Black Panther

Wakanda für immer! Was wäre, wenn ein kleiner afrikanischer Staat sich jahrhundertelang vor der Welt versteckt und ohne den Einfluss von Kolonialmächten entwickelt hätte? Black Panther ist der 18. Film des Marvel Cinematic Universe und schafft spielend den Spagat zwischen allerfeinster Popcornunterhaltung und sozialkritischem Kommentar. Neue Figuren, neue Schauplätze, endlich wieder ein Gegenspieler mit Format. Wem Superheldenfilme zu eintönig sind, findet hier Abhilfe.

  

Das Land Wakanda ist ein fiktiver Staat auf dem afrikanischen Kontinent. Das Metall Vibranium kann dank eines Meteoriteneinschlags nur dort gefunden werden und ist heute die Quelle wissenschaftlicher und technologischer Überlegenheit. Während Afrika geplündert, versklavt und kolonisiert wurde, wahrten die fünf Stämme Wakandas ihre Traditionen, schotteten ihren Schatz ab und konzentrierten sich auf den eigenen Fortschritt. Aber in einer Welt, in der Außerirdische zur echten Bedrohung werden (The Avengers) und Superhelden Katastrophen sowohl beheben als auch erschaffen (Avengers: Age of Ultron), ist es langsam an der Zeit die eigene Position zu überdenken. König T’Chaka (John Kani, Die Mandela-Verschwörung) wurde im Film The First Avenger: Civil War umgebracht und jetzt tritt sein Sohn T’Challa (Chadwick Boseman, Gods of Egypt) das schwere Erbe des Throns an. Als Black Panther hat er ein Land zu regieren und zu beschützen. Die erste Bedrohung ist dabei der Waffenhändler Ulysses Klaue (Andy Serkis, Der Herr der Ringe), dem es gelungen ist, Vibranium zu stehlen. Doch der hat einen neuen Freund gefunden, der eine sehr spezielle Rechnung mit dem isolierten Staat zu begleichen hat.

Wer bist du

Originaltitel Black Panther
Jahr 2018
Land USA
Genre Action
Regisseur Ryan Coogler
Cast T’Challa/Black Panther: Chadwick Boseman
Erik Stevens/Killmonger: Michael B. Jordan
Nakia: Lupita Nyong‘o
Shuri: Leititia Wright
Okoye: Danai Gurira
Ulysses Klaue: Andy Serkis
Everett Ross: Martin Freeman
Ramonda: Angela Bassett
Laufzeit 135 Minuten
FSK

Ein Superheld muss nicht immer gleich die ganze Welt retten. Und so schraubt Black Panther die Ansprüche ein wenig zurück und widmet sich dem Weg T’Challas zu einem würdigen Herrscher. Sich selbst zu finden und seinen Platz in der Welt zu definieren ist ein zentrales Thema. Und hier glänzt der Bösewicht des Stückes. Michael B. Jordan (Chronicle) spielt Erik Stevens, der vom CIA trainiert wurde, um als Soldat die weniger ansehnlichen Aufträge zu erledigen. Er mordete sich quer über den Globus, was ihm den Spitznamen Killmonger einbrachte. Doch bei allem Leid, das er selbst verursacht hat, prägt ihn erlebter Rassismus und der anhaltende Kampf gegen Unterdrückung und Sklaverei. Wakanda hat jahrhundertelang zugesehen, wie der Rest Afrikas demontiert wurde. Ein paar ihrer klar überlegenen Waffen hätten die Kolonialmächte sicherlich zurückschlagen können. Auch die noch tobenden Bürgerkriege und Konflikte in den verschiedenen afrikanischen Ländern könnten mit einem starken Auftreten beendet werden. Das ist Killmongers Ziel. Seine Methoden, die zivile Opfer links und rechts ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf nehmen, zeichnen ihn als Schurken aus. Seine Motivation wird dabei aber nachvollziehbar dargelegt und hinterlässt einen Funken Sympathie. Die Bösen sind in den Marvelfilmen eher Eintagsfliegen, Killmonger ist aber mehr als nur der nötige Endgegner für ein actiongeladenes Finale. Ein moralischer Stein des Anstoßes.

Frauenpower inklusive

Dabei ist Killmonger nicht der einzige, der am Status quo rütteln möchte. Zu Beginn des Films wird die Spionin Nakia (Lupita Nyong’o, 12 Years a Slave) vorgestellt, die grade dabei ist, in Nigeria verschleppte Frauen zu befreien und nebenbei einem Kindersoldaten eine zweite Chance einzuräumen. Sie sieht sich in der Pflicht anderen auch außerhalb der Grenzen Wakandas zu helfen. Ganz ohne Weltherrschaftsambitionen. Nakia ist eine langjährige Freundin T’Challas, mitsamt unterschwelligen romantischen Gefühlen. Doch Black Panther hat mehr als die eine obligatorische Frauenrolle parat. Schauspielerin Danai Gurira ist den meisten als Michonne aus The Walking Dead bekannt, wo sie sonst das Samuraischwert schwingt. Hier bekommt sie ein größeres Waffenarsenal als General Okoye, Befehlshaberin der Dora Milaje, einer rein weiblichen Elitegruppe von Kämpfern. Ihr Pflichtbewusstsein wird auf eine harte Probe gestellt, denn ihre ungeteilte Loyalität gilt ihrem Land. Zwei ausgearbeitete Frauenfiguren sind schon überdurchschnittlich, es gibt aber noch T’Challas Schwester Shuri (Letitia Wright, Black Mirror). Zwar ist sie erst 16 Jahre alt, gehört aber zu den klügsten Köpfen der Welt. Sie zeigt wozu Vibranium fähig ist und stattet den Black Panther mit seinen High Tech Spielzeugen aus, dass selbst James Bonds Q neidisch wäre. T’Challa ist während des Films von mehr eigenständigen weiblichen Charakteren umgeben als Wonder Woman nachdem sie ihre Insel verließ.

Klingelnde Kinokassen, Probleme in China

Wakanda ist afrikanisches Utopia durch und durch. Allermodernste Technik verbindet sich mit Architektur, Kleidung, Schmuck und der riesigen Bandbreite einer traditionsreichen Kultur. Regisseur Ryan Coogler (Creed: Rocky’s Legacy) hat sich mit Leuten umgeben, die ihr Handwerk verstehen und eine außerordentliche Liebe zum Detail mitbringen. Jeder der fünf Stämme, die zu Wakanda gehören, hat seinen eigenen Charakter, inspiriert durch viele verschiedene reale Traditionen. Einen solchen afrozentrischen Blockbuster hat es bisher nicht gegeben und die Einspielergebnisse zeigen deutlich, dass hier der frische Wind weht, auf den ein Großteil des Kinopublikums wartet. Gleich zum Startwochenende im Februar 2018 konnte Black Panther mit den Einspielergebnissen Rekorde brechen. Innerhalb von vier Wochen war die Milliardengrenze international geknackt und in den USA blieb der Film länger als alle anderen Marvel-Filme zuvor auf Platz 1 der Charts. Einen Dämpfer gab es in China, dem noch zweitwichtigsten Filmmarkt. Nach einem ordentlichen Start purzelten die Ticketverkäufe nicht zuletzt wegen durchschnittlicher bis geradezu vernichtender Kritiken. Kurzum wurde Black Panther eben als „zu schwarz“ und „zu amerikanisch“ empfunden. Im Gegensatz zu anderen Blockbustern wurde hier seitens der Produktion kein Versuch unternommen, sich beim chinesischen Publikum einzuschmeicheln, wie es immer mal wieder vorkommt. Iron Man 3 hatte einen mehrminütigen Subplot eingefügt, in dem ein chinesischer Arzt den Helden rettet und für Doctor Strange wurde eine Figur ihres tibetanischen Ursprungs beraubt, um keine politischen Wellen zu schlagen. Black Panther kann es aber verschmerzen, nicht überall die Charts zu stürmen. In Deutschland blieb ein großer Erfolg ebenfalls aus. Das war allerdings zu erwarten, da Superheldenfilme hier gewohnheitsmäßig nur ein kleines Publikum finden und weniger zu spontanen Besuchen einladen. Dabei schafft grade Black Panther es erfreulicherweise innerhalb des großen Franchises möglichst eigenständig zu bleiben und unterhält als Einzelfilm, da die meisten Figuren sowieso erst hier eingeführt werden.

Ich wusste nicht genau, was ich von einem Black Panther-Film zu erwarten hatte. Es waren gerade die Interaktionen von T’Challa mit den schon bekannten Figuren, die ihn bei seinem Auftritt in Civil War so interessant machten. Aber zu sehen mit welchen Leuten er sonst umgeben ist, so viel Freundschaft, Loyalität und Familie, hat mich schnell gänzlich auf seine Seite gezogen. Da wird genug gescherzt ohne albern zu sein und es findet sich noch genug Konfliktpotenzial durch die verschiedenen Weltanschauungen. Die Geschichte versucht nicht, sich komplexer darzustellen als sie ist und dient vor allem dazu die Figuren als dreidimensional darzustellen. Und für mich sind die Figuren wichtiger als die austauschbaren Bedrohungen, die bei Fortsetzungen lauern. Außerdem bin ich vom Actiongehalt positiv angetan. Verfolgungsjagden, Explosionen, Martial Arts – alles drin, aber es artet nicht in komplette CGI Materialschlachten aus und die Dialoge dazwischen sind mehr als nur lästiges Bindeglied. Es ist Popcornkino, aber es ist eben auch mehr als das x-te Abspulen von Schema F.

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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