Pandora Hearts

Pandora Hearts erschien erstmals von 2011 bis 2016 in Deutschland. Mit dieser Serie, die 2009 eine auch Anime Adaption (2012 erschienen bei Kazé Anime) erhielt, feierte die Autorin Jun Mochizuki ihren Durchbruch. Zeitnah gefolgt zum Neustart ihrer Folgeserie The Case Study of Vanitas bringt der Carlsen Verlag im Oktober das preisgünstige Starterpaket mit den ersten beiden Bänden von Pandora Hearts. Passend auch zum Thema des Monats Zeitreisen stellen wir euch die 24 Bände starke Fantasy-Reihe vor.

    

In einer vom viktorianischen England inspirierten fiktiven Fantasywelt ist der Abyss bekannt als eine grausame düstere Welt, bevölkert von Monstern, „Chain“ genannt. Eine Welt, die böse Kinder holen kommt, sollten sie sich schlecht benehmen. Doch kaum ist bekannt, dass diese Gruseldrohung wie aus einem Märchen durchaus real ist: Oz Vessalius, Halbwaise und Erbe des Adelshauses Vessalius, ist ein lebhafter Junge, seinem Kammerdiener Gilbert gegenüber immer wieder gerne zu Scherze aufgelegt. Gleichzeitig ist er aber auch gescheit und verantwortungsbewusst, da er seinem Vater gefallen möchte, der nichts von ihm wissen will. Am Abend seines 15. Geburtstags, der Feier mit der er in die Gesellschaft eingeführt wird, taucht die als verschollen gegoltene Familie des gefallenen Adelshauses Baskerville auf und beschwört einen Eingang zum Abyss. Oz wird dort hinabgestoßen ob eines Vergehens, das ihm nicht wirklich erklärt wird. Gestrandet in dieser Welt voller verrückter, grausamer Monster trifft er auf die Alice, einer besonderen Chain ohne Erinnerungen, die zwischen einer menschlichen Form und der eines schwarzen Hasen wechseln kann. Mit Alice‘ Hilfe schafft Oz es wieder zurück in die normale Welt – doch die Zeit im Abyss läuft anders und so landet er 10 Jahre in der Zukunft! Aufgesammelt werden er und Alice vom mysteriösen schweigsamen Raven, der ihn sehr an seinen Kammerdiener Gilbert erinnert, dem selbsternannten verrückten Hutmacher Xerxes Break und Sharon Rainsworth, ein adeliges Mädchen, das er zu seiner Geburtstagsfeier kennen gelernt hat, aber noch immer genauso aussieht wie zuvor. Was geht da nur vor sich?

Die Uhr tickt…

Originaltitel Pandora Hearts
Jahr 2006 – 2015
Bände 24
Autor Jun Mochizuki
Verlag Tokyopop (2011 – 2017)
Genre Mystery, Drama, Action

Der Vertrag mit Alice, auch bekannt als B-Rabbit, bleibt nicht ohne Konsequenzen. Anders als die drei, die sich als Mitglieder der Organisation Pandora vorstellen und in deren Obhut er sich nur befindet, hat er mit Alice einen sogenannten illegalen Vertrag geschlossen. Fortan ist auf seiner Brust eine Uhr eingebrannt und sobald der Zeiger weiter voranschreitet, wird der Chain immer mehr von ihm zehren und bei einer vollen Runde blüht ihm wieder der Fall ins Abyss… Doch anders als die üblichen Chains illegaler Verträge hat Alice gar nicht die Notwendigkeit, sich als Parasit an einen Menschen zu heften, um eine materielle Gestalt anzunehmen. Noch hat sie die Absicht, Oz zu schaden, möchte sie doch nur erfahren wer sie ist. Darüber hinaus ist sie ein junges knuddeliges Mädchen, das gerne gestreichelt wird, sich gerne herrisch gibt und eine Vorliebe fürs Fleischessen hat.
Weit aus bedrohlicher ist hingegen die Baskerville Familie, von der immer mehr Mitglieder nach und nach aus dem Abyss wieder hervorkommen. Sie sind auf der Suche nach ihrem Oberhaupt Glen – dem historischen Verantwortlichen der „Tragödie von Sablier“ einem Vorfall von vor 100 Jahren. Damals veranlasste Glen ein blutiges Massaker und die gesamte Stadt Sablier wurden in den Abgrund des Abyss geworfen, wo noch heute ein großes schwarzes Loch klafft. Ein Wiederaufleben der Baskerville möchte die Organisation Pandora unter der Leitung der vier großen Adelshäuser Vessalius, Nightray, Rainsworth und Barma unbedingt verhindern. Oz fällt dabei eine Schlüsselrolle zu, denn sein Körper behaust auch Fragmente der Seele von Jack Vessalius, dem Helden, der Glen vor 100 Jahren geschlagen und versiegelt hat. Doch Jack ist schwach und als sich herausstellt, dass Teile seiner Seele sich in Alice‘ Erinnerungen befinden, beginnt ein Wettrennen um die wahren Geschehnisse der Tragödie. Doch warum tauchen dabei auch Stücke von Gilberts verlorener Kindheit in diesen Erinnerungen auf? Warum ist Vincent, sein leiblicher Bruder, so gar nicht erpicht darüber, dass die Vergangenheit wieder aufgerollt wird? Wie war der Ahne von Rufus Barma, dem gegenwärtigem Oberhaupt seiner Familie in die damaligen Geschehnisse involviert? Was es sich mit dem Versprechen auf sich, dass Break einer Albino Version von Alice gegeben hat, ehe er sich den Rainsworth anschloss? Ebenso wenig ist geklärt mysteriöse Taschen- und Spieluhr, die Oz auf einem Grab mit dem eingravierten Namen „Lacie“ noch vor seinem Ausflug ins Abyss fand.

Ein bisschen Spaß muss aber trotzdem sein

Verschnaufpausen zwischen den teilweise schwer verdaulichen Ereignissen sind aber auch nötig. Und das weiß nicht nur die Autorin, die der Serie immer wieder humoristische und ruhige Momente beschert, sondern in der Serie auch Oz‘ Onkel Oscar Vessallius, der das nun zusammen gefundene Dreierteam Alice, Gilbert und Oz auf das Internat Ludwidge auf eine „Mission“ schickt, denn dort lebt auch Oz‘ Schwester Ada. Genauso wie Gilberts Stiefbruder und Familienerbe Elliot Nightray und sein Diener Leo. Die Familien Vessalius und Nightray stehen sich eher feindselig gegenüber, doch Elliot und Oz kümmern sich nicht weiter darum und entdecken sogar die gleiche Vorliebe für eine Romanreihe. So angeregt sie sich darüber unterhalten, kommen sie aber auch schnell schnell über grundsätzliche Lebenseinstellungen bzgl. Selbstaufopferung ihrer Lieblingsfiguren in die Wolle. Etwas, das beide noch prägen wird, denn natürlich tickt die Uhr für alle unaufhaltsam weiter. Und dann ist da noch, dass Elliot das Lied aus Oz‘ Spieluhr auf dem Klavier spielt und behauptet, er habe das Lied selbst komponiert und was hat es mit all den Schatten auf sich, die Leo in seinem Geiste sieht?
Schließlich betritt auch noch ein enthauptungsfreudiger Chain wieder die Bühne, dem schon Elliots leibliche Brüder zum in Vergangenheit zum Opfer fielen und hinterlässt erneut eine blutige Spur. Die Fährte dieses Henkers führt zu dunklen Machenschaften gewisser Adliger, Glens Siegel, Enthüllungen etlicher Geheimnisse, dem Wahnsinn und Verzweiflung anheim Gefallenen, den Auftakt neuer Tragödien bis schließlich zwei ganze Welten auf dem Spiel stehen.

Komplexe und elaborierte Verwicklungen

Für den einen oder anderen wird die Serie mit Sicherheit sehr wirr erscheinen. Die Geschichte ist sehr vielschichtig aufgebaut. Jeder hat einen wichtigen Platz in der Handlung, und beeinflusst die Geschehnisse maßgeblich, obwohl sie nicht einmal so viel direkt miteinander zu tun haben. Bei der nicht kleinen Anzahl an Figuren und deren persönlichen Geschichten kann man leicht die Übersicht verlieren, vor allem, wenn zwischen dem Lesen der Bände zuviel Zeit vergeht. Behält man aber alles beisammen, eröffnet sich, dass die Geschichte eigentlich gar nicht so kompliziert ist, sondern sich lediglich viele Charaktermotivationen einander gefunden haben, die zu einer Eskalation führten. Auch die Bewertung von Gut und Böse wird zunehmend diffus, je mehr Licht auf die Geschehnisse geworfen werden und sich neue Perspektiven auftun. Als Ganzes betrachtet ist die Serie daher auch eine sehr runde Sache, denn selbst Kleinigkeiten vom Anfang der Serie finden ihren festen Platz in der Handlung.

Zwischen Fluff, Melancholie und Ernst

Wie der Name Alice es schon erahnen lässt, birgt die Serie einige Referenzen an Lewis Carolls Alice in Wunderland, zumeist in Form der zahlreichen Chains. Oz‘ Name ist ebenfalls eine sehr lose Referenz an Der Zauberer von Oz von Lyman Frank Baum, welches selbst schon von Alice in Wunderland inspiriert ist, deren Einfluss auf die Serie ansonsten allerdings ziemlich niedrig ist. Die Referenzen sind jedoch weniger als Vorlage zu betrachten, denn als Namenshommage und visuelle Inspiration zu verstehen, die Serie kreiert ihre eigene Welt und Geschichte.
Der Zeichenstil ist zu Beginn noch etwas spitz und uneben, aber binnen weniger Bände gewinnt Mochizuki zunehmend an Stilsicherheit. Schon bald finden sich auch ihre mittlerweile charakteristischen Aquarelleffekte durch das Verwässern und Verwischen von Copic Farben, die ihrem einen eigenen ambivalenten Touch geben. Das viktorianisch inspirierte Setting bietet eine Vielfalt an elaborierter Garderobe und Einrichtungen, während die vielen Chains und deren Waffen ebenfalls für abwechslungsreiche Action sorgen. Besonders gelungen ist jedoch die emotionale Ausdrucksstärke. Mimik und Gestik ergänzen sich wunderbar zu Worten und Taten innerhalb der Handlung. Oz und Jack teilen sich einen Körper, doch kann man immer klar unterscheiden, wer da gerade vor einem steht. Alle Figuren besitzen Höhen und Tiefen und die beiderseits atmosphärisch präsentiert werden. Besonders eindrucksvoll sind auch die Szenen mit einer gewissen Figur ohne bewegtes Gesicht, bei dem man jedoch ihre Stimmungen ohne weiteres ablesen kann.

Pandora Hearts ist nicht perfekt, dafür sind einige Nebenhandlungen nicht voll ausgereift genug. Viele Aspekte der eigentlich sehr interessanten Welt sind letztlich doch eher fragmentarisch geblieben und nur soweit tangiert, wie es für die wesentlichen Charaktermotivationen und Handlungen notwendig ist. Dennoch gehört sie zu meinen Lieblingsserien, den sie ist so eine vielseitige Achterbahn verschiedenster Genre Elemente, von denen viele meine Präferenzen vollauf bedienen. Auch sind alle Motive der Charaktere nachvollziehbar. Man muss sie nicht gut heißen, aber man kann sie alle verstehen. So gibt es (bis auf einen Troll von Witzfigur) auch keinen, der mir nicht irgendwie Sympathien entlockte. Zudem hat die Serie trotz sehr frühzeitigem Einstreuen von Hinweisen durchaus den ein oder anderen Twist auf Lager. Einer der größten „Oh My Gosh!“ Momente der Unterhaltungsindustrie bot sich mir definitiv, als sich die ohnehin schon gebeutelte Hauptfigur buchstäblich als ein Hasenplüschtier (!) entpuppte. – Keine Sorge, innerhalb der Serie ergibt das vollkommen Sinn.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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Alva Sangai
Redakteur

Muss zwar noch paar Bände nachkaufen, aber ein wirklich toller Manga. 🙂 Xerxes Break ist mein Favorit unter den Charakteren. Ich wünschte ein gutes Animationsstudio würde nochmal Pandora Hearts als Anime umsetzen. Vielleicht Wit Studio, da sie sich immer so gut an die Vorlage halten.