Secret of Mana (2018)

Wer in seiner Kindheit ein SNES zu Hause stehen hatte, hat mit Sicherheit zumindest schon einmal Square Enix‘ legendäres Action-Adventure Secret of Mana in den Händen gehabt. Von vielen Spielern als bester SNES-Titel gefeiert, geriet der Secret of Mana nie in Vergessenheit. 25 Jahre und etliche Action-Adventures später ist der Titel noch immer in den Herzen der Spieler geblieben und erschien im Februar 2018 als aufpolierte Variante auf der PlayStation 4. Nicht nur spielerisch, sondern auch technisch wurde Version runderneuert, ohne dabei die eigenen 2D-Wurzeln zu leugnen. Doch nicht immer bedeutet neu auch automatisch besser.

  

Der Junge Randi stolpert nichtsahnend über das sagenumwobene Mana-Schwert und es gelingt ihm, dieses aus einem Stein herauszuziehen. Dabei werden dunkle Mächte freigesetzt, die die Welt bedrohen. Es liegt an ihm, die Ordnung wiederherzustellen. Unterstützung erhält er von einem Mädchen namens Primm sowie des Elfenkindes Popoi, die sich ihm bald anschließen. Gemeinsam streift das Trio durch das Land, um es von allem Übel zu erlösen und mit dem Ziel, die Manafestung zu erreichen. Also stattet eure Party verschiedenen geheimnisvollen Orten einen Besuch ab und sammelt die acht legendären Waffen und Elementarzauber.

Bleibt alles anders

Originaltitel Secret of Mana
Jahr 2018
Plattform PlayStation 4
Genre RPG
Entwickler Square Enix
Publisher Square Enix
Spieler 1 – 3
FSK

Das Originalspiel von 1993 zieht seinen Charme gleich aus mehreren Faktoren: Auf der einen Seite steht da der lokale 3-Spielermodus, eine Revolution der 90er. Das Kampfsystem kombiniert Echtzeit-Action mit mit einem komplexen Rollenspielsystem. Und schließlich sind die knuddeligen Figurendesigns so liebevoll, dass man die drei Recken sofort ins Herz schließt. Natürlich trägt auch der stimmige 16-Bit-Look mit seinen bunten Farben zum Spielerlebnis bei. Optisch ist zwar einerseits alles beim Alten geblieben und an der Farbenpracht hat sich nicht viel verändert, doch die knuffigen Figuren von damals wurden in die dritte Dimension verfrachtet. Die Polygon-Charaktere wirken im Zusammenspiel mt ihrer Umgebung nicht mehr ganz so rund und deren Animationen wirken vergleichsweise steif, was zwar dem Original entspricht, jedoch nicht zu den Charaktermodellen passen will. Dazu gesellen sich matschige Texturen und detailarme Hintergründe. Wie nun? Secret of Mana von 2018 ist weder Fisch noch Fleisch: Einerseits will es modern wirken, andererseits klammert es sich an bewährte Tugenden, sodass daraus eine seltsame visuelle Mischung entsteht, die nicht so recht funktionieren will. Ein weiteres Beispiel gefällig? Zwar trumpft die Neuauflage mit einer passablen Synchronisation auf, allerdings sind die Figuren nicht in der Lage, Mimiken zu transportieren. Dadurch entsteht so manch unfreiwilliger Lacher. Immerhin gibt es neben der wahlweise englischen oder japanischen Vertonung deutsche Untertitel. Diese kommen in den neuen Zwischensequenzen zum Einsatz, die zunächst eine nette Neuerung sind und die Figuren zusätzlich mit Leben füllen, doch zahlreiche Gespräche wiederholen sich leider, was den Gesamteindruck trübt. Immerhin hat man beim Soundtrack die Wahl: Wem die neue elektronische Fassung nicht zusagt, darf im Menü den nostalgischen Soundtrack von 1993 einstellen.

Inhaltliche Änderungen

Ein Remake hat die schwierige Aufgabe, Fans des Originals ebenso glücklich zu machen wie neue Spieler. Das kann gut funktionieren, wie der Fall von Shadow of the Colossus zeigt. Schließlich besteht die Gefahr, nostalgische Gefühle zu verletzen. Doch zunächst sieht es so aus, als habe sich nicht viel getan. Alle Orte sind noch immer dort, wo Spieler sie zu SNES-Zeiten vorfanden. Doch früh machen bereits die ersten Änderungen auf sich aufmerksam: Die einstigen Pogopuschel heißen heute Mümmler. Und stellenweise ist deren Kollisionsabfrage nicht ganz so gelungen. Doch am Kampfsystem hat sich nichts getan: Gekämpft wird mit nur einer Taste und per Knopfdruck öffnet sich das Ringmenü, mit dem Ausrüstung modifiziert oder die Figuren geheilt werden können. Aus heutiger Sicht wirkt dieses Vorgehensweise ein wenig überholt, doch es gilt schließlich, das Original nicht allzu sehr zu entfremden. Leider entpuppt sich das Ringmenü als nicht sonderlich reaktiv, was immer wieder zu kurzen und unnötigen Wartezeiten führt. Der Sprung in die dritte Dimension bringt auch beim Kampf zusätzliche Schwierigkeiten mit sich: Feinde wie etwa die Bogenschützen können nun von mehreren Seiten angreifen, was Einfluss auf den Schwierigkeitsgrad nimmt und diesen künstlich erhöht. Immerhin hat sich an der Geschichte nichts verändert und auch Randi, Primm und Popoi können nach 25 Jahren noch immer überzeugen.

Ein schlechtes Remake ist Secret of Mana sicherlich nicht. Nur tragen vielerlei Verschlimmbesserungen dazu bei, dass der unvergleichliche Charme des Originals verloren gegangen ist. Was bleibt, ist nicht unbedingt zeitgemäß und so tut sich die Frage auf, wen die 2018er-Version nun überhaupt begeistern soll. Neueinsteiger können davon zehren, ansatzweise etwas vom Glanz des Originals abzubekommen, während hartgesottene Fans nicht drumherum kommen, die Fehler anzuzählen. Somit bleibt der negative Beigeschmack, dass hier mit einer halbherzigen Neuauflage noch einmal zur Kasse gebeten wird und ein weiteres Original technisch wie inhaltlich eher verschlechtert wurde.

Zweite Meinung:

Dem Remake von Secret of Mana stehe zwiespältig gegenüber. Es spielt sich nahezu identisch wie auf dem SNES, allerdings hätten einige Dinge auch besser sein können. Die Geschichte ist ursprünglich umfangreicher geplant gewesen, das merkt man an so einigen Stellen und das fällt mit der gewachsenen Erfahrung im Gegensatz zu damals auch eher auf. Es wäre daher schöner gewesen, wenn man das Remake als Anlass genommen hätte, um genau diese Lücken wieder zu füllen. Denn nach Zurückbringen des Feuer-Manasamens fragt man sich als Spieler unwillkürlich, warum unsere tapferen Helden ausgerechnet ins Imperium gehen. Es deutet nichts darauf hin, dass sie dorthin müssen, man hat einfach nur keine andere Wahl. Ab da geht es dann auch viel hektischer zu, man reist hierhin, erledigt etwas und geht zum nächsten Ort, bekommt gleich mehrere Waffenorbs auf einmal und dann folgt auch ein Manageist nach dem anderen. Die neuen kleinen Unterhaltungen in den Gasthäusern sind da nur ein minimaler Trost. Mir kommt es von den Bossen her deutlich leichter vor als damals, während der Feuertempel eine einzige Todesfalle sein kann, weil die Mitstreiter und man selbst ständig in Flammen aufgehen und man immer weiter mit Feuerpfeilen beschossen wird. Zudem stürzt das Spiel öfters ab, was zwar durch die Autospeicherfunktion nicht ganz so tragisch ist, aber dennoch ärgerlich bleibt. Aus Nostalgiegründen mag ich das Remake, aber ich hatte schon etwas mehr erhofft als nur eine neue Übersetzung, einer Sprachausgabe und ein wenig aufpolierter Grafik. Ist im Grunde verschenktes Potenzial, ich hoffe allerdings auf ein Remake des Nachfolgers Seiken Densetsu 3, welches nie offiziell im Westen erschienen ist.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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