One Piece

Beim Stichwort Piraten werden wohl die meisten Deutschen an Fluch der Karibik oder Peter Pan denken. Aber vielen wird auch auf Anhieb One Piece einfallen. Während die facettenreiche Piratengeschichte von Kultmangaka Eiichirō Oda in Japan vor allem durch die Mangas bekannt wurde, hat das breite deutsche Publikum sie vor allem durch die Animeserie bei RTL II kennen gelernt, so dass das kunterbunte Piratenabenteuer rund um Ruffy und seine Strohhutbande auch vielen Zuschauern ein Begriff ist, die ansonsten mit Animes und Mangas nicht allzu viel am Hut haben.

    

Der abenteuerlustige junge Monkey D. Ruffy hat sich in den Kopf gesetzt, Pirat zu werden und als erster den legendären Piratenschatz One Piece zu finden. Zu Beginn seiner Reise isst er von einer Teufelsfrucht, welche Ruffy in einen Gummimenschen verwandelt. Was in Kämpfen ganz hilfreich ist, hat den unschönen Nebeneffekt, dass Ruffy fortan nicht mehr schwimmen kann. Dennoch hält Ruffy an seinem Ziel fest und beginnt damit, seine eigene Piratenbande zusammenzustellen. Dabei gabelt er jede Menge schräger Charaktere auf, die zwar einerseits für reichlich Spaß sorgen, aber andererseits auch genauso fokussiert und hartnäckig sind wie ihr Kapitän und in Kämpfen bis zum Äußersten gehen. Zusammen machen Sie sich auf den Weg zur Grandline und müssen es nicht nur mit anderen Piraten aufnehmen sondern auch mit der Marine und der hinter dieser stehenden Weltregierung, welche die Meere kontrolliert und gnadenlos Jagd auf alle Piraten macht. Auf ihrer Reise müssen Ruffy und seine Freunde jede Menge Abenteuer und brenzlige Situationen überstehen, schließen jedoch auch viele neue Freundschaften und haben reichlich Spaß zusammen.

Die Leichtigkeit des Seins

Einer der Gründe, weshalb One Piece so erfolgreich ist, liegt sicher in dem Grundgefühl, das der Anime transportiert. Mit Piraten assoziiert man seit den großen Piratenfilmen der 40er und 50er Jahre immer auch ein Gefühl von grenzenloser Freiheit und Ungebundenheit. Dieses greift Oda in seinem Manga mustergültig auf und der Animeumsetzung gelingt es, dieses Gefühl in bewegte Bilder zu fassen. Die Suche von Ruffy und seinen Freunden nach dem One Piece ist zugleich auch eine Suche nach der Freiheit, tun zu können, was immer man gerade möchte. Und wer wünscht sich das nicht selbst das eine oder andere Mal? Dies ist somit einer der Gründe, warum es auch nach hunderten Folgen immer noch Spaß macht, die Strohhüte bei ihren Abenteuern zu begleiten. Aber ebenso wichtig ist dabei auch, dass der One Piece einen roten Faden hat und es neben all dem Jux auch immer eine feste Rahmenhandlung gibt, die nicht selten mit tragischen Elementen gespickt wird. So hat jeder aus Ruffys Mannschaft in der Vergangenheit schon Menschen verloren, die ihm wichtig sind und die das betreffende Crewmitglied inspiriert haben. Aber es gibt auch ganz aktuelle Verluste wie der für die meisten wohl völlig unerwartete Tod von Ruffys Bruder Ace beim Krieg im Marinefort.  Die dritte Säule, auf der das Grundgerüst des Animes ruht, sind die Figuren. Diese sind zwar in der Breite nicht megakomplex, aber doch sehr abwechslungsreich und geschickt aufeinander abgestimmt, so dass man von keiner der Figuren eine Überdosis bekommt. Die Bandbreite reicht vom Schwertkämpfer Zorro über die intrigante Nami und den schüchternen Elchmenschen Chopper bis hin zum Cyborg Frankie. Was auf den ersten Blick als unvereinbarer Genremischmasch erscheint, funktioniert im Endeffekt überraschend gut.

Von Piraten und Piraten

Originaltitel One Piece
Jahr seit 1999
Episoden 825 (bis Februar 2018)
Genre Abenteuer, Fantasy, Action
Regisseure Konosuke Uda (1–278)
Junji Shimizu (131–159)
Munehisa Sakai (244–372)
Hiroaki Miyamoto (352–)
Toshinori Fukazawa (663–)
Studio Toei Animation

Das alles dominierende Motiv ist natürlich der Jolly Roger. Nicht nur das jede Piratenbande, die auf der Suche nach dem One Piece, dem legendären Schatz des hingerichteten Piratenkönigs Gol D. Roger, sind, eine eigene Variante des Totenschädels mit den gekreuzten Knochen führt. Piraten sind in One Piece allgegenwärtig. Zum einen sind die Piraten in der Welt des Anime quasi das Gegengewicht zur Marine und zur Weltregierung. Jedoch tauchen auch ganz reale Piraten in One Piece auf…wenn auch ein bisschen verklausuliert. Die Namen seiner Figuren sind von Oda nämlich nicht willkürlich gewählt. Häufig bedient er sich dabei bei historischen Figuren. Darunter durfte auch der eine oder andere reale Pirat als Namenspate herhalten. Als erstes springt dabei natürlich Edward Thatch alias Edward Teach alias Blackbeard ins Auge, der in One Piece sowohl Marshall D. Teach “Blackbeard” als auch Edward Newgate “Whitebeard” je einen Teil seines Namens leiht. Für uns in Deutschland wesentlich unbekannter, ist der chinesische Pirat Chui A-poo, der im 19. Jahrhundert eine Flotte von mehr als 50 Schiffen im Südchinesischen Meer kommandierte. Ihm setzte Oda mit dem Supernova Scratchmen Apoo ein Denkmal. Etwas subtiler setzt sich der Name von Ruffys erstem Crewmitglied Lorenor Zorro zusammen. Auf den ersten Blick hat der Name nichts mit einem Piraten zu tun. Nimmt man jedoch den Vornamen aus dem japanischen Original “Roronoa”, dann ist dieser die japanische Aussprache des berüchtigten und blutrünstigen französischen Piraten François l’Olonnais, der in den 1660er Jahren die Karibik unsicher machte. Was wiederum Odas ironische Seite offenbart, wird Zorro doch als Piratenjäger in den Anime eingeführt.

Anime und Manga

Bei einem Endlos-Shonen-Manga wie One Piece ist die Animeumsetzung bekanntermaßen ein heikles Thema. Das Problem ist, dass wöchentlich eine neue Animefolge erscheint, dabei der Manga jedoch auch allenfalls wöchentlich ein neues Kapitel liefert. Dadurch ist der Anime irgendwann gezwungen, Tempo herauszunehmen, um den Manga nicht zu überholen. Bei Oda verschärft sich dieses Problem zusätzlich, da er bei One Piece auch gerne mal eine Woche aussetzt. Was einerseits der Qualität des Manga zugutekommt, hemmt im Gegenzug den Anime. Damit ergeben sich für den Anime, wenn er weiterhin wöchentlich ausgestrahlt werden soll, zwei Möglichkeiten: Entweder er baut massiv auf Fillerfolgen oder aber er versucht nach Möglichkeit die Mangakapitel 1:1 umzusetzen, sprich: eine Animefolge pro Mangakapitel. Da Fillerfolgen bei Fans nicht gerade beliebt sind, entscheidet sich One Piece für den zweiten Weg und vermeidet Filler größtenteils. Das führt allerdings dazu, dass die Folgen mitunter stark gedehnt werden. Da Odas Kapitel immer sehr ereignisreich sind, funktioniert es dennoch ganz gut. Zumindest solange man den Manga nicht kennt. Kennt man den Manga jedoch bereits, wird das Ganze schnell eintönig.

Zugpferd der deutschen Animeszene

Bezeichnet man One Piece als Zugpferd der Animeszene in Deutschland, ist der Aufschrei unter den eingefleischten Animefans wohl nicht zu gering. Allerdings trifft diese Bezeichnung den Nagel eigentlich ganz gut auf den Punkt. Zumindest wenn man den Blick über die Szene hinaus weitet. Animes fristen in Deutschland eher ein Schattendasein und nehmen gefühlt sogar noch eher an Bedeutung ab. Zumindest wenn man den Vergleich zur Lage vor zehn bis fünfzehn Jahren zieht. Folglich gibt es auch nur noch wenige Animes, die den Menschen, die nicht in der Szene verwurzelt sind oder waren, ein Begriff sind. Und einer davon ist One Piece, aufgrund der konstanten TV-Präsenz von RTL II, über TELE 5 bis hin zu ProSieben MAXX. Damit erreicht One Piece immer noch Zuschauer, die ansonsten mit Animes nicht allzu viel am Hut haben. Auch wenn One Piece in Deutschland meilenweit davon entfernt ist, ein so fester Bestandteil der Popkultur zu werden, wie dies in Japan der Fall ist, so ist Ruffy mit dem Strohhut doch vielen der unter 35-Jährigen ein Begriff und für viele ist er auch eine der ersten Assoziationen, wenn sie an das Schlagwort “Pirat” denken. Klar, mit Jack Sparrow wird er es nicht aufnehmen können, aber dennoch…eine erstaunliche Popularität für eine japanische Anime-/Mangafigur in unseren Gefilden.

Für mich steht One Piece immer in Verbindung mit schönen Kindheitserinnerungen. Ich habe den Anime damals von Beginn an auf RTL II und später auf TELE 5 verfolgt. Nachdem ich so bis zwölf oder dreizehn recht viele Animes auf RTL II geschaut habe, ist meine Animebegeisterung danach ein bisschen eingeschlafen und erst mit 17 wieder aufgeflammt. Aber zu One Piece habe ich in all der Zeit trotzdem nie den Draht verloren. Damit ist der Anime wohl einer der Gründe, weshalb ich meine Begeisterung für den japanischen Zeichentrickfilm wiederentdeckt habe. Schon allein dafür werde ich One Piece nie vergessen. Aber auch weil mich die Geschichte noch nach all den Jahren anspricht und ihren Reiz nicht verloren hat. Allerdings hat bei mir die Begeisterung für den Anime stark abgenommen, nachdem ich mit dem Manga angefangen habe. Wenn man die Handlung durch den Manga schon kennt, dann ist der Anime doch etwas behäbig. Das ist auch der Grund warum ich momentan mit dem Anime pausiere. Mal schauen… vielleicht nehme ich den Faden irgendwann, wenn mir die Handlung durch den Manga nicht mehr ganz so präsent ist, wieder auf. Verdient hätte es der Anime auf jeden Fall.

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Atticus

Atticus ist Jura-Student. Er verbringt seine Freizeit am liebsten zusammen mit Freunden oder draußen in der Natur. Darüber hinaus ist Atticus ein großer Filmfan, jedoch nicht allzu wählerisch, so dass es kaum ein Genre gibt, dem er nicht zugeneigt wäre. Auch macht es ihm nichts aus, wenn ein Film ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Außerdem liest Atticus gerne Romane. Wenn möglich Krimis, Thriller, Horror- oder Abenteuerliteratur. Aber zwischendurch darf es auch gerne einmal etwas ausgefalleneres sein.

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Aki
Redakteur

Ich hab den Anime früher auf RTL2 angeschaut aber so richtig Fangirl bin ich nicht von geworden. Irgendwie fehlte mir ein persönlicher Lieblingscharakter und von Ark zu Ark wars auch nicht immer meins. Womit ich bis heute meine Probleme habe, ist das Charakter Design. Echt mal die Damen sehen aus mit ihren Oberweiten und den super dünnen Taillen X_X Nicht meins.

Alva Sangai
Redakteur

Die Oberweiten werden später immer übertriebener. Finde ich sehr schade. Fand das in den Anfängen von One Piece echt besser. Da sahen Nami und Nico Robin auch noch ganz in Ordnung aus. Leider sehen aktuell fast alle Charaktere in der Serie so aus, was nicht mehr schön anzusehen ist. 🙁

Aki
Redakteur

Sehen die den im Manga auch so aus, oder hat man das Charakter Design nur im Anime so geändert?
Wenn ich einen Charakter nennen müsste den ich recht gut fand, dann war das Ace. Der war ne coole Socke… oder eher heiße Socke XD Schade, dass er so selten aufgeteucht ist in den Folgen die ich gesehen habe.

Alva Sangai
Redakteur

Soweit ich mich erinnere, ja. Da Eiichiro Oda anscheinend große Oberweiten mag xD Er gibt auch gerne die Maße an. Ace mag ich auch sehr gern. 🙂

Aki
Redakteur

Nun gut man muss doch aber nicht jedem Charakter seine Vorliebe aufdrücken X_X
Ganz vergessen zu sagen, ich mag die Flying Lamp! Ist irgendwie niedlich, dass sie bei alle den Tieren ein Schaf gewählt haben als Symbol für ein Piratenschiff.

Alva Sangai
Redakteur

Kann mich mit dem Time-Skip nicht so wirklich anfreunden. Weiß auch nicht so recht warum. Zum Teil aber am Aussehen der Charaktere geschuldet. Früher war ich ein viel größerer Fan von One Piece, als es heute der Fall ist. Gehört auch zu den Serien, die ich schon in Kindertagen jeden Tag gespannt verfolgte. Meinen absoluten Lieblingscharakter habe ich in Nico Robin gefunden. Ich hatte damals von Anfang an die ganze Zeit gehofft, dass sie der Strohhutbande beitritt und dann wurde mein Wunsch wahr. Die Geschichte in Water Seven/Enies Lobby fand ich später auch ziemlich genial, wodurch Rob Lucci auch mein Lieblingsbösewicht wurde und ich sogar eine Figur von ihm habe. Bei der Strohhutbande mag ich Lorenor Zorro sehr gern. Ich kenne das meiste von den Arcs durch den Anime. Den Manga habe ich nur bis Band 31. Plane aber auf jeden Fall noch nachzukaufen. Gerade da ich unbedingt Water Seven, Enies Lobby und Thriller Bark in Manga-Form haben möchte. *O* Ich liebe diese Arcs. Auch wenn ich derzeit nicht so begeistert bin wie früher, empfinde ich die Serie trotzdem als eine der besten Endlosserien von denen, die es gibt. 🙂

Iruka
Mitglied
Iruka

Ich habe die Serie früher auch ziemlich gerne angeschaut, hatte aber keinen eindeutigen Lieblingscharakter. Als die Serie keine deutsche Synchro mehr hatte, habe ich sie erst mal vergessen. Nur um sie nach Jahren wieder auszubuddeln und noch eine Weile mit Originalsprache zu schauen.
Den Zeitsprung an sich finde ich nicht schlecht, aber mir gefällt die neue Erscheinung von fast alles Strohhüten nicht mehr. Vor allem die Mädels waren wohl mal kurz beim Chirurgen, anderes kann ich mir diese enorme Vergrößerung der Oberweite nicht erklären…