Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series (Folge 2)

Manchmal muss man seine Fähigkeiten ausreizen, oder sie rosten ein, ohne dass man es merkt. Beginnt die zweite Folge von Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series noch mit kokettem Optimismus, bekommen die Worte bald eine ganz praktische Relevanz…

In der Folge „Colloseum – Avengers“ besuchen Kino und Hermes ein Land, von dem sie hörten, es sei ein grünes Land umgeben von Wäldern, bewohnt von wundervollen Menschen, die ein bescheidenes, einfaches Leben leben. Doch kommt es mit dem Land ganz anders: Reisende werden unvermittelt vor die Wahl gestellt, entweder im Kolosseum zu kämpfen oder ein Leben als Sklave zu verbringen. Verliert man einen Kampf, lauert wahrscheinlich der Tod, gewinnt man, kann man Bürger werden und ein neues Gesetz verfassen. Unerschüttert stellt sich Kino den Kämpfen.

Stimmungsvolles Opening…

Mit Folge 2 feiert das Opening sein Debüt, dessen musikalische Untermalung schon im Trailer angeteast wurde. Einige Figuren kommender Geschichten werden auch schon gezeigt und Kenner der Vorserie können sich auf mindestens eine weitere Neuadaption einer bereits bekannten Geschichte freuen. Wer der Vorlage folgt, bekommt sogar eine Hommage zum Cover von Band 19 der Light Novels präsentiert.

… aber insgesamt doch eher gemischte visuelle Qualitäten

Originaltitel Kino no Tabi: The Beautiful World – The Animated Series
Jahr 2017
Episoden 2/ ?
Genre Abenteuer
Regisseur Tomohisa Taguchi
Studio Lerche

Man kann die neue Serie nach wie vor leider keineswegs als atemberaubend animiert bezeichnen. Die CGI-Szenen um Hermes sehen dankenswerterweise nicht mehr so fremdartig aus, da er zu keinen komplizierteren Bewegungen genötigt wird. Bei den Kämpfen fällt der Engpass aber doch stark auf, da war die Serie von 2003 noch erheblich besser animiert in Bezug auf bewegte Kampfhandlungen. Hier werden einem viele Standbilder, plumpe Bewegungen oder der Einsatz einer Wackelkamera präsentiert. Allerdings sieht man doch einiges an Mühe, das Beste daraus zu machen. So ist auch die Entscheidung, viele der Kämpfe deutlich abzukürzen nicht verkehrt. Auch beim Finale, wo die Schere schlechter anzusetzen ist, ist immer noch das eine ums andere Interessante zu entdecken. So ist die ausgefallene rote Szene zwar eine Abfolge von Standbildern, hat aber einen Slow-Motion-Effekt, der die Spannung der Szene verstärkt. Andere Standbilder haben stimmungsvolle Kompositionen, die die Spannungen zwischen den Kontrahenten wunderbar wiedergeben. Weiterhin ist wie schon in der ersten Folge jeder Statist im Hintergrund mit einem eigenem detailreichen Gesicht gesegnet. Am gelungensten sind aber wieder die kleinen simplen, aber ausgesprochen wirkungsvoll eingesetzten Charakterbewegungen. So trägt ein einfaches Ohrenwackeln von Hund Riku enorm dazu bei, die Spannung vom Endschlag aufzulösen. Oder das Flattern eines Mantels auf einer Wiese mit wehendem Gras, das der Folge eine nachdenklich-emotionale Note verleiht.

Rache ist irrwitzig

Wie der Untertitel der Folge schon erahnen lässt, ist Rache das emotionale Motiv dieser Geschichte. Hier setzt die neue Serie auch den Trend der letzten Folge fort, mit deutlich mehr Fokus auf Kinos Person und das Emotionale zu legen, anstatt dem Land und dessen konzeptioneller Beschaffenheit. Das wird gerade bei dieser Geschichte sehr deutlich, die alles andere ordentlich zusammen gekürzt hat. „Kolloseum“ wurde bereits 2003 adaptiert und umfasst dort zwei Folgen, bei denen das Land und dessen Klassengesellschaft und Historie detailliert vorgestellt werden. Nebenfiguren, wie einer der Wachen, der wahnsinnige König oder die anderen Kampfteilnehmer und deren Bestreben werden beleuchtet. In dieser Version werden sie, sofern sie überhaupt einen Auftritt hatten, hingegen in jeweils wenigen Sekunden abgehandelt und dienen zu nicht mehr, als die souveränen Kampffähigkeiten von Kino zur Schau zu stellen. Im Gegenzug wird das Rachemotiv jedoch erheblich ansprechender ausgelotet. Anstelle des zuvor gelangweilt-genervt-abgebrühten Kinos hat diese Inkarnation mit Wut zu kämpfen. Ausgesprochen wird sie nicht, umso schöner sind all die kleinen Szenen, in denen die unterdrückte Wut zum Ausdruck kommt. So bekommt auch das Fazit „Rache ist sinnlos“ eine viel persönlichere Note, als nur wie ein Lippenbekenntnis des Offensichtlichen daher zu kommen. Hier lässt sich die Serie auch wieder nicht lumpen, ziemlich brachial zu werden. Mit engelsgleichem Gesicht schickt die Frau des Ehepaares, das Kino traf, Kino in dieses Land, wohl wissentlich, dass dort der Tod lauert. Eine Form von Rache einer Hilflosen, die sich nicht wehren konnte, die sie nun an einem anderen Reisenden auslässt? Kinos neues Gesetz birgt auch Ironie: König wird der, der als letztes steht. Ein König ohne Bürger macht aber nicht viel Sinn. Dennoch massakrieren sich die Zuschauer des Kolosseums einander, ohne darüber nachzudenken. Hier kommt der Folge sogar eher zu Gute, dass die Bürger selbst nicht besonders viele Auftritte haben. Bilder eines verfallen Landes mit Slums, ausgezehrten Gesichtern und dazu die Erzählung von Hermes, dass das Land aus aus Unruhestiftern oder Leuten besteht, die es sich einfach bequem machen. So brauchen sie einem nicht gerade Leid tun und gleichzeitig kommen sie auch nicht so eindimensional daher wie in der vorigen Folge.

Es ist recht interessant zu beobachten, wie die beiden Adaptionen ein und der gleichen Geschichte der Light Novel so unterschiedlich ausfallen. Die Vorserie hat den Fokus auf die Idee des Landes gesetzt und sie noch einmal weitaus ausführlicher, morbider und eindringlicher gemacht als die Papierversion, wohingegen Kino und auch das Rachemotiv trotz des Untertitels ziemlich unter den Tisch fielen. Diese Adaption macht genau diesen Teil hervorragend, schiebt aber das Land und seine Eigenarten eher beiseite. Ein bisschen schade ist es schon, nicht beides miteinander verheiratet zu sehen. Gerade da in der detaillierten Fassung des Landes der Vorserie, Shizus Großvater selbst ein Vatermörder war, um das Land von einem Tyrann zu befreien und gegenüber seinem Sohn so streng war, weil er Angst hatte, dieser würde ihn umbringen. Was er schließlich aus Rache für seine schwere Kindheit, die ihn in den Wahnsinn trieb, auch tat. Gefolgt von Shizu, der nun obendrein alles daransetzt, wieder einen Vatermord zu begehen. Auch ist der Blick der Frau, die Kino traf, weniger engelsgleich, als ein leeres Lächeln mit versteckter Bedeutung. Kinos Tötung des wahnsinnigen Königs ist wie eine Befreiung aus dem Kreislauf der Rache durch einen unbeteiligten, eher wenig persönlich motivierten Außenseiter. Und dann ist gerade die Rache das ausdrucksärmste Motiv in der Version geblieben.
Diese Fassung von Kino gefällt mir aber ausgesprochen gut. Die alte unbeteiligte Version wirkt teilweise wie ein beinahe menschenfeindlicher kaltblütiger gelangweilter Eisblock. Hier ist sie bislang eine durchgehend richtig sympathische Figur, was als roter Faden einer episodisch gearteten Serie sicher nicht abträglich ist.

Zu Folge 1

Zu Folge 3

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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Ayres
Redakteur

Ich fand die Folge relativ langweilig. Wobei ich ehrlicherweise auch nicht sagen kann, ob mir die Kolloseum-Folge von damals besser gefiel. Ich dachte allerdings wie Kino, dass Hermes und der sprechende Hund definitiv ein cooles Duo abgeben würden.

Das Opening erinnert in seinen Strophen frappierend an das Intro von Kannaduki no Miko (“Re-Sublimity”), was per se keine verkehrte Sache ist. Für den Erzählstoff an sich ist mir so eine Uptemponummer allerdings eine Spur zu poppig. Bislang fehlt mir aber in jeder Hinsicht die Melancholie.