
Arya Stark: Maisie Williams
Sansa Stark: Sophie Turner
Bran Stark: Isaac Hempstead Wright
Theon Graufreud: Alfie Allen
Davos Seewerth: Liam Cunningham

Ein großes Problem der Staffel ist das stellenweise absolut grauenvolle Pacing. Haben in den ersten Staffeln die Charaktere (buchgetreu) noch wochenlange Reisen auf sich nehmen müssen, um von Ort A nach B zu gelangen, hat sich das Tempo der Reisenden in der Vergangenheit schon zunehmend angepasst an die Story der Serie, was manchmal seltsam anzumuten war. So beispielsweise bereits in Staffel 2 bei den serieneigenen Szenen, in denen Kleinfinger zu Renlys Camp geschickt wurde und innerhalb kürzester Zeit hier und da an verschiedenen Orten der Welt zu sehen war. Allerdings hat das ganze nun vollkommen andere Maße angenommen. Charaktere springen bereits seit geraumer Zeit hin und her und Staffel 7 setzt dem nun eine neue Krone aus geschmolzenem Gold auf, ob Jon nun mal eben von Winterfell nach Drachenstein segelt oder Euron eine Flotte aus dem Nichts komplett einholt und zerstört. Am deutlichsten spürbar war es in Folge 6: Jon und Anhang sind auf Eis gestrandet jenseits der Wall im Norden, umzingelt von weißen Wanderern. Folgende Geschehnisse passieren nun alle an einem Tag: Zuerst läuft Gendry zurück zur schwarzen Festung und schickt Raben an Daenerys, wohlgemerkt nach Drachenstein, also auf eine Insel, die relativ südlich auf der Karte Westeros‘ liegt. (Zum Vergleich: In Staffel 1 wird gesagt, dass Robert Baratheon samt Anhang von Königsmund mit Pferden und Kutschen ungefähr einen Monat gebraucht hat, um nach Winterfell zu gelangen.) Daenerys empfängt die Nachricht und fliegt auf ihrem Drachen genau rechtzeitig in den Norden, um bereits am nächsten Tag Jon und den anderen im Kampf zu helfen und vor dem sicheren Tod zu retten. Nicht ganz ungerechtfertigt sind da wohl die Vorwürfe von vielen Fans, dass das Drehbuch der aktuellen Staffel… teilweise nicht mehr ganz auf der Höhe zu sein scheint.

You didn’t see that coming

Ein weiteres Manko der Staffel ist die Vorhersehbarkeit – und das bei derselben Serie, in der es einen toten Ned Stark oder gewisse tödliche Hochzeiten gab. Besonders Kleinfinger scheint darunter zu leiden. Kleinfinger, der als einer der gefährlichsten Männer Westeros‘ bezeichnet wird, intrigiert wo es nur geht, und in den Büchern von den Fans als einer der Topanwärter für den Thron angesehen wird, dankt in der Serie ziemlich jämmerlich abgedankt – und es war abzusehen. Die ganze Staffel lang spielt er keine richtige Rolle mehr, schmiedet höchstens abstruse Pläne in Winterfell, um Sansa und Arya gegeneinander aufzuhetzen und befindet es scheinbar für nicht nötig, zumindest einige ihm loyalen Männer zu behalten oder zu sich zu rufen, sodass er am Ende, als die Schwestern natürlich nicht mehr auf ihn hereinfallen (dazu haben sie auch absolut keinen Grund mehr, und das sollte er wissen), niemanden auf seiner Seite hat und gerade noch für sein Leben betteln kann, bevor er getötet wird. Gleichzeitig stellen sich auch hier wieder logische Fragen wie z.B. warum Arya Sansa bedroht, wenn niemand außer den Zuschauern Zeuge der Szene ist und es sich somit eher um keine clevere Show für Kleinfinger handelt.l

Trotz dieser Schwächen stellt sich dann die Frage: Funktioniert Game of Thrones noch immer? Und die Antwort ist: Ja!

Wie immer sitzt man gebannt vor dem Bildschirm, bekommt spektakuläre Settings und Schlachten präsentiert und vor allem: Man wird endlich belohnt für sechs Staffeln Leiden mit den Charakteren Westeros‘. Zahlreiche Momente, die man als Fan sehnsüchtig herbeigesehnt hat (oder von denen man nicht mal wusste, dass man sie haben möchte) treten endlich ein: Arya, Bran und Sansa treffen wieder aufeinander – auch wenn die Wiedervereinigung wohl glücklicher hätte sein können – , Gendry taucht wieder auf, Jon formt ein einfach episches Team mit Gendry, Sandor Clegane, Jorah Mormont, Beric Dondarrion, Thoros von Myr und Tormund. Jon und Daenerys treffen aufeinander – sehr treffend sind hier die „ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal über Inzest freuen würde“ Kommentare und Memes – , Jon wird von einem Drachen akzeptiert, Tyrion agiert als Daenerys‘ Hand, Kleinfinger wird endlich für seinen Verrat an Ned gestraft, Theon rehabilitiert sich langsam, Jaime wendet sich von Cersei ab, und und und.

Fest steht, dass mit voraussichtlich nur mehr sechs Folgen nicht viel Spielraum bleibt, um alle Konflikte zu lösen. Da muss man sich wohl auch damit begnügen, dass einige Handlungsstränge ein wenig zu schnell oder halbherzig abgearbeitet wirken – wie eben Kleinfinger oder auch Olennas Tod und somit die Eliminierung der Tyrells als relevantes Haus. Die Trauer um den sang- und klanglosen Abgang der meisten Sandschlangen, deren Dorne-Plot in der Serie größtenteils ruiniert wurde und die bei den Zuschauern immer relativ unbeliebt waren, hielt sich vermutlich in Grenzen. Auffallend war, dass es mittlerweile abgesehen von den weißen Wanderern nur noch die Allianz Cersei und Euron Graufreud als „böse“ bzw. gegenerische Fraktion zu quasi allen „guten“ Charakteren der Serie gibt.

Ich persönlich bin schon sehr gespannt auf die – leider angeblich erst in mehreren Jahren erscheinende – achte Staffel. Rückblickend kann ich durchaus verstehen, warum so viele Fans meinen, dass die Qualität der Serie bzw. der Drehbücher abnimmt und dass einiges zu rund abläuft oder vieles genau dem nachkommt, was man erwarten würde. Trotzdem wäre es eine Lüge, wenn ich sagen würde, dass es beispielsweise nicht doch eine sehr befriedigende Szene ist, wenn Arya und Sansa nach dem gemeinsamen Mord an Kleinfinger sich nun endlich verstehen, einander respektieren und in Erinnerungen über ihren verstorbenen Vater schwelgen. Oder dass ich nicht sehr gespannt auf das eindeutig noch kommende Duell zwischen den Clegane-Brüdern bin oder auf den vermeintlichen Tod Cerseis durch einen ihrer Brüder. Ich bin mir sicher, dass ich, wie viele andere auch, bei der neuen Staffel ebenfalls mitfiebern und jede Woche mit Anspannung der nächsten Folge entgegenblicken werde.

Zweite Meinung:

Die siebte Staffel kann nicht mehr verbergen, wie wenig Zeit bis zum Abschluss der Serie bleibt. Die einst so deutlich getrennten, langsam dahinplätschernden Handlungsstränge zum Ausleuchten der Charaktere müssen immer mehr einer rasch erzählten, relativ linearen Geschichte weichen. Mehr denn je fühlt sich Game of Thrones für mich wie ein Hollywood-Blockbuster an – das ist zum einen als Anerkennung für die hohe Produktionsqualität und die knackige Unterhaltung zu verstehen, zum anderen aber auch als Kritik an den plakativen Erzählstrukturen und den für eindrucksvolle Szenen immer wieder in Kauf genommenen Logiklöchern. Unterm Strich kommt aber auf jeden Fall ein hochwertiges Serienvergnügen dabei heraus, denn selbst die schwachen Phasen von Game of Thrones spielen in einer Liga, in der andere Serien nur in Topform mithalten können.

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