Das Morgan Projekt

Als Sohn einer berühmten Person hat man es nicht immer einfach. Als Luke Scott mit Das Morgan Projekt 2016 sein Kino-Debüt gab, wollten die Vergleiche mit seinem Vater Ridley (Blade Runner) gar nicht abbrechen. Dabei waren bereits Lukes Geschwister Jordan (Cracks und Jake (Willkommen bei den Rileys in der Regie tätig, sodass sich wohl nicht ganz von der Hand weisen lässt, dass der berühmte Vater nicht seine Hand im Spiel hat. Zumal er hier als Produzent fungierte. Doch nichts desto Trotz liefert Luke Scott mit seinem Erstling einen starken Auftritt ab, dessen Parallelen zu Ex Machina zwar nicht zu übersehen sind, doch der Verlauf des Genre-Beitrags zum Thema “Künstliche Intelligenz” ist stärker im Horror- als im Sci-Fi-Bereich anzusiedeln.

  

Die Risiko-Managerin Lee Weathers (Kata Mara, House of Cards) wird zu einem Forschungsteam in den Wald geschickt. Dort wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes mittels Nanotechnologie das künstliche Wesen Morgan (Anya Taylor-Joy, Split) erschaffen. Doch als es zu einem Zwischenfall kam und das Mädchen einen Menschen verletzte, ist unklar, wie es mit Morgan weitergehen soll. Es steht offen, ob das Projekt eingestampft wird oder die Kreatur eliminiert werden muss. Allerdings wird Lee nicht ganz mit offenen Armen empfangen. Für das Team rund um die Leiterin Dr. Lui Cheng (Michelle Yeoh, Tiger & Dragon) und die Verhaltensforscherin Dr. Amy Menser (Rose Leslie, Game of Thrones) ist Morgan ein Familienmitglied geworden. Doch noch ehe sich alle versehen, kommt es zu einem Zwischenfall während einer psychologischen Analyse.

Die entscheidende Wendung

Originaltitel Morgan
Jahr 2016
Land USA
Genre Science-Fiction, Action, Horror
Regisseur Luke Scott
Cast Morgan: Anya Taylor-Joy
Lee Weathers: Kate Mara
Dr. Amy Menser: Rose Leslie
Ted Brenner: Michael Yare
Dr. Simon Ziegler: Toby Jones
Dr. Darren Finch: Chris Sullivan
Dr. Brenda Finch: Vinette Robinson
Skip Vronsky: Boyd Holbrook
Dr. Lui Cheng: Michelle Yeoh
Laufzeit 92 Minuten
FSK

Zunächst verläuft Das Morgan Projekt ähnlich wie Ex Machina. Das Kennenlernen der Forschungsumgebung und vor allem des Forschungsobjekts durch die Hauptfigur nehmen etwa die Hälfte des Films ein. Anders als in Ex Machina gibt es hier jedoch ein ganzes Forschungsteam, dessen Beziehungsgeflecht zunächst untersucht werden will. Die von Natur aus skeptisch und unterkühlte Lee versucht sich zunächst ein Bild von Morgans Umfeld zu machen ehe sie sich mit der künstlichen Intelligenz befasst. Die dabei aufgeworfenen Fragen sind bei Weitem kein Novum, aber dürfen auch nicht ausbleiben: Darf man ein künstliches Bewusstsein einfach eliminieren? Wie stark ist eine künstliche Intelligenz, wenn es darum geht, ihren Willen durchzusetzen? Mit einem Zwischenfall schlägt Luke Scotts Erstwerk einen anderen Weg ein – eine sehr gute Entscheidung. Denn das Erzähltempo und vor allem die Dynamik der Szenen verändern sich und geben dem Film seine volle Daseinsberechtigung. Dabei gibt es geschickt platzierte Wendungen, die mit Erfolg dafür sorgen, dass die Spannung bis zum Ende hin nicht abbricht.

Katz- und Mausspiel mit dichter Atmosphäre

Ein weiterer Bonus ist der Look, den der Film an den Tag legt. Zwar ist die Forschungseinrichtung typischerweise wieder einmal steril und grau, doch für Kontraste sorgen die zahlreichen atmosphärischen Außenaufnahmen, die Das Morgan Projekt noch stärker prägen als sein eigentlicher, wissenschaftlicher Hintergrund. Die weitläufigen Wälder sind das Bildnis für das Maß an Liebe, welches das Forschungsteam Morgan zukommen lässt. Ohnehin ist Morgan eine faszinierende Persönlichkeit. Anya Taylor-Joy verleiht der künstlichen Intelligenz ein wenig Scheu, ein wenig Zerbrechlichkeit, aber ebenso viel Überlegenheit. Morgans ist ein unberechenbarer Charakter, der nicht einfach zu greifen ist. Kata Mara meistert die Aufgabe, einen rationalen Gegenpol zum Familienidyll zu bilden. Der Beruf steht immer an erster Stelle und ohnehin ist Lee eine besonders akkurate Person, die sich keinen Fehler erlauben würde. Für den Zuschauer ist sie zunächst wenig greifbar, doch wird im Laufe der Handlung nahbarer. Für den Fortlauf der Handlung ist das nicht von Bedeutung, denn die Charakterisierung nimmt einen untergeordneten Stellenwert ein.

Das Morgan Projekt gehört zu den Filmen, die ein breiteres Publikum verdienen. Irgendwo zwischen Action, Science-Fiction und Horror angesiedelt, will die Spannung einfach nicht abreißen und vor allem das Ende erwischte mich eiskalt. ]Da hält man Lee einfach nur für einen Profi in Perfektion und dann stellt sich heraus, dass sie das Vorgängermodell Morgans ist. Das Ende ist Geschmackssache und lässt auf dem Spektrum “Habe ich es doch gleich gewusst” bis “Damit hätte ich nie gerechnet” alles zu. Das spektakulären visuellen Werte tun ihr Übriges, um diesem Beitrag zum Thema Künstliche Intelligenz ihren Feinschliff zu verleihen.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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