The Strangers: Opfernacht

Lesezeit: 4 Minuten

Mit seinem Home Invastion Thriller The Strangers spielte Autor und Regisseur Bryan Bertino ein sattes Ergebnis von 80 Millionen ein und das bei Produktionskosten von nur 9 Millionen Dollar. Nicht ganz unschuldig daran sind auch Scott Speedman (Underworld) und Liv Tyler (Der Herr der Ringe), die sich einen neuen Ruf als Scream Queen aufbaute. Somit wurden bereits 2008 Pläne für eine Fortsetzung geschmiedet, doch diese wurde immer wieder abgeblasen und neu angekündigt. Daher grenzt es schon an eine Überraschung, dass der Film satte zehn Jahre später doch noch erscheint. Allerdings führt nicht mehr Bryan Bertino Regie, sondern Johannes Roberts (47 Meters down), der die Feinheiten des Originals genaustens studierte.

   

Die Eltern Cindy (Christina Hendricks, Firefly – Der Aufbruch der Serenity) und Mike (Martin Henderson, Nathan Riggs in Grey’s Anatomy) schleppen ihre beiden Kinder Kinsey (Bailee Madison, Brücke nach Terabithia) und Luke (Lewis Pullmann, Vendetta: Alles was ihm blieb war Rache ) zu einem Campingausflug. Nur widerwillig kommen die beiden Teenager mit. Auf dem Weg liegt ein Zwischenstopp bei einem Onkel, der einen Trailerpark betreibt, in welchem die Familie, die bei Dunkelheit eintrifft, nächtigen soll. Doch das Gelände erscheint verlassen und lediglich ein Zettel an der Rezeption weist sie darauf hin, welcher Trailer für sie reserviert ist. Kaum ist das Ferienheim eingerichtet, klopft es auch schon an der Tür und ein unheimliches Mädchen fragt nach der Anwesenheit einer Tamara…

Aufgeladen mit (Selbst-)Referenzen

Originaltitel The Strangers: Prey at Night
Jahr 2018
Land USA
Genre Horror, Thriller
Regisseur Johannes Robers
Cast Cindy: Christina Hendricks
Mike: Martin Henderson
Kinsey: Bailee Madison
Luke: Lewis Pullman
Dollface: Emma Bellomy
Man in the Mask: Damian Maffei
Pin-Up Girl: Lea Enslin
Laufzeit 85 Minuten
FSK

Wie in Strangers nimmt sich Johannes Roberts viel Zeit für eine Exposition, um die Hauptfiguren zu etablieren. Nicht unbedingt, um Sympathieträger aufzuziehen, sondern um eine Grunddynamik zu etablieren und die Charaktere einem Spannungsfeld auszusetzen. Dies ergibt sich hier bereits durch die rebellischen Kids, das gestörte Mutter-Tochter-Verhältnis und natürlich die nächtliche Umgebung. Erneut erweist sich diese Vorgehensweise als gelungener Kniff, um den bereits angespannten Zuschauer einer Terrorsituation auszusetzen. Kenner des ersten Teils werden dabei allerlei Parallelen und wiederkehrende Motive entdecken: Den plakativen Einsatz betagter Musikstücke, auf der Tischplatte gleitende Messerklingen, wirre Botschaften an Fenstern und kaputte Laternen. Somit bleibt The Strangers: Opfernacht seinem Vorgänger stilistisch mehr als treu.

Nihilistische Gewalt

Trotz der ausführlichen Exposition der Familie sind die eigentlichen Stars natürlich noch immer die Killer. Dollface (Emma Bellomy), Pin-up Girl (Lea Enslin) und Man in the Mask (Damian Maffei) glänzen mit ihren ebenso beänstigenden wie charismatischen Auftritten. Dabei ist nie vorhersehbar, wie sie aufgelegt sind: Bereit zu töten und in schnellem Schritt unterwegs oder genüsslich auf der Schliche des Opfers? Die größte Screentime kommt wieder einmal Dollface zu, deren aggressives Türklopfen zum Markenzeichen der Reihe geworden ist. Neu ist allerdings, dass die Killer um so etwas wie eine Identität bereichert werden. Dieser Punkt könnte eingefleischte Fans von The Strangers stören, entmystifiziert er schließlich den Zauber um die Maskenträger. Doch in einem werden sich alle klar sein: Erneut wird das Zelebrieren nihilistischer Gewalt auf die Spitze getrieben. Besonders deutlich wird das an der Antwort von Dollface auf die Frage, weshalb die Gruppe tötet. Diese kommt noch eine Spur provokanter herüber als ihre Antwort von 2008.

Die 80er! Ach doch nicht…

Audio-visuell ist der Film ganz im Zuge der 80er ausgestattet. Zwei große Hymnen der Pop-Geschichte erhalten eine eigene Bühne (“Kids In America” von Kim Wilde sowie Bonnie Tylers “Total Eclipse Of The Heart” ), der massive Einsatz der Nebelmaschine erinnert an John Carpenter und kitschige Neonlichter wecken Erinnerungen an Schauplätze der 80er. Damit reitet der Film auf der Welle der großen 80er-Hommagetitel, ohne explizit in dieser Dekade zu spielen. Nur die Smartphones der Familie lassen auf die heutige Zeit schließen. Trotz so mancher Referenz auf andere Filme oder gar auf den ersten Teil bleibt Opfernacht eigenständig und verzichtet vollständig auf Metahumor. Das einzige Augenzwinkern besteht aus einem völlig absurden Finale, welches dennoch so ernst erzählt ist, dass hier eine ganz eigene Form der Kunstfreiheit greift. Dafür gibt es wieder Jump Scares, die ihres Gleichen suchen. Wie im ersten Teil wird geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers gespielt, um diesen in einem Moment zu überraschen, in dem er längst am Aufatmen ist. Für den größten Erschrecker des Films zeigt sich Pin-Up-Girl verantwortlich. Auf schnelle Schnitte wird auch verzichtet, stattdessen gibt es gelungene Kamerafahrten und Spielereien mit Licht und Schatten, die subtilen Grusel erzeugen.

The Strangers: Opfernacht mag in punkto Spannung nicht ganz mit dem großen Vorbild gleichauf sein, doch die 80er Jahre-Slasher-Atmosphäre könnte dichter nicht ausfallen. Insgesamt zeigt sich der Teil härter als dessen Vorgänger und stellt einen schonungslosen Terrorfilm dar, der an vielen Stellen überrascht. Einzig offen ist nur noch, ob es einen dritten Teil geben wird: Zwar sterben die drei Killer und werden auch demaskiert, allerdings scheint zumindest Man in the Mask überlebt zu haben, womit eine Fortsetzung nicht ausgeschlossen werden kann.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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Aki
Redakteur

Die kenne ich doch! Habe den ersten Teil letztes Jahr angeschaut und ich fand ihn gut, wenn auch sehr erscrheckend. Da schließt man die Tür doch lieber zwei Mal ab! Danke für den Artikel, so weiß ich das eine zweiten Teil gibt, denn ich irgendwann nachholen werde.
Hoffentlich dann mit einem gerechten Ende, denn das störte mich am ersten Teil.

Misato
Redakteur

Eine gelungene Horror-Fortsetzung, da ist Jubel angebracht. Ich muss gestehen, dass ich wegen der Schauspieler schon ein wenig lachen musste. Die kleine Snow White, Dr Riggs und Our Mrs Reynolds – was eine Familie. Es hat mich wirklich kurz abgelenkt, was eigentlich selten der Fall ist, da ich dauernd Schauspieler in diversen Rollen sehe… aber das ist hier ja auch zum Glück kein Familiendrama, bei dem es wichtig wäre, was genau das Töchterchen eigentlich ausgefressen hat und warum sie aufs Internat kommt. Obwohl das ein lustiger Kontrast hätte sein können zu dem, was die Killer hier abziehen und was wirklich schlimm ist.

Die Musik fängt ja sofort mit Kim Wilde gut an, mein Lieblingssong von ihr ist auch drin und die ganzen Songs pointieren die Gewalt so schön. Hat mir sehr gefallen. Dabei bin ich fast enttäuscht, dass die drei gar nicht mal so besonders kreativ mit irgendwelchen Gruselbotschaften sind. Aber die Art, wie hier Gewalt einfach aus Spaß begangen wird, ohne dass ich mich durch Hipster-Rechtfertigungen kämpfen muss, ist als Alleinstellungsmerkmal genug und zieht wieder.

Während ich am Ende des ersten Teils eine kurze Assoziation mit Carrie hatte, gibt es dieses Mal gegen Ende einen für mich eigentlich überflüssigen Moment, den ich mal als Texas Chainsaw Massacre Hommage auffassen möchte. The Strangers bedankt sich bei den Genre Urgesteinen für all die Erwartungen, die das Publikum eben so hat. Und die hier ignoriert werden.