Black Sails

Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson ist wohl einer der populärsten Abenteuer-Romane – und passend zum Thema des Monats auch eine der populärsten Piratengeschichten –, die es gibt. Die Geschehnisse, in denen sich der junge Jim Hawkins ein Wettrennen mit dem Piraten Long John Silver um den vergrabenen Schatz des legendären Freibeuters Captain Flint liefert, wurden auch dementsprechend oft verfilmt. 2014 machte sich der Bezahlsender Starz mit der Serie Black Sails jedoch daran, eine andere Seite der Geschichte zu erzählen: Die von Captain Flint selbst und von seinem hasserfüllten Kreuzzug gegen das Britische Empire, Jahrzehnte bevor seine wertvolle Hinterlassenschaft gesucht wird.

    

Gute zwanzig Jahre vor den Ereignissen der Schatzinsel ist Flint ein Piratenkapitän unter vielen, die von New Providence aus segelnd die Karibik unsicher machen. Jedoch hat Flint einen besonders ambitionierten Plan: Er will die Urca de Lima überfallen, ein bis oben hin mit Gold aus Südamerika beladenes Schatzschiff der Spanier. Jedoch nicht um sich daran zu bereichern, sondern um mit dem Geld New Providence zu einer kommerziellen und militärischen Macht auszubauen, die es mit dem Britischen Empire aufnehmen kann. Eine Vision, die er mit der Quasi-Gouverneurin Eleanor Guthrie teilt, aber mit wenig anderen. Da das Schatzschiff schwer bewaffnet ist, braucht es mindestens zwei, wenn nicht sogar eine kleine Flotte an Piratenschiffen, wenn der Überfall Aussichten auf Erfolg haben soll. Aber weder finden sich für das vermeintliche Himmelfahrtskommando andere Kapitäne, die ihre Schiffe riskieren wollen, auch sind innerhalb Flints Mannschaft nicht alle von dem Vorhaben überzeugt. Flints ärgster Rivale in New Providence, Captain Charles Vane, sägt zusätzlich an Flints Autorität auf der Insel. Ein weiteres Problem besteht auch darin, das Schiff zu finden. Eigentlich hätte der jüngste Überfall Flints das letzte Puzzlestück der Route der Urca offenbaren sollen, aber gerade diese Information ist einem verschlagenen jungen Mann in die Hände gefallen, der sich als Schiffskoch des überfallenen Seglers ausgibt und sich des Wertes der Information schnell bewusst wird: John Silver.

Here there be monsters

Originaltitel Black Sails
Jahr 2014 – 2017
Land USA
Episoden 38 (4 Staffeln)
Genre Abenteuer, Drama
Cast Captain Flint: Toby Stevens
John Silver: Luke Arnold
Eleanor Guthrie: Hannah New
Captain Charles Vane: Zach McGowan
Billy Bones: Tom Hopper
Max: Jessica Parker Kennedy
Jack Rackham: Toby Schmitz
Anne Bonny: Clara Paget
Mr. Scott: Hakeem Kae-Kazim
Miranda Barlow: Louise Barnes

Kaum ein anderes Werk hat das Bild, das wir von den Piraten im 18. Jahrhundert haben, derart geformt wie Stevensons Schatzinsel. Klassische auch in der Serie wiederkehrende Elemente, wie vergrabene Schätze, tropische Inseln oder der Black Spot, gehören auch heute noch zum guten Piratenton, wie in Disneys Fluch der Karibik-Filmen. Während aber die Winde Disneys erfolgreiches Piraten-Flagschiff nach dem Absprung von Steuermann Verbinsky eher in das Fahrtwasser des Slapstick-Klamauks getrieben haben, ist es ganz gut, dass mit Black Sails eine ernstere Alternative am Horizont die Totenkopfflagge flattern lässt (… so ho, so ho, genug des nautischen Vokabularrrrs).
Gewalt, Sex, Alkohol, noch mehr Gewalt, Vergewaltigungen, Folter, Tod, Blut, mehr Sex und – Achtung – Gewalt. Zwar, wie erwähnt, blutig, aber auch nicht übermäßig grafisch, zeichnet Black Sails ein reichlich unromantisches und schonungsloses Bild des Piratenlebens, wofür sich auch in der deutschen Sprache allmählich der englische Begriff „gritty“ einbürgert. Die Mannschaften der Schiffe sind kleine soziale Keimzellen, in die man sich entweder eingliedert oder gnadenlos zermürbt wird und will man sie befehligen braucht es mindestens eine der drei Eigenschaften im Übermaß: Verdienter Respekt; die Fähigkeit, einen stetigen Profit einzubringen oder einfach brachiale Stärke. Eine Sisyphusarbeit also für den langfristig denkenden Taktiker Flint, der nicht nur regelmäßig um die Befehlsgewalt auf seinem Schiff kämpfen muss, sondern auch noch alle Piraten in einen Krieg gegen England vereinen will. Black Sails vermischt dabei fiktionale Piraten aus dem Stevenson-Roman, wie Billy Bones, Long John Silver und Flint, mit fiktionalisierten historischen Piraten wie Benjamin Hornigold, Jack Rackham oder Edward Teach (aka Blackbeard), so dass man in der Serie ein Allstarspiel des goldenen Piratenzeitalters vorfindet.

Unbekannte Namen, starke Wirkung

Wenn auch mit dem Siegel einer Michail Bay-Produktion versehen, liest sich die Darstellerliste von Black Sails weniger wie ein „Who-is-who“ à la Mark Wahlberg oder Bruce Willis sondern eher wie ein „Who?“. Es sind Namen, die den wenigsten etwas sagen werden, aber welche, die man sich mit den dazugehörigen Gesichtern im Verlauf der Serie definitiv für die Zukunft merkt und wie Tom Hopper (Game of Thrones) oder Zach McGowan (Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.) auch schon in anderen populäreren Serien wiederfindet. Besonders die beiden Hauptdarsteller Toby Stephens (James Bond 007: Stirb an einem anderen Tag) und Luke Arnold können schauspielerisch stark überzeugen, auch wegen dankbar gut gestalteten Rollen. Ist Flint schon von Anfang an ein faszinierender, destruktiver, von Hass getriebener Besessener, der sich immer wieder mit guter Rhetorik und verlockender Logik zu verstellen mag, ist analog dazu Silvers Entwicklung vom charmanten Kleinspur-Intriganten zu eben jenem Piraten, den man aus dem Buch kennt, sehr interessant. Zwischen beiden Figuren entsteht eine seltsam faszinierende Freundschaft, die jeden Moment in Verrat umschlagen kann.
Die Serie besticht darüber hinaus noch mit durchaus hochwertigen Kostümen und Sets, bietet ein Spektakel an großen Schlachten und gut choreographierten Zweikämpfen und hat einen hervorragenden Soundtrack vom Battlestar Galactica-Komponisten Bear McCreary. Sie unterhält mit guten Dialogen, mit gelegentlicher Erotik und hat – was wohl am wichtigsten ist – trotz des Spin-Off-Charakters eines populären Originalwerks eine eigene und sehr erzählenswerte Geschichte, in der die Akteure im Verlauf immer mehr zu fesseln vermögen und sogar ein überraschendes Ende bereithält.

Die Serie braucht definitiv etwas, bis sie warmläuft. Natürlich sieht alles von Anfang an sehr toll aus, hat seine unterhaltsamen Elemente und Wendungen, aber für mich hat sie erst ab dem Ende von Staffel 1 wirklich Fahrt aufgenommen. Bündnisse und Freundschaften werden gebrochen und schwenken in blanken Hass um und Hass kann sich unter den richtigen Umständen wieder zu Respekt und Bündnissen wandeln, während die Figuren sich weiterentwickeln und reifen. Black Sails war während ihrer Laufzeit wahrscheinlich eine der spannendsten Serien für mich und hat es geschafft, unter vielen sehr hochwertigen Serien immer wieder hervorzustechen. Für Serienfreunde und besonders Piratenfans ein absolutes Muss.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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Aki
Redakteur

Ich habe die ersten beiden Staffeln meinm Dad zum Geburtstag geschenkt und er war hin und weg. Ich selbst hänge noch immer bei der zweiten Folge, weil mir einfach die Zeit fehlte so richtig mich dran zu hängen. Immerhin Folge eins fand ich wirklich klasse. Nur Folge zwei zog sich für mich etwas, weswegen ich wohl nicht so einfach zu Folge 3 mehr gekommen bin. Da mein Dad aber immer weider von schwärmt, möchte ich irgendwann weiter schauen. Gerade Flint war ein interessanter Charakter, weswegen ich wissen möchte, was mit ihm passiert, so das er so badass da oben auf dem Headermotiv steht.