Die Legende von Korra 1: Revierkämpfe 1

Von 2012 bis 2014 lief Die Legende von Korra – die Nachfolgeserie von Avatar: Der Herr der Elemente – auf Nickelodeon. Und auch, wenn die Serie nach vier Büchern und dem Endkampf gegen Diktatorin Kuvira nicht unbefriedigend endete, machte eben dieses Ende, in dem ein drittes Geisterportal geschaffen wurde, das Korra und Asami in der letzten Szene Hand in Hand durchschritten haben, Lust auf mehr. Ein Glück also, dass die Geschichte von Serienschöpfer Michael Dante DiMartino und Illustratorin Irene Koh in der Comicserie Turf Wars (Revierkämpfe) fortgeführt wird, von dem im Januar 2018 der zweite Band erschienen ist. Aber zunächst zum Anfang und dem ersten Band.

    

Turf Wars schließt unmittelbar an das Ende der Fernsehserie an: Korra und Asami verbringen einen gemeinsamen Urlaub in der Geisterwelt und sind, nachdem sie sich gegenseitig ihre Liebe gestehen, unmissverständlich definitiv ein Paar. Da nicht alle Geister gegenüber Menschen und besonders dem Avatar freundlich gesinnt sind, müssen sie ihren Urlaub nach einem Zwischenfall mit einem übellaunigen Geist und dem Verlust ihrer Vorräte vorzeitig abbrechen. Jedoch nicht ohne vorher Korras Eltern auf dem Südpol zu besuchen und denen ihr Coming Out zu verkünden.
In Republika türmen sich derweil diverse Probleme: Wonyong Keum, der Besitzer des Grundstücks, auf dem das neue Geisterportal entstanden ist, erhebt Ansprüche auf die Nutzung des Portals und will es mit Touren in die Geisterwelt möglichst schnell in Profit verwandeln, wohingegen die Windbändiger eben dies verhindern wollen. Auch die Geister sind alles andere als erfreut über die Perspektive, mehr Menschen in ihrer Welt zu haben und drohen mit Konsequenzen. Außerdem hat die Stadt mit den Folgen von Kuviras Angriff zu kämpfen. So sind viele hunderte Menschen durch die Kampfschäden aktuell obdachlos, in provisorischen Camps untergebracht und müssen versorgt werden. In dem Durcheinander stehen dann auch noch Präsidentschaftswahlen an und Präsiden Raiko ist im vollen Wahlkampfmodus, da seine Beliebtheit nach seiner Kapitulation vor Kuvira absolut im Keller ist. In der Unterwelt Republikas macht sich Tokuga, der neue Anführer der Tripple Threats, derweil die chaotische Situation zunutze, um den Einflussbereich seiner Bande mit Waffengewalt zu erweitern, womit die Polizei rund Lin, Mako sowie ihren neu eingeschworenen Beamten Bolin alle Hände voll zu tun hat. Sowohl privat als auch professionell, also mehr als genug Herausforderungen für den Avatar.

Ja, sie sind ein Paar

Originaltitel The Legend of Korra: Turf Wars Part One
Jahr 2017
Land USA
Genre Fantasy
Autor Michael Dante DiMartino
Zeichner Irene Koh
Verlag Dark Horse

Die brennendste Frage am Ende von Die Legende von Korra ist, ob denn Korra und Asami jetzt tatsächlich ein Paar bilden. Nach der Endszene ist dies zwar eigentlich ziemlich deutlich und auch davor wird es im Verlauf der Serie soweit angedeutet, dass man sich als Zuschauer ernsthafte Hoffnungen machen kann. Diverse Gespräche, Momente und Blicke, die anzeigen, dass beide eine tiefere Freundschaft verbindet als den Rest von Team Avatar. Andererseits lässt sich das Ganze auch als einfache Freundschaft deuten und bleibt letztlich nur implizit. Ein eindeutiges Statement in Form eines Kusses (wie am Ende der Vorgängerserie) fehlt. Im Comic wird mit jeglichen Zweifeln zum Glück aufgeräumt. Nicht nur wird recht schnell der überfällige Kuss nachgeholt, auch wird dem Thema Homosexualität insgesamt in Turf Wars Part One einiges an Zeit gewidmet, wie Korras und Asamis Coming Out vor Familie und Freunden, dem Umgang mit Homosexualität in den unterschiedlichen Kulturen der Avatar-Welt sowie eine nachträgliche Klärung der sexuellen Neigungen anderer Figuren. So richtig flüssig fügt sich das alles zwar nicht in die Handlung ein bzw. läuft diese dagegen noch vergleichsweise im Hintergrund, sodass die Geschichte rund um das dritte Geisterportal und den voraussichtlichen Antagonisten des Storybogens – Tokuga – wohl erst in den kommenden beiden Bänden richtig zur Geltung kommen wird. Dass Geister Menschen besetzen können und dies bei den Besetzten Spuren hinterlässt, wurde ja bereits in der Vorgeschichte des allerersten Avatars Wan etabliert und hier jetzt aufgegriffen. Man darf gespannt sein, inwieweit dies bei Tokuga, abgesehen vom Two-Face-Look, einen Effekt hatte, wenn er Korra wirklich gefährlich werden soll.

Bewegte in unbewegte Bilder gebändigt

Wie schon Avatar: Der Herr der Elemente wird also auch die Legende Korras per Comic weitergeführt. Dies ist natürlich insoweit positiv, dass die Geschichte rund um den Avatar, die vier Elementarnationen plus Republika weitergesponnen wird und man mehr von Welt und Figuren erfährt, die man ja auch schon über Jahre hinweg auf dem Bildschirm begleitet hat. Es ist auch insoweit toll, dass diverse offene Fragen aufgenommen und beantwortet werden. Weiterhin ist es positiv, dass die Welt in den schönen Illustrationen von Irene Koh nichts von ihrem Charme einbüßt , die Figuren trotz einiger stilistischer Eigenheiten leicht wiedererkennbar sind und sich auch der Humor von Avatar sehr gut in die Dialoge der Panels überträgt. Ein großes optisches Highlight der animierten Serie ist jedoch das Bändigen der Elemente, das in flüssigen bis kraftvollen Bewegungen und Effekten Avatar aus der animierten Serienwelt hervorstechen lässt. Eben dies hat sich hier bisher nicht sehr gut in Standbilder übertragen lassen, sprich: Das Bändigen sieht enttäuschend unspektakulär aus. Glanzpunkte setzen kann der Comic dagegen bei der Kolorierung durch Vivian Ng. Teilweise etwas matt wirkend, stechen besonders Lichteffekte durch einen starken Kontrast greller Farben zu dunklen Hintergründen gut hervor und wirken so auch in unbewegten Bildern überraschend lebhaft und effektvoll.

Juchhe, Avatar geht weiter! Gut, ich hab Die Legende von Korra erst neulich überhaupt nachgeholt und konnte mir den ersten Comic-Band ohne jahrelange Wartezeit direkt im Anschluss an die Fernsehserie zu Gemüte führen. Irgendwie finde ich es ärgerlich, dass der Kuss in den Comic ausgelagert wurde und die Beziehung von Korra und Asami nicht schon in der Serie explizit gemacht wurde, aber so alltäglich homosexuelle Figuren in japanischen Animes sind, so selten sind sie in westlichen Zeichentrickserien, ohne dass sie als karikaturhafte Comedy-Klischees dargestellt werden (was auch in Anime-Serien selten genug passiert). Ermutigend also, dass es überhaupt nachgeholt wurde. Ansonsten habe ich einen ziemlich geringen Comic-Konsum und bin mir eigentlich unsicher, wie ich jetzt die technische Umsetzung bewerten soll. Mir haben die Zeichnungen gut gefallen und man merkt an Handlung und Dialogen, dass mit DiMartino einer der ursprünglichen Serienmacher verantwortlich ist, aber ich kann schwer beurteilen, ob Turf Wars im größeren Kontext der Comicwelt in irgendeiner Form bemerkenswert ist. Ich denke, dass sich für Korra-Fans die Anschaffung des Comics in jedem Fall lohnt (der auch in deutscher Sprache beim Verlag Cross Cult als Die Legende von Korra: Revierkämpfe erhältlich ist) und man kann gespannt sein, wie sich die Ereignisse in den nächsten beiden Bänden weiterentwickeln werden.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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Ayres
Redakteur

Cool, dass die Romanze in diese Richtung geht und zum Kanon wird. Mehr Mut dieser Art!

Ayla
Redakteur

Ich habe gestern den Band gelesen und mir hat er auf jeden Fall sehr gut gefallen. Die Serie mag ich schon sehr gerne (müsste irgendwann einen Rewatch machen) und Korra/Asami sind für mich ein großartiges Paar. Schön, dass man dem im Comic nun mehr Zeit widmet. Die Geschichte wirkt in ihren Ansätzen auch schon recht spannend, da ist es eigentlich schade, dass der dritte Band schon der letzte Band von Turf Wars sein wird. Die Zeichnungen muss ich auch noch lobend erwähnen, vor allem mit dem matten Farbdruck kommen die richtig gut zur Geltung.