Just Because (Folge 10)

Childhood‘s End – das Ende aller kindlichen Träume und Vorstellungen – inszeniert die zehnte Folge von Just Because auf stille und doch emotionale Weise dank gut eingesetzter Visuals. Doch werden am Ende die Gefühle der Figuren füreinander ebenso Opfer ihres tiefgreifenden Lebenswandels?

Es ist Valentinstag. Und fast wäre es für Natsume und Eita auch wirklich ein Tag der Liebenden geworden, wäre da nicht das Hintergrundbild einer gewissen Person auf seinem Smartphone dazwischen gekommen. Doch Ena fühlt sich nun auch nicht gerade als Siegerin. Und das alles so kurz vor den großen Aufnahmeprüfungen für die Uni! Hazuki und Haruto dagegen stehen ganz andere Dinge im Weg: zwar hat sie die Schokolade für ihn schon in der Tasche; aber ob ihres baldigen Umzugs hat sich Hazuki noch einmal Gedanken gemacht über eine Beziehung mit dem lebhaften Baseball-Fan.

Zusammenführung

Wirkten der Übertritt der Figuren ins Erwachsenendasein und ihre romantischen Verwicklungen seither eher wie zwei getrennte Aspekte der Story von Just Because, so verknüpfen die Autoren diese zum Finale der Serie hin immer mehr. Das macht aber nicht nur wegen des Seriennamens Sinn. Denn die Charaktere – zumindest nicht alle und in gleichem Maße – haben bisher nicht realisiert, dass ihre Gefühle für den anderen nicht ausreichen könnten, die harsche Realität räumlicher Trennung oder unterschiedlicher Lebensstile zu überbrücken. Der Valentinstag ist ein gut gewählter Zeitpunkt für solch eine Realisation. Denn im Vergleich zu den anderen Terminen, die Natsume und Eita gerade vor sich haben, verblasst die Bedeutung dieses früher vielleicht mit Spannung erwarteten Tages doch arg.

18 Bilder, Symbole und ein bisschen was zu lachen

Inszeniert wird dieses emotionale Geschehen dementsprechend in stillem Ton, mit wenig Dialogen, dafür mit vielen Bildern und symbolhaften Handlungen der Charaktere. Trompete-Spiel, Baseball und die Enoshima-Tokyoter Hochbahn – Just Because hat sich eine eigene Symbolik angelegt und hält daran fest, trotz der Gefahr, beim Zuschauer das Gefühl von Wiederholung oder Langeweile zu erzeugen. Hazukis und Harutos Treffen auf dem Baseballplatz in der Abenddämmerung, bei dem sie an dem menschenleeren Ort ihre Trompete spielt, wozu er ohne Ball und Schläger einen Homerun mimt, ist ein Paradebeispiel dafür, wie man ohne viele Worte eine treffende und zugleich emotionale Aussage machen kann. Dennoch versucht die Serie, die melancholische Stimmung durch nicht ganz so farblose Nebenrollen ein wenig aufzumuntern. Regelrecht ulkig mutet etwa die Reaktionen von Enas Fotoclub-Kollegen an, als sie deren Valentinsgeschenk im Clubraum finden.

Trotz der Lacher gefiel mir die zehnte Folge von Just Because mehr wegen ihrer einfühlsamen Darstellung. Und wegen des Umgangs der Charaktere miteinander, die auch bei den neuesten Auswüchsen des Liebesdramas immer authentisch wirken. Vor allem Enas Herzlichkeit Eita gegenüber macht es immer schwerer, sich ein Happy End für ihn und Natsume zu wünschen. Doch könnte das alles auch bedeutungslos sein, denn der Endgegner – das wahre Leben – scheint eine wesentlich größere Bedrohung. Ich erwarte daher mit Spannung, wie sich die fünf Hauptfiguren im Finale der Serie schlagen, und wessen Wünsche am Ende in Erfüllung gehen.

Zweite Meinung:

Die Serie neigt sich dem Ende entgegen, und noch immer ist alles mehr oder weniger offen. Während die Beziehung von Haruto und Hazuki eine ziemlich geraden Bahn entlangläuft, bewegen sich Ena, Eita und Natsume noch immer ziemlich ziellos durch die Gegend, treffen aufeinander und scheinen sich mehr abzustoßen als anzuziehen.  Hazuki hat eine mögliche Zweisamkeit mit Haruto rational durchdacht, Entfernungen und Anforderungen des neuen Lebens abgewogen und sich entschieden, kein Scheitern zu wagen, sondern den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, an dem eine feste Beziehung möglich wäre, sofern dann noch immer beide es wollen. Und sie spricht mit Haruto darüber, dieser ist also im Bilde. Das ist mit Natsume anders, sie entscheidet sich zwar ebenfalls für einen bestimmten Zeitpunkt, doch davon weiß Eita nichts, da sie alles für sich behält. Ena dagegen lebt im Hier und Jetzt und sagt Eita deutlich, was sie für ihn empfindet, da sind ihrerseits keine Missverständnisse möglich. Eita wiederum hängt zwischen seiner alten, eingestaubt wirkenden Liebe und einer neuen, frischen Empfindung fest; wofür er sich entscheiden wird, das wird erst die Zukunft klären. Spannend, wie unterschiedlich die Teenager mit ihren Gefühlen umgehen. Hier wird ein gutes Abbild der Realität geboten, ohne dass es zu sentimental wird. Jeder und jede tastet sich auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben voran und beschreitet ganz eigene Wege. Diese Darstellung macht für mich auf jeden Fall einen großen Teil des Reizes aus, den Just Because auf mich ausübt. Und dann sind da diese Sequenzen, in denen die Bilder deutlicher sprechen, als es die Protagonisten in ihren Gefühlsverwirrungen könnten. Ena, die so viele Schreine wie möglich abklappert. Haruto, der auf dem Fahrrad immer wieder von seinem Schatten überholt wird. Das Spielerische in Harutos Homerun und Hazukis Trompetenspiel. Das sind so intensive Momente, die in die Ewigkeit eingebrannt sein könnten, zauberhaft und wunderschön.

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nightfury

nightfury liebt Geschichte(n), gibt aber auch gerne seinen eigenen Senf dazu: er verkriecht sich für seine Doktorarbeit in staubige Archive und philosophiert viel zu lange über das Werk, das er konsumiert hat. Leider mag er auch Sprachen und ist ein Grammatik-Freak, weshalb kein Text vor seinem Pedantismus sicher ist. Wenn er mit seiner Besserwisserei dann endlich am Ende ist, hört er auch gern mal den Anderen zu oder spielt ihnen mit seiner Westerngitarre Lieder von Johnny Cash vor.

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