22 Bullets

Lesezeit: 3 Minuten

Jean Reno kann auf eine beachtliche Filmliste zurückblicken. In dem auf dem Roman L’Immortel von Franz-Olivier Giesbert basierenden Film 22 Bullets schlüpft er wieder einmal in die Rolle eines Profikillers. Als ehemaliger Mafia-Boss darf er den Ex-Hitman geben und begibt sich auf einen Rachefeldzug der besonderen Art. Er stellt unter Beweis, dass niemand so leicht wie er 22 Kugeln wegstecken kann – auch kein achtköpfiges Exekutionskommando. Der Film ist inspiriert durch einen in ähnlicher Weise vollzogenen Anschlag auf den Marseiller Gangsterboss Jacques Imbert, einem der letzten großen Mafia-Bosse aus dem Marseiller Halbwelt-Milieu.

Der ehemalige Mafia-Boss Charly Matteï (Jean Reno) wird bei einem Hinterhalt im Kugelhagel niedergestreckt. Wie ein Wunder überlebt er das Attentat. Während seiner Regenerierungsphase muss er sich seiner Vergangenheit stellen. Vor drei Jahren wandte er sich von der Marseiller Unterwelt ab, um ein bürgerliches Leben mit Frau und Kindern zu führen. Nach und nach wieder ins Leben zurückkehrend, versucht Charly nun herauszufinden, wer der Drahtzieher hinter dem Mordversuch ist. Wenn ihn nicht 22 Kugeln aufhalten können, dann gar nichts.

Knochenhart

Originaltitel L’Immortel
Jahr 2010
Land Frankreich
Genre Action, Thriller
Regisseur Richard Berry
Cast Charly Matteï: Jean Reno
Tony Zacchia: Kad Merad
Yasmina Telaa: Gabriella Wright
Aurelio Rampoli: Richard Berry
Marie Goldman: Marina Foïs
Stella Matteï: Catherine Samie
Laufzeit 117 Minuten
FSK

Der Regisseur Richard Berry (Eva) gibt seinem Hauptdarsteller Jean Reno ausgiebig die Möglichkeit, ein weiteres Mal den schweigsamen Gangster mit schwermütigem Herz zu mimen, wie man ihn bereits aus Léon – Der Profi kennt. Auch dieser wurde von Luc Besson (Das Fünfte Element) produziert, der in 22 Bullets erneut ausführender Produzent ist. Trotz seines Status als Familienvater, der sich an einen Codex halten kann, ist Charly weit davon entfernt, ein Sympathieträger zu sein. Das macht den Zuschauer immun gegen jegliche Schmerzen, die der Hauptfigur widerfahren, verbieten aber auch näheres Mitgefühl. Der schwermütige Mann mit den sanften Augen ist aber im Vergleich zu seinen Widersachern nahezu liebenswert. Wenn Charly seinen Beinahe-Mördern ankündigt, einen nach dem anderen umzubringen, fällt es dem Zuschauer nicht schwer, Partei für Charly zu ergreifen. Vielleicht nicht der verkehrteste Weg, den kugelresistenten Bulldozer durch knapp zwei Stunden actionlastiger Handlung zu jagen.

Europäisches Erzählkino

22 Bullets ist auf seine Art und Weise ein typischer Luc Besson-Film, der kaum aus der Reihe tanzt. Der französische Rache-Epos ist schonungslos und birgt eine tragische Titelfigur, die beinahe unsterblich erscheint. Auch Kad Merad (Die Sch’tis in Paris – Eine Familie auf Abwegen) überzeugt hier in einer für ihn ungewohnten Rolle: nämlich als Antagonist. Optisch überzeugt der Film mit seinen düsteren Bildern in warmen Farbtönen. Richard Berry setzt seine halsbrecherischen Verfolgungsjagden durch die kurvigen Straßen Marseilles souverän in Szene. Die tosenden Feuergefechte versanden langfristig allerdings. Ist der Film in seiner ersten Hälfte noch ein packender Thriller, kann die zweite nicht mehr mitziehen und gewisse Abnutzungseffekte treten ein. Bei acht Widersachern entstehen gleich mehrere Handlungsstränge und nicht immer bleibt deren Abfolge überschaubar.

Unterscheidet sich 22 Bullets von anderen Mafia-Filmen? Eines der Kernthemen ist auch hier die Familie. Zum einen die echte und zum anderen die scheinbare der Mafia-Welt. Werte wie Ehre, Vertrauen und Loyalität werden be- und durchleuchtet, die klassischen Themen eines Gangsterfilms. In der Hinsicht werden hier keine Innovationen aufgefahren und es gilt eher: Kennst du einen, kennst du alle. Trotz seiner unspektakulären Figuren ist der Film von Anfang bis Ende spannend und weist vergleichsweise wenig Leerlauf auf.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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