Stirb Langsam

Wann wird aus einem Film eigentlich ein Weihnachtsfilm? Diese Frage stellt sich des Öfteren, wenn über Stirb Langsam gesprochen wird. Der Actionstreifen aus den späten 80ern und seine Fortsetzungen laufen jährlich zur Weihnachtszeit im Fernsehen und gehören für viele genauso zum Weihnachtsfest wie für andere Lebkuchen und Glühwein. Doch nicht nur als Weihnachtsfilm weiß Stirb Langsam zu überzeugen, sondern hat seinerzeit auch das Action-Genre komplett auf den Kopf gestellt.

JohnMcClane (Bruce Willis, Das Fünfte Element) ist ein einfacher New Yorker Polizist, lebt getrennt von seiner Frau und seinen zwei Kindern und weiß nie, wann er die Klappe zu halten hat. An Heiligabend wird er zur Weihnachtsfeier der Nakatomi Trading Corporation in Los Angeles eingeladen, für welche seine Frau Holly (Bonnie Bedelia, Aus Mangel an Beweisen) arbeitet. Der Versuch, sich bei dieser Gelegenheit zu versöhnen, endet direkt im Streit. Doch der Abend hat gerade erst begonnen. Europäische Terroristen, angeführt von Jack Gruber (Alan Rickman, Dogma), übernehmen das 35 Stockwerke hohe Firmengebäude, nehmen die Partygäste als Geisel und stellen seltsame Forderungen, um die Polizei auf Trab zu halten. Nur John gelingt es, den Klauen der Geiselnehmer zu entgehen. Da sich die Polizei als wenig hilfreich entpuppt, nimmt John sein Schicksal selbst in die Hände, um die Terroristen zu stoppen und Holly zu retten.

Schneit es in Los Angeles?

Originaltitel Die Hard
Jahr USA
Land 1988
Genre Action
Regisseur John McTiernan
Cast John McClane: Bruce Willis
Jack Gruber: Alan Rickman
Holly Gennaro McClane: Bonnie Bedelia
Sgt. Al Powell: Reginald VelJohnson
Laufzeit 131 Minuten
FSK

Die Diskussion, ob Stirb Langsam nun ein Weihnachtsfilm ist oder nicht, sollte man vielleicht nicht allzu ernst nehmen. Die Handlung spielt an Heiligabend, hier und da haben sich einige kleine Anspielungen zum Feiertag versteckt („Jetzt habe ich eine Maschinenpistole. Ho – Ho – Ho“) und die Credits werden von Dean Martins „Let it Snow“ untermalt. Doch der Schauplatz widerspricht sich bereits mit dem Thema, denn Los Angeles ist nicht gerade für seinen Schneefall bekannt, während viele andere Weihnachtsfilme diesen oft zum Untermalen der Szenerie und Jahreszeit nutzen. Der Feiertag selbst ist nicht der Fokus des Films, dies wird schnell klar. Dieser liegt stattdessen auf der Action und den Sticheleien zwischen John, Holly und den Terroristen. Der Film hätte auch an Silvester oder zu jedem anderen Anlass geschehen können. Es muss jeder für sich selbst entscheiden, ob die gelegentlichen weihnachtlichen Referenzen, wie etwa kleine Weihnachtsbäume auf einigen Schreibtischen, genug sind, um Stirb Langsam zu einem Weihnachtsfilm zu machen. Und die jährliche Ausstrahlung zu der Jahreszeit zeigt, das es den meisten wohl ausreicht und zudem etwas Abwechslung in den typischen Weihnachtsfilme-Alltag zu bringen.

Die etwas anderen Cops

Die Hard, so der Originaltitel des Films, bedeutet so viel wie schwer unterzukriegen oder nicht totzukriegen und nach diesem Titel lebt der Film. Aus der Masse heutiger Actionfilme mag Stirb Langsam daher nicht mehr allzu stark herausstechen: Ein einfacher Mensch, welcher in eine ungünstige Situation geworfen wird und dabei über seine Grenzen hinauswachsen muss, um den bevorstehenden Konflikt zu überstehen –diesem Konzept folgen heutzutage so einige Filme. Doch in den 80ern sah das Action-Genre noch ganz anders aus. Bodybuilder wie Arnold Schwarzenegger (Terminator) und Sylverster Stallone (Rambo) haben in ihren Streifen die Übermenschen gespielt, die unzerstörbar und unaufhaltsam wirkten. Dagegen ist John McClane ein Jedermann, der an dem Druck, jeden Moment sterben zu können, beinahe untergeht, sich selbst motivieren muss, um trotz unzähliger Verletzungen weitermachen zu können. Anstatt eines riesigen Arsenals an spektakulären Waffen, trägt er nur seine Standard Polizeipistole bei sich und muss den Terroristen weitere Waffen und Munition erstmal abknöpfen, um den Kampf fortzuführen. Wenn der Film dann doch mal eine Explosion braucht, kann er nicht einfach zum zufällig platzierten Raketenwerfer greifen, sondern muss improvisieren. Das erzeugt Spannung, die auch heute noch funktioniert. Die handgemachten Effekte und die gezeigte Brutalität, erzeugen einen bisher ungeahnten Hauch von Realismus und Bodenständigkeit. Diese eher realistische Herangehensweise an Action, gebündelt mit einem sympathischen Hauptcharakter, in welchen man sich eher hineinversetzen kann, machte den Film damals so zum Erfolg und startete eine Reihe von Fortsetzungen und Kopien, welche sich bis heute halten.

Diese verdammten deutschen Europäer!

Für den deutschen Zuschauer gibt es trotz der ganzen Action doch so einiges zu lachen. Jack Gruber ist im englischen Original eigentlich als Hans Gruber unterwegs. Seine Anhängerschaft besteht ebenfalls aus Deutschen, was man hierzulande jedoch etwas abgeändert hat. So handelt es sich bei den Terroristen in der deutschen Tonfassung um Europäer, einige von ihnen mit passendem, stereotypen Akzent. Auch einige deutsche Dialogzeilen aus dem Original, wie „Schieß den Fenster“, wurden korrigiert, gelegentliche Ausdrücke angepasst oder gemildert. Dies führt zu dem im Deutschen ebenso ikonisch wie witzigen „Yippee ya-yay, Schweinebacke“, im Vergleich zum deutlich härteren englischen Pendant.

Fast zu clever für einen Actionfilm seiner Zeit, erstklassig besetzt und knallhart in seiner Darstellung. Trotzdem findet der Film immer einen Weg, einen zum Schmunzeln zu bringen und mit John mitzufiebern, wenn er sich allein gegen ein Dutzend europäischer Terroristen stellt. Nach 1988 waren es nicht mehr viele Jahre, bis Computer vollständig den Bereich der Special Effects übernommen haben, daher freut es mich, dass Stirb Langsam sich noch so handgemacht und echt anfühlt. Es wäre ein ganz anderer Film, würde er heutzutage mit den heutigen Mitteln produziert. John ist sympathisch und die Action packend, was will man mehr? Egal ob zu Weihnachten oder an jedem anderen Tag des Jahres, für mich gehört der Streifen einfach ins Regal jedes Fans gut gemachter Action.

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Makoto

Irgendwie schlägt sich Makoto durchs Leben, arbeitet aber nie in dem Beruf, den er gelernt hat. Doch findet er daneben immer die Zeit für seine große Leidenschaft: Videospiele. Gute Figuren und spannende Geschichten schätzt er sehr, aber oft reicht es ihm schon aus wenn es was zu lachen gibt oder es ordentlich kracht. Für Filme, Manga und Anime räumt er sich gelegentlich auch Zeit ein. Selbsterklärter Slice-of-Life Spezialist.

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Kilroy
Redakteur

Man kann darüber streiten, was die Zensuren pardon, Änderungen anbelangt. So ganz verstehen kann ich es zwar nicht, dass Gruber und seine Jungs keine Deutsche mehr sein durften, aber das ändert nichts an einem rundum gelungenen Actionfilm. Die Änderung zu „Yippee ya-yay, Schweinebacke“ hingegen finde ich klasse und schöner als das Original.
Unnützes Wissen Nr. 4711: Die Szene, in der Gruber vom Dach fällt und Angst hat ist echt (zumindest die Angst). Zwar warf man ihn nicht wirklich vom Dach, aber von der Kulisse, die ein paar Meter hoch war. Alan Rickman hatte Höhenangst und man sagte ihm, „bei 10 lassen wir los und du fällst auf die Matte“, dummerweise haben sie nicht so lange gewartet, sondern ihn früher losgelassen.