B: The Beginning

Nach Psycho Pass bereichert das renommierte Animationssstudio Production I.G. die Welt mit einem weiteren Crime-/Politthriller. Im zunächst als “Perfect Bones angekündigtem B: The Beginning finden mysteriöse Morde im fiktiven Königreich Cremona statt. Die königliche Investigationseinheit RIS stößt schnell auf Ungereimtheiten, vor allem im Zusammenhang mit dem jüngst aufgetauchten Serienmörder, genannt B The Killer, der an seinen Tatorten sein B-Symbol hinterlässt. Doch bald passieren auch Morde mit einem nachgemachten B-Symbol, während eine mysteriöse Organisation auf den Plan tritt, um B aus der Reserve zu locken. Das Besondere an ihnen: Es sind Humanoide mit übermenschlichen Kräften und teilweise unbändiger Mordlust…

   

Mordlustige Psychopathen verfolgen ein Mädchen, doch alsbald werden sie selbst Opfer des Killers B. Lily Hoshino ist ein chaotischer Wildfang und Teil der Ermittlungseinheit RIS, als Keith Flick dazu stößt. Keith gilt mit seinen unkonventionellen Denkmustern als Genie und Legende. Doch kaum einer ahnt, dass er mit den Geschehenissen weit mehr involviert ist, als nur durch dessen Untersuchung. Sei es seine Suche nach dem tatsächlichen Mörder seiner Schwester oder seine Verbindung mit einem Geheimprojekt des Landes. Ein Produkt dieses Projekts ist Koku, der dem Massaker des Forschungsinstituts entkommen konnte und nun verzweifelt nach Yuna sucht, einer weiteren Überlebenden.

B: The Beginning – Buchstäblich nur ein Anfang

Die Umbenennung des zunächst angekündigten Titels “Perfect Bones” in “B: The Beginning” legte schon nahe, dass es sich wohl nicht um etwas Abschließendes handelt, was sich am Ende der letzten Folge auch als Tatsache entpuppt. Leider handelt es sich bei dieser Serie nicht um eine der Serien, die das Universum mit neuen Geschichten zu expandieren, sondern um eine, die von Anfang an darauf setzt, dass mehrere Arcs die Handlung zusammen puzzeln. Dafür wird mit mysteriösen Ködern jongliert, um alles Mögliche diffus anzuteasen, ohne dass Auflösungen geboten werden. Man sieht der Serie sehr schnell an, dass sie gar kein Interesse hat, etliche ihrer Handlungsbögen in diesen zwölf Folgen auszuarbeiten oder gar zum Abschluss zu bringen. Eine Folge davon ist, dass etliche der nicht wenigen Figuren in ihrer Charakterisierung nicht gerade weit aus ihrer eindimensionalen Schublade herauskommen, obwohl sie in ihrer Präsentation bisweilen sogar als reguläre Hauptfiguren präsentiert werden. Unglücklicherweise betrifft das auch einen der Posterprotagonisten, dessen Handlungsstrang fast die erste Hälfte der Serie einnimmt und eher nur am Rande etwas mit der eigentlichen Handlung dieser Staffel zu tun hat: Der umfassenden Vorstellung der Figur Keith und wie sich beim Abschluss seines persönlichen Falls das eingeschworene Teams der RIS Einheit bildet.

Ein eigentlich spannender Charakter-Arc in Form eines Mordfalls

Originaltitel B: The Beginning
Jahr 2018
Episoden 12
Genre Mystery, Supernatural, Science-Fiction
Regisseur Kazuto Nakazawa
Studio Production I.G.

Keith ist eine durchaus interessante Figur. Genial, mit seinen eigenen seltsamen Gedankengängen, die er eher für sich behält, u.a. weil niemand ihnen folgen kann. Selbst Lily nicht, die im Laufe der Serie in ihrer Denkweise gar als Seelenverwandte von ihm hingestellt wird. Eine düstere Vergangenheit quält ihn, da sie keinen Abschluss fand und zum Ende wird seine Moralität und sein neu erlerntes kollegiales Vertrauen auf die Probe gestellt. Sein gesamtes Gebärden und Handeln wird mit vielen Details sehr detailliert in Szene gesetzt. Sein Antagonist gibt eigentlich auch einen interessanten Charakter ab, doch leidet sein Einsatz unter den ganzen Exkursen in andere Handlungsstränge mit denen er nur sehr am Rande (wenn überhaupt) zu tun hat. Diverse kurze und abgedunkelte Halbgesichtsaufnahmen machen den Endgegner der Staffel zusätzlich ziemlich schnell offensichtlich. Leider nutzt die Serie diesen Umstand jedoch nicht aus, da sie auf ihren großen Twist durch die Lüftung seiner Identität beharrt. Der Antagonist spielt geradezu mit dem Polizeiteam, doch ein Katz und Mausspiel findet sich erst im letzten Drittel. Die nuancierten Charakterisierungen finden hingegen alle subtil und sehr im Hintergrund des ersten Drittels statt, sodass seine Wahnsinn, seine Eifersucht und existenzielle Verzweiflung teilweise auf den ersten Blick wie aus dem Nichts zu kommen scheinen. Doch hat er zumindest einen sehr gut charakterisierten Unterbau, was man von den anderen Antagonisten leider nicht behaupten kann, die dadurch umso leidlicher negativ auffallen. In Folge dessen scheine ihr einziges nErkennungsmerkmal lediglich ihr ausgefallenes Characterdesign und ihre Geistesstörungen zu sein.

Die Serie kommt nicht ohne gelegentliche Anime Staples aus

Die Optik dieser Serie ist bodenständig und realistisch gehalten, was zu einem Crime-/Politthriller auch gut passt. In dieser Hinsicht ähnelt das Flair sehr einem Psycho-Pass oder Terror in Tokio. Doch zwischendurch flimmern in der ersten Hälfte der Serie diverse Otaku-Culture-Anime-Klischees über den Bildschirm: Close Up Shots der Allerwertesten attraktiver weiblicher Figuren, Keith, der als Perverser hingestellt wird, als er versucht einen näheren Blick darauf zu werfen und unvermittelt von einem Auto mit entsprechender visuellen Übertreibung dafür in einen Brunnen gerammt wird; Essen wird verkleckert, dass alle hinfallen und in eine peinliche Situation kommen. Die geniale Hackerin benutzt natürlich sowohl Hände als auch Füße für Eingaben. Die weibliche Hauptfigur ist eine gefräßige Naschkatze, die sich in alles einmischt, sich nicht wirklich einer Weiblichkeit bewusst ist und nicht den Rand halten kann – Lily ist ein typisches exzentrisches “Genki-Girl” und wird einem sogar noch vor Keith als Protagonistin vorgestellt. Im letzten Drittel, als sich Keith’ Handlungsbogen der Klimax nähert, verschwindet das Ganze wie vom Erdboden und das ist der Teil, der mit Abstand am besten funktioniert.

Diese Serie verrenkt meine Augenbrauen. Als ziemlicher Fan von Terror in Tokio, war ich entzückt, als bekannt gegeben wurde, dass dessen Animationsregisseur und Charakterdesigner Kazuto Nakazawa seine eigene Serie auf die Leinwand bringen würde. Visuelle Qualität erschien mir vorprogrammiert und in dem Punkt liefert die Serie auch: Die Animationen von Actionszenen sowie Charakterinteraktionen sind hochwertig, selbst in den leidlichen anime-typischen Slapstickserien. Auch die dialog-/monologrreiche “Kopfarbeit” bei den Ermittlungen wird mit interessanter Regie abwechslungsreich gestaltet. Von Terror in Tokio aus kommend, trifft man ziemlich viele Elemente wieder an. Das fängt beim Opening an, das die gleichen digitalen Effekte hat, wie das “Trigger” Opening. Inhaltlich gibt es wieder ein geheimes Institut mit Menschenversuchen an Kindern, die von Militär/Politik initiiert werden, nebst einem genialen, etwas exzentrischen Ermittler, der mit seiner Vergangenheit zu kämpfen hat, die er nicht zum Abschluss bringen konnte. Bis hin zur Musik, von der ich bei so einigen Cues totale Déjà Vues bekam. Keith’ Arc und seine Interaktionen mit seinem Gegenspieler finde ich wirklich ziemlich gelungen. Da er auf emotionaler Ebene einen weitaus unmittelbar dramatischen Nährboden hat, ist er auch nicht einfach nur ein Klon Shibazakis aus Terror in Tokio. Doch beißt sich der Teil, der durchaus an den Film Sieben erinnert, mit seiner Prüfung von Integrität, Wahnsinn, tragischer Liebe, Verzweiflung und Rache vollkommen mit dem Rest, durch den er auseinandergezerrt wird und gewaltig an Intensität verliert. Diese übertriebenen Slapstickszenen wirken wie aus einem falschen Anime; zu allem Überdruss beweist der Epilog auch noch, dass sie den Humor durchaus auch auf realistischen Boden hätten stellen können. Alles um Koku, Yuna, Minatsukis Gruppe, dem Tableau und den Knochen rutscht ab in Okkultismus und ist gefühlt näher an Fantasy als Science-Fiction. So wie die Teile geartet sind, erscheinen sie mehr mehr als Outlet für viel Action, Gore und romantisch motivierte todernste Dramaszenen, um noch einige Hollywood-Staples von der Checkliste abzuhaken. Besonders verschwendet erscheint mir die Figur Izanami. Expressives Design, eingeführt mit diesem atemberaubenden Oiran-Kostum, gefolgt von fulminanten Actionzenen, klar angedeutet, dass sie mit Koku eine gemeinsame Vergangenheit hat, während ihr Bein direkt als eine Chekhovs Gun deklariert wird und sie diese ominösen Legende einführt. Müsste sie nicht eine Schlüsselfigur der Handlung sein? Und doch wird sie sehr schnell unter den Teppich gekehrt, hat als Figur keinen Einfluss mehr im weiteren Verlauf, sodass ich ihren Namen erst nocheinmal nachschlagen musste. Die Serie hat so viele Stellen, in denen offensichtlich so viel Mühe und Qualität stecken (z.B. alle Szenen mit Koku und seinem Bezug zur Geigenreperatur), die aber weder einen nachhaltigen Effekt auf Charakterisierung, noch Handlung zu haben scheinen. Zumindest nicht für mich. Als Perfect Bones sollte sich die Serie offenbar vor allem um künstliche Supermenschen für den Weltfrieden handeln. Das hat man wohl erst einmal ad Acta gelegt. Für mich hätte B: The Beginning deutlich besser funktioniert, wäre man da etwas konsequenter gewesen und hätte die ganze Mystik und alles um Koku ganz gestrichen. Doch soll sie offensichtlich weiterhin die eigentliche Haupthandlung sein. Das macht die Serie als Ganzes derzeit doch etwas durchwachsen. Schade.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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Alva Sangai
Redakteur

Lily Hoshino? Das Mädchen würde dann so wie die Mangaka von Maiden Spirit Zakuro heißen xD Hab mich mal umgesehen und sie heißt wohl doch eher Lily Hoshina. 🙂

Totman Gehend
Redakteur

Wie schön seriös und sachlich du die Serie auseinander genommen hast. Mir fällt dazu nur ein (in liebender Erinnerung an coldmirror): “a big pice of caca” >_>”