Welcome to the Ballroom

Es gibt viele Animes, die sich mit dem Thema Sport beschäftigen. Nach sportlichen Erfolgen mit Serien wie Haikyu!! und Kuroko no Basket lieferte das Studio Production I.G (Psycho-Pass) mit Welcome to the Ballroom im Juli 2017 eine Serie ab, die eher eine Randsportart zeigt, nämlich das Tanzen. Gleichzeitig ist es der erste Anime über den klassischen Turniertanz. Im Dezember desselben Jahres endete die Serie mit 24 Episoden. Auf der Grundlage des gleichnamigen Mangas aus 2011 von Tomo Takeuchi sehen wir hier die Geschichte des Mittelschülers Tatara Fujita, der seine Leidenschaft fürs Tanzen entdeckt. Amazon Prime-Kunden konnten sich bereits parallel zur Ausstrahlung ein Bild von der Serie verschaffen.

    

Tatara Fujita ist ein ganz normaler Schüler. Er ist sehr schüchtern und kann sich auch nicht wehren, als er von Mitschülern aus der Gegend angegriffen wird, die sein Geld wollen. Der professionelle Tänzer Kaname Sengoku beobachtet die Szene und kommt Tatara zu Hilfe. So landet er in einem Tanzstudio und setzt den ersten Schritt in die Welt des Tanzes. Sengoku erkennt, was für ein Potenzial in Tatara steckt und beginnt ihn zu trainieren. Tatara trifft durch das Tanzen auf Shizuku Hanaoka, die er bewundert und weitere Klassenkameraden wie Kiyoharu Hyoudou oder später Chinatsu Hiyama. Es entstehen Rivalitäten, aber auch Freundschaften. Und in Tatara ein Wunsch, sich zu verbessern und von den anderen akzeptiert zu werden.

Die Welt des Tanzens

Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Foxtrott, Slowfox und Quickstep. Das sind die Standardtänze des Welttanzprogramms. Von all diesen hat Tatara Fujita noch nichts gehört, als er ins Tanzstudio stolpert. Dennoch packt es ihn und er ist begeistert, als er Shizuku Hanaoka mit ihrem Partner Kiyoharu Hyoudou tanzen sieht. Er will das Tanzen lernen und mit ihr zusammen tanzen. Wie schwer das ist, merkt er gleich zu Beginn. Das Tanzen benötigt eine unheimliche Körperbeherrschung, bei der Haltung und Balance das Wichtigste sind. Tanzen ist anstrengend und schweißtreibend, was Tatara schnell bewusst wird. Ihm fehlt zu Beginn die Ausdauer, aber er hat den Willen und kämpft, um es ganz nach oben bis zu den Meisterschaften zu schaffen. Und das Wichtigste ist eine Partnerin, mit der die Harmonie stimmt. Tatara tanzt mit mehreren Frauen und jede ist anders, sowohl was ihren Tanzstil angeht, als auch vom Verhalten und alle haben mehr Erfahrung als er. Was die Serie neben den verschiedenen Tänzern ausmacht, sind die Einblicke in die Vergangenheit. Es wird gezeigt, was unter anderem bei Tataras Tanzpartnerinnen Chinatsu und Mako passiert ist. Wie sie zum Tanzen gekommen sind, warum es Rivalitäten gibt und einige den Spaß am Tanz verloren haben. Das sind Szenen,  durch die man auch einen Rivalen von Tatara wie Masami Kugimiya verstehen kann. Die Handlung konzentriert sich stark auf ihren Hauptcharakter Tatara, aber wir bekommen gezeigt, was bei den anderen passiert ist und wie sie sich durch die Begegnung mit Tatara verändern.

Die Regeln des Tanzens

Originaltitel Ballroom e Youkoso
Jahr 2017
Episoden 24 (1 Staffel)
Genre Comedy, Sport, Romantik
Regisseur Yoshimi Itazu
Studio Production I.G.

Welcome to the Ballroom konzentriert sich auf die sechs Standardtänze. Diese bilden neben den Lateintänzen wie Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba, Paso Doble und Jive das Welttanzprogramm. Jeder Tanz hat seine eigenen Regeln und Schrittfolgen. Für Standardtänze im Allgemeinen gilt, dass sie möglichst den ganzen Raum, also die Tanzfläche ausfüllen sollen, während der Lateintanz eher stationär ist. Wichtig im Standard ist der Körperkontakt, der von Anfang bis Ende gehalten werden soll. Es entsteht eine geschlossene Tanzhaltung. Die rechte Hand des Herrn liegt mit geschlossenen Fingern auf dem unteren Teil des linken Schulterblattes der Dame. Die linke Hand der Partnerin liegt auf dem rechten Oberarm des Herren, ihre rechte Hand befindet sich in seiner linken Hand. Er umschließt sie und die Hände sollten im Idealfall auf Augenhöhe des kleineren Tanzpartners gehalten werden. Sehr wichtig im Tanz ist die Balance, gerade das ist durch den Körperkontakt schwierig. Die Haltung spielt ebenfalls eine große Rolle. In der Regel führt der Herr, wobei derjenige der vorwärts tanzt einen besseren Überblick über die Tanzfläche hat und so Hinweise geben kann wo Freiraum ist. Aus dem Grund kann die Führung auch wechseln und die Harmonie zwischen beiden ist sehr wichtig.

Bekannte, aber auch Neue

Yoshimi Itazu feiert hier sein Debüt als Anime-Regisseur. Der für die Musik verantwortliche Yuuki Hayashi sorgte bereits bei Serien wie Death Parade oder Blood Lad für die musikalische Untermalung. Das Charakter-Design stammt aus der Feder von Takahiro Kishida (Haikyu!!). Hier fallen die langen Hälse und auch die extremen Posen besonders auf. Diese und die Haltung des Tanzpaares sind beim Tanz sehr wichtig, allerdings wirkt dies in dieser Serie extrem überdehnt. Beide Openings stammen von UNISON SQUARE GARDEN, die bereits das Opening zu Blood Blockade Battlefront & Beyond produzierten. Die beiden Endings der Serie stammen von der Sängerin und Synchronsprecherin Mikako Komatsu. Sie sang bereits den Endingsong zum Anime K ein. Für den Synchronsprecher Shimba Tsuchiya ist dies erst seine zweite Sprecherrolle und mit Tatara Fujita seine erste Hauptrolle.

Als ich gesehen habe, dass ein Anime kommt, der sich mit Turniertanz beschäftigt, war mir klar, dass ich den ansehen werde. Ich interessiere mich sehr für das Tanzen und habe während der Schulzeit eine Tanzschule besucht. Durch die TV-Show Let’s Dance habe ich mehr über den Tanz gelernt und kenne mich, was die einzelnen Schritte angeht, ein bisschen aus. Im Großen und Ganzen hat mir der Anime gut gefallen. Leider gibt es ein paar Dinge, die ich schade finde. Zum einen sind das die überstreckten Posen. Ich weiß, dass sie im Tanz sehr wichtig sind, auch dass sie lange gehalten werden sollen, nur hier ist das ein bisschen übertrieben dargestellt. Bei den Turnieren wird am Anfang die Melodie des Tanzes gespielt, während die Tänzer auf der Fläche sind, spielt jedoch eine andere Musik im Hintergrund. Sie tanzen zum Beispiel Quickstep und es läuft eine ganz andere Melodie mit einem anderen Takt. Das passt einfach nicht. Es herrscht auch wenig Abwechslung, was die Schritte angeht. Man sieht oft die gleichen Tanzschritte und Posen und auch nur einzelne Tanzelemente. Ein Tanz von vorn bis hinten mit flüssigen Bewegungen kommt leider nicht vor. Ein Lateintanz fehlt leider ebenso. Im ersten Opening sieht man einen kurzen Ausschnitt, in dem Latein getanzt wird, doch  es sieht aus wie Samba. Der Hintergrund der Wettkämpfe wird ausführlich unter die Lupe genommen. Was das für einen Aufwand darstellt mit den Kleidern der Damen und Anzügen der Herren. Auch bekommt man zu sehen, welche körperliche Herausforderung diese Sportart ist. Schon beim Training wird ersichtlich, wie verschwitzt Tatara ist und erst recht bei seinem ersten Turnier. Das kann man sich oft gar nicht vorstellen, was da alles dahinter steckt. Wenn man hier aber sieht, wie oft ein Tanzpaar, wenn es wirklich bis ins Finale kommt, auf die Tanzfläche muss, ist das schon ein Marathon und Ausdauerakt. Ein paar Dinge finde ich schade, aber ansonsten ist die Serie sehr gut. Insbesondere, weil sie viele Insights zeigt, was Wettkämpfe angeht, wie die Abläufe ausfallen und dass man kein Profi sein muss, um bei einem Wettbewerb mitmachen zu können. Mit viel Witz, Charme und auch romantischen Szenen ist diese Serie perfekt, um sich abends zu entspannen.

Zweite Meinung:

Mit Tanzen habe ich selbst zwar nicht viel am Hut, aber das hat mich nicht davon abgehalten, in diesen Anime mal reinzuschauen. Die erste Folge ist so lustig gehalten, dass ich einfach wissen wollte, wie es weitergeht. Gerade Tatara ist ein recht sympathisches Kerlchen, welches mich leicht an Hinata aus Haikyu! erinnert. Mein Fanherz hat hingegen Kiyoharu Hyoudou im Sturm erobert. Wobei das bei seinem müden Charakter schwer vorzustellen ist, doch wenn man ihn einmal tanzen gesehen hat, dann weiß man, wo das Feuer in ihm brennt. Seine japanische Stimme hat es mir sehr angetan, denn Nobuhiko Okamoto spricht in My Hero Academia meinen Lieblingscharakter Katsuki Bakugou. Von den Damen habe ich Mako ins Herz geschlossen, weswegen mir die erste Hälfte des Animes mehr zusagt. Ich finde die Tänze von ihr und Tatara sehr gut in Szenen gesetzt, weil sie dynamisch sind und aus fließenden Bewegungen bestehen. Gerade im späteren Teil verkommen die Tanzszenen zu reinen Standbildern, die zwar die besonderen Posen hochheben, aber unrhythmisch zur Musik daherkommen. Apropos Musik, ich finde es leider hin und wieder unpassend, dass man von der Musik auf die tanzenden Paare nichts hört, da man zur Dramatik besser passende Lieder gewählt hat. Das Ganze sieht dann aber komisch aus, da die Bewegungen so nicht mehr auf die Szenen zugeschnitten sind. Das erste Opening gefällt mir richtig gut, wohingegen ich mit dem zweiten nicht mehr viel anfangen kann und die Endings sind beide nicht nach meinem Geschmack. Welcome to the Ballroom hat mir persönlich Spaß gemacht, da der Humor passt und ich Charakter ins Herz geschlossen habe. Sollte es irgendwann mal eine zweite Staffel geben — der Manga läuft ja noch! — werde ich mir diese auch anschauen.

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