Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series (Folge 11)

Jedes Land hat seine eigenen Regeln, Traditionen und Gepflogenheiten. Reisende haben diese zu respektieren. Doch selbst bei nicht-aktiver Einmischung können sie für einen große Veränderungen bewirken. Folge 11 von Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series geht der Vergangenheit Kinos und Hermes auf die Spur, ebenso wird der Ursprung ihrer Namen gelüftet.

Kino und Hermes machen Pause in einem riesigen roten Blumenfeld. Das gibt Kino Anlass, an ihre eigene Kindheit zurückzudenken, als auch an den Start ihres Lebens als Reisende. Aufgewachsen ist sie als Tochter von  Herbergsbetreibern im „Land der Erwachsenem“. Einem Land, in dem jeder dank einer Operation stets mit einem Lächeln jede Arbeit verrichten kann, sei sie noch so unliebsam. In der letzten Woche vor ihrem 12. Geburtstag und der Operation darf sie als Kind noch letztes Mal tun und lassen, was sie möchte. Genau in dieser Zeit sucht jemand eine Unterkunft. Ein Reisender mit dem Namen Kino, der daraufhin ein Motorrad in Schwung bringt…

Arbeit ist Arbeit

Arbeit ist ein Wort mit einer negativen Konnotation. Der Duden beschreibt es in der ersten Bedeutung u.a. als „Mühe, Anstrengung; Beschwerlichkeit, Plage“. Die Konnotation ist in westlichen Gefilden noch aus der Antike geprägt. Gearbeitet haben im alten Rom und Griechenland die Sklaven. Arbeiten ist nichts Schönes, es macht keinen Spaß, es ist nichts, was das Leben ausfüllt. Sonst wäre es nicht Arbeit. Arbeit ist etwas Lästiges, das am Liebsten keiner tun würde. Interessant ist dieser Stadtstaat unter dem Aspekt, dass diese eigentlich eher westliche Ansicht auf die ostasiatische trifft: Wenn es so furchtbar ist, warum dann überhaupt tun? Weil es alle tun. Weil es von einem erwartet wird. Weil es sich so gehört. Wenn man das nicht tut, ist man das Letzte, asozial, eine Schande für die Allgemeinheit, ein Ausgestoßener. Erwachsensein bedeutet, seine Träume aufzugeben und das zu tun, was einem nicht gefällt. Eine Realität, die gerade in Japan nicht wenige junge Menschen erleben, welche teilweise seit dem Kindergarten darauf gedrillt werden, ein ordentlicher Erwachsener für die Allgemeinheit zu werden.

Träume sind allerdings auch nur Träume

Ist die Aussage demnach, dass die unliebsame Arbeit zu verurteilen ist und jeder eben dem nachgehen soll, was er möchte? Danach mutet es auch nicht an. Zum einen ist die junge Kino von ihrer letzten Woche, in der sie machen kann, was sie will, ziemlich gelangweilt. Noch dazu wird eines überaus klar dargestellt: Seinen Träumen und Ansichten zu folgen, wird begleitet von einem Preis. Kino Senior hält selbst nach der Warnung durch einen der Älteren des Landes an seinen eigenen Ansichten fest und nimmt dafür den Tod in Empfang. Kino Junior hegt als junges Mädchen den Traum, Sängerin zu werden. Der Grund, weswegen sie sich von Kino Senior dazu inspirieren lässt, die Operation nicht durchzuführen, um sie selbst zu bleiben. Doch was macht sie nun? Sie reist durch die Welt. Und die Fähigkeit, die sich sich vor allem Dingen antrainiert hat, ist in allererster Linie Waffenexpertise. Weit weg von ihrem ursprünglichem Traum. Noch mehr Ironie birgt die Tatsache, dass sie den Namen Kino annimmt. Der Operation, die sie selbst zum Ende der Folge hin dem Tod gleichstellt, ist sie entkommen. Doch ihre alte Identität hat sie dennoch zu Grabe getragen, kann sie sich nicht einmal mehr ans ihren Namen erinnern (der, wenn man die letzte Folge daneben hält, Sakura gelautet haben muss, da die dortige Sakura ebenfalls wegen ihres Namens gehänselt wurde.)

Die Folge wird schon im Opening angeteast. Wer die Geschichte schon aus der alten Adaption oder der Vorlage kennt, erkennt die Szenerie sofort. Sie sieht wirklich hübsch aus in dieser Version mit all den umherfliegenden Blütenblättern. In der früheren Version ist Kino Senior ein alter, fast schon betagter Erwachsener. In der neuen Version ist er selbst noch ein halbes Kind, was mir persönlich besser gefällt, da es besser zum jugendlichen „Sei du selbst und folge deinen Träumen“-Pathos passt und sein Ende auch einen Deut tragischer erscheinen lässt. Mir gefällt auch, wie der blaue Vogel, der im Opening in imposanten Schwärmen vorkommt, in dieser Folge bei der ersten Begegnung der beiden Kinos platziert ist und immer wieder in der Folge auftaucht. Gestalterisch sind die Töne überaus klar in den Farben zu erkennen. Kinos letzter Tag als Kind hat eine sehr düstere und bedrückende Stimmung, die am Ende durch die Weiten des hellen Himmels in Freiheit aufgerissen wird. Interessanter ist aber dennoch die Grundidee dieses Lands. Und diese Operation lässt mir immer die Frage aufkommen: Wäre sie immer noch so etwas Verwerfliches, wenn sie keine absolute Pflicht wäre, die durch Ausstoß mittels blutigem Tod geahndet wird? Wenn man seiner Arbeit sowieso nicht entkommen kann, was für ausgesprochen viele auch in der Realität der Fall ist, wäre so eine Operation nicht eine unglaublich angenehme Erlösung? Aber in unserer gegenwärtigen westlichen Gesellschaft der Individualität wird dies selbstverständlich (zumindest offiziell) immer etwas Verwerfliches sein. Doch für die Bewohner des Lands der Erwachsenen würde die Realität ohne diese Operation vermutlich so aussehen wie im Kurzstummfilm „Smile!“ von Alek Wasilewski: Düster. Abgesehen von alledem kann ich mich einer Frage absolut nicht erwehren: Warum hat Kino plötzlich violette Augen statt grüne?

Zu Folge 12

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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