Dagashi Kashi

Naschkatzen aufgepasst, hier kommt Dagashi Kashi! “Dagashi” ist der japanische Begriff für alle möglichen Arten von Snacks und “Okashi” sind Süßigkeiten. Nichts, dem man eine ganze Serie widmen kann? Da ist die passionierte Dagashi-Jüngerin und Hauptfigur Hotaru aber ganz anderer Meinung, denn sie bringt ihre Überredungskünste nicht nur in einer Staffel auf die Mattscheibe, sondern seit 2018 gleich in zweien. Zur Katalogerweiterung von Kazé und Anime on Demand stellen wir euch die erste Staffel vor.

Japan, ländliche Region: Kokonotsu Shikada ist der jüngste Sproß einer Familie, die schon seit neun Generationen einen Süßwarenladen führt. Doch steht es um diese Tradition nicht unbedingt gut. Der Vater hat gar kein Gespür für Geschäfte und futtert sogar öfters die Waren selbst weg. Und Kokonotsu hat überhaupt kein Interesse, den Laden fortzuführen, vielmehr will er Mangaka zu werden. Doch eines Tages betritt die exzentrische Hotaru die Bühne: Als Tochter ihres Vaters, dem Kopf der weltbekannten Shidare-Süßigkeitenfirma hat sie den Auftrag, Kokonotsus Vater dazu zu bewegen, wieder dort zu arbeiten. Doch dieser lehnt ab, es sei denn, Kokonotsu übernimmt den Familienladen. Kokonotsu ist nicht begeistert, doch das hält die Dagashi-Fanatikerin Hotaru natürlich nicht davon ab, ihn in die Welt der Dagashi abzuwerben.

Eine ziemlich japanische und nur bedingt gesundheitsfördernde Serie

Originaltitel Dagashi Kashi
Jahr 2016
Episoden 12 (1 Staffel)
Genre Comedy, Slice of Life
Regisseur Shigehito Takayanagi
Studio feel.

Die erste schlechte Nachricht für die Naschkatzen aus der Zielgruppe: Die Mehrzahl der in der Serie vorgestellten Snacks wird man auf dem europäischem Markt kaum vorfinden. Einen Teil kann man in dedizierten Asia-Supermärkten mit breiter Warenauswahl noch antreffen, doch zu den entsprechenden Preisen. Hat man das Glück (oder das Portmonnaie das Pech), einen Gutteil davon zu kennen, dürfte es ziemlich schnell in den Fingern jucken, sich mit dem ein oder anderem einzudecken, denn Hotarus Enthusiasmus reißt den Geneigten zumindest in den ersten Folgen erstaunlich gut mit. Vorgestellt wird eine ziemlich breite Vielfalt verschiedener Dagashi, auch solcher mit einigen Spielzeugextras, die im japanischen Publikum sicher einiges an Nostalgie zu entlocken vermag. Doch geht die Serie eher von einem Publikum aus, dass diese schon kennt. Atemberaubende Detailfülle bei den Zeichnungen der Snacks wird man nicht vorfinden, genauso wenig wie eine sehr ausführliche einführende Vorstellung der Snacks und ihrer Machart. Der Fokus liegt eindeutig eher auf dem Einsatz der Snacks in komischen Szenarien. Zudem scheint die Serie, wenn auch nicht überbordend auffällig, sich vornehmlich ans männliche Publikum zu widmen, denn hinter manchen der humoristischen Szenen befindet sich auch die eine oder andere sexuelle Implikation.

Exzentrische Eskapaden von Snack Freaks

Getragen wird die Serie vor allem von Hotaru, einem körperlich sehr gut bestückten, schlanken Mädchen. Bildhübsche Mädchen in Anime sind nichts Neues, doch fragt man sich unweigerlich, wie Hotaru es schafft, bei ihrem Non-Stop-Konsum von Snacks ihre Form zu bewahren. Die naheliegendste Antwort darauf ist wohl ihr unaufhaltsamer Enthusiasmus und lodernde Passion für das Finden ganz neuer Dagashi oder neue Methodiken, diese zu konsumieren. Sie macht auch nicht vor einem gesundem Menschenverstand halt. So wird z.B. auch mitten im Hochsommer ein Ofen zum Kochen von heißem Wasser für einen Ramen-Snack hingestellt. Vielfach basiert der Humor auf Missverständnissen und einigen romantischen Neigungen. So ist Saya eine Kindheitsfreundin Kokonotsus, die sich in diesen verguckt hat, das aber nicht artikuliert bekommt und so regelmäßig der Eifersucht anheim fällt. Nicht vollständig unbegründet, denn initial hat sich Kokonotsu in Hotaru verguckt, gebremst nur durch ihre Ambitionen, ihn dazu zu bringen, den Laden zu übernehmen. Sayas Bruder Tou wiederum ist hin und weg von Hotaru und für jede ihrer Dagashi Snack (Un-)Taten zu haben. Kokonotsu versucht vor Hotaru meist einen kühlen Kopf zu bewahren, doch besitzt er selbst ein umfangreiches Dagashi-Wissen und lässt sich mehr als einfach von Hotaru mitreißen. Und dann ist da noch sein unverantwortlicher Vater… Bei dem man sich fragt, wie jemand jemals ernsthaft Ambitionen hegen könnte, ihn anstellen zu wollen.

Diese Serie ist nichts für jedermann. Man sollte auf jeden Fall nicht erwarten, dass die Geschichte ihre initialen Prämissen irgendwohin befördert. Was angesichts der Existenz einer zweiten Staffel vermutlich nicht sehr überraschend ist. Der Humor bedient sich öfters den üblichen Anime Tropes und lediglich die Dagashi, ein relativ neues Thema in der Anime Landschaft, geben der Serie ein gewisses Novum. Doch so ganz erfolglos kann die Serie bei mir auch nicht gewesen sein, wenn ich mir so die leeren Snack-Verpackungen anschaue. (Tipp: Wenn die japanischen zu teuer sind, chinesische und koreanische Snacks ähneln vielen ziemlich und sind einen guten Deut günstiger.) Ich vermute immer noch, dass das vor allem an der teilweise recht authentischen Geräuschkulissen liegt, wenn die Figuren ihre Dagashi auspacken. Asiatische Waren haben etwas andere Verpackungen als die europäischen Süßigkeiten und am prominentesten im heimischen Warenlager vertreten ist diese Art Verpackung definitiv bei den Snacks, sodass die gedankliche Referenz fast schon Automatismus war. Doch, das muss ich aus eigener Erfahrung dazu sagen, die Snacks sind auch nicht für jedermann. Von daher kann ich im Großen und Ganzem eine eher nur sehr eingeschränkte Empfehlung für die Serie aussprechen.

Zweite Meinung:

Anstatt sich wie so viele Slice of Life-Serien um den Schulalltag zu drehen, nimmt sich Dagashi Kashi einen frischen Hintergrund. Den Schwerpunkt auf japanische Snacks zu legen, bringt Abwechslung und man hat sogar das Gefühl, ein wenig über die verschiedenen Dagashi zu lernen. Doch dies dient eigentlich nur dazu, Hotaru in die Einöde zu bringen, wo sie den kleinen Cast an Figuren so richtig aufmischen darf. Man sollte hier kein konstantes Gag-Feuerwerk erwarten, dafür sind Tempo und Inhalt der Serie einfach nicht gedacht. Doch die abgedrehten Szenarien die Hotaru für Kokonotsu, Saya und Tou immer wieder kreiert, um Kokonotsu doch irgendwie dazu zu bringen, den Familienbetrieb zu übernehmen, laden immer wieder zum Schmunzeln ein. Jedoch fehlt im Endeffekt ein roter Faden, was Dagashi Kashi zwar perfekt für nebenbei macht, sich aber weniger zum am Stück schauen anbietet. Wer nach leichter Unterhaltung sucht, liegt bei dieser Serie also genau richtig. Und irgendwie passt das ja auch zur Thematik der Serie.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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