Miyako auf den Schwingen der Zeit

Von Kyouko Kumagai erschien von 2012 bis 2013 bereits die Serie Der Purpurne Fächer bei Egmont Manga. Blieb diese Serie noch weitgehend unbekannt, war Miyako – Auf den Schwingen der Zeit hingegen eine der meist antizipierten Shoujo-Titel der Tokyopop Neuerscheinungen des Jahres 2016. Die Hauptserie fand im Herbst 2017 nach 18 Monaten ihren Abschluss.

    

Die (im Deutschen) titulare Heldin Miyako ist herzensgut, aber schüchtern, nicht besonders ehrgeizig und noch weniger gut im Ausdrücken und Teilen ihres Innenlebens. Und im Augenblick quält sie ein besonders schwer zu artikulierender Schmerz: Ihr Schwarm Hiroto ist mit ihrer geliebten Schwester zusammen! Und wie glücklich sie miteinander sind! Wie könnte sie ihm da noch ihre Gefühle gestehen? Als bei ihrem Klassenkamerad Shirota, Hirotos bestem Freund, doch ein Damm bricht, quellen Worte heraus, die besser ungesagt blieben – vor allem vor unbeabsichtigten Zuhörern. So wünscht sich Miyako nichts sehnlicher, als alles ungeschehen zu machen. Ein Wunsch, der ihr jäh erfüllt wird, als sie eines Tages aus einem mysteriösem Traum mit einem einfach geflügelten Schlüssel in der Hand erwacht. Ein Schlüssel, der ihr die Türe zur Vergangenheit vor zwei Jahren öffnet. Wie bei Zeitreisegeschichten nicht ganz überraschend bleiben die Korrekturversuche der Vergangenheit nicht ohne unerwünschte Folgen und hinterlassen Miyako noch viel unglücklicher und ratloser zurück. Doch dann wird sie von weiteren Zeitreisenden empfangen, die ihr eine noch schrecklichere Zukunft offenbaren…

Einen guten Tick düsterer als die Prämisse erwarten lässt…

Originaltitel Henyoku no Labyrinth
Jahr 2014 – 2016
Bände 10
Autor Kyouko Kumagai
Verlag Tokyopop (2016 – 2017)
Genre Romance, Drama, Mystery

Beginnt die Serie noch mit einer Dreiecksbeziehung voller Herzschmerz, den man in Shoujo-Reihen zuhauf sieht, entwickelt sich sehr bald eine ungewöhnlichere Mischung zwischen Mystery, Romance und Drama. Warum hat sich Miyako sich in all den alternativen Zukunftsvarianten entschlossen sich das Leben zu nehmen? Wäre die schüchterne sowie bisweilen ängstliche Miyako dazu selbst überhaupt imstande? War es wirklich Selbstmord oder sind noch andere Mächte im Spiel? Kann Shirota sie diesmal retten? Kann Miyako diesem Schicksal nun selbst entgehen, nachdem ihr selbst ein Schlüssel vermacht wurde?
Wer die Vorserie Der Purpurne Fächer bereits kennt, ist vermutlich nicht ganz überrascht über den Verlauf, spielten der Tod und Schicksal auch dort sehr zügig eine tragende Rolle in der Geschichte. Anders als beim Paar in der Vorserie, bei der versucht wurde Sexualität mit einer reinen Liebe zu verbandeln, baut diese Serie in Liebesangelegenheiten hingegen vor allem nur auf der unschuldigen Gefühlswelt auf. Wie teilt man einer Person mit, was man für sie fühlt, wenn diese Gefühle auf gemeinsam verbrachter Zeit fundiert, die jedoch nur noch im Kopf einer Person existiert? Vor allem, wenn es auch noch schreckliche Dinge sind, über die man lieber nicht reden möchte?

… aber auch deutlich optimistischer als der Mittelteil einen erst noch glauben lassen mag

Dass sich die Serie nach der goldenen Regel des Shoujo eher kein düsteres Ende erlauben wird, konnte sich der eine oder andere sicher schon denken. Aber der Umschwung passiert doch noch mit gutem Abstand vor dem Abschluss der Reihe, sodass die Serie den eher deprimierten Teil nicht nur bald hinter sich bringt, sondern auch dafür sorgt, dass die Heldin der Geschichte sich ihr Happy End schon selbst erarbeiten muss: So wird Miyako einmal mehr in die Vergangenheit geschickt. Diesmal nicht aus Flucht vor allem, was einem nicht gefällt und man ungeschehen machen will, sonder sie soll sich vorher ordentlich Gedanken darüber machen, Unliebsames gar nicht erst eintreten zu lassen oder mit den Fehlern umgehen lernen. Dabei zeigt sich auch ihre charakterliche Weiterentwicklung in Bezug auf die eine oder andere Nebenhandlung, die sie nun aktiv vorantreibt. Als Belohnung winkt dann auch die wohlverdiente glückliche Zukunft für alle Beteiligten.

Irrgarten der halben Flügel

Miyako – Auf den Schwingen der Zeit erschien in Japan unter dem Originaltitel Henyoku no Labyrith bzw. alternativ auch als Katayoku no Labyrinth gelesen (übersetzt Das Labyrinth der Flügelteile) mit dem englischen Untertitel The Wandering Single Wing.  Dass es sich beim geflügelten Schlüssel um die Signatur der Serie handelt, ist unschwer zu erkennen, ziert er doch jede einzelne Coverillustration. Für die deutsche Erstveröffentlichung hat Tokyopop dem ersten Band nicht nur eine I Love Shoujo ShoCard Karte beigelegt, sondern auch Miyakos geflügeltem Schlüssel als Extra.

Miyako – Auf den Schwingen der Zeit macht ihrer Zielgruppe, jungen Mädchen, alle Ehre und strotzt vor Kitsch, das muss man schon ganz klar sagen. Aber es steht der Serie gleichwohl unerwartet gut, da man es den Figuren bei all ihren Bemühungen auch irgendwie tatsächlich gönnt. Werden die üblichen Shoujo-Themen wie das Lernen von zwischenmenschlicher Kommunikation, das Teilen der eigenen Gefühlswelt, das Klarkommen mit der Welt und Selbstakzeptanz abgeklappert, gefällt mir vor allem, was die Zeitreisehandlung mit sich bringt: Es ist nicht Shirota, der Miyakos Tod verhindern kann. Es sind auch nicht ihre beste Freundin, ihre Schwester und auch nicht ihr Schwarm. Sie ist es selbst. Andere können einem Impulse und Hilfestellung geben, man muss das alles natürlich nicht gleich alleine durchstehen – aber sein Leben in die Hand nehmen kann man letzten Endes nur selbst und dafür muss man auch aus sich heraustreten und sich weiterentwickeln.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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