Godzilla: Monster Planet

Auch nach über 63 Jahren hat Japans Lieblingsmonster Godzilla noch lange keine Lust, sich einen Gehstock zu holen und damit ins Altersheim zu stampfen! Nach Godzilla aus dem Jahr 2014 und Shin Godzilla von 2016 darf nun Polygon Pictures (Blame!) den ersten vollanimierten Teil des Franchise produzieren, der uns die Wartezeit auf den Monster Clash Godzilla vs. Kong, der für 2020 angekündigt ist, verkürzen soll. In seinem nun mehr 32. Film —Godzilla: Monster Planet — hat es die riesige Eidechse geschafft, zum König über die gesamte Erde zu werden. Doch die Menschheit hat noch lange nicht aufgegeben und plant, aus ihrem Exil im Weltall  ihren Planeten zurückzuerobern. Dank Netflix können 190 Länder, darunter auch Deutschland, den Film seit dem 17. Januar 2018 begutachten und entscheiden, ob Godzilla nicht doch in Rente gehen sollte.

  

Im letzten Sommer des 20. Jahrhunderts mussten die Menschen feststellen, dass nicht sie die Könige der Erde sind. Sogenannte „Kaijus“ strömten aus dem Erdinneren an die Oberfläche und übernahmen die Kontrolle über den Planeten. Zwar setzten sich die Menschen zur Wehr, doch konnten sie diese Wesen selbst mit der Hilfe von Außerirdischen nicht besiegen. Allen voran blieb Godzilla, sämtlichen Attacken zum Trotz, unbesiegbar und wurde zum König der Erde. Der Menschheit blieb keine andere Wahl, als ins Weltall zu fliehen.
20 Jahre später erreicht das Raumschiff “Aratrum” den Planeten „Tau Cetus e“. Eigentlich sollte der Planet die neue Heimat der Erdlinge werden, doch Auswertungen ergaben, dass er unbrauchbar ist. Daher beschließt die Besatzung des Schiffes, durch einen Raumzeitsprung zurück zur Erde zu fliegen. Beim blauen Planeten angekommen stellen die Reisenden jedoch fest, dass 100.000 Jahre vergangen sind. Wird die Erde sich an die Menschen erinnern? Und wird der Angriffsplan ausreichen, um Godzilla zu töten?

Der Avatar der Zerstörung taucht auf

Freut man sich zu Beginn noch, dass die Lieblingsmonsterechse Godzilla gleich in den ersten 10 Minuten zu sehen ist, muss man sich leider ganze 54 Minuten gedulden, bis sie richtig herumstampfen darf. In der Zwischenzeit wird dem Zuschauer eine lange Welle an Erklärungen geliefert. Einige davon sind leider zu kurz und wecken sogar mehr das Interesse, als das, was später geboten wird. Gerade die auftauchende Alien Rasse Exif wird nur knapp gestreift, was schade ist. Sie sind auf der Erde aufgetaucht und boten ihre Hilfe an. Im Austausch sollte der blaue Planet ihre neue Heimat werden. Doch selbst der Bau von Metallgodzilla — ein Wesen, das Teil des Godzilla Franchise ist — konnte die Monsterechse nicht aufhalten. Was es mit der anderen, später auftauchenden Alienrasse Bilusaludo auf sich hat, wird gar nicht mehr erklärt. Sie sind halt einfach Teil der Crew des Raumschiffes. Es kommt nicht nur einmal der Gedanke auf, dass es vielleicht sinnvoller gewesen wäre, wenn man diese Erklärungen in einen ganzen Film umgewandelt hätte. Es wäre zwar ein recht typischer Godzilla-Film geworden, aber als Auftakt einer Reihe nicht unpassend. So hingegen muss man sich leider damit begnügen, dass man Dinge einfach hinnehmen muss. Vor allem, da das ganze Vorgeplänkel nur dazu dient, dass die Menschheit auf eine Erde kommt, die sich bereits vollständig gegen sie weiterentwickelt hat.

Stereotype Charaktere

Originaltitel Godzilla: Kaijuu Wakusei
Jahr 2017
Laufzeit 89 Minuten
Genre Action, Science-Fiction, Abenteuer
Regisseur Hiroyuki Seshita, Koubun Shizuno
Studio Polygon Pictures

Haruo Sakaki ist der Hauptcharakter der Geschichte. Neben seinem Posten als Captain des Schiffs ist er auch derjenige, der einen Plan entwickelt, wie man Godzilla töten kann. Wenn man sich jedoch die Lösungsansätze anhört, fragt man sich, warum damals kein anderer Bewohner der Erde auf diese einfachen Ideen gekommen ist! Immerhin scheint es so, dass die Informationen zum Schutzschild von der Zeit auf der Erde stammen. Daher wäre der Gedanke nahe gewesen, in irgendeiner Form zu testen, wo am Körper vom Monster dieses erzeugt wird. Haruo ist ein sympathischer Charakter, doch hat er nichts an sich, was ihn aus der Masse der Animefiguren heraushebt. Neben dem schwarzhaarigen Asiaten lernen wir noch den blonden Exif Metphies kennen. Er hilft Haruo, doch scheint er seine eigenen Pläne zu verfolgen. Davon wird jedoch in diesem Film nicht viel gezeigt. Yuuko Tani ist die einzige weibliche Figur, die etwas mehr Action erleben darf. Leider kann man ihre Szenen, und vor allem Sätze, an einer Hand abzählen. Eliott Leland, der später die Mission leitet, bricht ebenfalls nicht aus dem Raster der Vorhersehbarkeit aus. Nun gut, in einem Godzilla-Film sollte sowieso die Echse im Rampenlicht stehen.

Er stampft, er brüllt, er speit Feuer – Godzilla

Als endlich der König der Erde auftaucht, will das Fanherz auch nicht wirklich schneller schlagen. Zwar darf unsere Lieblingsechse auch hier ihr legendäres blaues „Feuer“ speien, doch bleibt sie ansonsten extrem unbeweglich. Die Angriffsflüge mit den Gleitern auf das Monster wirken statisch, da Godzilla meist still steht. Man vermisst das Stampfen. Selbst der Finalkampf packt einen nicht sonderlich, da ausschließlich Statisten auf der Menschenseite sterben und der Zusammenstoß keinen rechten Eindruck hinterlassen will. Die große Überraschung am Ende, dass der Urgodzilla die ganze Zeit unter der Erde lag und nun erwacht ist, weil die Eindringlinge einen seiner Art getötet haben, schockt ebenfalls nicht. Es war von Anfang an unklar, ob das Monster sich nicht vermehrt hat. Der Umstand, dass Menschen auf der Erde überlebt haben, kann genauso wenig als maßgebliche Wendung überzeugen. Solche Twists gab es schon zu oft.  Daher bleibt die Postkreditszene auch nur ein lauwarmer Abgang vom Filmerlebnis. Immerhin: Die Weichen für den zweiten Teil Godzilla: Part 2 sind gelegt. Wie das Key Visual uns bereits verrät, scheint Metallgodzilla doch noch nicht abgeschrieben worden zu sein!

Die kreativen Köpfe hinter dem Monster

Nach Knights of Sidonia, Ajin und Blame! ist Godzilla: Monster Planet die bereits vierte Zusammenarbeit von Netflix und Polygon Pictures. Hiroyuki Seshita und Koubun Shizuno haben die Regiestühle für Godzilla besetzt und arbeiten für diese Produktion erneut zusammen. Beide waren am Knights of Sidonia-Projekt beteiligt. Das Drehbuch stammt von Gen Urobuchi, dessen Name viele Animekenner aufhorchen lassen dürfte. Seine bisherigen Projekte, wie zum Beispiel Psycho-Pass (Skript), Fate/Zero (Erfinder) und Aldnoah.Zero (Erfinder) haben viele Fans gewonnen. Das Charakter Design stammt von Yuusuke Kozaki (Under the Dog), der jedoch nicht viel zu tun hatte. Da die Figuren fast immer in ihren einheitlichen Raumanzügen unterwegs sind, gibt es nicht viele Unterscheidungsmerkmale. Die Musik stammt von Takayuki Hattori (Mobile Suit Gundam: The Origin), der einen Soundtrack komponiert hat, welcher von klassisch angehauchten Musikstücken beherrscht wird. Schade, dass keines der Lieder wirklich herausstechen mag. Der poppige Endingsong ist von Xai, heißt „WHITE OUT“ und mag nicht so recht zum Monsterfilm passen. Die deutsche Sprachfassung stammt von der Firma CSC-Studio aus Hamburg. Hauros deutsche Stimme kennen Fans von Beyond the Boundary, wo er Charakter Hiroomi Nase gesprochen hat. Daniel Schütter spricht Metphies, den die Zuschauer als Obi in Die rothaarige Schneeprinzessin hören können. Viele der Rollen sind von neueren Sprechern der Branche besetzt.

Als Kind habe ich einen Großteil der Godzilla Filme konsumiert. Dass ich mittlerweile viel vergessen habe, wundert nicht, da das Trashlevel von Teil zu Teil steigt. Daher war ich sehr gespannt, wie sich der erste animierte Teil schlagen wird. Leider wollte sich bei mir von Anfang an keine positive Stimmung einstellen. Die ganzen langen Erklärungen zu Beginn empfinde ich als zäh. Viel lieber wollte ich sehen, wie die Menschheit zurückschlägt. Doch bis dahin mussten fast 3/4 des Films vergehen! Haruo ist als Charakter okay, aber er ist mir persönlich fast schon zu klischeehaft. Sauer stößt mir auf, dass die einzige weibliche Figur nicht zu vielem zu gebrauchen ist. Zwischenmenschliche Beziehungen sind sowieso auf ein Minimum reduziert. Die Actionparts sind nur teilweise sehenswert, da sie entweder zu kurz sind oder, an anderen Stellen, zu lang und gleichbleibend. Immerhin: Wenn Godzilla herumbrüllt, war ich als Fan sehr zufrieden. Das klang einfach, wie man es kennt und liebt. Schade, die beiden anderen Teile werde ich mir aber wohl doch noch anschauen. Es kann ja nur besser werden. Hoffe ich!

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen vom Manga Kenshin an Samurais verloren.

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Ayres
Redakteur

Puh, ich hadere noch mit mir. Einerseits ist es immer verlockend, wenn ein Titel direkt auf Netflix verfügbar ist, allerdings finde ich Godzilla ebenso wenig sexy wie CGI-Filme…