Danganronpa V3: Killing Harmony

Mit Danganronpa V3: Killing Harmony kehrt die Reihe zurück zu ihren Anfängen: 16 Schüler, gefangen in einer Schule. Wer entkommen will, muss einen Mord an einem seiner Mitstreiter begehen. Wird der Täter im darauffolgenden Class Trial nicht entlarvt, wird der Rest der Klasse umgebracht und nur der Täter kann fliehen. Wird seine wahre Identität jedoch aufgedeckt, wird nur er exekutiert und das Spiel beginnt von neuem – solange, bis nur noch zwei Schüler übrig sind. Monokuma, seines Zeichens Serienmaskottchen, überwacht das Spektakel. Doch diesmal stellt er nicht nur die 16 Schüler auf die Probe…

    

Das Wichtigste zuerst: Nachdem die Hope’s Peak Saga 2016 in Animeform ihr Ende fand, geht Danganronpa ein Jahr später endlich in die nächste Runde. Danganronpa V3: Killing Harmony wurde als Neustart beworben, welcher es Quereinsteigern ermöglichen sollte, in die Serie einzusteigen, ohne Vorwissen mitbringen zu müssen. Leider scheint dies ein arglistiger Marketinggag gewesen zu sein, denn ohne jenes Vorwissen machen Offenbarungen in der zweiten Hälfte des Spiels nur halb soviel Sinn. Und der Storyverlauf baut darauf auf, dass man zumindest die Geschehnisse aus dem ersten Teil kennt. Idealerweise hat man aber jeden Teil gespielt und gesehen, denn neben der Implementierung in die Haupthandlung, gibt es auch viele Easter Eggs zu finden, die einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Wer sich ein Bild von der Handlung der Vorgänger machen, oder einfach seine Erinnerungen an diese noch einmal auffrischen möchte, schaut sich am besten unser zweiteiliges Special zur Hope’s Peak Saga an.

Wer sich aber auf den neusten Teil einlässt, bekommt eine der wildesten Achterbahnfahrten des Jahres 2017 geboten. Vieles wirkt auf den ersten Blick familiär: 16 Schüler, welche jeweils die ultimativen ihres Fachs sind, eingesperrt auf dem Campus der Ultimativen Akademie für begabte Jugendliche, umgeben von einer riesigen Kuppel, aus welcher es kein Entkommen zu geben scheint. Neben dem Schulgebäude befinden sich auf dem abgesperrten Gelände noch Schlafräume, ein Kasino-Komplex und 16 Labore, jeweils extra zugeschnitten auf das Talent des jeweiligen Schülers. Doch auch wenn das Leben dort auf Dauer möglich ist, wird den Schülern ein Ziel gesetzt. Monokuma, ein mechanischer Bär, auf der einen Hälfte weiß, auf der anderen schwarz, mimt den Schuldirektor. Er trägt den Schülern auf, sich gegenseitig umzubringen. Um Motivation zu schaffen, kreiert er dafür Szenarios, die den Schülern etwa zeigen was in der Außenwelt vor sich geht und warum sie unbedingt aus der Gefangenschaft fliehen müssen. Die Gruppe hält allerdings zusammen, so scheint es, bis Monokuma ihnen ein Zeitlimit für den ersten Mord aufgibt. Es kommt, wie es kommen muss und das Killing Game ist in vollem Gange.

Live. Die. Repeat.

Originaltitel New Danganronpa V3: Minna no Koroshiai Shin Gakki
Jahr 2017
Plattform PlayStation 4, PlayStation Vita, PC
Entwickler Spike Chunsoft
Publisher NIS America
Genre Visual Novel
Spieler 1
USK

Danganronpa V3: Killing Harmony ist im Kern eine Visual Novel. Auch wenn man den Campus relativ frei begehen kann, findet der Kern des Spiels in Dialogen statt. In der Ego-Perspektive läuft man über das Schulgeländ, findet dort die 16 Schüler verteilt und kann mit ihnen interagieren. Die Protagonistin ist diesmal Kaede Akamatsu, die ultimative Pianistin. Anders als bisherige Danganronpa-Hauptfiguren ist sie aufgeschlossen und versucht die Gruppe mit ihrer positiven Art zusammenzuhalten. Die Dialoge laufen dabei linear ab, die Möglichkeit alternative Routen freizuschalten, gibt es nicht wirklich. Jedoch kann man eine Hand voll zusätzlicher Sequenzen freischalten, sollte man zur richtigen Zeit ein bestimmtes Item aus der Slotmaschine bei sich tragen. Wiederspielwert entsteht so weniger, was bei einer Grundspielzeit von rund 45 bis 50 Stunden allerdings verschmerzbar ist. Spricht man mit einer Story relevanten Figur, wird das nächste Ereignis ausgelöst und hat man die Geschichte weit genug vorangetrieben, findet ein Mord statt. In der nun folgenden investigativen Phase, gilt es, den Mordschauplatz und mögliche weitere Ortschaften, die Aufschluss über das Verbrechen geben könnten, nach Hinweisen abzusuchen. Auch hier ist Danganronpa wieder strikt linear; darf man einen Ort erst verlassen, nachdem man alle Hinweise gefunden, und alle anwesenden Schüler ausgefragt hat.

Sobald man alle wichtigen Ortschaften abgegrast hat, findet das Class Trial statt. In einem runden Gerichtssaal stehen sich die Schüler gegenüber und müssen nun, mit den gefundenen Hinweisen, herausfinden, wer der Täter ist und wie er den Mord begangen hat. Eine der wichtigen Thematiken des Spiels ist die Lüge. Diese ist nicht nur in die Handlung gestrickt, sondern kann in den Diskussionen auch aus der einen oder anderen brenzligen Situation führen. Innerhalb dieser gilt es nämlich, die Argumente und Vorschläge der Mitschüler mit den Hinweisen auszuhebeln. Manchmal muss man jedoch lügen, um die Wahrheit ans Licht zu tragen und so kann man Hinweise verdrehen und verfälschen, sodass man den Austausch in eine andere Richtung zwingt. Hier gibt sich das Spiel auch etwas offener, denn in jeder der sechs Hauptverhandlungen gibt es zwei bis drei alternative Dialogrouten, die man mit einer gut platzierten Lüge aktivieren kann. Jedes Kapitel läuft dabei aufs Gleiche hinaus, jedoch ist es gut, hier ein wenig Wiederspielwert zu schaffen und herauszufinden, wo man statt einem Fakt auch eine Lüge platzieren hätte können. Innerhalb der Diskussionen lockern Minispiele die Verhandlung auf. Vom wiederkehrenden “Hangman’s Gambit”, in dem es wie beim Galgenmännchen gilt, ein gesuchtes Wort aufzudecken, hin zu komplett neuen Minispielen, wie etwa dem “Mind Mine”, welches sehr an Minesweeper erinnert. Hat man den Fall gelöst, rekapituliert man diesen noch einmal in Mangaform und bekommt dann die Exekution zu begutachten, wonach der Kreislauf wieder von vorne beginnt.

Der Wahrheit auf der Spur

Danganronpa V3: Killing Harmony spielt mit den Erwartungen der Spieler. Viele Elemente, die auf den ersten Blick bekannt scheinen, werden so gedreht, dass man mit dem Ausgang nicht rechnen kann. Hat man Kenntnisse über die Vorgänger, wird einem erst recht der Kopf verdreht. So stellt sich etwa direkt im ersten Mordfall heraus, dass Kaede, die Spielfigur, für den ersten Mord verantwortlich ist. Wird sie die meiste Zeit über von Shuichi Saihara begleitet, dem ultimativen Detektiv, findet sie sich gelegentlich in Situationen, in denen sie außerhalb des Einflusses des Spielers das Geschehen manipuliert. Wenn dann im Class Trial die Perspektive plötzlich von ihr auf Shuichi wechselt und klar wird, dass man die Figur, mit welcher man die letzten zehn Stunden verbracht hat, auswählen und zur Exekution freigeben muss, weiß man, dass die Entwickler diesmal vieles auf den Kopf stellen werden, was man bisher von der Serie gewohnt ist. Von da an übernimmt man die Rolle von Shuichi und muss in seiner Haut ums Überleben kämpfen.  Auch Monokuma hat wieder Verstärkung bekommen, in Form der Monokubs. Die fünf kleinen Bärchen sind noch etwas vulgärer als Monokuma und lockern die fiesen Momente immer mit einem guten Lacher auf, über den man sich im Nachhinein schämt. Nach jedem Mord erhalten die Schüler von den Monokubs ein “Flashback Light”. Diese wecken nach und nach verdrängte Erinnerungen, die sich langsam zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Und hier wird auch erstmals die Verknüpfung mit den Vorgängern klar. Es scheint, als würde Danganronpa V3: Killing Harmony nach den Ereignissen des Animes spielen und darauf aufbauen. Was geschah mit der Welt nach Danganronpa 3? Warum wurden ausgerechnet diese 16 Schüler ausgewählt, an dem Killing Game teilzunehmen und was hat es mit der Kuppel auf sich? Und als wäre dies noch nicht genug, stellt das Finale nochmal alles Bisherige auf den Kopf und spielt ein letztes Mal mit den Erwartungen.  Natürlich gibt es einen Twist und dieser wird nicht unbedingt jedem gefallen. Auch ist es dieser finale Twist, der verlangt, dass man die Vorgänger zumindest in gewissem Maße kennt. Denn wenn Namen wie Makoto Naegi oder Hope’s Peak Academy fallen, weiß man sofort, das es sich hier nicht um den Neuanfang handelt, als welcher das Spiel beworben wurde, sondern um eine direkte Fortsetzung auf die Handlung der Vorgänger. Habt ihr euch nicht auch schon einmal gefragt, wofür das V3 steht? Wenn die Puzzleteile im letzten Fall zusammenkommen und ihr endgültiges Bild preisgeben, werden alle Geschehnisse der Vorgänger auf die Probe gestellt. Doch mehr mag ich hier nicht verraten.

Die volle Ladung

Auf der audiovisuellen Ebene ist Danganronpa V3: Killing Harmony ein voller Erfolg. Anstatt von der PlayStation Portable hoch portiert zu werden, ist die schwächste Version in diesem Fall die für die PlaySation Vita. Diese kann sich, bis auf einige fehlende Unschärfeeffekte, neben den beiden großen Versionen für PlayStation 4 und PC durchaus sehen lassen. Allerdings sollte man auf der Vita definitiv den Audiopatch laden, da man ansonsten auch bei der Tonqualität Abstriche machen muss. Die 3D-Umgebungen, durch die man sich in Ego-Perspektive bewegt, sind abwechslungsreich und farbenfroh gestaltet. Die einzelnen Räume, die man betritt, sind dagegen wie Schaukästen gehalten, in die man von einer Seite rein blickt und alle einzelnen Objekte 2D-Aufsteller sind. Dies gilt übrigens auch für die anderen Schüler, welche wie Pappaufsteller in der Gegend herumstehen und sich in bester DOOM-Manier mit dem Spieler mitdrehen. Dem Spiel liegen sowohl eine englische, als auch eine japanische Vertonung bei, beide sind voll mit bekannten Sprechern. Vor allem Animefans kommen mit der japanischen Sprachausgabe voll auf ihre Kosten. Auch der Soundtrack von Masafumi Takada (No More Heroes) weiß zu überzeugen. Bekannte Stücke finden sich in abgewandelter Form wieder und die neuen Kompositionen gehen gut aufs Ohr. Zu jeder Zeit findet die Musik den richtigen Ton zur jeweiligen Stimmung, der starke Jazz-Einschlag gibt dem Soundtrack die gewisse Eigenständigkeit. Hier bekommt man vielleicht kein großes Orchester geboten, durch die untypische Instrumentenwahl bleibt der Soundtrack aber den Vorgängern treu und Fans werden sich hier sofort heimisch fühlen. Auch gibt es diesmal mehr zu tun denn je. Nachdem man das Spiel durchgespielt hat, steht einem der aus den Vorgängern bekannte Modus offen, in welchem man die Freundschaften mit den anderen Schülern ohne große Unterbrechungen aufs Maximum bringen kann. Daneben gibt es noch ein Brettspiel und einen Dungeon Crawler, in welchem man neben den 16 neuen Figuren auch die Charaktere aus den Vorgängern auswählen kann. Wer dann noch nicht genug hat, verbringt seine Zeit im Kasino um die Itemliste zu vervollständigen und heiße Nachtaktivitäten freizuschalten. Daneben will auch die Galerie wieder offengelegt werden, für Spieler, die wirklich alles sehen wollen, wird hier also eine Menge geboten. Darüber hinaus wird das Spiel auch in einer Limited Edition verkauft, deren Inhalt sich sich durchaus sehen lassen kann. Wer gerne erfahren möchte, was für Boni der Limited Edition beilagen, sollte sich unser Unboxing nicht entgehen lassen.

Als ich gelesen habe, dass der große Twist die Fangemeinde entzwei schneiden wird, war ich etwas vorsichtig und habe versucht, allen möglichen Spoilern aus dem Weg zu gehen. Da der Titel mein Hoffnungsträger des Jahres war, wollte ich so wenig über das Spiel wissen, wie es nur geht. Und es hat sich ausgezahlt. Danganronpa V3: Killing Harmony ist mein Spielhighlight des Jahres. Als riesiger Fan des ersten Teils haben mir die Anspielungen und das Setting sehr gefallen, als dann die Verbindungen zu diesem sich verdichteten und gewisse Namen und Events Erwähnung finden, habe ich laut gejubelt. Und dann ist da ja noch der Twist selbst. In seiner Art und Weise fast schon eine dreiste Kopie von Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty, nur etwas offensichtlicher und etwas mehr “hau drauf”, so wie es eben die Danganronpa Art ist und dem Spieler gegenüber etwas zynischer daherkommt. Mich hat der Twist echt aus den Socken gehauen und die Ideen der Entwickler, diesen auch im Gameplay widerzuspiegeln, sind ein gelungener Schachzug. Die Figuren gefallen mir besser als im zweiten Teil, jedoch bleibt der erste für mich unerreicht. Das liegt neben der Simplizität der Handlung aber auch daran, dass Danganronpa V3: Killing Harmony mit seinen knapp 45 Stunden Spielzeit schlicht sehr lang ist und mir eine Vielzahl der Minispiele einfach nur auf den Keks gegangen sind. Doch das sind im Gesamtbild nur kleine Makel, denn alles, was mir das Spiel sonst geboten hat, ist eine der aufregendsten Achterbahnfahrten der Gefühle, die ich in Videospielen je erlebt habe.

Zweite Meinung:

Dieses verfluchte Spiel hat mich gebrochen. Mehrmals. Und noch immer kann ich es noch nicht verzeihen, wie es mit meinen Gefühlen gespielt hat. Schon allein der ersten Abschnitt hat es geschafft, ein mentales Wrack aus mir zu machen. Ich stand sogar mit mir in Konflikt, weil ich danach kurzzeitig nicht sicher war, ob ich weiterspielen sollte. Doch die Spannung obsiegt der Verzweiflung, denn zumindest in der Hinsicht besteht kein Zweifel: Auch der dritte Teil hat es mal wieder geschafft, mich mit seiner spannungsgeladenen Geschichte vollkommen einzunehmen und für schlaflose Nächte zu sorgen – nicht aber, ohne wie immer zunächst mit seiner Ausgangssituation ordentlich zu verwirren. Generell werden Veteranen der abgedrehten Highschool-Murder-Mystery des Öfteren merken, wie dank des einen oder anderen Déjà-Vu-Erlebnisses mit ihren Erfahrungen mit den vorigen Teilen gespielt wird. Glaubt man erst einmal, die Fassade oder das Schema durchschaut zu haben, offenbart Killing Harmony kompromisslos, wie falsch man liegt und nimmt dabei auch wie immer keine Rücksicht auf liebgewonnene Charaktere. Besonders mies im Falle eines Mörders, mit dem ihr entweder aus persönlichen oder moralischen Gründen sympathisiert. Diesmal muss man nämlich den finalen Vote für die Exekution nach dem Class Trials eigenhändig abgeben. Mehr als einmal ist es mir schmerzlich schwer gefallen, gebrandmarkte Kameraden zur Rechenschaft zu ziehen. Neben dem moralischen Dilemma stehen die Protagonisten in Danganronpa V3 mehr noch als in den vorigen Teilen im Zwiespalt bei der Entscheidung zwischen dem Vertrauen zu ihren Freunden und der Wahrheit. Noch nie haben sich die Konsequenzen auf beiden Seiten so schwer angefühlt – eine Thematik, die auch in dem neu hinzugekommenen “Scrum Debates” nicht selten zum Tragen kommt. Und nach jedem weiteren Verlust innerhalb der eigenen Gruppe fragt man sich: Ist das so abgelaufen, wie es sein sollte? Und wie wird das alles nur enden?
Die große Offenbarung bezüglich der Identität des mordlustigen Teddybären und die Wahrheit hinter dem jetzigen Killing Game weiß wieder zu überraschen, kann in der Tat aber auch polarisieren. Es mutet so verrückt an, dass man selbst als eingefleischter Fan fast schon damit überrumpelt wird. Und doch muss man das Ende auf sich wirken lassen, denn so absurd und abgedreht es erscheinen mag: irgendwie passt es zu Danganronpa und alles, wofür es noch steht, dann doch einfach zu gut.

 

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Makoto

Irgendwie schlägt sich Makoto durchs Leben, arbeitet aber nie in dem Beruf, den er gelernt hat. Doch findet er daneben immer die Zeit für seine große Leidenschaft: Videospiele. Gute Figuren und spannende Geschichten schätzt er sehr, aber oft reicht es ihm schon aus wenn es was zu lachen gibt oder es ordentlich kracht. Für Filme, Manga und Anime räumt er sich gelegentlich auch Zeit ein. Selbsterklärter Slice-of-Life Spezialist.

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Laxis
Redakteur

Ich hab das Spiel vorgestern endlich um 6 in der Früh fertig gehabt (das kommt davon, wenn man glaubt, dass es gleich zu Ende ist und dann stundenlange Endmonologe hingeklatscht bekommt). Das Ende polarisiert ja die Fangemeinde scheinbar extrem und das zu gutem Grund, denn auch ich mochte es wirklich nicht und es hat meine Spielerfahrung doch zum Ende hin noch sehr getrübt. Aber abgesehen von dem Twist, den man mögen kann oder nicht, finde ich auch, dass sich das Ende viel zu sehr gezogen hat und ein bisschen hamfisted war. Bin da teils schon ziemlich ungeduldig gesessen à la “Ja, wir haben es verstanden, können wir bitte von dem endlosen Monolog weggehen und weitermachen?”
Ansonsten war das Spiel größtenteils wirklich ziemlich cool. Gameplaymäßig und was die Minispiele in den Trials angeht, merkt man, dass sich definitiv Mühe gegeben wurde, alles nochmal möglichst zu verbessern.
Leider ist V3 der Teil, in dem fast alle meine Lieblingscharaktere früh sterben, zwei davon sogar im ersten Kapitel. Und: Man ist ja den verrückten Stil gewohnt, aber diesmal war es mir teilweise doch ein bisschen zuviel, was da abging an perversen Sprüchen und Co. Was ich persönlich auch ziemlich mies finde ist, dass ja scheinbar viel damit geworben wurde, man könne diesmal als Quereinsteiger das Spiel anfangen und braucht keine Vorkenntnisse zu den vorigen Teilen. Das ist einfach eine Lüge und wie auch schon der Artikel sagt, sollte man die Hope’s Peak Saga verfolgt haben, denn nicht nur gibt es viele references, man wird auch komplett gespoilert über die Vorgänger (zumindest 1+2).

Spoiler

Ich fand Kaede als Hauptcharakter wirklich klasse und kann verstehen, dass ihr viele nachtrauern, sie war auch eine meiner Faves. Ich finde hier herrscht ein bisschen das Syndrom wie auch ganz am Ende: Man möchte möglichst arge Twists, aber ich frage mich da: Ist es das wirklich wert? Klar, es war ein Supertwist, dass die Protagonistin der Mörder ist (nebenbei bemerkt ist der 1. Fall auch schon sehr toll! Ein Anfang auf hohem Niveau), aber ich glaube, Kaede war für mich einfach die coolste Protagonistin bisher, während die Meinungen über Shuichi ja sehr gespalten zu sein scheinen. Genauso macht das Ende, so ungewöhnlich auch hier der Twist ist, ja eigentlich die vorigen Teile obsolet, wenn man sich entscheidet, das als Wahrheit anzusehen – was aber aufgrund Keebos Rolle als “audience surrogate” leider eher wahrscheinlich erscheint für mich…? Lieber würde ich glauben, dass es eine Lüge war, aber naja. Ich hab das Gefühl, sie haben da als Notbremse noch den Epilog mit den überlebenden Charas eingebaut, damit der Spieler eben entscheiden kann “oh okay, vielleicht sind sie doch keine Fiktion”, sonst hätte es vermutlich einen noch heftigeren Backlash gegeben. Generell erscheint mir das Ende sehr selbstverliebt, was die Spieleentwickler angeht. Angeblich sollen die Zuschauer in-game ja nicht uns Spieler in der Realität darstellen, aber ich kann schon verstehen, warum das für viele so rüberkommt und es sie aufregt. Es hat halt etwas predigendes, von oben herab wirkendes “Waaas, ihr mögt solche brutalen Spiele? Dann seid ihr schuld an dem Leiden der Charaktere!”

Bei Rantaro war ich auch enttäuscht, dass er als erstes stirbt, obwohl man es sich eigentlich fast denken kann, weil der mysteriöse Typ, der schon mehr zu wissen scheint, ca. genausoviele death flags hisst wie Kaito mit seinen Dialogen und natürlich dem Blutspucken. XD Ich hab auch schon so kommen sehen, dass Tsumugi der Mastermind ist, weil sie einfach der einzige Charakter war später, der noch kaum Relevanz / eine Rolle hatte in der Story (bei Maki, Kaito und Keebo hätte es mich sehr geschockt, wenn das als Wende gekommen wäre (wobei bei Keebo hätte man es sich noch vorstellen können, aber er war einfach mein wholesome fave robot boy T_T), Kokichi wäre zu offensichtlich gewesen… und bei Himiko wäre das auch ziemlich lame gewesen, man hat ihr einfach gewünscht, dass sie überlebt und ihre Charakterentwicklung durchmachen darf nach dem Tod von Angie und Tenko (im Gegensatz zu Taka in 1 :P).

Bei den Fällen fand ich 2 relativ lame, das war glaube ich auch der einzige Fall, wo ich vor dem Anfang des trials schon alles wusste (den Tathergang usw) außer den Täter (der dann aber auch nicht überraschend war, da ja auch nicht soviele in Frage kommen, die überhaupt klug/fähig genug sind, den Mord so auszuführen… fand’s aber schade, weil ich sie eigentlich – wieder mal, genau wie Ryoma – sehr gerne mochte). 4 war eigentlich auch keine große Offenbarung außer dass es Gonta war, das hat mich echt sehr getroffen. 🙁 War ziemlich traurig darüber und über die armen letzten zwei Monokubs. D: Aber bei Gontas Fall hat es mich auch geärgert, dass die Charaktere – gerade Shuichi als ultimate detective – sich in-game teilweise sehr dumm und fahrlässig verhalten und einfach nie auf Kokichi aufpassen oder, nachdem es ja sogar mehrmals erwähnt wurde wie dauernd Materialien für die Morde aus dem warehouse genomemn werden und sie den vielleicht bewachen lassen sollten, das aber auch nie umsetzen. XD Ich hätte auch prinzipiell Kokichi nicht als letzten ausloggen lassen, ist ja ein Wunder, dass nicht da noch was passiert ist.

Alles in allem hat mich V3 wieder genauso gefesselt wie die Vorgänger und ich hoffe, ich hab jetzt noch eine Zeit lang Spaß an den Zusatzspielen, die ja diesmal noch umfangreicher zu sein scheinen. Aber im Gegensatz zu den Vorgängern haben mich ein paar Dinge derbe gestört – weswegen auch 2 mein Favorit bleiben wird, allein schon was die Charaktere angeht – , das Ende hinterlässt für mich auch einen bitteren Beigeschmack. Ich würde momentan einem neuen Teil viel skeptischer entgegen sehen und mit weniger Vorfreude als es bei 3 der Fall war… vielleicht wäre es wirklich besser, sie lassen jetzt die Hope’s Peak Saga ruhen oder meinetwegen könnten sie einen 4. Teil machen, in dem die Geschehnisse des 3. Teils obsolet gemacht werden oder sich als unzusammenhängend entpuppen. ;P